Neu im Job

Der Brutto-Netto-Rechner – eine praktische Hilfe für Arbeitnehmer

Der Nettolohn ist die Summe, die ein Arbeitnehmer monatlich oder in einem Jahr ausbezahlt bekommt. Diese fällt zum Teil erheblich geringer aus als der im Vertrag angegebene Bruttolohn. Doch welche Beträge werden genau abgezogen und wofür?

Um einen Überblick über alle anfallenden Abzüge zu erhalten, nutzen immer mehr Arbeitnehmer einen sogenannten Brutto-Netto-Rechner, der von verschiedenen Anbietern im Internet zur Verfügung gestellt wird. Dank diesem nützlichen Online-Werkzeug können Sie berechnen, wie viel von Ihrem Bruttolohn nach allen Abzügen für Sie übrig bleibt. Sie erfahren auch, welche Beiträge genau auf Ihre Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung, Ihre Lohnsteuer und ggf. Ihre Kirchensteuer entfallen. So können Sie Ihr jährliches Budget besser planen und, falls Sie verheiratet sind, vielleicht sogar durch eine kluge Zusammenveranlagung mit Ihrem Ehepartner Geld sparen.

Von Brutto zu Netto: Was ist der Unterschied?

Im Grunde lässt es sich ganz leicht zusammenfassen: Brutto ist das Gehalt vor allen Abzügen, netto ist das, was am Ende übrig bleibt. Es gibt zwei Arten von Abzügen:

Steuern

Eine der wichtigsten finanziellen Belastungen eines Arbeitnehmers ist die Lohnsteuer. Diese kann zwischen 14 und 45 % des Bruttolohns betragen. Da sich die Werte im Laufe der Zeit verändern, verrät der Brutto-Netto-Rechner Ihnen, wie hoch der aktuelle Prozentsatz bei Ihrem Einkommen liegt. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, jedem seiner Arbeitnehmer die Lohnsteuer direkt vom Bruttolohn abzuziehen und an das Finanzamt zu entrichten. Deshalb ist sie im Nettolohn nicht enthalten.

Auch die Kirchensteuer wird automatisch vom Bruttolohn abgezogen, sollten Sie der römisch-katholischen oder der evangelischen Kirche angehören. Diese Steuer beträgt je nach Bundesland acht oder neun Prozent der Lohnsteuer. Dieser Betrag hängt also auch von der Höhe Ihres Netto-Einkommens ab. Zu den steuerlichen Abgaben zählt außerdem der Solidaritätszuschlag, der sich durchschnittlich auf 5,5 % der Lohnsteuer beläuft. Ab 2021 wird die Einkommensgrenze, ab der der sogenannte „Soli“ fällig wird, deutlich angehoben werden. Es besteht also die Möglichkeit, dass dieser künftig nicht mehr von Ihrem Netto-Lohn abgezogen werden wird.

Sozialabgaben

Zu den Sozialabgaben zählen die gesetzlichen Pflichtversicherungen des Arbeitnehmers: die Kranken- und Pflegeversicherung, die Rentenversicherung und die Arbeitslosenversicherung. Die Beiträge zu diesen Versicherungen betragen je nach Versicherungstyp 2 bis 20 % des Bruttolohns. Aber Sie müssen diese Abgaben nicht allein tragen: Ihr Arbeitgeber übernimmt rund die Hälfte aller Kosten. Die Sozialabgaben werden ebenfalls automatisch von Ihrem Bruttolohn abgezogen.

Welche Angaben benötigt der Brutto-Netto-Rechner?

Um Ihren Nettolohn berechnen zu können, braucht ein Brutto-Netto-Rechner zahlreiche Informationen – je mehr, desto genauer das Ergebnis. Üblicherweise tragen Sie ganz am Anfang Ihren Bruttolohn pro Jahr oder pro Monat ein. Danach folgen persönliche Informationen wie:

  • Alter
  • Familienstand – relevant für die Ermittlung Ihrer Steuerklasse
  • Anzahl der Kinder – relevant für die Berechnung des Kinderfreibetrags
  • Wohnort (Bundesland) – relevant für die Höhe der Kirchensteuer
  • gesetzliche oder private Krankenversicherung – relevant für die Summe Ihrer Sozialabgaben und eventuell für die Berechnung des Arbeitgeberanteils

Nachdem Sie diese Angaben gemacht haben, folgt in der Regel die Frage nach der Steuerklasse. Um auch wirklich korrekte Angaben machen zu können, sollten Sie einen Überblick über die möglichen Optionen haben.

Die verschiedenen Steuerklassen erklärt

Viele Nutzer des Brutto-Netto-Rechners wissen gar nicht so richtig, wie die verschiedenen Steuerklassen eigentlich funktionieren. Welche Steuerklasse haben Sie und vor allem, was bedeutet das für Sie? Welche Freibeträge gewährt Ihnen das Finanzamt in den jeweiligen Fällen? Im Folgenden finden Sie einen Überblick.

Steuerklasse I

Zur Steuerklasse I gehören Arbeitnehmer, die alleinstehend sind – ledig, geschieden, dauerhaft getrennt lebend oder verwitwet. Aber auch Arbeitnehmer, die mit ihrem Partner unverheiratet oder in einer eingetragenen Partnerschaft zusammenleben, gehören zu dieser Steuerklasse.
Achtung: Auch Verheiratete können unter Umständen unter Steuerklasse I fallen, wenn ihr Ehepartner dauerhaft im Ausland wohnt.

Steuerlich bedeutet dies, dass Sie relativ wenige Freibeträge haben. Außer dem Grundfreibetrag, der Ihnen unabhängig von der Höhe Ihres Einkommens zusteht, gelten für Sie noch der Arbeitnehmerpauschbetrag (die Werbungskostenpauschale), der Sonderausgabenpauschbetrag in gleichbleibender Höhe sowie die Vorsorgepauschale, die sich nach Ihrem Einkommen richtet. Einen Kinderfreibetrag können Sie in Steuerklasse I nicht in Anspruch nehmen. Eine Erläuterung zu den jeweiligen Frei- und Pauschbeträgen geben wir im weiteren Verlauf des Artikels.

Steuerklasse II

Diese Steuerklasse II können Sie beantragen, wenn Sie alleinerziehend sind und mehr als 450 EUR im Monat verdienen. Das gilt aber nur, wenn Sie Kindergeld beziehen und/oder einen Kinderfreibetrag in Anspruch nehmen und das betreffende Kind zusammen mit Ihnen in Ihrer Wohnung gemeldet ist. Wenn Sie als Alleinerziehende(r) unverheiratet mit einer anderen volljährigen Person zusammen oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben, haben Sie keinen Anspruch auf Steuerklasse II, sondern müssen die Steuerklasse I wählen.

In Steuerklasse II werden Ihnen der Grundfreibetrag, der Arbeitnehmerpauschbetrag, der Sonderausgabenpauschbetrag und die Vorsorgepauschale angerechnet. Zusätzlich können Sie die Alleinerziehendenentlastung und einen Kinderfreibetrag pro Kind beantragen, die Ihr zu versteuerndes Einkommen noch mal um mehrere Tausend Euro mindern.

Steuerklasse III

Steuerklasse III können nur verheiratete Arbeitnehmer beantragen, die ihre Steuern mit Ihrem Ehepartner zusammen veranlagen. Die Voraussetzung dafür ist, dass der andere Ehepartner die Steuerklasse V beantragt. Für diese Steuerklasse sollte sich der Ehepartner entscheiden, der wesentlich mehr verdient (mindestens 60 % des gemeinsamen Einkommens).

In Steuerklasse III ist der Grundfreibetrag verdoppelt, weil der weniger verdienende Ehepartner seinen Grundfreibetrag und gegebenenfalls den Kinderfreibetrag sozusagen dem Besserverdienenden überlässt. Somit muss dieser weniger Steuern auf sein höheres Einkommen zahlen. Zudem gelten auch hier die Werbungskostenpauschale, der Sonderausgabenpauschbetrag und die Vorsorgepauschale.

Steuerklasse IV

Die Steuerklasse IV ist die Steuerklasse, in die verheiratete Arbeitnehmer bei Zusammenveranlagung zunächst automatisch aufgenommen werden. Sie ist empfehlenswert für Ehepaare, die in etwa gleich gut verdienen.

Bei dieser Steuerklasse wird jedem Ehepartner der Grundfreibetrag separat angerechnet. Falls das Paar Kinder hat und einen Kinderfreibetrag in Anspruch nimmt, wird dieser zu je 50 % zwischen beiden Ehepartnern aufgeteilt. Dazu kommen noch die Werbungskostenpauschale, der Sonderausgabenpauschbetrag und die Vorsorgepauschale – getrennt für beide Steuerzahler.

Steuerklasse V

Einen Eintritt in Steuerklasse V muss der Arbeitnehmer beantragen, dessen Ehepartner die Steuerklasse III beantragt hat. Für diese Steuerklasse sollte sich der Ehepartner entscheiden, der wesentlich weniger verdient (nicht mehr als 40 % des gemeinsamen Einkommens) oder nicht berufstätig ist.

Der Ehepartner mit der Steuerklasse V überlässt dem besserverdienenden Ehepartner seinen Grundfreibetrag und gegebenenfalls den Kinderfreibetrag. Er selbst kann also nur den Arbeitnehmerpauschbetrag, den Sonderausgabenpauschbetrag und die Vorsorgepauschale in Anspruch nehmen.

Steuerklasse VI

Die Steuerklasse VI gilt nur dann, wenn ein Arbeitnehmer zwei oder mehrere Jobs hat, von denen jeder eine eigene Lohnsteuerkarte erfordert. Für Ihre Hauptbeschäftigung brauchen Sie also eine Lohnsteuerkarte der Klasse I–V, die Steuerklasse VI greift erst dann, wenn Sie einen Nebenjob aufnehmen. Sie kann nicht Ihre alleinige Steuerklasse sein und ist auch wesentlich weniger günstig als die anderen Steuerklassen, da sie gar keine Freibeträge ermöglicht. Diese werden nämlich schon über die Hauptsteuerklasse bezogen.

Steuererklärung: Welche Freibeträge kann ich in Anspruch nehmen?

Um den Arbeitnehmern ein Existenzminimum zu sichern, gewährt das Finanzamt sogenannte Freibeträge, das heißt Beträge, auf die keine Lohnsteuer bezahlt werden muss. Dadurch kann Ihr zu versteuerndes Einkommen um mehrere Tausend Euro reduziert werden. Es lohnt sich also, diese im Blick zu behalten.

Grundfreibetrag

Der wichtigste Freibetrag im deutschen Steuerrecht ist der sogenannte Grundfreibetrag (manchmal auch Steuerfreibetrag genannt). Dies ist ein Teil Ihres Lohns, auf den Sie keine Lohnsteuer bezahlen müssen. Manche Brutto-Netto-Rechner fragen nach der Höhe Ihres Grundfreibetrags. Schauen Sie in diesem Fall am besten auf der Website des Bundesfinanzministeriums nach, denn dieser Betrag wird jährlich angepasst. Er ist außerdem unabhängig von Ihrem Einkommen. Es ist unwichtig, ob Sie jährlich 30 000 oder 300 000 EUR brutto verdienen. Der Grundfreibetrag bleibt immer der gleiche – außer Sie nehmen Steuerklasse III in Anspruch (dann gilt für Sie der doppelte Grundfreibetrag).

Werbungskostenpauschale

Zu den Freibeträgen gehört auch der sogenannte Arbeitnehmer-Pauschalbetrag, umgangssprachlich Werbungskostenpauschale. Dabei handelt es sich um einen festen Betrag, den das Finanzamt Ihnen automatisch als Werbungskosten anrechnet, ohne dass Sie solche Ausgaben nachweisen müssen.

Sonderausgabenpauschale

Zum Sonderausgabenpauschalbetrag gehören die sogenannten Vorsorgeaufwendungen, also Ausgaben für die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung. Darüber hinaus gibt es auch die „übrigen“ Sonderausgaben, wie zum Beispiel die Kirchensteuer, die Kosten für Ausbildung, Unterhalt, Kinderbetreuung, aber auch Spenden. Für all diese Ausgaben berechnet das Finanzamt einen pauschalen Betrag, für den Sie keine Belege einzureichen brauchen.

Vorsorgepauschale

Den Vorsorgepauschalbetrag rechnet Ihnen das Finanzamt automatisch an, damit der Betrag für Ihre soziale Sicherung als steuerfrei behandelt werden kann. Achtung: Verwechseln Sie ihn nicht mit den Vorsorgeaufwendungen, die zu den Sonderausgaben gehören!

Kinderfreibetrag

Der Kinderfreibetrag ist ein Betrag, den Eltern (auch alleinerziehend) in Anspruch nehmen können. Bei Zusammenveranlagung werden diese Freibeträge zwischen beiden Ehepartnern jeweils zur Hälfte aufgeteilt (bei Steuerklasse IV) oder nur von einem Ehepartner in Anspruch genommen (bei Steuerklasse III). Sie können einen Kinderfreibetrag pro Kind beantragen.

Der geldwerte Vorteil – was ist das eigentlich?

In vielen Brutto-Netto-Rechnern wird auch der sogenannte geldwerte Vorteil abgefragt. Hinter diesem geheimnisvollen Begriff steckt nichts anderes als die Sachleistungen des Arbeitgebers an den Arbeitnehmer. Diese können sehr unterschiedlicher Art sein und sowohl versteuerbar, als auch steuerfrei behandelt werden. Sachleistungen sind zum Beispiel:

  • Dienstautos, die auch privat genutzt werden dürfen
  • Firmenlaptops oder -handys
  • Gutscheine
  • Rabatte
  • Kostenlose Mahlzeiten in der Firmenkantine

Viele Sachleistungen sind heutzutage steuerfrei, so zum Beispiel berufliche Fortbildungen oder die Erstattung von Umzugskosten (falls Sie aus beruflichen Gründen umziehen). Auch für Firmenlaptops und -handys fallen in der Regel keine Steuern an.

Freigrenzen und Spezialfälle

Für andere Sachbezüge gibt es festgelegte Freigrenzen. Solange die Höhe der Wertgutscheine oder Rabatte, die Sie auf den Kauf von Gegenständen (zum Beispiel Arbeitskleidung, Tankgutscheine) oder Dienstleistungen (zum Beispiel Fitnessstudio-Abo, Bonusmeilen bei Flügen) bekommen, die Freigrenze von 1080 EUR pro Jahr nicht übersteigt, ist der geldwerte Vorteil steuerfrei. Der Betrag, der über diese Grenze hinausgeht, wird zum Bruttolohn hinzugezählt.

Ein Spezialfall ist dabei der Dienstwagen, der privat genutzt wird. Hier kann der geldwerte Vorteil entweder mithilfe eines Fahrtenbuchs oder über die sogenannte Ein-Prozent-Regelung berechnet werden. Viele Brutto-Netto-Rechner verfügen mittlerweile über einen zusätzlichen Firmenwagenrechner, der Ihnen hilft, den Wert dieser Sachleistung zu ermitteln.

Mehr dazu

Mehr zum Thema 

Unbefristete Arbeitsverträge unter der Lupe: Fakten, Rechte und Pflichten

Welcher Arbeitnehmer träumt nicht davon - eine unbefristete Anstellung! Lesen Sie hier, was das für Sie bedeutet und was es vor der Vertragsunterschrift zu beachten gibt

So können Sie sich auf Ihr nächstes Mitarbeitergespräch vorbereiten

Ein Mitarbeitergespräch ist Ihre Chance, Ihre Position im Unternehmen zu reflektieren. So bereiten Sie sich vor, um ein produktives Gespräch zu führen