Karriereplanung

Vaterschaftsurlaub richtig gemacht

Zunehmend mehr Arbeitnehmer entscheiden sich für einen Vaterschaftsurlaub – und das ist verständlich. Täglich mitzuerleben, wie das eigene Kind wächst und die Welt kennenlernt, ist eine einmalige Erfahrung und wer sie verpasst, kann sie nie wieder nachholen. Wenn sich auch bei Ihnen Nachwuchs ankündigt, sollten Sie sich überlegen, ob Sie nicht wenigstens für ein paar Wochen in Elternzeit gehen möchten. Der Staat räumt Ihnen dieses Recht nicht nur ein, sondern stellt für diese wichtige Anfangszeit der Elternschaft auch finanzielle Unterstützung bereit.

Was genau ist Vaterschaftsurlaub?

Der Begriff „Vaterschaftsurlaub“ ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für eine unbezahlte Freistellung, die ein männlicher Arbeitnehmer nach der Geburt (auch Adoption oder Inpflegenahme) eines Kindes in Anspruch nehmen kann. Der juristische Fachbegriff für diese Art von Freistellung lautet „Elternzeit“ und ist im § 15 Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz geregelt.

Obwohl der Begriff „Vaterschaftsurlaub“ das Wort „Urlaub“ beinhaltet, bedeutet es nicht, dass Sie während der Freistellung nicht arbeiten dürfen. Im Gegenteil, Sie können in Ihrem bisherigen Job weiterhin tätig sein und lediglich die Arbeitszeit reduzieren, sodass diese 30 Stunden nicht überschreitet (bei Überschreitung erlischt Ihr Anspruch auf Elterngeld). Das ist allerdings nur dann möglich, wenn es im Betrieb mehr als 15 Mitarbeiter gibt und Sie vor der Elternzeit mindestens sechs Monate am Stück dort gearbeitet haben.

Wie viel Vaterschaftsurlaub steht Ihnen zu?

Insgesamt stehen Ihnen maximal 36 Monate (drei Jahre) Elternzeit zu. Wenn Sie diese am Stück nehmen wollen, steht dem rechtlich gesehen nichts im Wege, allerdings sind die meisten Arbeitgeber nicht erfreut darüber, Mitarbeiter so lange entbehren zu müssen. Sie haben auch die Möglichkeit, die ersten zwölf Monate des Vaterschaftsurlaubs innerhalb der ersten drei Lebensjahre des Kindes zu nehmen und die restlichen 24 Monate auf die Zeit zwischen dem dritten und dem achten Lebensjahr „aufzusparen“. Das erfordert zwar die Zustimmung der Arbeitgeber, aber in der Regel wird diese Variante bevorzugt, da Mitarbeiter nicht volle drei Jahre am Stück freigestellt sind.

Wie und wann beantragt man Vaterschaftsurlaub?

Die Frist für die Beantragung eines Vaterschaftsurlaubs variiert in Abhängigkeit davon, wie alt Ihr Kind ist. Wenn Sie die Elternzeit im Zeitraum bis zum dritten Lebensjahr des Kindes beantragen, müssen Sie es mindestens sieben Wochen im Voraus tun. Wenn Sie einen Teil des Vaterschaftsurlaubs „aufgespart“ haben und diesen zwischen dem dritten und dem achten Lebensjahr des Kindes in Anspruch nehmen wollen, müssen Sie dies mindestens 13 Wochen im Voraus beantragen. In beiden Fällen ist es auch erforderlich, die Dauer der Freistellung im Voraus anzugeben.

Der Antrag auf Elternzeit muss in schriftlicher Form und mit einer eigenhändigen Unterschrift vorgelegt werden. Am besten lassen Sie sich die Zusage ebenfalls schriftlich bestätigen. Weder mündliche Absprachen noch ein per E-Mail oder Instant-Messaging-Dienst gestellter Antrag sind rechtskräftig, selbst wenn eine Zusage erteilt wird. Beachten Sie außerdem, dass Sie frühestens dann in Elternzeit gehen dürfen, wenn die Mutterschutzfrist abgelaufen ist, d. h. acht Wochen nach der Geburt. Aber ansonsten keine Sorge: Wenn Sie den Vaterschaftsurlaub fristgerecht und in formeller Hinsicht korrekt beantragen, muss Ihr Arbeitgeber ihn genehmigen.

Wie wird der Vaterschaftsurlaub finanziert?

Es ist eine einmalige Erfahrung, das ersehnte Kind aufwachsen zu sehen – aber ernähren muss man es auch können. Wovon soll die Familie leben, wenn einer oder beide Elternteile sich in unbezahlter Freistellung befinden? Diesbezüglich gibt es eine Reihe an staatlichen Hilfen, die werdenden Eltern diese Sorgen abnehmen.

Kindergeld

Für jedes Kind bekommen Sie vom Staat Kindergeld. Dieses beträgt ab dem 1. Januar 2021:

  • für das erste und zweite Kind je € 219,- monatlich (bisher € 204 ,-)
  • für das dritte Kind € 225,- monatlich (bisher € 210,-)
  • für das vierte und jedes weitere Kind € 250,- monatlich (bisher € 235,-)

Basiselterngeld

Das sogenannte Basiselterngeld steht allen Eltern zur Verfügung, auch wenn sie vor der Geburt des Kindes noch nie berufstätig waren. Sie können das Basiselterngeld außerdem nicht nur für eigene Kinder, sondern auch für Adoptivkinder und die Kinder Ihres Lebensgefährten beantragen. Die Voraussetzungen sind, dass Sie mit dem Kind im selben Haushalt leben, es selbst betreuen und aufziehen und dabei entweder gar nicht oder nicht mehr als 30 Stunden pro Woche arbeiten. Zudem muss Ihr Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland liegen, wenn Sie hier das Basiselterngeld beziehen wollen.

Das Basiselterngeld wird nach Ihrem bisherigen Nettoeinkommen berechnet. Elternpaaren mit geringem Einkommen stehen bis zu 100 % ihres bisherigen Einkommens zu, Elternpaare mit höherem Einkommen erhalten einen entsprechend kleineren Anteil, jedoch nicht weniger als € 300,- und nicht mehr als € 1.800,- im Monat. Elternpaare, die zusammen mehr als € 300.000,- pro Jahr verdienen (bis 2020: € 500.000,-), sind vom Bezug des Elterngeldes ausgenommen. Eltern, die mehrere kleine Kinder haben, steht der sogenannte Geschwisterbonus zu. Dieser beträgt pro Kind 10 % des Basiselterngeldes, mindestens aber € 75,-. Bei Mehrlingsgeburten bekommen Sie einen Zuschlag von € 300,- für jedes weitere Mehrlingskind.

Zu beachten ist außerdem, dass sich beim Basiselterngeld die Bezugsmonate nach den Lebensmonaten des Kindes und nicht nach Kalendermonaten richten. Wenn Ihr Kind also z. B. am 6. Februar geboren ist, dann gilt der erste Bezugsmonat vom 6. Februar bis 6. März, der zweite vom 6. März bis zum 6. April usw.

Die Aufteilung der Elternzeit ist wichtig

Das Basiselterngeld wird für zwölf Monate nach der Geburt des Kindes ausbezahlt, wenn nur einer von beiden Elternteilen die Elternzeit in Anspruch nimmt, kann aber auf 14 Monate verlängert werden, wenn beide Elternteile sich innerhalb dieses Zeitraums die Elternzeit teilen. Allerdings muss einer der beiden Elternteile mindestens zwei von den 14 Monaten in Anspruch nehmen.

Sie können sich also die Elternzeit so aufteilen, dass z. B. der Vater zwei Monate und die Mutter zwölf Monate Elternzeit nimmt, aber auch so, dass beide jeweils sieben Monate nehmen. Wenn aber z. B. der Vater nur einen Monat Elternzeit nimmt und die Mutter 13 Monate, dann wird das Basiselterngeld nur für zwölf Monate ausbezahlt. Das gilt nicht für alleinerziehende Eltern, diese können das Basiselterngeld grunsätzlich 14 Monate lang beziehen.

Elterngeld Plus

Nach Ablauf der zwölf bzw. 14 Monate, in denen das Basiselterngeld ausbezahlt wird, kann die Leistung verlängert werden. Dazu müssen Sie das sogenannte Elterngeld Plus beantragen. Der genaue Betrag hängt davon ab, ob Sie während Ihrer Elternzeit in Teilzeit arbeiten oder nicht. Wenn nicht, fällt das Elterngeld Plus nur halb so hoch aus wie das Basiselterngeld. Wenn Sie aber weiterhin berufstätig sind, erhöht sich der Betrag je nach Ausmaß der Teilzeitarbeit.

Das Elterngeld Plus beträgt zwischen € 150,- und € 900,- im Monat. Zudem gibt es auch hier den Geschwisterbonus in Höhe von mindestens € 37,50 und den Mehrlingszuschlag in Höhe von € 150,- für jedes weitere Mehrlingskind. Es gelten die gleichen Einkommensgrenzen und der gleiche monatliche Bezugsraum wie für das Basiselterngeld.

Partnerschaftsbonus

Der Partnerschaftsbonus steht Ihnen dann zu, wenn beide Elternteile mindestens vier Monate lang in Teilzeit (maximal 30 Stunden pro Woche) arbeiten und sich die Kindererziehung teilen. So können auch getrennt lebende Eltern den Partnerschaftsbonus erhalten, sofern sie sich das Sorgerecht teilen und beide ihre Arbeitszeit reduziert haben, um sich um das gemeinsame Kind zu kümmern. Der Bonus steht außerdem auch Alleinerziehenden zu, wenn sie einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen. Der Partnerschaftsbonus berechnet sich wie das Elterngeld Plus, beinhaltet ebenfalls einen Geschwisterbonus und einen Mehrlingszuschlag und greift erst dann, wenn das Basiselterngeld nicht mehr ausbezahlt wird.

Wie steigen Sie nach dem Vaterschaftsurlaub wieder in den Job ein?

Während Sie im Vaterschaftsurlaub sind, ruht Ihr Arbeitsverhältnis, und zwar unabhängig davon, um welche Art von Arbeitsverhältnis es sich handelt. In dieser Zeit genießen Sie also auch Kündigungsschutz – außer wenn der Betrieb Ihres Arbeitgebers aufgelöst wird oder Sie sich eines Vergehens schuldig machen, das eine fristlose Kündigung rechtfertigen würde. Außerdem muss Ihr Arbeitgeber garantieren, Sie nach dem Vaterschaftsurlaub wieder in ein vergleichbares Arbeitsverhältnis aufzunehmen wie jenes, in dem Sie sich vor der Elternzeit befanden.

Wenn Sie also vor der Geburt des Kindes in Vollzeit gearbeitet haben, haben Sie weiterhin Anspruch auf eine Vollzeitstelle. Wenn Sie in Teilzeit gearbeitet haben, erhalten Sie wieder die gleiche Anzahl von Stunden pro Woche. Auch Ihr Gehalt muss dem Gehalt von vor dem Vaterschaftsurlaub entsprechen. Das Einzige, das nicht garantiert wird, ist, dass Sie in Ihre frühere Position zurückkehren – der Arbeitgeber darf Sie z. B. auf einen anderen Posten oder auch in eine andere Abteilung versetzen.

Damit Sie nicht den Anschluss an Ihre Arbeitswelt verlieren, ist es ratsam, sich auch während der Elternzeit regelmäßig mit Kollegen und Vorgesetzten auszutauschen, die laufenden Projekte und Umstrukturierungen im Unternehmen zu verfolgen und sich über die Entwicklung der Branche auf dem Laufenden zu halten. Auf diese Weise sind Sie auch nach einer längeren Elternzeit sofort wieder voll leistungsfähig.

Wie wirkt sich der Vaterschaftsurlaub auf Ihren Urlaubsanspruch aus?

Nach der Rückkehr aus der Elternzeit sind manche Väter überrascht, weil ihr Jahresurlaub kürzer ist als erwartet. Der Grund liegt darin, weil Arbeitgeber für jeden vollen Monat Vaterschaftsurlaub den Jahresurlaub um ein Zwölftel kürzen dürfen. Beachten Sie das also unbedingt bei der Urlaubsplanung nach der Elternzeit.

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