Karriereplanung

Gehalt vs. Stundenlohn: Die wichtigsten Unterschiede

Der Stundenlohn ist ein wichtiger Faktor bei der Suche nach neuen Jobs. Dazu zählt mehr als der Bruttolohn. Für viele Menschen ist die Art und Weise Ihrer Entlohnung entscheidend für Ihre langfristige Lebensplanung und finanzielle Sicherheit. Doch häufig wird übersehen, dass nur diejenigen, die gut informiert sind und ihre Arbeitnehmerrechte kennen, das optimalste bei einer Gehaltsverhandlung herausholen können. Es hilft, den Unterschied zwischen Gehalt und Stundenlohn zu kennen. In diesem Artikel erklären wir Ihnen die wichtigsten Unterschiede zwischen Gehalts- und Stundenzahlungen. Wir erläutern die wichtigsten Punkte, auf die Sie bei Gehaltsverhandlungen achten sollten und wie Sie Ihren Stundenlohn berechnen können.

Was ist ein Gehalt?

Es gibt mehrere Unterschiede zwischen einem Monatsgehalt und einem nach Stunden bezahlten Stundenlohn. Der deutlichste Unterschied besteht in der Art und Weise der Auszahlung. Beide Arten besitzen Vor- und Nachteile.

Das Gehalt ist eine konstante Zahlung an einen Mitarbeiter auf Grundlage einer Voll- oder Teilzeitstelle. Üblicherweise bekommen Angestellte ein Monatsgehalt von ihrem Arbeitgeber ausgezahlt, manche Unternehmen zahlen die Gehälter aber auch jährlich aus. Die Höhe und die Häufigkeit der Auszahlung sollten immer Teil Ihres Arbeitsvertrages sein.

Jede Gehaltszahlung stellt einen Festbetrag dar. So erhalten Sie beispielsweise 5.000 Euro Monatsgehalt bei einem Gehalt von 60.000 Euro pro Jahr (Netto).

Faktoren für die Berechnung des Gehalts

Viele große Unternehmen haben für jede Position eine bestimmte Gehaltsspanne für Angestellte zur Verfügung, die in der Regel durch den Vergleich der Branchendurchschnitte auf Grundlage von Positionsart, Niveau und Standort ermittelt wird. Die Gehälter hängen auch von Ihrer Ausbildung, Ihrer bisherigen beruflichen Erfahrung und der Zeit, die Sie bereits für ein Unternehmen gearbeitet haben, ab. Die Gehaltsspanne ist selbstverständlich auch dem Faktor Angebot und Nachfrage unterworfen. In der Regel können Sie in Bereichen mit mehreren offenen Stellen bessere Angebote für sich ähnelnde Stellen erhalten.

Was ist ein Stundenlohn?

Der Stundenlohn ist der Geldbetrag, den Sie für jede Arbeitsstunde erhalten. Als Arbeitnehmer auf Stundenbasis sollten Sie für alle Stunden, die Sie arbeiten, bezahlt werden. Die Gleichung ist recht simpel: Will ein Arbeitgeber mehr von Ihrer Zeit, muss er Ihnen auch ein höhreres Gehalt bezahlen. Wenn Sie beispielsweise also 25 Stunden und 30 Minuten arbeiten, werden Sie auch für 25,5 Stunden bezahlt. Beträgt Ihr Stundenlohn beispielsweise 17,50 Euro, erhalten Sie 446,25 Euro für Ihre Arbeitszeit 17,50 Euro x 25,5. Dieser Betrag wird als Ihr Brutto-Stundenlohn bezeichnet, der bleibende Betrag nach Abzug aller Steuern ist der Netto-Stundenlohn.

Wie berechnet man den Stundenlohn?

Besonders Selbstständige und Gründer, die neu im Geschäft sind, fragen sich oft, wie man einen Stundenlohn berechnet. Doch auch berufserfahrene Arbeitnehmer sind sich oft nicht im Klaren darüber, welchen Wert sie für Ihre Dienstleistung tatsächlich verlangen können.

Schritte für die Stundenlohn-Berechnung

Um Ihren Stundenlohn zu berechnen, sollten Sie sich an folgende einfache Formel halten:

Prüfen Sie den Mindestlohn

Prüfen Sie den aktuellen gesetzlichen Mindestlohn sowie das allgemeine Durchschnittsgehalt. In Deutschland beträgt der Mindestlohn aktuell 9,35 Euro; dieser Betrag wird alle zwei Jahre aktualisiert, das Durchschnitts-Nettogehalt der Deutschen ohne Kinder lag 2019 bei schätzungsweise 23.663 Euro pro Jahr.

Erstellen Sie eine Kalkulation

Erstellen Sie eine realistische Kalkulation der Anzahl von Tagen, an denen Sie voraussichtlich nicht arbeiten werden (Wochenenden, Urlaubs- und Feiertage, krankheitsbedingte Ausfälle etc.).
Abzüglich dieser arbeitsfreien Tage müssen Sie sich nun folgende Frage stellen: Wie viele Stunden werden Sie in einem Jahr, einem Monat und einer Woche voraussichtlich arbeiten?

Rechnen Sie die Abzüge ein

Rechnen Sie die Abzüge ein, die Sie durch die Zahlung von Kranken-, Pflege und Rentenversicherung haben werden. Dadurch bekommen Sie ein umfassenderes Bild Ihres Stundenlohnes und ob dieser zum Leben reicht. Denn die bloße Summe allein sagt nicht viel aus.

Unproduktive Zeit einberechnen

Fragen Sie sich, wie viel Arbeitszeit Sie mit sogenannten unproduktiven Tätigkeiten verbringen werden. Dazu zählen die Dinge, die Sie nicht von Kunden bezahlt bekommen, wie die Buchhaltung, Vorbereitung und andere organisatorische Tätigkeiten.

Betriebliche Fixkosten können Ihren Stundenlohn beschneiden

Betrieblichen Fixkosten können ein erheblicher Faktor sein, der Ihren tatsächlichen Stundenlohn mindert. Hierzu zählen neben der Miete für ein Büro auch der Erwerb von Softwarelizenzen, die Teilnahme an Fortbildungen oder andere regelmäßige oder einmalige Zahlungen, die in Bezug zu Ihrer Tätigkeit stehen.

Erstellen Sie eine Liste, die all diese Fragen berücksichtigt und konkrete Zahlen festhält. Aus der Gesamtheit dieser Faktoren können Sie dann Ihren Netto-Stundenlohn nach Ihren Bedürfnissen und der aktuellen Marktlage berechnen.

Stundenlohn im Internet berechnen

Wem das zu unübersichtlich wird, der kann sich Hilfe bei Stundenlohnrechnern im Internet holen. Bei den meisten dieser Lohnrechner können Sie Ihren Stundenlohn oder auch Ihren voraussichtlichen Monatslohn anhand Ihrer gearbeiteten Stunden in Brutto und Netto berechnen.

Vor- und Nachteile von Stundenlohn und Gehalt

Gehalts- und Stundenvergütungsmethoden weisen jeweils unterschiedliche Vor- und Nachteile auf. Einige Personen bevorzugen eine stundenweise Bezahlung, während andere sich je nach Branche, Bedarf und Zeitplan lieber nach Stellen mit Festgehältern umsehen. Lassen Sie uns den Blick auf einige der Vor- und Nachteile beider Arten von Gehältern werfen.

Vorteile der Gehaltszahlung

Ein regelmäßiges Gehalt zu erhalten, kann aus mehreren Gründen für Sie besser sein, als eine Arbeit auf Stundenbasis:

Ein einheitlicher Gehaltscheck

Angestellte erhalten von ihren Arbeitgebern einheitlich einen bestimmten Betrag. Jeder Scheck ist gleich, auch wenn Sie zwischendurch Urlaub nehmen. Sie können bei Bedarf auch Krankheitstage nutzen, ohne dass Ihr Gehaltsscheck gekürzt wird. Ein regelmäßiges Einkommen kann Stress reduzieren und ermöglicht Ihnen mehr Flexibilität, wenn Sie unerwartete Ausgaben haben.

Mehr Zusatzleistungen

Vollzeitbeschäftigte Mitarbeiter erhalten in der Regel zusätzliche Leistungen wie Gesundheitsfürsorge und bezahlten Urlaub. Selbst wenn Ihnen eine bezahlte Arbeit mit Zusatzleistungen am Ende des Monats zunächst weniger als ein Stundenlohn bringt, könnte Sie dies, auf lange Sicht gesehen, in eine bessere finanzielle Lage bringen. Vergünstigungen wie Elternzeit, Rückerstattungen von Mitgliedschaften im Fitnessstudio oder kostenlose Kinderbetreuung können erhebliche Einsparungen mit sich bringen.

Mehr Aufstiegsmöglichkeiten

Im Allgemeinen bringt eine mit einem Gehalt bezahlte Stelle mehr Verantwortung mit sich als ein Job auf Stundenlohn-Basis. Selbst wenn Sie eine Gehaltskürzung akzeptieren, um von einer stündlichen in eine bezahlte Stelle zu wechseln, könnte sich der Wechsel langfristig lohnen. Neben Zusatzleistungen wie der Krankenversicherung können Sie schneller in eine höhere Position befördert werden als ein Mitarbeiter auf Stundenbasis. Positionen im Management müssen in der Regel als Vollzeitbeschäftigung ausgestaltet sein.

Nachteile der Gehaltszahlung

Dem Gesetz nach müssen Unternehmen für Überstunden eines in Vollzeit angestellten Mitarbeiters mit 40 Wochenstunden bezahlen. Unternehmen können daher von Ihren Angestellten stets verlangen, dass diese so lange arbeiten, wie es dauert, bis eine Tätigkeit abgeschlossen worden ist. Es gibt keinen weiteren Ausgleich für zusätzliche Stunden, sodass ein anspruchsvoller Chef Sie leicht mit zusätzlichen Aufgaben länger bei der Arbeit halten kann.

Vorteile des Stundenlohns

In einigen Fällen kann es deshalb vorteilhafter sein, auf Stundenbasis zu arbeiten. Im Folgenden finden Sie eine Liste einiger Vorteile beim Erhalt eines Stundenlohns:

Überstundenvergütung

Die meisten Unternehmen setzen ein Zeiterfassungssystem ein, das die Mitarbeiter minutengenau bezahlt. Wenn Sie einen Stundenlohn erhalten, sollten Sie also einen entsprechenden Ausgleich erhalten, wenn Sie länger bei der Arbeit bleiben müssen. Da das Bundesgesetz eine Bezahlung von Überstunden für Mitarbeiter auf Stundenbasis vorschreibt, könnten Sie hunderte von zusätzlichen Euro pro Woche verdienen, wenn Sie während einer arbeitsreichen Zeit für mehr als 40 Stunden pro Woche benötigt werden.

Mehr Zeit für andere Interessen verwenden

Eine stundenweise bezahlte Stelle ermöglicht es Ihnen, Zeit für andere Interessen einzuplanen, wie z.B. Weiterbildungen, den Schulbesuch, die Gründung eines eigenen Unternehmens oder eine andere Teilzeitbeschäftigung.

Mehr Geld für Überstunden an Feiertagen

Einige Arbeitgeber zahlen das Doppelte oder sogar das Dreifache für Arbeiten an Feiertagen, wie zum Beispiel an Silvester. Wenn Sie auf Stundenlohnbasis in einem Bereich tätig sind, in dem Überstunden üblich sind, verdienen Sie möglicherweise mehr, als wenn Sie eine mit einem Gehalt bezahlte Stelle mit vergleichbarer Bezahlung hätten.
Überstundenarbeit und die damit verbundene zusätzliche Bezahlung ist aber nicht immer garantiert. Sie sollten sich vergewissern, dass diese (und alle anderen versprochenen Leistungen) Teil Ihres Vertrags sind, bevor Sie ein Stellenangebot annehmen.

Nachteile des Stundenlohns

Neben diesen Vorteilen, hat eine Bezahlung auf Stundenbasis aber auch Nachteile, die über das etwas unsichere Arbeitsverhältnis und den Bezahlungsmodus hinausreichen.

Kein gesichertes Einkommen

Das Einkommen eines Stundenlohns ist üblicherweise anfälliger für Veränderungen: Mitarbeiter auf Stundenbasis bekommen meistens zuerst die Auswirkungen einer schlechten Konjunktur oder eines wirtschaftlichen Abschwungs in ihrer Branche zu spüren. Viele Unternehmen entscheiden sich in einer solchen Situation eher dafür, die Stundenzahl solcher Mitarbeiter zu reduzieren, anstatt Angestellte zu entlassen.

Verlust eines Teils des Stundenlohns bei Verspätungen

Stundenlohn-Mitarbeiter werden es auch direkt im eigenen Geldbeutel spüren, wenn sie ihre geplanten Stunden nicht einhalten. Beispielsweise verdient jemand, der 17,50 Euro pro Stunde bezahlt bekommt und 10 Minuten zu spät zur Arbeit kommt, 2,92 Euro (Netto) weniger. Zusätzlich zu den Verlusten durch Verspätungen genießen stündlich abgerechnete Mitarbeiter im Allgemeinen nicht dieselben flexiblen Arbeitszeiten wie Angestellte. Während ein Angestellter einen etwas flexiblen Zeitplan hat, der normalerweise Krankheitstage und bezahlte Freistellung vorsieht, muss ein Stundenlohnarbeiter pünktlich zum Schichtbeginn erscheinen und sich „einstempeln“.

Monatsgehalt oder Stundenlohn - was passt zu Ihnen?

Es ist wichtig, sich während der Jobsuche über das Verhältnis zwischen Gehalt und Stundenlohn zu informieren, insbesondere dann, sofern Sie über die Tarife für eine neue Stelle verhandeln. Stellen Sie im Voraus immer eine persönliche Kalkulation aller Kosten, Zusatzleistungen sowie Ihrer individuellen Bedürfnisse auf und fragen Sie sich, wie die nächsten Jahre für Sie im Idealfall aussehen sollten – sowohl beruflich-finanziell als auch privat. Wenn Sie den Unterschied zwischen einem Gehalt und einem Stundenlohn vollständig erfasst haben, können Sie die für Ihre Bedürfnisse am besten geeignete Variante auswählen.

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