Karriereplanung

Tipps zum Thema Zweitstudium

Geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt, eine Veränderung der eigenen Interessen oder der Wunsch nach einer beruflichen Weiterbildung: Die Gründe für ein Zweitstudium können vielfältig sein. Doch wann genau spricht man überhaupt von einem Zweitstudium, in welchen Fällen ist es sinnvoll und wie kann man ein solches am besten finanzieren?

Wann man von einem Zweitstudium spricht

Um von einem Zweitstudium sprechen zu können, muss bereits ein erster Studienabschluss vorliegen. Wenn Sie hingegen Ihr Studium nach einigen Semestern abbrechen, um ein neues zu beginnen, oder zwei Studiengänge zur selben Zeit parallel absolvieren, so handelt es sich nicht um ein Zweitstudium. Auch ein Masterstudium wird nicht als Zweitstudium bezeichnet, es sei denn, Sie haben zuvor bereits einen anderen Masterabschluss gemacht.

Wer ein Zweitstudium antreten kann

Grundsätzlich steht es Ihnen frei, nach Ihrem ersten Abschluss an einer Hochschule ein zweites Studium zu beginnen. Allerdings ist es nicht so einfach, zu einem Zweitstudium zugelassen zu werden. So werden an vielen Universitäten Erststudienbewerber bevorzugt, während für Zweitstudienbewerber lediglich eine Quote von drei Prozent vorgesehen ist. Anders verhält es sich an privaten Hochschulen und bei Studiengängen ohne Numerus clausus (NC): Hier können Sie ihr Zweitstudium ohne große Hindernisse antreten.

Sollten Sie sich jedoch für einen Studiengang mit Zulassungsbeschränkung interessieren, müssen Sie eine gute Begründung vorweisen, um einen der begrenzten Plätze zu ergattern.

Gründe für ein Zweitstudium

Wenn Sie lediglich aus persönlichem Interesse ein zweites Studium anstreben, ohne die gewählte Fachrichtung in Zukunft beruflich verfolgen zu wollen, könnte es unter Umständen schwierig sein, für dieses zugelassen zu werden. Deshalb sollten Sie sich sehr gut überlegen, welche Motivation Sie dafür mitbringen. Wenn Sie diese dann in Ihrer Bewerbung deutlich machen, könnten Ihre Chancen auf einen Studienplatz in manchen Fällen steigen.

Wie Ihre Begründung für ein Zweitstudium bewertet wird

Viele Universitäten verwenden ein Punktesystem, mit dem sie Ihre Bewerbung bewerten. Bei der Punktevergabe wird zwischen beruflichen, wissenschaftlichen und sonstigen Gründen unterschieden:

  • Berufliche Gründe für ein Zweitstudium: Wenn Sie zwingende berufliche Gründe für die Aufnahme eines Zweitstudiums vorweisen können, erhalten Sie im Rahmen der Bewertung nach Punktesystem neun Punkte. Das ist allerdings nur der Fall, wenn Sie das Studium tatsächlich dringend benötigen, um Ihren Beruf ausüben zu können. Beispielsweise müssen Kieferchirurgen sowohl Medizin als auch Zahnmedizin studieren, um in dem Beruf arbeiten zu dürfen.
  • Besondere berufliche Gründe für ein Zweitstudium: Wenn das Zweitstudium eine sinnvolle Ergänzung zu Ihrem ersten Abschluss darstellt und Sie Ihre Berufsaussichten damit erheblich verbessern können, spricht man von „besonderen beruflichen Gründen“. In diesem Fall erhalten Sie sieben Punkte.
  • Sonstige berufliche Gründe für ein Zweitstudium: Möchten Sie mit dem Zweitstudium lediglich Ihre Einsatzmöglichkeiten in einem Berufsfeld erweitern, fällt Ihre Motivation in die Kategorie „sonstige berufliche Gründe“, die mit vier Punkten gewertet wird.
  • Wissenschaftliche Gründe für ein Zweitstudium: Damit Sie wissenschaftliche Gründe für ein Zweitstudium vorweisen können, müssen Sie bereits in der Forschung tätig gewesen sein. Wenn Sie Ihren wissenschaftlichen Werdegang belegen können, erhalten Sie sieben Punkte. Weitere zwei Punkte gibt es für den Fall, dass ein zweiter Studiengang Ihre Forschungen enorm vorantreiben würde. Forschen Sie in einem Bereich von hoher wissenschaftlicher Bedeutung, kann Ihre Motivation sogar mit elf Punkten gewertet werden.
  • Sonstige Gründe für ein Zweitstudium: In Ihrem Motivationsschreiben können Sie entweder berufliche oder wissenschaftliche Gründe geltend machen, beide Kategorien gleichzeitig zu bedienen ist dagegen nicht möglich. Haben Sie weder eine wissenschaftliche, noch eine berufliche Begründung vorzuweisen, können Sie dennoch einen Punkt erhalten. Dieser wird durch bis zu zwei weitere Punkte ergänzt, wenn Sie nach einer Familienphase wieder einsteigen möchten.

Punkte für Ihr Erststudium

Auch die Abschlussnote aus Ihrem Erststudium spielt bei der Bewerbung auf einen Zweitstudienplatz eine Rolle, denn diese wird ebenfalls mit Punkten bewertet.

So erhalten Sie für eine Note zwischen „vollbefriedigend“ und „ausgezeichnet“ drei bis vier Punkte, während die Noten „ausreichend“ und „befriedigend“ lediglich mit ein bis zwei Punkten gewertet werden.

Die Punkte für Ihre Note im Erststudium und die Punkte für Ihre Begründung werden anschließend addiert. Mit dieser Gesamtpunktzahl werden Sie dann gemeinsam mit den anderen Bewerbern in ein Rangsystem eingeordnet. Insgesamt spielt Ihre Begründung für das Zweitstudium somit eine wesentlich größere Rolle in der Punktvergabe als die Abschlussnote Ihres Erststudiums. Daher sollten Sie Ihrem Motivationsschreiben viel Aufmerksamkeit widmen. Je nachdem, wie hoch Ihre Messzahl ist und wie viele Mitbewerber es gibt, steigt die Chance auf Ihren Zweitstudienplatz.

Finanzierungsmöglichkeiten

Ihr Motivationsschreiben war erfolgreich und der Studienplatz ist Ihnen sicher: herzlichen Glückwunsch! Möglicherweise fragen Sie sich nun, wie Sie Ihr Zweitstudium finanzieren sollen, denn BAföG lässt sich in den meisten Fällen nicht mehr beantragen. Sind Sie bereits über 25 Jahre alt, erhalten Sie auch kein Kindergeld mehr.

Darüber hinaus fallen an einigen Universitäten zusätzliche Kosten für Zweitstudiengänge an. An privaten Hochschulen werden zudem monatliche Gebühren erhoben. Im Folgenden erhalten Sie Tipps, wie Sie das Zweitstudium dennoch finanzieren.

Berufsbegleitend studieren

Das Zweitstudium können Sie selbstverständlich auch berufsbegleitend absolvieren. Wenn es sich um ein Abend-, Teilzeit- oder Fernstudium handelt, ist daneben sogar ein Vollzeitjob möglich. Damit sind Sie imstande, das Studium zu finanzieren und gleichzeitig Arbeitserfahrung zu sammeln, wodurch Sie Ihren Lebenslauf aufwerten. Somit müssen Sie im Anschluss auch keinerlei Darlehen zurückzahlen.

Dual studieren

Eine weitere Möglichkeit, das Zweitstudium zu finanzieren, könnte ein dualer Studiengang sein. Dieser besteht sowohl aus Theorie- als auch aus Praxisanteilen. Das bedeutet, Sie verbringen die Hälfte des Studiums bei einem Unternehmen und sammeln praktische Arbeitserfahrung, während Sie sich die andere Hälfte der Zeit mit theoretischen Lerninhalten beschäftigen.

Der Vorteil: Ihr Praxispartner bezahlt Ihnen in den meisten Fällen die Studiengebühren. Darüber hinaus erhalten Sie ein monatliches Gehalt. Dieses fällt zwar häufig geringer aus als in einem normalen Angestelltenverhältnis, deckt aber auf jeden Fall einige Ihrer Kosten.

Nebenjobs und Selbstständigkeit

Vollzeitstudierende dürfen wöchentlich bis zu zwanzig Stunden arbeiten, in der vorlesungsfreien Zeit sind es sogar mehr. Ein Nebenjob oder eine selbstständige Tätigkeit neben dem Studium kann Ihnen somit ebenfalls die Finanzierung erleichtern. Allerdings sollten Sie beachten, dass Sie immer noch genügend Zeit für das Studium haben und sich auf die Inhalte konzentrieren können. Studieren Sie weit über die Regelstudienzeit hinaus, fallen unter Umständen weitere Langzeitgebühren an.

Wenn Sie ihr Zweitstudium selbstständig finanzieren möchten, indem Sie nebenbei arbeiten, kann Ihnen unser Artikel über Teilzeit- und Nebenjobs dabei helfen, den geeigneten Job zu finden.

Stipendien

Nicht nur für Studierende mit Bestnoten kommen Stipendien in Frage. Mit einer plausiblen Begründung können Sie sich auch unabhängig von Ihren Leistungen auf ein Stipendium bewerben. Konnten Sie bereits bei Ihrer Hochschulbewerbung mit Ihrem Motivationsschreiben glänzen, so erhöhen berufliche und wissenschaftliche Beweggründe für das Zweitstudium auch Ihre Chancen auf das Stipendium. Häufig werden auch ehrenamtliche oder politische Aktivitäten bei der Bewerbung anerkannt.

Studienkredite

Wenn Sie in Ihrem Erststudium noch keine oder nur geringe Studienkredite in Anspruch genommen haben, so könnten Sie nun Ihr Zweitstudium damit finanzieren. Es gibt spezielle Studienkredite mit günstigen Zinssätzen. Hierbei sollten Sie jedoch beachten, dass Sie später natürlich zur Rückzahlung des Darlehens inklusive aller angefallenen Zinsen verpflichtet sind.

Deshalb sollten Sie diese Option nur wählen, wenn Sie keinerlei Alternativen sehen, wie Sie das Studium sonst finanzieren können, und sich in Ihrer Entscheidung für das Zweistudium absolut sicher sind.

Studienkosten von der Steuer absetzen

Einige Kosten für das Zweitstudium, wie zum Beispiel die Semestergebühren und Aufwendungen für Lernmittel, können Sie von der Steuer absetzen. Gehen Sie also einem Job nach, bei dem Sie Steuern zahlen müssen, so lassen sich manche Ausgaben mithilfe der Steuererklärung am Jahresende wieder vom Finanzamt zurückholen.

Wohngeld

Mit dem Wohngeld lassen sich zwar nicht alle monatlichen Kosten decken, aber es könnte Ihnen zumindest als Zuschuss für die Zahlung Ihrer Miete dienen. Die Berechnung erfolgt auf Basis Ihres Einkommens: Anspruch auf Wohngeld haben Sie, wenn Sie sich unterhalb einer gewissen Einkommensgrenze befinden. Sie können es bei der für Ihren Wohnsitz zuständigen Wohngeldbehörde beantragen.

Alternativen zum Zweitstudium

Die Entscheidung für ein Zweitstudium beinhaltet einige Hürden, die Sie zunächst überwinden müssen. Vielleicht benötigen Sie ja gar kein komplettes, zusätzliches Studium, wenn Sie sich beruflich weiterentwickeln oder neuorientieren möchten. So gibt es unabhängig davon zahlreiche Fortbildungen und anerkannte Kurse, die mit weniger Zeit und Kosten verbunden sind. Oder es gibt Berufsaussichten, welche Sie bisher außer Acht gelassen haben, die Sie bereits auf Grundlage Ihres ersten Studienabschlusses verwirklichen könnten.

Eventuell kommt auch eine Ausbildung in Frage. Im Anschluss an ein Studium ist dieser Weg zwar ungewöhnlich, jedoch nicht unmöglich.

Entscheidung für ein Zweitstudium

Im Vorfeld eines Zweitstudiums sollten Sie sich also genau überlegen, ob dieser Weg der richtige für Sie ist. Einerseits müssen Sie sich bewusst machen, wie viel Zeit Sie bei einem Zweitstudium erneut mit dem Lernen neuer Inhalte verbringen werden. Andererseits kann Ihnen Ihre bisher gesammelte Erfahrung aus dem ersten Studiengang zugutekommen, denn Sie sind mit den Abläufen schon vertraut. Möglicherweise können Sie auch bereits erbrachte Leistungen anerkennen lassen und damit Ihre Studienzeit verkürzen.

Wenn Sie sich sicher sind, dass Sie ein Zweitstudium aufnehmen möchten, lassen Sie sich nicht verunsichern. Für jede Hürde gibt es Wege, diese zu überwinden.

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