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Wie viel verdient ein Staatsanwalt bzw. eine Staatsanwältin?

Sie treten aufseiten des Staats für Gerechtigkeit ein, indem sie Straftaten verfolgen und die Angeklagten überführen – Staatsanwält*innen haben eine spannende und verantwortungsvolle Aufgabe, die sich auch in ihrem monatlichen Gehalt niederschlägt. In diesem Artikel erfahren Sie, wie viel Staatsanwälte verdienen, was es mit der Besoldungsgruppe auf sich hat und wie die Ausbildung abläuft.

Wie viel verdient ein Staatsanwalt bzw. eine Staatsanwältin?

Der Verdienst von Staatsanwält*innen kann sich je nach Bundesland unterscheiden. Allgemein genießen Staatsanwält*innen jedoch den Beamtenstatus auf Lebenszeit, weshalb sich Ihr Gehalt nach dem Bundesbesoldungsgesetz richtet. Ebenso wie Richter sind Staatsanwälte in der Besoldungsgruppe R aufgeführt, bei der zwischen den Stufen 1 bis 5 unterschieden wird. Berufsanfänger*innen verdienen ihr Gehalt nach der Besoldungsgruppe R1. Hier liegt der Verdienst bei etwa € 4.500,- brutto im Monat. Je länger Sie in dem Beruf tätig sind, umso höher werden Sie eingestuft. Insgesamt gehört der Beruf der Staatsanwälte zu den bestbezahlten Berufen in Deutschland.

Verdienstmöglichkeiten nach Besoldungsgruppe

Je länger Sie in dem Beruf tätig sind, umso höher werden Sie eingestuft. Gehören Sie zur Gruppe R1, sind Sie „einfacher“ Staatsanwalt. In der Gruppe R2 gehören Sie zu den Oberstaatsanwält*innen und arbeiten beispielsweise als Abteilungsleiter*in bei einem Landgericht. Die Gruppe R3 umfasst die leitenden Oberstaatsanwälte, die zum Beispiel am Bundesgerichtshof tätig sind. In die Gruppen R4 und R5 fallen die Generalstaatsanwält*innen. Diese arbeiten als Leiter*in einer Staatsanwaltschaft bei einem Oberlandesgericht mit 40 bis 100 Planstellen. In den letzten beiden Gruppen kann das monatliche Bruttogehalt bei bis zu € 10.000,- liegen.

Verdienstmöglichkeiten nach Bundesland

Auch das Bundesland spielt beim Verdienst von Staatsanwälten eine Rolle. So sind Gehaltsunterschiede von mehr als 25 Prozent möglich. In Hessen und Saarland fallen die Verdienstmöglichkeiten vergleichsweise geringer aus, während sie in Baden-Württemberg oder Schleswig-Holstein wesentlich höher sind. So sind in Baden-Württemberg Einstiegsgehälter von bis zu € 4.600,- brutto im Monat möglich. Wie hoch der Verdienst je nach Gruppe in Ihrem Bundesland ausfällt, können Sie den aktuellen Besoldungstabellen entnehmen.

Verdienstmöglichkeiten nach Berufserfahrung

In den Besoldungsgruppen R1 und R2 spielt auch Ihre Berufserfahrung eine große Rolle bei Ihren Verdienstaussichten. So gibt es verschiedene Erfahrungsstufen, mit denen Ihr Gehalt steigt. In den meisten Ländern werden Sie in eine von zwölf Erfahrungsstufen eingeteilt, in Hamburg und Berlin gibt es dagegen nur acht. Sie steigen alle zwei Jahre automatisch eine Erfahrungsstufe auf. Damit ändert sich auch Ihr Einkommen. So liegt es beispielsweise in Sachsen-Anhalt bei € 4.300,- in Erfahrungsstufe 1 und kann in Stufe 2 bereits auf € 4.900,- brutto im Monat steigen.

Ausbildung von Staatsanwält*innen

Wer Staatsanwalt bzw. Staatsanwältin werden möchte, hat zunächst ein umfassendes Studium vor sich. So müssen Sie ein viereinhalbjähriges Jurastudium absolvieren, für welches Sie die allgemeine Hochschulreife benötigen. Das Studium teilt sich in ein viersemestriges Grundstudium sowie ein fünfsemestriges Hauptstudium auf. Im ersten Teil werden die Grundlagen zum öffentlichen Recht, zum Strafrecht sowie zum Zivilrecht vermittelt. Im zweiten Teil werden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt, die sich je nach Bundesland und Universität unterscheiden können. Beispielsweise sind Seminare im Bereich Grundgesetz, Erbrecht, Familienrecht oder europäisches Recht möglich. Jura gilt als einer der schwierigsten Studiengänge, weshalb Sie sich bei der Studienwahl sicher sein sollten.

Das Rechtsreferendariat und die Gehaltsaussichten

Nachdem Sie Ihr Jurastudium mit dem ersten Staatsexamen erfolgreich absolviert haben, folgt eine zweijährige Praxisphase in Form eines Rechtsreferendariats. Hier lernen Sie bereits den Berufsalltag von Staatsanwält*innen kennen, indem Sie an Sitzungen teilnehmen, Akten bearbeiten oder Zeugen vernehmen. Außerdem erhalten Sie bereits Ihr erstes Gehalt. Der Verdienst als Rechtsreferendar*in liegt durchschnittlich bei etwa € 1.300,- brutto im Monat. Im Anschluss an diese Phase folgt das zweite Staatsexamen. Danach arbeiten Sie drei bis fünf Jahre als Richter*in auf Probe, bevor Sie zum Staatsanwalt bzw. zur Staatsanwältin auf Lebenszeit ernannt werden.

Einstiegschancen für Staatsanwält*innen

Auch nach erfolgreich abgeschlossenem Staatsexamen kann der Einstieg für Staatsanwält*innen schwierig sein, denn es handelt sich um einen sehr beliebten Beruf, für den es wesentlich mehr Bewerber*innen als freie Stellen gibt. Wenn Sie in diesem Beruf arbeiten möchten, müssen Sie über ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis verfügen. Außerdem dürfen Sie bei Berufseinstieg in den meisten Fällen nicht älter als 35 bis 40 Jahre alt sein. Aufgrund der Vielzahl an Bewerber*innen werden zudem häufig nur Jobanwärter*innen berücksichtigt, die zwei Prädikatsexamen vorweisen können, das heißt, sie haben beide Staatsexamen mit mindestens neun von 18 Punkten bestanden und haben zudem einen Doktortitel.

Diese Fähigkeiten sollten Staatsanwält*innen mitbringen

Wenn Sie sich für ein Jurastudium interessieren und eine Karriere als Staatsanwalt bzw. Staatsanwältin in Betracht ziehen, sollten Sie über ein hohes Maß an Selbstdisziplin sowie eine schnelle Auffassungsgabe verfügen. Zudem benötigen Sie sowohl ein selbstbewusstes Auftreten als auch Empathie, um die Vernehmung von Zeug*innen kompetent durchzuführen. Staatsanwälte erfahren häufig intime und traurige Details aus dem Leben unterschiedlicher Menschen, weshalb Sie eine hohe psychische Belastbarkeit benötigen. Außerdem ist es unabdingbar, Fakten und Sachverhalte aus einer neutralen Position und ohne Vorbehalte zu hinterfragen. Da Staatsanwält*innen zudem die Ermittlungen der Polizei leiten, benötigen Sie gute Führungs- und Kommunikationskompetenzen.

Aufgaben von Staatsanwält*innen

Viele bringen die Staatsanwaltschaft in erster Linie mit spannenden Gerichtsverhandlungen in Verbindung. Dies ist allerdings nicht die einzige Aufgabe, denn der Beruf von Staatsanwält*innen besteht nicht nur darin, die Schuld von Angeklagten vor Gericht zu beweisen. Vielmehr handelt es sich um einen sehr umfangreichen Tätigkeitsbereich, der viel Zeit in Anspruch nimmt. Obwohl die wöchentliche Arbeitszeit in den meisten Fällen mit 40 Stunden berechnet wird, machen viele Staatsanwält*innen regelmäßig Überstunden. Gerade zu Karrierebeginn arbeiten manche bis zu 60 Wochenstunden. Zudem müssen sie auch Bereitschaftsdienst leisten, um im Notfall schnellstmöglich Durchsuchungs- oder Haftbefehle zu beantragen.

Ermittlungen durchführen und leiten

Staatsanwält*innen sind für die Leitung polizeilicher Ermittlungen zuständig. Sie veranlassen Vernehmungen von Zeug*innen und Beschuldigten oder führen diese mitunter auch selbst durch. Außerdem analysieren sie den Sachverhalt einer Straftat auf der Suche nach Beweismaterialien, die mögliche Tätern überführen können. Zudem beantragen sie Durchsuchungs- und Haftbefehle bei den Ermittlungsrichtern oder ordnen diese Maßnahmen selbst an, um sie im Nachhinein von den Richtern bestätigen zu lassen.

Anklage und Verteidigung

Staatsanwält*innen übernehmen keine Partei, sie stehen also weder auf der Seite der Verdächtigen noch auf der Seite des Gerichts und handeln vollkommen objektiv. Deshalb suchen sie nach Beweisen, die Tatverdächtige sowohl belasten als auch entlasten können. Wenn sich allerdings der Verdacht auf eine Schuld erhärtet, erheben Staatsanwälte Anklage vor einem Gericht. Sollten die Beweise stattdessen gegen die Schuld der Verdächtigen sprechen, mitentscheiden die Staatsanwält*innen darüber, ein Verfahren einzustellen.

Teilnahme am Gerichtsverfahren

Staatsanwält*innen nehmen an Hauptgerichtsverhandlungen teil, wo sie die Anklage vertreten. Dabei zählt es zu ihren Aufgaben, die Anklageschrift zu verlesen und den Sachverhalt durch das Vortragen möglicher Beweise aufzuklären. Außerdem halten Sie am Ende einer Gerichtsverhandlung ein Plädoyer, in dem Sie das Ergebnis der Verhandlung zusammenfassen und die Beweisaufnahme bewerten.

Übernahme der Strafverfolgung

Nachdem ein Urteil vor Gericht rechtskräftig wird, sorgen Staatsanwält*innen dafür, dass die Verurteilten ihre Strafe abbüßen. Das tun sie, indem sie ihre Haft antreten, ein Bußgeld zahlen oder beispielsweise im Falle von Alkohol am Steuer ein Fahrverbot auferlegt bekommen. Die Staatsanwaltschaft ist damit auch die Vollstreckungsbehörde.

Staatsanwälte vs. Rechtsanwälte – Wo liegen die Unterschiede?

Der wohl größte Unterschied zwischen Staatsanwälte und Rechtsanwälte besteht darin, dass erstere keine Partei übernehmen, während letztere ihre Mandant*innen vertreten und versuchen, eine geringere Strafe oder einen Freispruch zu erzielen. Rechtsanwälte vertreten vereinfacht gesagt die Bürger, Staatsanwälte dagegen den Staat. Auch beim Verdienst gibt es Unterschiede. So sind Rechtsanwälte keine Beamte, ihr Gehalt richtet sich nach dem Umsatz ihrer Kanzlei. Damit kann es mitunter zwar höher ausfallen als jenes von Staatsanwälten, allerdings fallen unter anderem auch Kosten für die Altersvorsorge an, während Staatsanwälte eine Pension erhalten.

Aufstiegschancen und Spezialisierungen für Staatsanwält*innen

Staatsanwälte haben die Chance auf eine steile Karriere. So können sie innerhalb der Besoldungsgruppen aufsteigen und zum Generalstaatsanwalt bzw. zur Generalstaatsanwältin befördert werden und die Verantwortung für die Aufklärung von Staatsschutzdelikten übernehmen. In einigen Bundesländern sind zudem Spezialisierungen möglich. Dann verfolgen sie nicht alle Straftaten, sondern sind auf bestimmte Sachverhalte spezialisiert, beispielsweise auf Computerkriminalität oder Umweltstraftaten. Diese Schwerpunkte können sie während des Studiums, aber auch später während ihrer Berufslaufbahn wählen.

Alternativen zum Beruf von Staatsanwält*innen

Wer ein Jurastudium absolviert und beide Staatsexamen mit Prädikat abgeschlossen hat, kann grundsätzlich auch als Richter*in arbeiten. Richter sind unabhängig und verkündigen rechtskräftige Urteile, bei denen sie sich auf die geltenden Gesetze stützen. Mit einem Jurastudium ist auch die Tätigkeit als Rechtsanwalt bzw. Rechtsanwältin möglich. Möchten Sie dagegen präventiv handeln, kommt der Beruf der Notar*innen infrage. Diese setzen Beurkundungen und Verträge auf, beispielsweise im Erb- oder Familienrecht. Interessieren Sie sich für juristische Themen, möchten jedoch kein Studium absolvieren, können Sie auch eine Ausbildung als Rechtsanwaltsfachangestellter bzw. Rechtsanwaltsfachangestellte in Betracht ziehen.

Bewerbung für Staatsanwälte

Wenn Sie über ein hervorragendes Zeugnis verfügen, können Sie sich relativ formlos als Staatsanwalt bzw. Staatsanwältin bewerben. In diesem Fall senden Sie Ihre Bewerbungsunterlagen an die Generalstaatsanwaltschaft des jeweiligen Bezirks. Besonders wichtig ist hierbei ein überzeugender tabellarischer Lebenslauf. Wichtige Tipps und Tricks dazu erfahren Sie in unserem Artikel „Einen Lebenslauf erstellen“. Einige Generalstaatsanwaltschaften haben darüber hinaus gesonderte Anforderungen, die Sie dem jeweiligen Internetauftritt entnehmen können. Nach erfolgreicher Bewerbung und einem positiven Vorstellungsgespräch werden Sie als Richter*in auf Probe eingestellt.

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