Karriereplanung

Abfindung berechnen: Welcher Betrag steht Ihnen zu?

Bei einer Kündigung kann es oftmals zu finanziellen Engpässen kommen. Viele Arbeitnehmer*innen hoffen daher, zumindest eine Abfindung von ihrem ehemaligen Unternehmen zu erhalten. Das ist jedoch keineswegs selbstverständlich. Wann ein Recht auf eine Abfindungszahlung besteht, in welcher Höhe diese ausfällt und was Sie dabei beachten müssen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Abfindung berechnen: wie wird sie berechnet?

Die Abfindung ist eine einmalige und freiwillige Zahlung des Arbeitgebers. Sie kann ausgezahlt werden, wenn Sie Ihren Arbeitsplatz verlieren. Bei der Abfindung handelt es sich also um eine Entschädigung für den ausbleibenden Lohn, die Sie dabei unterstützen soll, die erste Zeit der Arbeitslosigkeit leichter zu überbrücken. Viele Unternehmen bezahlen eine Abfindung, um einer Kündigungsschutzklage vorzubeugen, da bei einem Rechtsstreit erhebliche Kosten anfallen können. Zudem können Mitarbeiter*innen durch eine Klage die Rücknahme der Kündigung erwirken – dies soll durch eine Abfindung vermieden werden. Wie die Abfindung im Detail berechnet wird, erfahren Sie in diesem Artikel.

Wann bekommt man eine Abfindung?

Ein gesetzlicher Anspruch auf eine Abfindung besteht nicht. So können Sie nicht automatisch davon ausgehen, diese Einmalzahlung zu erhalten, wenn Sie Ihre Kündigung bekommen. Stattdessen handelt es sich in den meisten Fällen um eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers. In Ausnahmefällen kann die Abfindung auch durch ein Arbeitsgericht angeordnet werden. Dieser Fall tritt ein, wenn das Gericht eine unwirksame Kündigung feststellt, es jedoch aufgrund des Rechtsstreits zwischen Ihnen und Ihrem Unternehmen nicht mehr zumutbar ist, dass Sie wieder dort arbeiten.

Abfindung bei betriebsbedingter Kündigung

Eine betriebsbedingte Kündigung ist gegeben, wenn Ihr Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit Ihnen nicht weiterführen kann, da der Arbeitsplatz wegfällt und das Unternehmen Sie nicht an anderer Stelle einsetzen kann. Damit sich ein Anspruch auf eine Abfindung ergibt, muss das Unternehmen mehr als zehn Mitarbeiter*innen beschäftigen und die Zusammenarbeit mit Ihnen muss seit mindestens sechs Monaten bestehen. In diesem Fall greift das Kündigungsschutzgesetz. Dann kann Ihr Arbeitgeber Ihnen eine Abfindung in Aussicht stellen, um einen Rechtsstreit zu vermeiden.

Abfindung bei eigener Kündigung

Geht eine Kündigung von Ihnen aus, da Sie eine neue berufliche Perspektive suchen oder das Arbeitsverhältnis aus persönlichen Gründen beenden möchten, besteht keinerlei Anspruch auf eine Abfindung. Schließlich hat Ihr Arbeitgeber keinen Vorteil davon, die Abfindung zu zahlen, wenn Sie das Unternehmen freiwillig verlassen. Selbst schwierige Verhältnisse wie Mobbing am Arbeitsplatz oder Überlastung berechtigen Sie nicht dazu, eine Abfindung zu erhalten. Ebenso verhält es sich, wenn Sie Ihre Kündigung selbst herbeigeführt haben, da Sie sich beispielsweise vertragswidrig verhalten haben.

Abfindung bei Aufhebungsvertrag

Ein Aufhebungsvertrag bietet Arbeitgebern und Arbeitnehmer*innen die Möglichkeit, das Arbeitsverhältnis einvernehmlich zu beenden. In diesem Fall gibt es keine Kündigungsfrist und auch der gesetzliche Kündigungsschutz fällt weg. Dafür gibt Ihnen der Aufhebungsvertrag die Chance, mit dem Arbeitgeber über eine Abfindung zu verhandeln. Im Vertrag wird die Summe der Abfindung festgehalten und von beiden Seiten unterschrieben. Aber Vorsicht: Wenn Sie einen Aufhebungsvertrag unterschreiben, riskieren Sie damit eine dreimonatige Sperre beim Arbeitslosengeld. Daher wird diese Möglichkeit von vielen nur dann in Betracht gezogen, wenn sie bereits eine neue Stelle in Aussicht haben oder eine betriebsbedingte Kündigung durch den Arbeitgeber zu erwarten hätten.

Abfindung bei einer Kündigungsschutzklage

Falls Mitarbeiter*innen gekündigt werden und eine Abfindung nicht freiwillig bezahlt wird, können diese eine Kündigungsschutzklage einbringen. Möchten Mitarbeiter*innen rechtlich gegen eine Kündigung vorgehen, sollten diese allerdings bedenken, dass der Prozess viel Zeit und Geld in Anspruch nehmen kann. Auch erhalten sie durch den Arbeitsrechtsprozess nicht automatisch eine Abfindung, selbst wenn sie im Recht sind – stattdessen kann das Gericht anordnen, dass die Kündigung unwirksam ist und die betreffenden Personen weiterhin in dem Unternehmen arbeiten können. Also sollten diese im Vorfeld genau überlegen, ob das in ihrem Interesse ist.

Abfindung aufgrund eines Tarifvertrags oder Sozialplans

In manchen Sonderfällen kann ein Anspruch auf Abfindung bestehen. So regeln einige Unternehmen diesen im Tarifvertrag. Wenn Ihnen ein gültiger Tarifvertrag vorliegt, lohnt es sich daher, diesen auf Hinweise zu einer möglichen Einmalzahlung zu kontrollieren. Auch Sozialpläne können die Auszahlung der Abfindung erwirken. Sie finden Anwendung, wenn beispielsweise eine Geschäftsstelle geschlossen wird oder Massenentlassungen anstehen. Solche Entscheidungen müssen vom Betriebsrat unterzeichnet werden, sodass dieser eine Abfindung für die Mitarbeiter*innen aushandeln kann. Gibt es keinen Betriebsrat im Unternehmen, besteht der Anspruch auf Abfindung allerdings nicht.

Abfindung durch das Gewohnheitsrecht

Eine weitere Sonderregelung für die Auszahlung von Abfindungen stellt das Gewohnheitsrecht dar. Wenn es in Ihrem Betrieb üblich ist, dass alle ausscheidenden Mitarbeiter*innen eine Abfindung erhalten, dürfen Sie von dieser Regelung nicht ohne Grund ausgeschlossen werden. So haben auch Sie bei einer betriebsbedingten Kündigung in der Regel Anspruch auf diese Ersatzleistung.

Wie wird die Abfindung berechnet?

Eine einheitliche Regelung zur Höhe der Abfindung gibt es nicht. Die Abfindungsbeträge sind frei verhandelbar, es gibt jedoch Richtwerte, an denen Sie sich orientieren können. So hängt die Berechnung vom jeweiligen Monatsgehalt sowie von der Dauer der Betriebszugehörigkeit ab. Üblicherweise beträgt die Abfindungssumme ein halbes bis ein volles Bruttomonatsgehalt pro Arbeitsjahr. Als Beispiel: Eine Mitarbeiterin verdiente zum Zeitpunkt der Kündigung € 2.800,- brutto pro Monat und war sieben Jahre im Unternehmen tätig. Ihre Abfindung läge damit in etwa bei € 9.800,-. Allerdings spielen auch die Branche und Unternehmensgröße sowie Ihr Alter und Familienstand bei der Berechnung eine Rolle.

Welche Steuern und Sozialabgaben fallen bei der Abfindung an?

Die Abfindung ist nicht sozialabgabepflichtig, Sie müssen also keine Beträge für Arbeitslosen-, Pflege-, Renten- oder Krankenversicherung von der ausgezahlten Summe abziehen. Allerdings muss die Abfindung versteuert werden. Es handelt sich also um einen Bruttobetrag, von dem Ihnen Abzüge für die Lohnsteuer berechnet werden. Wenn Sie Mitglied einer Kirchengemeinschaft sind, kommen zusätzlich Kirchensteuer hinzu. Sie können allerdings in den meisten Fällen von der Fünftelregelung profitieren, um die steuerliche Belastung zu senken.

Die Fünftelregelung

Da es sich bei Abfindungssummen um außerordentliche Einkünfte handelt, können Sie nach der Fünftelregelung versteuert werden. Die Abfindung wird steuerlich so behandelt, als wäre sie über einen Zeitraum von fünf Jahren erwirtschaftet worden. So wird nur ein Fünftel der Abfindung auf das Jahreseinkommen angerechnet. Anschließend wird das Ergebnis mit dem Jahreseinkommen verglichen, das Sie ohne Abfindung erhalten hätten, und die Differenz wird mit fünf multipliziert. Dieser Betrag muss als Einkommenssteuer an das Finanzamt abgeführt werden. Die Fünftelregelung kommt allerdings nur zum Einsatz, wenn Sie durch die Abfindung mehr Geld bekommen haben, als Sie bei einer Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses erhalten hätten.

Abfindung und Arbeitslosengeld

Die Abfindung wird in der Regel nicht auf das Arbeitslosengeld angerechnet, dieses steht Ihnen also in voller Höhe zu. Beachten Sie, dass diese Regelung nicht für Hartz 4 gilt: In diesem Fall wird die Abfindung als leistungsminderndes Einkommen berücksichtigt. Auch beim Arbeitslosengeld I kann es zu Problemen kommen, wenn Sie einen Aufhebungsvertrag unterzeichnet haben. In diesem Fall kann das Arbeitsamt eine Sperre anordnen und Ihnen erst nach Ablauf der Kündigungsfrist, also meist nach zwölf Wochen, Ihr Arbeitslosengeld auszahlen. Beachten Sie, dass Sie in der Zwischenzeit selbst die Kosten für Ihre Sozialversicherungen tragen.

Abfindung trotz neuer Arbeitsstelle

Sie können eine Abfindung auch erhalten, wenn Sie bereits eine neue Arbeitsstelle in Aussicht haben. Möchten Sie Ihren neuen Job beispielsweise vorzeitig antreten und die regulären Kündigungsfristen umgehen, können Sie mit Ihrem Arbeitgeber einen Aufhebungsvertrag aushandeln. Auch bei einer Kündigungsschutzklage können Mitarbeiter*innen trotz neuem Job eine Abfindung erhalten. Allerdings sollten diese beachten, dass dies Nachteile bei der Verhandlung mit sich ziehen kann. So hat ein Arbeitgeber vermutlich wenig Interesse daran, eine Abfindung zu zahlen, wenn das neue Arbeitsverhältnis publik wird.

Abfindung annehmen oder Kündigungsschutzklage erheben?

Selbstverständlich müssen Mitarbeiter*innen das Angebot einer Abfindung nicht annehmen, wenn ihnen die Summe zu niedrig erscheint oder sie auf den Erhalt ihres Arbeitsplatzes bestehen möchten. Stattdessen können diese eine Kündigungsschutzklage erheben, um rechtlich gegen die Kündigung vorzugehen. Dies kann sich lohnen, wenn sie dadurch eine höhere Abfindung erzielen können oder die Kündigung mit hoher Wahrscheinlichkeit unwirksam ist. Sollte die Kündigungsschutzklage vom Gericht allerdings abgewiesen werden, wird der Arbeitgeber vermutlich nicht mehr zu einer Einigung bereit sein und der Anspruch auf eine Abfindung wird vollkommen entfallen.

Tipps: So erhalten Sie eine höhere Abfindung

Wenn Mitarbeiter*innen die angebotene Abfindungssumme zu niedrig ist, müssen sie nicht sofort Klage beim Arbeitsgericht einbringen. Stattdessen können sie mit dem Arbeitgeber über die Summe verhandeln. Dabei sollten sie selbstbewusst auftreten und einen Gegenvorschlag machen, der angemessen erscheint. Die meisten Unternehmen werden an einer außergerichtlichen Einigung interessiert sein. Kommt es zu einem Aufhebungsvertrag, sollten Mitarbeiter*innen auch ein Arbeitszeugnis anfordern, dass sie zukünftigen Arbeitgebern vorlegen können. Wenn Mitarbeiter*innen trotz aller Verhandlungsbemühungen keine Einigung mit ihrem Unternehmen erzielen, müssen sie innerhalb von 21 Tagen rechtlich gegen die Kündigung vorgehen, da diese sonst wirksam wird.

Kündigung – wie geht es weiter?

Ob Sie eine Abfindung erhalten oder nicht – eine Kündigung bedeutet in jedem Fall eine große Veränderung, die viele Menschen vor neue Herausforderungen stellt. Wenn Sie noch keinen neuen Job in Aussicht haben, besteht in den meisten Fällen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Melden Sie sich daher rechtzeitig bei Ihrem Arbeitsamt, um die Leistungen zu beziehen und Ihre Versicherungen aufrechtzuerhalten. Anschließend können Sie sich in Ruhe um einen neuen Job bewerben. Nicht immer ist eine Kündigung ausschließlich negativ – manchmal ergeben sich dadurch neue Chancen auf ein besseres Arbeitsverhältnis.

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