“Europacup in diesem Jahr”: Seit Ende September tourt die Eintracht in der Europa League wieder über den Kontinent – und zeigt, wie ein internationales Team auf höchstem Niveau erfolgreich sein kann. Ein perfektes Vorbild für die Arbeitswelt.
Eintracht Frankfurt international: Bereits zum vierten Mal in Folge geht die SGE in dieser Saison auf Europa-Tour. Der sechste Tabellenplatz der abgelaufenen Bundesliga-Saison berechtigt die Hessen zum Start in der Europa League. Einer anderen Statistik zur Folge hätte sich die Eintracht sogar ohne Probleme für die Champions League qualifiziert. Ginge es nicht nach Punkten, sondern nach dem Anteil ausländischer Profis im Aufgebot, stünde Frankfurt auf Platz drei der Bundesliga-Tabelle. Laut transfermarkt.de haben fast sieben von zehn Adlerträgern (69 %) keinen deutschen Pass. Nur beim Meister Leverkusen (81 %) und dem Spitzenteam aus Leipzig (75 %) ist der Ausländeranteil im Kader größer.
Damit sind die Profis der Eintracht ein Beispiel dafür, wie international zusammengestellte Teams erfolgreich zusammenarbeiten. Ein Aspekt, der nicht nur im Profifußball, sondern auch in der Arbeitswelt immer wichtiger wird. In Zeiten der Globalisierung arbeiten große, aber auch kleine und mittlere Unternehmen immer vernetzter – und das über Ländergrenzen hinweg. Gleichwohl sind der Fachkräftemangel und die steigende Zuwanderung Faktoren, die den Anteil ausländischer Arbeitskräfte in deutschen Betrieben erhöhen. Was sind die Erfolgsrezepte für eine länderübergreifende Zusammenarbeit? Und was kann die Wirtschaft von den Fußballprofis lernen? Fünf Tipps, wie die Arbeit in multikulturellen Teams gelingt.
1 – Die passende Mannschaftsaufstellung wählen
Wer glaubt, dass Menschen, die im selben Unternehmen an denselben Projekten arbeiten und dieselben Ziele verfolgen, ähnlich ticken, der irrt. Menschen sind verschieden. Das sollten Führungskräfte bei der Zusammenstellung ihrer Teams beachten. Während Deutsche etwa dazu neigen, sich im Job strikt auf die Arbeit zu konzentrieren, sieht das im Nachbarland Frankreich oft schon anders aus. Dort spielen persönliche Beziehungen eine wichtige Rolle. Angestellte plauschen während der Arbeit. Ein Joshua Kimmich hat beispielsweise wohl einen anderen Arbeitsethos als ein Randal Kolo Muani. Auf der anderen Seite tragen solche Unterschiede auch zu besseren Arbeitsergebnissen bei. So birgt ein anderer Blickwinkel auf eine Aufgabe oder Entscheidung immer auch das Potenzial, sie besser meistern zu können.
2 – Klare Absprachen treffen
Wo unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen, treffen auch unterschiedliche Arbeitswelten aufeinander. Deshalb ist es wichtig, sich auf bestimmte Voraussetzungen zu einigen. Beim Fußball etwa gibt der Trainer die Marschroute vor; seine Führungsspieler auf dem Platz sorgen dafür, dass die Mannschaft ihr folgt. Für den Job könnte das bedeuten – ganz simpel: Welche Sprache wird gesprochen, wenn Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander kommunizieren? Welche Zeitzone gilt für Terminabsprachen? In welcher Währung werden Angebote erstellt oder verhandelt? Wann wird das Gehalt gezahlt? Hier sollten Führungskräfte eine klare Linie vorgeben, an die sich alle Mitglieder zu halten haben.
3 – Teamgeist braucht Zeit und Vertrauen
Für die Arbeit in internationalen Teams gilt: Erst mal sicher stehen, nichts überstürzen. Es ist daher wichtig, sich gerade für die Startphase genügend Zeit zu nehmen. Die Teammitglieder müssen sich kennenlernen, am besten persönlich. Ein beliebtes Ritual im Fußball ist zum Beispiel das Ständchen, das Neuankömmlinge bei ihrer Ankunft vor der versammelten Mannschaft vortragen müssen. Außerdem gilt es, gemeinsame Ziele zu besprechen und einen einheitlichen Wertekompass zu entwickeln. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist Vertrauen. Das ist gerade dann besonders wichtig, wenn Teams über eine große Distanz zusammenarbeiten. Vertrauen aufzubauen, erfordert ebenfalls Zeit. Führungskräfte sind gut beraten, sich und ihren Teams genügend Zeit einzuräumen. Es wird sich lohnen.
4 – Nicht so sehr auf Zeit spielen
Zeit ist ein Faktor. In vielerlei Hinsicht. Die deutsche Pünktlichkeit ist ein bekanntes Klischee – und wie bei vielen Klischees steckt auch hier ein Funken Wahrheit drin. Studien bestätigen das sogar. Aber Pünktlichkeit ist den Menschen nicht überall auf der Welt gleichermaßen wichtig. So hat in der Bundesliga bereits der eine oder andere Brasilianer seinen Heimaturlaub über Weihnachten einfach um ein paar Tage verlängert oder ist zu spät zum Training erschienen. Dies sollte im Team nicht zum Problem werden. Eine Möglichkeit ist, die eigene Pünktlichkeit beizubehalten, sich jedoch in Geduld zu üben, wenn Teamkolleg*innen ein etwas anderes Zeitverständnis mitbringen. Wie wäre es beispielsweise damit, Termine schlicht großzügiger zu planen und sich darauf einzustellen, dass Meetings auch mal länger dauern können?!
5 – Auch mal ins Risiko gehen
Im internationalen Fußball ist die hoch stehende Abwehrreihe mittlerweile ein vertrautes Bild. Sie steht synonym für einen risikofreudigen Spielansatz. Der FC Barcelona ist ein Beispiel dafür. Wenn es darum geht, Risiken einzugehen, halten sich Beschäftigte aus Deutschland jedoch eher zurück. Die Reaktionen rund um das Aufkommen von KI-Tools sind ein gutes Beispiel dafür. In Skandinavien ist es dagegen sehr etabliert, Ideen auszuprobieren und Innovationen voranzutreiben – selbst wenn sie riskant sind. Auch hier können Unternehmen das Potenzial mehrerer Kulturen nutzen. So ergibt die skandinavische Risikobereitschaft gemischt mit der deutschen Zurückhaltung vielleicht genau den richtigen Mix aus Mut und dem notwendigen Sicherheitsbestreben. Beste Voraussetzungen für erfolgreiche Projekte.