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So machen Sie den Traum vom Fliegen zu Ihrem Beruf

Pilot*in sein – davon hat sicher schon jeder Mensch einmal geträumt. Um aber tatsächlich Pilot*in zu werden, bedarf es einer ganzen Menge Willenskraft und Durchhaltevermögen, denn die Ausbildung zum/zur Verkehrsflugzeugführer*in ist sehr anspruchsvoll. Darüber hinaus sind die Plätze an Flugschulen hart umkämpft. Daher ist es lohnenswert, sich einen guten Überblick über die verschiedenen Wege zum Traumjob Pilot*in zu verschaffen. Wenn Sie den Traum vom (beruflichen) Fliegen verwirklichen möchten, finden Sie hier einen Überblick über das Berufsbild und die verschiedenen Ausbildungswege, die Sie ins Cockpit bringen können.

So sieht Ihr Arbeitsalltag aus, wenn Sie Pilot*in werden

Fest steht: Pilot*in zu sein ist weder körperlich noch mental einfach. Der Job verspricht keine ausgeglichene Work-Life-Balance: Besonders Langstreckenflüge durch mehrere Zeitzonen sind körperlich belastend, Sie haben wenig Zeit zuhause und mit Ihrer Familie, und müssen bei der Arbeit immer Höchstleistungen erbringen. Es ist ein Lebensstil, den Sie mit ganzem Herzen lieben müssen, um langfristig mit dem Beruf als Pilot*in zufrieden zu sein. Dafür ist das Gehalt recht erfreulich: Das Einstiegsgehalt von Co-Pilot*innen liegt durchschnittlich bei ca. 60.000 € pro Jahr.

Die Arbeit von Pilot*innen beginnt bereits vor dem Abflug: Als Pilot*in sind Sie für die Erstellung des Flugplans, eine Einschätzung der Wetterlage sowie für den technischen Sicherheitscheck vor jedem Flug verantwortlich. Während des Flugs überwachen Sie die Navigations- und Kontrollsysteme, die Einhaltung der jeweiligen Flugbestimmungen und verantworten die laufende Funkkommunikation mit der Flugsicherung. Sollten die Kontrollsysteme einmal ausfallen oder nicht ausreichend funktionieren, übernehmen Sie die Steuerung der Maschine selbst. Nach der Landung erstellen Sie Flugberichte und übergeben schließlich die Maschine an die nächste Besatzung. Das Fliegen selbst stellt also nur ungefähr ein Drittel des Berufs dar.

Viele Wege führen ins Cockpit: Die verschiedenen Pilotenscheine

Die Piloten-Ausbildung kann über verschiedene Wege und Schulformen stattfinden: von der Ausbildung bei einer Airline, an einer privaten Flugschule bis hin zu einem dualen Studium. Dabei werden die Pilotenlizenzen, auch Flugscheine genannt, in verschiedene Etappen und Klassen aufgeteilt. Um Berufspilot*in zu werden, ist Ihr Ausbildungsziel die ATPL-Lizenz, die Ihnen die Erlaubnis zum beruflichen Fliegen großer Passagier- und Frachtflugzeuge einbringt.

Viele Flugschulen und vor allem Airlines bieten dafür das sogenannte „ab initio“-Modell an, bei dem Sie nach einem durchgehenden und zusammenhängenden Training nach ca. zwei Jahren direkt mit einer ATPL abschließen. Wenn Sie bereits eine niedrigere Lizenz besitzen, ist wahrscheinlich das modulare Modell für Sie besser geeignet, in dem Sie die jeweiligen Flugscheine stufenweise erwerben. Die Anerkennung all dieser Lizenzen erfolgt in Deutschland über das Luftfahrt-Bundesamt (LBA).

Die Merkmale der verschiedenen Piloten-Lizenzen

Die Staffelung der verschiedenen Lizenzen sieht wie folgt aus:

PPL: Private Pilot Licence/Privatpilotenlizenz

Die Ausbildung beginnt mit dem Erwerb einer Privatpilotenlizenz, kurz PPL. Diese gestattet Ihnen, tagsüber und nicht-gewerblich jeweils entweder Motorflugzeuge, Ballons oder Hubschrauber zu fliegen. Das bedeutet: Private Rundflüge mit Freunden oder Familie sind erlaubt, Sie dürfen darüber jedoch kein Geld verlangen.

CPL: Commercial Pilot Licence/Berufspilotenlizenz

Die nächste Stufe ist die Berufspilotenlizenz CPL, um Maschinen, die von einem Piloten gesteuert werden können (mit einer maximalen Masse von 12,5 t bei Abflug), gewerblich fliegen zu dürfen. Somit können Sie beispielsweise Cargo- oder Rundflüge ausführen und das Fliegen bereits zu Ihrem Beruf machen.

ATPL: Airline Transport Pilot Licence/Linienverkehrspilotenlizenz

Die uneingeschränkte Lizenz zum Führen großer Maschinen wie Airbus oder Boeing erhalten Sie mit der Linienverkehrspilotenlizenz, auch als ATPL bekannt. Mit dem Erwerb dieser Lizenz sind Sie offiziell Verkehrsflugzeugführer und dürfen in sogenannten „Multi Crews“ (mehrere Piloten im Cockpit) auf Linienflügen tätig sein.
Zunächst sammeln Sie nach Erwerb Ihrer ATPL als Co-Pilot Flugstunden unter der sogenannten „Frozen ATPL“, um dann, ab 1500 Stunden Flugerfahrung, möglicherweise auch als verantwortlicher Kapitän eines Flugzeugs eingesetzt zu werden.

Voraussetzungen für die Piloten-Ausbildung

Für den Antritt einer Berufspiloten-Ausbildung müssen Sie bei allen Flugschulen einige konkrete körperliche und kognitive Voraussetzungen erfüllen:

  • Mindestalter 17 Jahre, manchmal auch Volljährigkeit
  • Körpergröße zwischen 1,65 m und 1,98 m
  • Sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse (am besten fließend)
  • Eine gute körperliche Verfassung (keine Herz-, Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen o.ä.)
  • Ein gutes Sehvermögen (Sehschwäche bis zu max. +/- 3 Dioptrien zulässig)
  • Besitz eines uneingeschränkten Reisepasses
  • Maximal fünf Punkte im Verkehrszentralregister
  • Sehr gute motorische Fähigkeiten
  • Hohe Belastbarkeit, Disziplin, Konzentration, Verantwortungsbewusstsein, Teamfähigkeit
  • Ein intuitives technisches Verständnis, logisches Denken, Orientierungsvermögen
  • Eventuell: Hochschulreife

Über diese Ausbildungswege können Sie Pilot*in werden

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um den Traum vom Pilot* werden zu realisieren. Entdecken Sie die drei populärsten Ausbildungswege hin zu Ihrer ATPL-Lizenz:

Ausbildung bei einer Airline

Die Pilotenausbildung bei einer Airline ist der Traum vieler angehender Pilot*innen – denn sie bietet Ihnen große Chancen, direkt nach der Ausbildung übernommen zu werden und somit auch das investierte Geld schnell wieder zu verdienen.

In Deutschland ist die European Flight Academy die größte Airline-gebundene Flugschule, die Pilot*innen für große Unternehmen wie unter anderem Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines und Brussels Air ausbildet. Die Ausbildung erfolgt „ab initio“ innerhalb von zwei Jahren, mit einem Theorieteil in Bremen und den praktischen Flugstunden in Arizona (USA).
Die Kosten für die Ausbildung übernimmt zunächst das Unternehmen – wenn sich die Flugschüler*innen bereit erklären, anschließend über mehrere Jahre dafür zu fliegen. In diesem Fall wird dann jeden Monat ein fester Betrag von dem Gehalts abgezogen, bis der Ausbildungskredit abbezahlt wurde.

Selbstverständlich bieten neben den großen europäischen Fluglinien auch andere Airlines eine „ab initio“-Ausbildung an. Informationen zu den Ausschreibungen und Ausbildungsmöglichkeiten finden Sie meist direkt auf deren Websites. Vorsicht ist bei den sogenannten „Billig-Airlines“ geboten: Deren günstige Flugtickets werden oft auf dem Rücken der Pilot*innen ausgetragen – mit besonders harten Arbeitsbedingungen sowie einem vergleichsweise geringen Gehalt.

Eignungs- und Einstellungstests

Ob Sie die geforderten Eigenschaften für die Ausbildung mitbringen, wird bei der „Berufsgrunduntersuchung“ (BU) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Hamburg sowie beim sogenannten „Medical“ durch einen Fliegerarzt (mehrere Standorte deutschlandweit) überprüft.

Nach bestandener BU folgt bei Airlines die FQ: die „Firmenqualifikation“. In dieser zweiten Runde werden einerseits verstärkt Ihre soziale Fähigkeiten und Ihre Konfliktfähigkeit getestet. Sie durchlaufen aber auch eine Flugsimulation, um Ihre Geschicklichkeit und Belastbarkeit ausführlicher unter Beweis zu stellen. Am Ende dieser Phase steht ein persönliches Gespräch mit der Auswahlkommission. Der Antritt der Ausbildung ist nur dann möglich, wenn Sie diese Eignungstests, auch als DLR- oder Pilotentests bekannt, erfolgreich absolviert haben.

Vorbereitung auf den Pilotentest

Da Sie diesen Pilotentest nur einmal ablegen dürfen, lohnt sich eine gute und ausführliche Vorbereitung. Die meisten Flugschulen geben Talenten nach einer Einladung zur Prüfung wertvolle Hinweise für die Vorbereitung oder sogar Zugriff auf Übungsmaterialien. Da die Ausbildungsplätze heiß begehrt sind, haben mittlerweile einige Unternehmen ihre Chance erkannt und bieten teure Vorbereitungsseminare für den Pilotentest an. Dabei sollten Sie generell Vorsicht walten lassen, da deren Effektivität nicht bewiesen ist und sich die Aufgabenformate von Jahr zu Jahr ändern.

Ausbildung an einer privaten Flugschule

Die Ausbildung an privaten Flugschulen steht denen der Airlines in nichts nach. Sie kann jedoch finanziell ein größeres Risiko darstellen, da Flugschüler die Kosten (60.000-70.000 €) selbst tragen müssen, die Chancen einer Anstellung nach Ausbildungsende jedoch geringer sind als bei durch Airlines ausgebildeten Pilot*innen. Der große Vorteil privater Flugschulen ist die Flexibilität hinsichtlich Ausbildungsform und -dauer. Fast alle private Flugschulen Deutschlands bieten eine „ab initio“-Ausbildung und eine modulare Variante an. Wenn Sie die Ausbildung berufsbegleitend machen oder die Ausbildung aus finanziellen Gründen staffeln möchten, ist die modulare Variante sinnvoll. Kosten für eine Pilotenausbildung können Sie eventuell als Ausbildungskosten steuerlich absetzen.

Auch den Ausbildungen an privaten Flugschulen geht ein Eignungstest voraus, der allerdings meist durch die Flugschulen selbst und gebührenpflichtig durchgeführt wird. Vom Aufbau und Inhalt her gleichen diese Tests denen des DLR und erfordern daher die gleiche ausführliche Vorbereitung, sie haben zudem dieselben körperlichen und mentalen Voraussetzungen.

In Deutschland gibt es unzählige private Flugschulen, die jeweils für unterschiedliche Lizenzen und Maschinen ausbilden. Für angehende Verkehrspilot*innen sind die größten Ausbildungsstätten aktuell die FFL Fachschule für Luftfahrzeugführer in Mühlheim an der Ruhr, die RWL German Flight Academy in Mönchengladbach und die TFC German Flight Camp in Essen. Eine ausführliche Liste deutschsprachiger Flugschulen einschließlich der von ihnen angebotenen Lizenzen finden Sie hier.

Pilotenausbildung im Ausland

Mittlerweile entscheiden sich viele angehende Piloten für eine Ausbildung an einer Flugschule im Ausland, besonders populär dabei: die USA. Das liegt vor allem daran, dass die Ausbildungskosten dort deutlich geringer sind als in Europa. Zudem dürfen Sie nach der Ausbildung direkt als Fluglehrer arbeiten und können so die benötigten Flugstunden für einen Kapitänsstatus auf einfachem Wege sammeln. Allerdings bringt eine Pilotenausbildung im Ausland auch einen höheren bürokratischen Aufwand mit sich, da Sie ein Visum für Ihren gesamten Aufenthalt benötigen und bei Ihrer Rückkehr nach Europa Ihre Fluglizenz umschreiben lassen müssen.

Ausbildung durch ein duales Studium

Eine Pilotenausbildung kann auch im Rahmen eines dualen Studiums absolviert werden. In Deutschland bieten beispielsweise die FH Aachen, die Hochschule Osnabrück und die Hochschule München mit dem Bachelorstudiengang „Luft- und Raumfahrttechnik mit Verkehrspilotenausbildung“ eine Kombination aus akademischer Ingenieursausbildung und dem Erwerb einer ATPL-Lizenz an einer kooperierenden Flugschule an. Die Kosten für die Flugschule fallen hierbei trotzdem an. Ihr Vorteil: Innerhalb von meist drei bis vier Jahren Studienzeit erwerben Sie somit gleich zwei berufsqualifizierende Abschlüsse, die ATPL und einen Bachelor of Science.

Diese Studienprogramme sind unterschiedlich aufgebaut. Teilweise durchlaufen Sie dabei parallel zu Ihrem akademischen Studium auch die Ausbildung an der Flugschule, so beispielsweise in Osnabrück. An der Aachener Hochschule erfolgt die praktische Ausbildung als letzter Teil, im vierten Studienjahr. Die Hochschule Worms und auch der Münchener Studiengang verlegen stattdessen den praktischen Teil auf mehrere Monate Ausbildung an einer amerikanischen Flugschule.

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