Karriereplanung

So unterstützen Sie Ihr Team in Krisenzeiten

Viele Menschen durchleben momentan eine Zeit der Ungewissheit. Es dreht sich derzeit nicht nur alles um unsere eigene Gesundheit und die unserer Angehörigen, sondern auch um ein geschärftes Bewusstsein für die seit langem bestehenden Auswirkungen von systematischer Ungleichbehandlung und Rassismus. Gleichzeitig sehen sich viele Menschen mit Herausforderungen wie Arbeitslosigkeit, Arbeitssuche, Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie und Kinderbetreuung konfrontiert. Sie sind für Ihr Team verantwortlich. Aber vielleicht sind Sie sich unsicher, wie Sie Ihr Team jetzt am besten unterstützen und Ihren Mitarbeitern dabei helfen können, die große Herausforderung anzugehen, Arbeit und Privatleben in diesen außergewöhnlichen Zeiten unter einen Hut zu bringen.

Es gibt keine pauschale Antwort darauf, wie Sie Ihr Team am besten unterstützen. Dieser Artikel gibt Ihnen aber Tipps und Ideen mit an die Hand, wie Sie sich Ihrem Team gegenüber am besten positionieren. Wir zeigen Ihnen auch, wie Sie ein von Chancengleichheit geprägtes Arbeitsumfeld schaffen, in dem sich jeder respektiert, geschätzt und in der Lage fühlt, einen wichtigen Beitrag zu leisten.

Was Sie über die derzeitige Situation wissen müssen

Die jüngsten Ereignisse und die Berichterstattung in den Medien haben Ungerechtigkeit und Diskriminierung aufgezeigt, mit denen Afroamerikaner in den USA in der Vergangenheit (und gegenwärtig) konfrontiert wurden. Als Führungskraft sollten Sie zuallererst erkennen können, dass es daher auch einigen Ihrer Teammitgliedern momentan vielleicht nicht gut geht.

Was Sie tun können

Sie kennen Ihr Team und Ihr Unternehmen am besten. Wie Sie reagieren sollten, hängt daher von Ihrer Situation und Ihren Mitarbeitern ab. Sie können jedoch Maßnahmen ergreifen, damit sich Ihr Team respektiert und unterstützt fühlt. Hier sind einige Tipps:

1. Suchen Sie mit betroffenen Mitarbeitern ein persönliches Gespräch

Starten Sie Meetings doch einmal mit einer der folgenden Fragen. So können Sie erkennen, ob Mitarbeiter in Ihrem Team mit beruflichen oder privaten Herausforderungen zu kämpfen haben:

  • Gibt es etwas, bei denen ich Sie oder Ihren Partner bzw. Ihre Partnerin unterstützen kann?
  • Für wann haben Sie den nächsten Urlaub geplant? Mir ist es wichtig, dass Sie auf Ihre mentale und körperliche Gesundheit Acht geben.
  • Wie häufig wünschen Sie ein Gespräch mit mir?
  • Ich habe Sie länger nicht mehr gesehen oder von Ihnen gehört. Falls Sie irgendetwas brauchen: Ich bin für Sie da.
  • Ich gestehe, dass mir die Worte fehlen und ich nicht weiß, wie ich helfen kann. Ich werde meine Kollegen um Rat fragen und umgehend auf Sie zukommen.

2. Nutzen Sie Meetings, um sich über Ihr Team zu informieren

Widmen Sie die Zeit vor dem Meeting Ihren Mitarbeitern und fragen Sie sie, ob sie nicht-berufliche Anliegen haben, zum Beispiel:

  • Gibt es irgendetwas, über das jemand im Zusammenhang mit den aktuellen Ereignissen sprechen möchte, bevor wir mit dem Meeting beginnen?
  • Ich weiß, dass dies eine schwierige Zeit für viele unserer Mitarbeiter ist. Wenn Sie irgendetwas brauchen, dann lassen Sie es mich wissen.
  • Versenden Sie über die Chat-Funktion ein Wort, das beschreibt, wie Sie sich heute fühlen.

3. Senden Sie E-Mails zu aktuellen Themen

Wählen Sie Kommunikationsformen, die für Ihr Team am besten funktionieren. Auf diesem Wege können Sie Ihre Mitarbeiter regelmäßig über das informieren, was Sie bewegt, und Unterstützung anbieten. Zum Beispiel:

  • Machen Sie deutlich, dass Sie sich dessen bewusst sind, was im Leben Ihrer Teammitglieder vor sich geht, und dass Sie bei Bedarf ein offenes Ohr haben.
  • Untermauern Sie die Werte Ihres Unternehmens, insbesondere in Bezug auf Vielfalt, Inklusion und Zugehörigkeit.
  • Teilen und unterstreichen Sie Stellungnahmen und Nachrichten der Geschäftsführung.
  • Teilen Sie Informationen, um Teammitglieder aufzuklären und die Verbundenheit im Team zu stärken.
  • Bieten Sie während der üblichen Geschäftszeiten Möglichkeiten an, über Themen wie ethnische Zugehörigkeit zu sprechen.

4. Schaffen Sie eine sichere Umgebung für Gespräche über die ethnische Zugehörigkeit

Das mag zu Beginn vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig sein, es sollte aber zur Normalität gehören, über die ethnische Zugehörigkeit zu sprechen. Nur so können Sie und Ihr Team sich besser kennenlernen und eine Grundlage schaffen, um die Erfahrungen, Unterschiede und Ansichten des anderen zu verstehen.

Von Ihnen als Führungskraft wird aus Sicht Ihres Teams in Krisenzeiten möglicherweise erwartet, dass Sie bestimmte Themen ansprechen. Sie sollten sich dabei bewusst sein, dass Mitarbeiter sich unter Umständen reserviert verhalten und sagen: „Danke, aber ich bin noch nicht bereit, darüber zu reden.“ Akzeptieren Sie diese Antwort und unterstützen Sie Ihr Team trotzdem. Beachten Sie, wie Sie sich bei solch einer Antwort fühlen. Sind Sie genervt oder frustriert? Überlegen Sie, wo diese Gefühle herkommen.

Sie sollten in den Gesprächen zunächst deutlich machen, warum Sie diese führen: um wichtige Themen anzusprechen, einander zuzuhören und voneinander zu lernen. Schaffen Sie zuvor bereits eine Grundlage für die Diskussion, den gegenseitigen Respekt und das Zuhörerverhalten.

Sie könnten Ihren Teammitgliedern auch dazu raten, erst einmal in sich zu gehen. So können sie herausfinden, welche Standpunkte sie vertreten und welche Vorurteile sie unter Umständen haben. Fragen Sie sie zum Beispiel:

  • Wann wurde Ihnen zum ersten Mal Ihre ethnische Zugehörigkeit bewusst?
  • Welche Kindheitserfahrungen haben Sie mit Freunden oder Erwachsenen gemacht, die in irgendeiner Weise anders waren als Sie?
  • Hat Sie in Ihrem Leben jemand dazu ermutigt, über ethnische Unterschiede nachzudenken?

Lassen Sie Ihre Mitarbeiter Ihre Erfahrungen laut aussprechen. Hören Sie zu und erteilen Sie Ihrem Team das Wort. Sollten Missverständnisse auftreten, können Sie die Vermittlerrolle einnehmen. Fragen Sie dann zum Beispiel: „Sie haben gesagt ____. So habe ich es zumindest interpretiert. Verstehe ich das richtig?“

Verschieben Sie Teammeetings, wenn Ihr Unternehmen zum selben Zeitpunkt Weiterbildungen, Diskussionsrunden oder Vorträge zu Themen geplant hat, die für Ihr Team von Belang sein könnten. So ermöglichen Sie Ihren Mitarbeitern, daran teilzunehmen. Ermutigen Sie sie zur Teilnahme und besprechen Sie das Thema nach der Veranstaltung gemeinsam.

5. Nehmen Sie eine Position ein

Nehmen Sie eine klare Position ein, wenn rassistische und ethnische Vorurteile aufkommen. Dadurch fördern Sie eine Teamkultur, in der jeder Mitarbeiter gleichbehandelt und verstanden wird. Dies braucht allerdings Zeit und wird Ihnen wahrscheinlich nicht über Nacht gelingen. Hier finden Sie aber einige Tipps, wie Sie am besten an die Sache herangehen:

  • Denken Sie über Ihre Ansichten nach. Bevor Sie eine Position einnehmen oder Maßnahmen ergreifen, kann es hilfreich sein, sich etwas Zeit zu nehmen, um sich über Ihre eigenen Ideen, Vorurteile und Denkweisen klar zu werden. Nützlich sind dabei zum Beispiel Bücher, Podcasts, Artikel oder Gespräche mit einem Experten.
  • Seien Sie ein Vorbild. Sprechen Sie sich gegen verletzende, abfällige, rassistische oder engstirnige Bemerkungen oder Verhaltensweisen aus und melden Sie diese.
  • Bleiben Sie informiert. Verfolgen Sie die Nachrichten. So wissen Sie, was Ihre Mitarbeiter beschäftigt und wie sie dadurch womöglich bei der Arbeit beeinflusst werden.
  • Seien Sie proaktiv. Beteiligen Sie sich in Ihrem Unternehmen an einer von Mitarbeitern geleiteten Interessengruppe. So können Sie besser verstehen, wie Sie Ihrem Team unterstützend zur Seite stehen. Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter, sich in diese Gruppen zu engagieren, wenn Sie glauben, dass es ihnen zugutekommt.

6. Vermeiden Sie Fehltritte

Natürlich sind Fehler oft Teil des Lernprozesses. Sollten Sie einen Fehler gemacht haben, dann entschuldigen Sie sich rasch dafür. Diese Fehler sollten Sie aber generell versuchen, zu vermeiden:

  • Schweigen Sie nicht. Sie wissen nicht so recht, was Sie sagen oder tun sollen? Schweigen ist da natürlich die bequemste Variante. Stattdessen sollten Sie lieber deutlich machen, dass es gerade nicht einfach ist, die richtigen Worte zu finden. Betonen Sie, dass Sie sich Zeit nehmen werden, um die richtigen Maßnahmen zu ergreifen und Unterstützung anzubieten.
  • Verstecken Sie Ihre Gefühle nicht. Gefühle sind sowohl für das gegenseitige Verständnis als auch für die Kommunikation von großer Bedeutung.
  • Versuchen Sie nicht, sich selbst zu verteidigen, wenn Ihnen eine unangenehme Frage gestellt wird. Fragen Sie lieber genauer nach und geben Sie zu, wenn Sie einen Fehler gemacht haben und noch dazulernen müssen.
  • Vermeiden Sie Verallgemeinerungen. Das bezieht sich auf Situationen, Erfahrungen und Gefühle anderer.
  • Verbannen Sie Schuldzuweisungen und herabsetzende Aussagen aus Ihren Gesprächen. Die Gesprächsteilnehmer müssen nicht einer Meinung sein oder ein Heilmittel gegen Rassismus finden.
  • Kehren Sie nicht zu schnell zur Arbeit zurück. In Zeiten wie diesen kann sich das für manche schwierig anfühlen. Machen Sie deutlich, wie wichtig es ist, eine Auszeit zu nehmen, um sich zu entspannen und neue Kraft zu tanken.

Selbstverständlich haben all Ihre Mitarbeiter unterschiedliche Bedürfnisse, Prioritäten und Gefühle. Jedoch sind offene Kommunikation und Transparenz der Schlüssel in Krisenzeiten. Nehmen Sie sich Zeit, um sowohl über Ihre eigenen Gefühle als auch über die aufkommenden Gefühle Ihrer Mitarbeiter nachzudenken. Nur so können Sie die richtigen Maßnahmen ergreifen, damit sich Ihr Team geschätzt, respektiert und unterstützt fühlt.

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