Neu im Job

Unbefristete Arbeitsverträge unter der Lupe: Fakten, Rechte und Pflichten

Wer heutzutage einen unbefristeten Arbeitsvertrag angeboten bekommt, hat den Jackpot der Arbeitswelt geknackt: 2018 hatte jeder zwölfte Arbeitnehmer (ab 25 Jahren) einen befristeten Arbeitsvertrag und gerade unter jungen Menschen scheinen Befristungen geradezu zur Normalität zu gehören. Immer wieder werden auch Fälle von sogennanten „Befristungsmissbräuchen“ bekannt, in denen Arbeitnehmern teilweise über Jahrzehnte hinweg eine unbefristete Anstellung vorbehalten wird. So ist die Planungssicherheit, die mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag einherkommt, mittlerweile zu einem hohen Gut geworden, das vermutlich niemand ausschlägt. Doch was sind eigentlich die rechtlichen Besonderheiten eines solchen Vertrags? Und hat jeder Arbeitnehmer irgendwann ein Anrecht auf eine unbefristete Anstellung?

In diesem Artikel geben wir Ihnen einen Überblick über die Welt der unbefristeten Arbeitsverträge und beantworten die wichtigsten Fragen rund ums Thema.

Was versteht man unter einem unbefristeten Arbeitsvertrag?

Generell ist ein Arbeitsvertrag eine schuldrechtliche Vereinbarung zwischen zwei Parteien – Arbeitnehmer und Arbeitgeber –, in dem diese einen Austausch von Leistungen verabreden. Der Arbeitnehmer verpflichtet sich also zur Leistung einer festgelegten Tätigkeit innerhalb seiner wöchentlichen Stundenzahl, der Arbeitgeber wiederum verpflichtet sich zur regelmäßigen Bezahlung dieser Leistung mit dem vereinbarten Gehalt. Dies ist die grundsätzliche Definition eines Arbeitsvertrags – geregelt im Bürgerlichen Gesetzbuch § 611a. Die Besonderheit und der große Vorteil eines unbefristeten Arbeitsvertrags ist, dass es – im Gegensatz zu einem befristeten Arbeitsvertrag – für diese Vereinbarung keinen festgelegten zeitlichen Endpunkt gibt.

Vorteile einer unbefristeten Anstellung

Stellt ein Arbeitgeber also einen Mitarbeiter unbefristet an, heißt das, dass er an einer langfristigen und nachhaltigen Zusammenarbeit interessiert ist und den Beitrag des Mitarbeiters zum Unternehmen als besonders wertvoll einschätzt. Die Vorteile, die mit einem solchen Beschäftigungsverhältnis einhergehen, sind offensichtlich: Als Arbeitnehmer können Sie sich des Vertrauens Ihres Chefs sicher sein und sich voll und ganz entfalten, ohne ständig im Hinterkopf haben zu müssen, dass Ihr Vertrag bei unzureichenden Leistungen vielleicht nicht verlängert werden könnte.

Endlich wird es möglich, langfristig seine Zukunft zu planen, Geld zurückzulegen für Familienplanung, größere Investitionen etc. und letzten Endes für einen sorgenfreien Lebensabend. Außerdem unterstehen Sie als unbefristeter Mitarbeiter dem gesetzlichen Kündigungsschutz, der mit einer längeren Zugehörigkeit zu einem Unternehmen auch stetig ausgeweitet wird (mehr dazu später). Wenn Sie einen unbefristeten Arbeitsvertrag angeboten bekommen haben, können wir Sie an dieser Stelle also nur beglückwünschen! Bevor Sie letztendlich unterschreiben, sollten Sie sich aber trotz aller Freude auch sicher sein können, dass alle nötigen Formalia eingehalten wurden und die Inhalte stimmen.

Inhalt des unbefristeten Arbeitsvertrags

In jedem Arbeitsvertrag – egal ob unbefristet oder nicht – müssen einige Dinge und Inhalte in jedem Fall festgelegt werden. Zwar wird ein jeder Vertrag individuell auf den Arbeitnehmer angepasst und unterliegt der in Deutschland geltenden Vertragsfreiheit, doch geht es letztendlich bei schriftlichen Verträgen vor allem darum, den Beteiligten ein hohes Maß an Rechtssicherheit zu garantieren, sollte es zum Rechtsstreit kommen. Diese Angaben gehören in jeden Arbeitsvertrag:

  • Korrekter Name und Anschrift von Arbeitgeber sowie -nehmer
  • Beginn der Beschäftigung (konkretes Datum)
  • Arbeitsort
  • Beschreibung der Arbeitsleistung und der Stundenanzahl
  • Bestimmung des Gehalts, eventuelle Sonderzahlungen
  • Probezeit
  • Urlaubsanspruch
  • Regelungen für den Krankheitsfall
  • Kündigungsfristen
  • Wenn vorhanden: Hinweise auf betriebsrätliche Vereinbarungen oder geltende Tarifbestimmungen

Zusätzlich können Dinge wie Nebenleistungen, Wettbewerbsverbot, Alkoholverbot am Arbeitsplatz und so weiter im Vertrag festgelegt werden.

Falls Sie an manchen Abschnitten zweifeln oder sie unklar formuliert sind, zögern Sie nicht, sich eine Zweitmeinung von einem arbeitsrechtlichen Anwalt einzuholen – so stehen Sie in jedem Fall auf der sicheren Seite und können eventuelle Änderungen vor Ihrer Unterschrift beantragen.

Welche Form muss ein unbefristeter Arbeitsvertrag haben?

Zwar gilt ab einem gewissen Zeitpunkt immer eine Nachweispflicht für den Arbeitgeber – das heißt früher oder später muss es schriftliche Vereinbarungen geben –, jedoch haben rechtlich gesehen unbefristete Verträge anfangs auch durch bloße mündliche Vereinbarungen Bestand. In der Regel muss Ihnen Ihr Arbeitgeber bis einen Monat nach Beschäftigungsbeginn aber einen Vertrag aushändigen. Auf diesem Recht sollten Sie bestehen, denn ohne einen schriftlichen Beweis hätten Sie im Streitfall keine wirkliche Basis, auf die Sie sich beziehen könnten. Generell empfiehlt es sich immer, Vereinbarungen, Absprachen und für das Arbeitsverhältnis ausschlaggebende Kommunikation in schriftlicher Form zu haben und aufzubewahren. Dabei geht es nicht darum, ein grundsätzliches Misstrauen gegen Ihren Arbeitgeber zu hegen, sondern um sich selbst für alle Eventualitäten abzusichern.

Dieses Gehalt steht Ihnen in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis zu

In Deutschland steht allen Arbeitnehmern (befristet und unbefristet) ein gesetzlicher Mindestlohn zu, der sie vor Ausbeutung und Niedriglöhnen schützen soll. Seit Januar 2020 beträgt dieser 9,35 € pro Zeitstunde. Bedingt durch eventuell gültige Tarifverträge oder falls es einen offiziellen Branchenmindestlohn gibt, kann der festgelegte Stundenlohn auch von diesen Vorschriften abweichen. Informieren Sie sich über den Ihnen zustehenden Lohn und überprüfen Sie das im Vertrag eingetragene Gehalt vor der Unterschrift.

Einen unbefristeten Arbeitsvertrag kündigen

Natürlich können auch unbefristete Arbeitsverträge beendet werden und laufen keinesfalls immer bis zum Renteneintritt des Arbeitnehmers. Unbefristete Arbeitsverträge können entweder durch eine ordentliche Kündigung durch eine der beiden Parteien oder durch einen Aufhebungsvertrag beendet werden.

Gesetzliche Kündigungsfristen

Für sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer gibt es in Deutschland gesetzlich festgelegte Kündigungsfristen, die zum Schutz beider Parteien bei ordentlichen Kündigungen unbedingt einzuhalten sind. Je nachdem, wie lange ein Arbeitnehmer einem Unternehmen bereits zugehörig ist, verlängert sich diese Frist.

Dies sind die jeweiligen Kündigungsfristen:

  • Bis einschließlich vier Jahre Zugehörigkeit: einmonatige Kündigungsfrist zum Monatsende
  • Fünf bis einschließlich sieben Jahre Zugehörigkeit: zweimonatige Kündigungsfrist
  • Acht bis einschließlich neun Jahre Zugehörigkeit: dreimonatige Kündigungsfrist
  • Zehn bis einschließlich elf Jahre Zugehörigkeit: viermonatige Kündigungsfrist
  • Zwölf bis einschließlich 14 Jahre Zugehörigkeit: viermonatige Kündigungsfrist
  • 15 bis einschließlich 19 Jahre Zugehörigkeit: sechsmonatige Kündigungsfrist
  • Mehr als 20 Jahre Zugehörigkeit: siebenmonatige Kündigungsfrist

Manche Einzel- oder Tarifverträge können diese gesetzlichen Fristen in bestimmten Fällen allerdings aushebeln. Dies muss im Vertrag festgehalten sein und sollte am besten zuvor von Ihnen überprüft werden. Zudem sind auch außerordentliche, fristlose Kündigungen durch beide Parteien möglich – wenn diese durch einen wichtigen Grund gerechtfertigt und bewiesen werden können.

Ausnahme: Probezeit

Neben außerordentlichen Kündigungen stellt die Probezeit eine weitere Ausnahme für Kündigungen dar. Da diese Zeit, die eine Dauer von sechs Monaten nicht überschreiten darf, dafür gedacht ist, dass beide Seiten sich aneinander gewöhnen und sich testen können, kann hier auch schnell gehandelt werden, wenn sich die Zusammenarbeit als nicht erfolgreich erweist. Daher gilt – das ist gesetzlich festgelegt – in Probezeiten eine beidseitige Kündigungsfrist von zwei Wochen. Die Kündigung in der Probezeit kann ohne Angabe von Gründen erfolgen, muss aber dennoch schriftlich stattfinden.

Hat ein Arbeitnehmer ein Anrecht auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag?

Das ist die Frage, die sich sicher viele Arbeitnehmer stellen, die sich von einem befristeten Vertrag zum nächsten hangeln. Auch nach langer Zugehörigkeit zu einem Unternehmen nach wie vor befristet angestellt zu sein, kann sich frustrierend und auslaugend darstellen – insbesondere, wenn man sich für sich selbst und seine Familie Sicherheit und Stabilität wünscht. Daher ist es nicht unberechtigt, verstehen zu wollen, ob man unter Umständen nicht ein Recht auf eine unbefristete Anstellung haben könnte. Leider findet sich auf diese Frage keine eindeutige Antwort – gibt es doch auch in diesem Bereich einige Ausnahmen und viel Kleingedrucktes, auf das es zu achten gilt.

Die Ausnahmen und die Regeln

Grundsätzlich legt das Teilzeit- und Befristungsgesetz klar fest, dass eine Befristung eines Anstellungsverhältnisses beim selben Arbeitgeber nur dreimal und auf maximal zwei Jahre verlängert werden kann. Aber Achtung: Dies gilt nur, wenn für die Befristung kein eindeutiger Sachgrund vorliegt – wie in etwa eine zweckgebundene Befristung für die Arbeit an einem bestimmten Projekt oder auch saisonale Arbeit. Wenn Ihr Arbeitgeber also einen gültigen Sachgrund für die Befristung angeben kann, hat er tatsächlich das Recht, Sie begrenzt oft mit befristeten Verträgen anzustellen.

Dennoch gibt es hier auch eine mehr oder weniger unausgesprochene Schmerzgrenze: Sogenannte „Kettenbefristungen“ wurden schon öfter von Arbeitsgerichten als unverhältnismäßig und ausbeuterisch verurteilt. Doch rein rechtlich gesehen sind sie möglich, solange der Arbeitgeber sie begründen kann. Letzten Endes kommt es hier immer auf die Prüfung des jeweiligen Einzelfalles an. Dafür gibt es mittlerweile sogar eine sogenannte „Ampel-Methode“, mit der das Bundesarbeitsgericht die Beurteilung von exzessiven Befristungen vereinfachen will.

Unwirksame Befristungen – Ihr Weg zur unbefristeten Anstellung?!

Zuletzt gibt es auch noch die Möglichkeit, dass ein befristeter Arbeitsvertrag aufgrund von Form- oder Inhaltsfehlern unwirksam ist und somit automatisch zu einem unbefristeten Vertrag wird. In solchen Fällen können Sie eine Klage zur Entfristung Ihres Vertrags prüfen. Doch ist eine Klage gegen einen Arbeitgeber, bei dem man langfristig arbeiten will, sicher nicht das Angenehmste und kann selbst bei Erfolg der Klage das Arbeitsverhältnis auf Dauer verschlechtern. Hinzu kommt, dass diese Fehler in Verträgen eher die Ausnahme sind und man sich darauf nicht unbedingt verlassen kann. Möchten Sie eine unbefristete Anstellung erreichen, empfiehlt es sich daher immer zuerst, das Zwiegespräch mit Ihrem Arbeitgeber zu suchen und so Ihre Motivation und Ihren Mehrwert für das Unternehmen darzustellen. Mit etwas Glück wird Ihr Chef Verständnis haben und Sie mit einem neuen, unbefristeten Vertrag anstellen. Viel Erfolg!

Mehr dazu

Mehr zum Thema 

Der Brutto-Netto-Rechner – eine praktische Hilfe für Arbeitnehmer

Den Brutto-Netto-Rechner richtig auszufüllen ist einfacher als Sie denken! Hier finden Sie Ihre Steuern, Abgaben und Freibeträge ganz einfach erklärt.

So können Sie sich auf Ihr nächstes Mitarbeitergespräch vorbereiten

Ein Mitarbeitergespräch ist Ihre Chance, Ihre Position im Unternehmen zu reflektieren. So bereiten Sie sich vor, um ein produktives Gespräch zu führen