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Aktives Zuhören: Besser kommunizieren durch richtige Technik

Aktives Zuhören ist die beste Methode, um sich mit seinem Gegenüber besser zu verständigen. Als ein Soft Skill hilft sie, die Kommunikation zu stärken und in Gesprächen bessere Ergebnisse zu erzielen. Aktives Zuhören erfordert dabei mehr Interaktion mit dem Gegenüber als bloßes Zuhören. Ein paar einfache Techniken und Übungen können Sie beim Kommunikationstraining unterstützen.

Um zu verstehen, was aktives Zuhören bedeutet, müssen Sie zunächst die unterschiedlichen Arten vom Zuhören verstehen:

  • Hören beschreibt das bloße Empfangen akustischer Signale, also im Grunde der bloßen Töne.
  • Hinhören bedeutet, dass Sie dem Gespräch oder den akustischen Signalen „Ihr Ohr leihen“ und versuchen es zu verstehen.
  • Zuhören hingegen ist bereits eine Aktivität und erfordert deshalb auch die aktive Teilnahme des Zuhörers.

Nicht jedes Zuhören ist also auch ein aktives Zuhören. Doch jede Art des Zuhörens ist eine Art der Informationsaufnahme.

Merkmale und Definition aktives Zuhören

Aktives Zuhören ist in der zwischenmenschlichen Kommunikation die aktive Reaktion eines Gesprächspartners auf die Botschaft eines Senders. Aktives Zuhören zielt dabei darauf ab, sich vollständig auf sein Gegenüber einzustellen. Hierzu gehört es, die Botschaft hören zu können, zu verstehen und darauf zu reagieren.

Erstmals näher bestimmt wurde der Begriff von Carl R. Rogers, einem US-amerikanischen Psychologen. Dieser definierte es als Tool der Psychotherapie.

So hilft aktives Zuhören

Ganz grundsätzlich ermöglicht Zuhören das Verstehen und eine spätere Wiedergabe des Inhalts der gesendeten Nachricht – mitunter auch mit anderen Worten.

Aktives Zuhören kann, wenn es korrekt ausgeführt wird, die zwischenmenschlichen Kontakte erheblich verbessern. Es kann Probleme aufzeigen, Prozesse optimieren, Informationen verständlicher machen und Handlungsanleitungen, Prozeduren und Erwartungen übertragen und verbessern.

Doch es hat auch ganz einfache praktische Vorteile. Es kann das Wissen und den Kenntnisstand über Themen und Problemlösungen erweitern. Es hilft erheblich dabei, besonders kritische Informationen zu verstehen und zu verarbeiten.

Aktives Zuhören unterstützt zudem dabei, Vertrauen aufzubauen, da es eine tiefergehende Form des interpersonellen Verständnisses ermöglicht.

Voraussetzungen für aktives Zuhören

Um aktiv zuzuhören, müssen sich Gesprächspartner komplett auf ihr Gegenüber einlassen, deren Nachrichten verstehen und darauf reagieren. Damit sie aktiv zuhören kann, müssen laut Rogers drei Voraussetzungen erfüllt sein: Der Zuhörer sollte empathisch und offen auftreten. Die Gesprächspartner müssen sich verstehen und verständigen können. Zudem sollte man den Gesprächspartner akzeptieren und beachten.

Auch erfordert das aktive Zuhören, dass die Gesprächspartner sich konzentrieren kann, um den Erläuterungen folgen zu können. Einfühlungsvermögen hilft zudem, die Gedanken des Anderen besser nachzuvollziehen.

Beispiele und Tipps für besseres aktives Zuhören

Gesprächspartner, die aktives Zuhören praktizieren, nutzen dabei verbale und nonverbale Techniken und fokussieren sich auf den Sprecher. Gestik, Mimik und andere Arten der nonverbalen Kommunikation können dabei genauso als Überbringer von Botschaften dienen wie Wörter.

Verbale Techniken

Die wichtigsten Techniken des aktiven Zuhörens sind die verbalen Techniken. Mit ihnen kommunizieren Sie, dass Sie dem Gegenüber Ihre Aufmerksamkeit schenken.

  • Zustimmung artikulieren – Es ist eines der offensichtlichsten Zeichen des aktiven Zuhörens: das kurze Aussprechen von Zustimmung. Kurze Anmerkungen, die Verständnis zeigen, geben dem Sprecher mehr Vertrauen und helfen ihm dabei, sich besser auszudrücken.
    Beispiele: „Ja, klar.“, „Da stimme ich zu.“, „Ich verstehe.“
  • Empathie zeigen – Eine andere wichtige Technik ist das Zeigen von Empathie. Indem Sie Anteil an dem Problem Ihres Gesprächspartners nehmen, zeigen Sie, dass Sie ihn oder sie respektieren und sich in ihn/sie hineinversetzen können.
    Beispiele: „Es tut mir leid für Dich.“, „Da machst Du ja einiges mit.“
  • Bezug auf Dinge nehmen, die der Gesprächspartner früher gesagt hat – Indem Sie sich auf frühere Unterhaltungen beziehen, zeigen Sie, dass Sie sich nicht nur für die derzeitige Unterhaltung interessieren, sondern auch zuvor zugehört haben und dies in ein Gesamtbild einordnen können. Dies gibt dem Gesprächspartner das Gefühl, dass wertgeschätzt wird, was er oder sie sagt.
    Beispiel: „Ich kann mich erinnern, dass Du bei einem unserer letzten Gespräche gesagt hast, dass Du…“
  • Offene Frage stellen – Indem Sie offene Fragen stellen, geben sie anderen die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Das kann beim Gegenüber auch hermeneutisch Erkenntnisse hervorbringen.
    Beispiel: „Welche Dinge würdest Du ändern?“
  • Umformulieren – Wenn Sie die Sätze des Gesprächspartners anders formulieren und das Gespräch so rekapitulieren, bedeutet das, dass Sie den anderen verstanden haben. So lässt sich auch verifizieren, dass die Botschaft richtig angekommen ist und es zukünftig nicht zu Missverständnissen kommt.
    Beispiele: „Wenn ich das richtig verstanden habe, …“, „Mit anderen Worten …“, „Du hast gerade gesagt, dass wir etwas ändern müssen, weil wir sonst in Gefahr geraten, …“
  • Vergleichen – Sich auf eigene Erfahrungen beziehen und sie in Bezug zu dem zu setzen, was der Gesprächspartner erzählt hat, ist ein gutes Mittel um zu kommunizieren. So stellen Sie sich mit dem anderen auf eine Stufe, was für das Gefühl, eine ebenbürtige Konversation zu führen, essenziell ist.
    Beispiel: „Ich habe das selbst auch mal so erlebt.“

Es gibt also eine ganze Reihe von Möglichkeiten, um Ihren Gegenüber zu verdeutlichen, dass Sie aktiv zuhören.

Nonverbale Techniken

Auch mit Ihrem Körper können Sie anderen verdeutlichen, dass Sie an dem interessiert sind, was sie zu sagen haben. Hier die wichtigsten Beispiele dieser nonverbalen Techniken des aktiven Zuhörens.

  • Kopfnicken – Das Kopfnicken ist vermutlich die bekannteste Methode dem Gegenüber Ihr Zuhören zu signalisieren. Das Kopfnicken muss dabei keine Zustimmung bedeuten. Es signalisiert aber die Aufnahme der Information.
  • Kopfschütteln – Auch wenn aktives Zuhören normalerweise auf positive und verständnisvolle Reaktion abzielt, kann mitunter auch ein Kopfschütteln ein Zeichen für aktives Zuhören sein. Schließlich gibt der Zuhörer damit immerhin zu verstehen, dass er die Meinung gehört und verarbeitet hat, jedoch nicht der gleichen Meinung ist oder die Erfahrung nicht teilt.
  • Augenkontakt – Nicht umsonst wird man besonders bei intensiven Gesprächen gelegentlich dazu aufgefordert, dem Gegenüber in die Augen zu schauen. Denken Sie nur an die berühmte Szene im Film Casablanca: „Schau mir in die Augen, Kleines.“
  • Ablenkung vermeiden – Indem Sie nicht auf Ihr Handy schauen, sich nicht dauernd am Kopf kratzen oder ähnliches, zeigen Sie, dass Sie ganz auf den Gesprächspartner fokussiert sind. Das gibt dem Erzählenden ein gutes Gefühl.
  • Notizen machen – Auch wenn es eine Ablenkung sein kann, so ist es auch ein Ausdruck, dass Sie etwas ernst nehmen, wenn Sie sich darüber Notizen machen.
  • Auf die Körpersprache achten – Auch ein Körper kann kommunizieren. So verstehen wir z.B. das Kratzen am Kopf als Unverständnis. Daher sollten Sie auch darauf achten, falsche Eindrücke aktiv zu vermeiden.

Ihr Körper kann also auf vielfältige Weise vermitteln, dass Sie dem Gesprächspartner tatsächlich zuhören.

Eine Übung für aktives Zuhören – Wie stellen Sie die richtigen Fragen?

Für ein gutes und offenes Gespräch ist es essenziell, Fragen zu stellen. Besonders der Zeitpunkt, wann die Fragen gestellt werden, spielt dabei eine Rolle. Zunächst sollten Sie Ihrem Gegenüber Gelegenheit geben, seine Ausführungen zu beenden. Nicht umsonst kommt es in unfreundlichen Unterhaltungen häufig dazu, dass eine Seite der anderen Seite vorwirft sie „nicht aussprechen“ zu lassen. Daher ist es wichtig dem anderen diesen Raum zu geben.

Fragen wie ein Journalist unterstützen beim Aktiven Zuhören

Die Fragen selbst sollten offene Fragen sein. Im Journalismus gibt es hierzu die sogenannten W-Fragen, die Journalisten für Interviews verwenden (Was? Wer? Wann? Warum? Mit wem?). Daher sollten Sie sich die Frage zunächst im Kopf stellen und sehen, ob diese mit einem Ja oder Nein beantwortet werden kann. Falls ja, dann sollten Sie sie umformulieren.

Auch kann es helfen, tiefergehend nach Erfahrungen oder Empfindungen zu fragen. Dies zeigt ganz offen Empathie und offenbart Ihren Versuch, sich in den anderen hineinversetzen zu wollen („Wie hast Du das erlebt?“).

Vermeiden sollten Sie hingegen manipulative Fragen, die den anderen in die eigene Richtung schubsen sollen. Das kann schon eine ganz einfache Frage sein wie: „Das sehen Sie doch auch so, oder?“

Aktives Zuhören im Job trainieren

Wie im normalen Leben sind auch im Job gute Zuhörer respektierte Mitarbeiter. Wer gut zuhört, kann Instruktionen besser verstehen und diese umsetzen. Das ist für das Funktionieren von Organisationseinheiten wie Unternehmen essenziell. Für das aktive Zuhören im Job gibt es daher einige praktische Anwendungsmöglichkeiten.

Aktives Zuhören beim Bewerbungsgespräch

Bewerbungsgespräche sind eher die Zeit des Sprechens für Bewerber. Richtig angewendet, kann Ihnen aktives Zuhören zum Erfolg verhelfen. So ist es nützlich, beim Vorstellungsgespräch anderen Personen in der Runde Fragen zu stellen. So können Sie sich damit hervortun, Sätze aus dem aufzugreifen, was der Interviewer zuvor gesagt oder auch am Telefon erwähnt hat.

Auch lohnt es sich bei manchen Themen, tiefergreifende Fragen zu stellen. In diese Fragen können Sie Ihr eigenes Wissen einbauen. Damit zeigen Sie, dass Sie sich ehrlich für den Job und Ihr Gegenüber interessieren. Ein gutes und offenes Gespräch verweist den zukünftigen Arbeitgeber zudem auf Ihre Teamfähigkeit und Kommunikationskompetenz. Das sind zwei Qualitäten, auf die viele Arbeitgeber Wert legen.

Mitarbeitergespräch – Besseres Feedback bekommen durch aktives Zuhören

Im Job kommt es nicht selten vor, dass von Mitarbeitern erwartet wird, dass sie Feedback geben. Das kann sich auf die Prozesse beziehen oder auch auf die eigene Arbeit. Doch auch Mitarbeiter können es nutzen und Vorgesetzte oder Kollegen um Feedback bitten. Das aktive Zuhören eignet sich sehr gut, um gutes Feedback zu bekommen. Mitarbeiter, die bemerken, dass es Probleme in der Kommunikation der Firma gibt, können dies anregen, um die Zusammenarbeit zu verbessern.

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