Bewerbung

Ein gelungenes Motivationsschreiben ist die halbe Miete

Normalerweise verbringt ein Personalverantwortlicher etwa sechs Sekunden damit, die Dokumente eines Kandidaten inhaltlich zu scannen. Fällt Ihre Bewerbung während dieses Zeitraumes nicht auf, wandert sie direkt in den Papierkorb. Ein aussagekräftiges Motivationsschreiben erhöht Ihre Chancen erheblich, diesen Schnelltest zu bestehen.

Lassen Sie uns in diesem Artikel gemeinsam einen Blick auf Beispiele für ein Motivationsschreiben werfen und herausfinden, wie Sie ein beeindruckendes Motivationsschreiben verfassen.

Was ist ein Motivationsschreiben?

Ein Motivationsschreiben ist ein Dokument, das Ihre Bewerbung unterstützt und den Personalverantwortlichen davon überzeugt, dass Sie der ideale Kandidat für eine bestimmte Stelle sind. Es gibt einem potenziellen Arbeitgeber einen Einblick in Ihre Persönlichkeit, Ihre Fähigkeiten und Motive.

Einrichtungen fragen ein Motivationsschreiben oftmals dann an, wenn Sie sich für bezahlte oder unbezahlten Praktika bewerben oder nach Freiwilligenarbeit, Stipendien oder Studienprogrammen suchen. Im Gegensatz zu einem Anschreiben, welches den Lebenslauf flankiert, geht es hier weniger um Erfahrung und Qualifikationen, sondern mehr um Ihren Hintergrund, Ihre Leistungen und Gründe für eine Bewerbung. Aber das Ziel ist dasselbe: Aufmerksamkeit erregen und eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch erhalten.

Es ist vor allem dann notwendig, ein Motivationsschreiben zu verfassen, wenn sich eine Stelle lohnt und die Konkurrenz hoch ist. Laut unterschiedlichen Personalstatistiken werden 45 % der Bewerbungen aufgrund fehlender Anschreiben abgelehnt. Wenn Sie also wirklich anstreben, für ein Programm oder ein Praktikum angenommen zu werden, ist ein gutes Motivationsschreiben der Gamechanger.

Folgen Sie diesem Leitfaden, um die Entscheidungsträger davon zu überzeugen, dass Sie der Richtige sind.

Wie schreiben Sie ein Motivationsschreiben?

Es gibt kein Patentrezept, um ein perfektes Motivationsschreiben mit einer 100%igen Erfolgsgarantie zu erstellen. Verfassen Sie jedoch für jede Bewerbung ein individuelles Schreiben, das auf eine bestimmte Organisation und Position zugeschnitten ist. Um ein Motivationsschreiben aufzusetzen, empfehlen wir Ihnen diese fünf Schritte, auf die wir im Folgenden näher eingehen:

  1. Detaillierte Recherche
  2. Aufbau und Inhalt strukturieren
  3. Inhalt mit der STAR-Methode zu einem Ganzen verbinden
  4. Struktur festigen
  5. Korrektur und Feinschliff

Selbstverständlich können Sie auf eine vorhandene Motivationsschreiben-Vorlage zurückgreifen. Allerdings empfehlen wir Ihnen zunächst, ein detaillierte Recherche durchzuführen.

Institution kennenlernen durch Recherche

Bevor Sie also Ihr Programm zur Textverarbeitung öffnen, verbringen Sie einige Zeit damit, nach den folgenden Informationen zu suchen:

  • An welche Person richtet sich das Motivationsschreiben? Natürlich ist es möglich, auf eine Floskel wie „Sehr geehrte Damen und Herren“ zurückzugreifen. Versuchen Sie jedoch, die Zielgruppe genauer anzusprechen. So kann eine Bewerbung für ein akademisches Programm mit „Sehr geehrte Zulassungskommission“ beginnen. Ist ein konkreter Ansprechpartner bekannt, achten Sie auf die korrekte Schreibweise des Namens.
  • Die Anforderungen. Studieren Sie die Aufgabenbeschreibungen und die Anforderungen – sie wurden nicht ohne Grund formuliert. Gehen Sie auf die entsprechenden Punkte ein und zeigen Sie, dass Sie diese genauestens gelesen haben.
  • Die Philosophie. Besuchen Sie die Website der Organisation, um ihre Werte kennenzulernen. Sofern Ihr Werdegang veranschaulicht, dass Sie diese Werte teilen, nehmen Sie diese Information in Ihren Brief auf.
  • Insiderinformationen. Sie können auch Personen, welche im Unternehmen tätig sind, oder Absolventen Ihres gewünschten akademischen Programms oder frühere Empfänger des gewünschten Stipendiums ansprechen. Diese vermitteln Ihnen sicherlich einige interessante Einblicke.
  • Ihre Motivation. Denken Sie über Ihre spezifischen Gründe für Ihre Auswahl nach und was diese für Sie bedeutet.

Aufbau und Inhalt eines Motivationsschreibens

Jeder, der schon einmal eine Bewerbung abgeschickt hat, kennt dieses Gefühl. Die Frist nähert sich, aber Sie sitzen vor einer leeren Seite und wissen nicht, wo Sie anfangen sollen. Oder: Sie suchen verzweifelt nach einer Vorlage für ein Motivationsschreiben, die Ihrer Situation ähnlich ist. Das Problem dabei: Jede Situation ist anders.

Anstatt sich mit einer einschlagenden Eröffnungszeile zu befassen, beginnen Sie mit einer Skizze. Listen Sie in einem Brainstorming diejenigen Punkte auf, warum Sie für diese Position besonders gut geeignet sind. Die Formulierung an sich spielt keine Rolle, wichtig in diesem Zusammenhang sind die Ideen.

Beantworten Sie auf dieser Stufe Fragen wie:

  • Warum sind Sie für das Programm der Richtige?
  • Was finden Sie bei der jeweiligen Stelle so spannend?
  • Welche relevanten Erfahrungen oder Fähigkeiten besitzen Sie?
  • Was werden Sie in das Unternehmen einbringen, das einzigartig ist?
  • Was bedeutet es für Sie, wenn Sie ausgewählt werden?

Halten Sie sich dafür die Bewerbungsaufforderung und Ihren Lebenslauf vor Augen. Geben Sie nur Aktivitäten und Leistungen an, die von Bedeutung sind.

Verbinden der Punkte zu einem Ganzen

Eine einfache Auflistung Ihrer Qualitäten beeindruckt die Entscheidungsträger kaum. Ihre Punkte müssen vielmehr in einen sinnvollen Fließtext gegossen werden. Fügen Sie spezifische Beispiele und überzeugende Fakten hinzu, die Ihre Aussagen unterstützen.

Wenn beispielsweise eine Person mit Führungsqualitäten gesucht wird, formulieren Sie aus, wie Sie es geschafft haben, eine Wohltätigkeitsveranstaltung zu organisieren oder zum Sprecher Ihrer Klasse gewählt zu werden. Verbinden Sie die Anforderungen mit Ihrer einschlägigen Erfahrung und Ihren immateriellen Verdiensten.

Verwenden Sie die STAR-Methode: Beschreiben Sie die Situation und Aufgabe, Ihre Aktion und das Ergebnis. In diesem Format erzielen Ihre Geschichten eine Wirkung. Bleiben Sie immer prägnant und aufrichtig. Auswahlkomitees und Personalchefs sind darin erfahren, erfundene Geschichten zu durchschauen.

Fertigstellen der Struktur

Jetzt schreiben Sie eine Einleitung und Schlussfolgerung. Geben Sie dafür im ersten Abschnitt an, wer Sie sind und warum Sie sich für die Stelle interessieren. Fesseln Sie die Aufmerksamkeit des Empfängers mit einer persönlichen Note.

Die Schlussfolgerung fasst in der Regel Ihr Ziel zusammen. Sie beantwortet die Frage, warum Sie sich perfekt für das Programm oder die Stelle eignen. Nutzen Sie diese letzten Zeilen, um dem Leser zu danken und ihn zu ermutigen, sich mit Ihnen in Verbindung zu setzen.

Werfen Sie nun einen Blick auf den gesamten Text und überlegen Sie, ob die Absätze an der richtigen Stelle stehen, damit der Lesefluss optimal ist. Liest sich die Struktur Ihres Motivationsschreibens gut, wenden Sie sich dem nächsten Schritt zu.

Korrekturlesen und der letzte Schliff

Lesen Sie den Brief, als ob Sie ihn zum ersten Mal sehen:

  • Wie fühlt er sich an?
  • Achten Sie auf Lesbarkeit.
  • Hinterfragen Sie, ob alle Wörter korrekt verwendet werden, ob die Sätze kurz genug, vollständig und in logischen Absätzen organisiert sind.
  • Prüfen Sie, ob jeder Absatz auf eine bestimmte Idee ausgerichtet ist. Es sollten niemals mehr als fünf oder sechs Sätze in einem Absatz vorkommen.

Bitten Sie einen Freund, Ihren Brief zu lesen. Eine vertrauenswürdige Person hilft Ihnen, unnötige Details, komplexe Begriffe und wortreiche Sätze zu entfernen. Ein Freund gibt Ihnen auch wertvolle Rückmeldungen über seinen Eindruck.

Sofern irgendwelche Formatierungsrichtlinien vorgegeben sind, stellen Sie sicher, dass Sie diese befolgen. Einige Organisationen sind ziemlich spezifisch, was die Länge und sogar die Schriftart der Briefe betrifft, die sie erhalten möchten. Die Norm liegt zwischen einer halben und einer ganzen Seite in einer einfachen 12-Punkt-Schriftart wie Times New Roman oder Arial.

Last but not least: Lesen Sie Ihre Dokumente 2-mal Korrektur; oder sogar besser 3-mal. Überprüfen Sie, ob Sie alle Namen richtig geschrieben haben und ob es Tipp- oder Interpunktionsfehler gibt. Wir empfehlen Ihnen, sich Zeit zu nehmen und das Schreiben nach einigen Tagen noch einmal zu lesen, wenn möglich.

Profi-Tipps, um mit Ihrem Motivationsschreiben aus der Menge herauszustechen

Damit Ihr Motivationsschreiben das besondere Etwas erhält und Beachtung findet, haben wir zwölf Tipps für Sie zusammengestellt:

  1. Verwenden Sie starke und einfache Sprache. Vermeiden Sie Redundanzen und aufbauschende Wörter. Dies ist ein Motivationsschreiben, kein Roman. Konzentrieren Sie sich auf das Ziel, sich als perfekten Kandidaten darzustellen.
  2. Ihr Motivationsschreiben sollte etwas Besonderes sein. Schreiben Sie für jede Bewerbung einen separaten Brief, damit dieser alle spezifischen Anforderungen widerspiegelt. Selbst wenn Sie sich für ähnliche Positionen bewerben: Passen Sie das Schreiben an, indem Sie zumindest den Namen der Organisation oder des Unternehmens hinzufügen.
  3. Geben Sie Ihre Kontaktinformationen an. Viele Unternehmen freuen sich, wenn Sie oben im Motivationsschreiben Kontaktinformationen wie Telefon und E-Mail angeben.
  4. Seien Sie ehrlich. Es ist besser, Ihre Fähigkeiten oder Erfahrungen nicht zu übertreiben. Betonen Sie Ihre Stärken und bleiben Sie positiv. Vermeiden Sie Klischees.
  5. Humor hinzufügen. Die Leute erinnern sich an Dinge, die sie zum Lachen bringen, also schadet eine lustige Analogie oder ein bisschen Leichtfertigkeit nicht. Stellen Sie nur sicher, dass es angemessen ist.
  6. Halten Sie es formell. Sie können einen Einblick in Ihre Persönlichkeit geben, aber denken Sie daran, dass dies ein formeller Brief ist.
  7. Sorgen Sie dafür, dass Sie noch etwas in petto haben. Um Neugierde zu wecken, verschießen Sie Ihr Pulver nicht vollständig. Berichten Sie nur von Ihren stolzesten Errungenschaften und geben Sie gerade genug preis, um Interesse zu wecken.
  8. Verwenden Sie Leerzeichen. Trennen Sie Absätze durch eine Leerzeile oder zumindest durch Abstände nach Absätzen. Dadurch wird der Brief viel lesbarer. Der Text sollte trotzdem nicht länger als eine Seite sein.
  9. Lesen Sie ihn noch einmal. Wenn Ihnen Ihr Brief nach einigen Tagen nicht gefällt, schreiben Sie einen besseren.
  10. Sorgen Sie für ein einheitliches Format. Ihr Lebenslauf und Ihr Anschreiben sollten das gleiche Format und Design haben.
  11. Überschreiben Sie das Dokument mit Ihrem Namen. Es mag offensichtlich klingen, aber viele Bewerber betiteln ihr Motivationsschreiben immer noch mit „Motivationsschreiben“. Benennen Sie Ihre Dateien in einem einheitlichen Format wie beispielsweise „Vorname Nachname – Zweck“ und speichern Sie sie als PDF-Dateien ab. Sie hängen diese entweder zusammen mit anderen Dokumenten an oder versenden sie als Teil einer E-Mail.
  12. Überarbeiten Sie Ihren Auftritt in den sozialen Netzwerken. Für viele Unternehmen sind Ihre LinkedIn- oder Facebook-Profile überzeugender als ein Motivationsschreiben. Wenn Sie dort etwas Fragwürdiges stehen haben, bereinigen Sie dies, bevor Sie die Bewerbung abschicken.

Nehmen Sie Ihr Motivationsschreiben ernst – es kann bei Ihrer Bewerbung eine entscheidende Rolle spielen. Selbst wenn ein Personalverantwortlicher oder ein Mitglied des Zulassungsausschusses es nur überfliegt, haben Sie die Chance, sich von anderen abzuheben. Nehmen Sie sich also die Zeit. Viel Erfolg!

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