Karriereplanung

Wie viel verdient man als Hebamme?

Bereits seit Jahrhunderten unterstützen Hebammen schwangere Frauen vor, nach und während der Geburt. Was ursprünglich als solidarische Hilfe unter Frauen galt, hat sich zu einem vielseitigen Beruf mit unterschiedlichen Ausbildungsmöglichkeiten entwickelt.

Mit fortschreitenden medizinischen Erkenntnissen und sich stetig entwickelnder Technologie befindet sich der Hebammenberuf in einem konstanten Wandel. Davon ist auch das Gehalt von Hebammen und Entbindungshelfern betroffen.

Dieser Artikel dient als Überblick über das durchschnittliche Einkommen in dem Berufszweig. Außerdem erfahren Sie, welche Qualifikationen Sie für eine Ausbildung zur Hebamme brauchen, welche Aufstiegsmöglichkeiten es gibt, und wie Sie sich nach einer abgeschlossenen Ausbildung weiterbilden können.

Wie viel verdient man als Hebamme?

Das durchschnittliche Gehalt einer Hebamme hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum Beispiel werden in einem Krankenhaus angestellte Hebammen anders bezahlt als freiberuflich Tätige. Während ihrer Laufbahn als Hebamme können sie sich außerdem weiterbilden und ihr Gehalt steigern.

Ausbildungsgehalt

Wer Hebamme werden möchte, darf sich noch bis zum 31. Dezember 2022 zwischen zwei Bildungswegen entscheiden. Sie können entweder eine klassische Ausbildung beginnen, oder ein Bachelor-Studium abschließen.

Im Anschluss an die derzeitige Übergangphase wird der Hebammenberuf vollständig akademisiert sein. Das bedeutet, dass Sie ein dreieinhalb-jähriges duales Studium absolvieren müssen, um als Hebamme zu arbeiten.

Wer vorher noch eine Ausbildung beginnen möchte, muss diese spätestens bis zum Jahr 2027 abschließen. Das Ausbildungsgehalt sieht dann etwa folgendermaßen aus:

  1. Ausbildungsjahr: 950 € - 1.140 €
  2. Ausbildungsjahr: 1.000 € - 1.200 €
  3. Ausbildungsjahr: 1.100 € - 1.300 €

Im Anschluss an die abgeschlossene Ausbildung haben Hebammen und Entbindungspflegepersonal die Möglichkeit, sich auf eine Festanstellung bei einem Krankenhaus oder Klinikum zu bewerben. Alternativ können Sie freiberuflich arbeiten.

Gehalt in Kliniken und Krankenhäusern

Als Angestellte*r in Kliniken und Krankenhäusern sind Sie hauptsächlich im Kreißsaal tätig und betreuen Geburten.

Dabei arbeiten Sie im Team mit Ärzte- und Pflegepersonal. Als fest angestellte Person gilt für Sie der Schichtbetrieb, sodass Sie wechselnd morgens, abends, und nachts beschäftigt sein werden. Es kann deshalb unter Umständen vorkommen, dass die Hebamme während einer Geburt wechselt.

Bei einer Festanstellung als Hebamme in Teil- oder Vollzeit im öffentlichen Dienst werden Sie tariflich bezahlt. Hebammen sind der Gehaltsgruppe „Pflege“ zugeordnet und verdienen dementsprechend so viel, wie Pflegepersonal und Krankenschwestern.

Einstiegsgehalt

Je nach Ihrer Qualifikation, Berufserfahrung und dem Bundesland, in dem Sie arbeiten, variiert das Einkommen einer Hebamme. Grundsätzlich liegt Ihr Gehalt zu Beginn zwischen 2.000 € und 2.400 € brutto. Für Nachtarbeit, Überstunden und Arbeit an Sonn- und Feiertagen können Sie mit Aufschlägen rechnen.

Private Kliniken sind nicht zur Tarifzahlung verpflichtet. Daher kommt es häufig vor, dass angestellte Hebammen dort weniger verdienen als im öffentlichen Dienst. Der gesetzliche Mindestlohn sorgt allerdings dafür, dass Ihr Gehalt nicht unter 1.470 € brutto liegt.

Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass Hebammen in einer öffentlichen Einrichtung durchschnittlich rund 24 % mehr verdienen als solche in nicht tarifgebundenen Unternehmen.

Gehaltserhöhung

Mit der Arbeitserfahrung steigt das Gehalt und liegt im Durchschnitt bei etwa 2.700 € und 3.660 € brutto monatlich.

Gehalt als freiberufliche Hebamme

Den Vorteil eines sicheren Gehalts fällt bei selbständigen Hebammen weg. Dafür können sie als Freiberufler*in ihre Arbeitszeiten selbst bestimmen. Auch alternative Methoden, wie etwa Homöopathie und Akupunktur, werden häufig von Selbstständigen angeboten.

Im Gegensatz zur Arbeit im öffentlichen Dienst, begleiten freiberufliche Hebammen die Schwangere auch vor und nach der Geburt. Sie bieten Vorbereitungs- und Rückbildungskurse an, und beraten die junge Mutter im Bereich Ernährung, Stillen und Säuglingspflege. Außerdem dienen Sie als Ansprechpartnerin bei Fragen und Sorgen, sowie emotionalen Belangen.

Das Einkommen einer freiberuflichen Hebamme kommt also auf die Anzahl der gearbeiteten Stunden an. Allerdings zahlen Hebammen einen sehr hohen Betrag für die Berufshaftpflichtversicherung, wodurch sich das Einkommen reduziert. Im Durchschnitt verdienen freiberufliche Hebammen daher oft nur etwa 7,50 € pro Stunde.

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Kosten für die Berufshaftpflichtversicherung

Die hohen Versicherungskosten sind der Grund, warum sich freiberufliche Hebammen zunehmend aus der Geburtshilfe zurückziehen und stattdessen ausschließlich Schwangerschaftskurse und Nachsorge anbieten. Die zu zahlenden Beträge sinken dabei von mehreren tausend Euro jährlich auf wenige hundert.

Die Versicherungskosten, insbesondere für Tätige im Bereich Geburtshilfe, steigen stetig. Das liegt daran, dass die Schadensersatzzahlungen bei Schadenfällen immer höher ausfallen.

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Beleghebammen

Es gibt zudem eine dritte Variante, die die Arbeit einer angestellten und einer freiberuflichen Hebamme kombiniert. Beleghebammen haben mit einer oder mehreren Kliniken privatrechtliche Vereinbarungen getroffen. Diese Belegverträge erlauben es ihnen, Geburten im Kreißsaal des Krankenhauses zu betreuen.

Im Gegensatz zu angestellten Hebammen begleiten sie schwangere Frauen jedoch auch zuhause vor und nach der Geburt. Die Abrechnung findet hierbei direkt mit der Krankenkasse der Mutter statt.

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Weiterbildung – Welche Möglichkeiten haben Hebammen?

Neben den verpflichtenden Anpassungsweiterbildungen haben Hebammen verschiedene freiwillige Weiterbildungsmöglichkeiten. Diese können ihr Gehalt unter Umständen deutlich erhöhen.

Qualifizierte Familienhebammen

Die Aufgaben einer Familienhebamme unterscheiden sich durch einige Zusatzqualifikationen von denen anderer Hebammen. Familienhebammen werden oft eingesetzt, wenn die Mutter und ihre Familie besondere Unterstützung während und nach der Schwangerschaft benötigen. Dieser Fall tritt häufig ein bei psychisch kranken Frauen, Suchtkranken, geflüchteten Frauen oder Frauen mit Migrationshintergrund, sehr jungen Müttern im Teenager-Alter, und Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt sind.

Neben den regulären Aufgaben einer Hebamme stellt eine Familienhebamme hierbei eine starke emotionale Stütze dar und leistet Hilfestellung und Beratung zu spezifischen Fragen und Unsicherheiten der Mutter.

Aufstieg zur Stationsleitung

Eine Aufstiegsweiterbildung, die für Hebammen naheliegt, ist jene zur Stations- oder Pflegedienstleitung. Für diese Position ist meistens einschlägige Berufserfahrung die Hauptvoraussetzung.

Als Stations- oder Pflegedienstleitung übernimmt eine Hebamme mehr Verantwortung und kümmert sich unter anderem um die Personalplanung und -entwicklung.

Lehrkraft im Gesundheitswesen

Alternativ ist die Weiterbildung zur Lehrkraft im Gesundheitswesen möglich. In diesem Fall sind Sie für die Ausbildung von neuen Hebammen und Entbindungshelfern zuständig. Weil der Beruf jedoch ab 2022 vollständig akademisiert sein wird, ist der Bedarf an neuen Lehrkräften für Berufsschulen sehr gering.

Für Lehrkräfte im Hochschuldienst gelten andere Voraussetzungen.

Fachwirtschaftliche Weiterbildung in der Alten- und Krankenpflege

Wer Fachwirt*in werden möchte, hat dazu auch im Gesundheitswesen die Möglichkeit. Sie können beispielsweise eine fachwirtschaftliche Weiterbildung in der Alten- und Krankenpflege abschließen. Das Ziel dabei ist es, Fachkräften der Pflegebranche kaufmännische Kompetenzen zu vermitteln.

Fachwirt*innen übernehmen nach abgeschlossener Prüfung leitende Aufgaben in Kranken- und Pflegeeinrichtungen oder im ambulanten Dienst.

Betriebswirtschaftliche Weiterbildung

Das betriebliche Gesundheitsmanagement ist mittlerweile auch in staatlichen Einrichtungen eine gefragte Fähigkeit. Wer sich für eine betriebswirtschaftliche Weiterbildung entscheidet, lernt, das Arbeitsklima zu verbessern und qualifizierte Angestellte langfristig zu binden, sowie individuell zu fördern.

Andere Möglichkeiten zur Fortbildung

Je nach Interesse haben Hebammen und Entbindungspflegepersonal die Option, sich in den folgenden Bereichen weiterzubilden:

  • Physiotherapie (zur Geburtsvor- und Nachbereitung)
  • Atemtherapie
  • Ambulante Pflege
  • Emotionale Erste Hilfe
  • Beckenbodengymnastik
  • Bewegungstherapie
  • Bildungsförderung
  • Elternschulung
  • Still- und Laktationsberatung

Studium

Sollten Sie über eine Hochschulzugangsberechtigung verfügen, bietet sich ein weiterführendes Studium an. Sie haben dabei die Wahl zwischen Hebammenkunde, sozialer Arbeit, Pflege- und Gesundheitsmanagement, Humanmedizin und weiteren Fächern.

Je nach Ihren persönlichen Bedürfnissen gehört auch ein Fernstudium zu Ihren Optionen. Aufbauend auf einen Bachelor-Abschluss können Sie zudem im Master studieren. Die akademische Laufbahn ermöglicht in den meisten Fällen eine deutliche Steigerung Ihres Gehalts.

Welche Qualifikationen sind als Hebamme notwendig?

Der Hebammenberuf erfordert eine Reihe an Qualifikationen, die im Folgenden zusammengefasst sind.

Interesse an Frauengesundheit

Wer Hebamme werden möchte, sollte ein sehr starkes Interesse an Schwangerschaften, Geburten und der Säuglingspflege haben. Um eine junge Mutter mit Geduld und emotionaler Stärke unterstützen zu können, müssen Sie eine Leidenschaft für Ihren Beruf mitbringen.

Zeit und Flexibilität

Als freiberufliche oder Beleghebamme müssen Sie besonders flexibel sein. Je nach Bedürfnissen der schwangeren Frau und ihrer Familie verändern sich auch Ihre Arbeitszeiten. Anders als angestellte Hebammen, die im Schichtbetrieb arbeiten, erhalten Sie einen Anruf, wenn Sie gebraucht werden. Ein flexibler Zeitplan ist also eine Voraussetzung für diesen Beruf.

Teamfähigkeit

Wer in einem Krankenhaus oder Klinikum angestellt ist, wird täglich gemeinsam mit Ärzte- und Pflegepersonal arbeiten. Eine ausgeprägte Teamfähigkeit ist daher in dieser Berufsrichtung sehr wichtig. Insbesondere, wenn eine Geburt Komplikationen aufweist, ist eine routinierte Zusammenarbeit unumgehbar.

Gesundheitliche Eignung

Bevor Sie eine Ausbildung zur Hebamme beginnen dürfen, müssen Sie einen gesundheitlichen Eignungstest bestehen.

Schulabschluss

Um sich für eine Ausbildung zur Hebamme bewerben zu können, benötigen Sie einen Realschulabschluss oder einen vergleichbaren Schulabschluss. Wer einen Hauptschulabschluss hat, muss daran eine mindestens zweijährige Berufsausbildung anschließen.

Für das duale Studium ist eine Hochschulreife vorausgesetzt.

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