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Frauen und die Belastung durch Emotionsarbeit während der COVID-19-Pandemie

Haushalte überall auf der Welt müssen derzeit lernen, sich in Zeiten von COVID-19 auf eine „neue Normalität“ einzustellen. Kinder können nicht in die Kindertagesstätte oder Schule gehen und bleiben zu Hause. Auch Millionen von Berufstätigen sind dazu übergegangen, von zu Hause aus zu arbeiten, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Dies alles hat zur Folge, dass wir uns mit einer neuen Lebensweise zurechtfinden müssen. Diese Anpassungen können wiederum dazu führen, dass einige Menschen mehr Verantwortung tragen als andere.

Was ist Emotionsarbeit?

Der Begriff "Emotional Labour", zu Deutsch: Emotionsarbeit, wurde erstmalig von der Soziologin Arlie Hochschild in ihrem Buch Das gekaufte Herz: die Kommerzialisierung der Gefühle von 1983 geprägt. Emotionsarbeit ist der Prozess, mit Gefühlen so umzugehen, dass die Anforderungen eines Jobs erfüllt werden können. Berufe, in denen der Kontakt mit Menschen an erster Stelle steht, beispielsweise Lehrer, Sozialarbeiter und Pflegekräfte, müssen Emotionsarbeit oft im Rahmen ihrer Jobs leisten. In diesen Berufen müssen nicht nur die Pflichten des Jobs erfüllt werden, sondern dazu müssen auch die eigenen Emotionen gesteuert werden, um so wiederum besser mit den Emotionen der Personen umgehen zu können, mit denen man im Rahmen des Jobs Kontakt hat.

Hochschild geht davon aus, dass Personen, die Positionen innehaben, für die Emotionsarbeit erforderlich ist, mit höherer Wahrscheinlichkeit von starkem Stress und Burn-out betroffen sind. Außerdem besteht ein auffallender Gendergap bei Berufen, in denen Emotionsarbeit eine zentrale Rolle spielt. Forscher der Nova Southeastern University haben herausgefunden, dass Frauen eher Emotionsarbeit leisten müssen als Männer, selbst wenn sie die gleiche Position innehaben. Dabei werden Emotionen aufgesetzt, die die jeweilige Person zwar nicht tatsächlich empfindet, mit denen sie aber Empathie, Optimismus und Ruhe vermitteln möchte.

Frauen werden auch außerhalb der Arbeit vor die Herausforderungen der Emotionsarbeit gestellt, denn viele von ihnen müssen zu Hause auch die Emotionen ihrer Kinder oder ihres Ehepartners steuern, um ein friedliches und geregeltes Miteinander zu ermöglichen.

Laut einer in Australien durchgeführten Umfrage von Gallup aus dem Jahr 2019 sind es in heterosexuellen Partnerschaften eher die Frauen, die den Großteil der zu Hause anfallenden Arbeiten übernehmen. Dazu gehören die übliche Hausarbeit wie Kochen und Putzen, aber auch Aktivitäten wie die Planung von Familienunternehmungen und die Kinderbetreuung – also Aufgaben, für die Emotionsarbeit in erheblichem Maße erforderlich ist.

Die Auswirkungen von Emotionsarbeit

Emotionsarbeit wird in der Regel unterschätzt und nicht vergütet. Sie lässt sich zudem nur schwer messen, was bedeutet, dass Frauen oft nicht bewusst ist, dass sie zusätzliche Arbeit leisten. Auch bei Arbeitgebern und Familien fehlt dieses Bewusstsein häufig. So sind es weiterhin die Frauen, die die zusätzliche Arbeit und die Nachteile auf sich nehmen, die mit Emotionsarbeit einhergehen. Dies hat die folgenden Auswirkungen:

1. Höherer Stresslevel: Frauen sind beinahe doppelt so oft von Stress betroffen wie Männer und die Emotionsarbeit steht damit in engem Zusammenhang.

2. Mangelnde Ruhepausen: Frauen geben oft an, dass sie sich schwer damit tun, zur Ruhe zu kommen. Auch wenn die Aufgaben erledigt sind, die sie selbst betreffen, denken sie oft noch über Dinge nach, die andere Personen auf der Arbeit oder zu Hause erledigen müssen.

3. Höheres Risiko eines Burn-outs: Burn-out ist ein Erschöpfungszustand, der von lang anhaltendem und starkem Stress verursacht wird. Wenn eine Person ein Burn-out hat, ist sie physisch oder mental nicht mehr in der Lage, ihre Aufgaben nach besten Kräften auszuführen, unabhängig davon, ob es sich um bezahlte oder unbezahlte Arbeit handelt. Bei Personen, deren Positionen viel Emotionsarbeit erfordern, ist die Wahrscheinlichkeit eines Burn-outs höher.

Emotionsarbeit während des Coronavirus

Aufgrund der COVID-19-Pandemie haben Regierungen verfügt, dass Schulen zum virtuellen Unterricht übergehen und Kindertagesstätten geschlossen bleiben. Für diejenigen, die das Glück haben, ihren Beruf von zu Hause aus ausüben zu können, stellt sich jedoch die Frage, wie die Kinder betreut werden sollen und wer sich auf den Beruf konzentrieren soll.

Die emotionale Last liegt oft unbeabsichtigt auf den Frauen, wenn diese wichtigen familiären Entscheidungen getroffen werden, selbst wenn sich die Partner ansonsten aktiv darum bemühen, die Haushaltspflichten aufzuteilen.

Die Belastung ist noch höher für Alleinerziehende, von denen laut des Pew-Forschungszentrums 81 % Frauen sind, und besonders auch für Eltern, die ihren Job bereits verloren haben oder befürchten, aufgrund der COVID-19-Krise gekündigt zu werden.

Wie Sie die Belastung durch Emotionsarbeit verringern können

Die Emotionen kochen hoch und es gibt zurzeit viele Unbekannte. Es gibt zwar keine Universallösung, um Emotionsarbeit vollständig zu beseitigen, aber die Belastung kann zu einem gewissen Grad abgeschwächt werden, indem Stress reduziert und es Familien ermöglicht wird, diese Zeiten so angenehm wie möglich zu überstehen. Unten finden Sie einige Ideen, die Sie mit Ihrer Familie abwägen können:

1. Teilen Sie Verantwortungsgebiete neu auf: Wenn Sie mit einem Partner zusammenleben, sollten Sie darüber sprechen, wie Sie die Verantwortung untereinander aufteilen, die im Zuge der COVID-19-Krise auf Sie zukommen. Legen Sie Aufgaben fest, die Ihr Partner übernehmen könnte, damit die Belastung auf mehrere Schultern verteilt werden kann. Dazu kann gehören, die Initiative bei der Planung von Aktivitäten für die Kinder zu übernehmen, Lebensmitteleinkäufe zu tätigen und Verantwortung für die Planung der Mahlzeiten zu übernehmen. Sie können auch Zeiträume einplanen, in denen sich der jeweils andere Partner ungestört auf die Arbeit konzentrieren kann. Obwohl diese Gespräche selbst Emotionsarbeit sind, werden sie Ihrem Partner dabei helfen, ein Verständnis für die unterschätzte und unbeachtete Arbeit zu entwickeln, die Sie tagtäglich verrichten.

2. Haben Sie Geduld mit sich selbst: Es ist völlig in Ordnung, momentan nicht so produktiv wie gewohnt zu sein. Dasselbe gilt natürlich auch für Ihre Kinder. Seien Sie gnädig zu sich selbst, wenn Sie beispielsweise die Regeln etwas lockern müssen, wie lange Ihre Kinder vor dem Fernseher sitzen dürfen, wenn das bedeutet, dass dafür Ruhe im Haus ist und Sie so einige Stunden ungestört Ihre Arbeit erledigen können.

3. Machen Sie Pausen: Gönnen Sie sich häufig Pausen von der Arbeit und bei Bedarf auch von der Familie. Gehen Sie kurz nach draußen, um einfach mal tief durchzuatmen, trinken Sie eine Tasse Kaffee allein im Schlafzimmer oder machen Sie Yoga zu einem virtuellen Videokurs im Wohnzimmer.

4. Setzen Sie Grenzen und halten Sie sie ein: Wenn Sie Grenzen während dieser Krise setzen und einhalten, können Sie so einem Burn-out vorbeugen und andere negative Begleiterscheinungen der Emotionsarbeit vermeiden. Diese Grenzen können sich von Familie zu Familie unterscheiden, sie sind aber hilfreich, um zu Hause ein harmonischeres Miteinander zu schaffen.

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