Wie viel Prozent Gehaltserhöhung pro Jahr kann ich erwarten?

Von Indeed Editorial Team

20. Juli 2021

Eine Gehaltsverhandlung sollte gut durchdacht und entsprechend vorbereitet werden, damit Sie Ihre Forderungen selbstbewusst begründen können. Außerdem muss Ihr Vorschlag realistisch sein. Um zu einer Lösung zu kommen, mit der beide Seiten zufrieden sind, sollten deshalb einige Faktoren einbezogen werden. Dabei spielen Ihre Leistungen und Qualifikationen sowie die Unternehmenszugehörigkeit eine wichtige Rolle.

In diesem Artikel vermitteln wir Ihnen einen Überblick über realistische Gehaltserhöhungen und verraten, welcher Zeitpunkt für eine Verhandlung am besten geeignet ist. Außerdem geben wir hilfreiche Tipps zum Thema und zeigen, wie Sie sich bestmöglich auf eine Gehaltsverhandlung vorbereiten.

Wie viel Prozent Gehaltserhöhung pro Jahr kann ich erwarten?

Abgesehen von tariflichen Regelungen oder Vereinbarungen in Ihrem Arbeitsvertrag gibt es keine rechtlichen Grundlagen für eine Gehaltserhöhung. Wer eine solche beantragen möchte, sollte sich deswegen gut vorbereiten und auf die eigenen Leistungen, Fortbildungserfolge und dem entsprechenden Mehrwert für die Firma beziehen. Wie hoch eine Gehaltserhöhung ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Im Vordergrund steht dabei die Frage, inwiefern sich Ihr Arbeitsbereich innerhalb des letzten Jahres verändert hat. Bei größeren Karrieresprüngen, wie einer Beförderung oder der Übernahme einer Führungsposition, ist eine Gehaltserhöhung von 10 bis 15 % möglich. Bei kleineren Veränderungen können Sie mit einer Steigerung zwischen 3 und 7 % rechnen.

Wann findet eine Gehaltserhöhung statt?

Gehaltserhöhungen werden oftmals verhandelt, wenn Sie einen wichtigen Karriereschritt gemacht haben, mehr Verantwortung übernehmen oder ein Positionswechsel stattfindet. Aber auch zu anderen Anlässen darf eine Veränderung im Gehalt angesprochen werden. Die folgenden Gründe können für eine Gehaltsverhandlung sprechen:

  • Sie haben die Probezeit erfolgreich beendet.

  • Ein befristeter Arbeitsvertrag ist ausgelaufen und ein neuer wird geschlossen.

  • Ein befristeter Arbeitsvertrag wird zu einem unbefristeten.

  • Sie werden intern versetzt.

  • Ihnen wird mehr Verantwortung zugewiesen.

  • Sie werden befördert.

Auch jährliche Mitarbeitergespräche bieten sich für eine Anfrage an. Allerdings sollten Sie maximal alle 18 bis 24 Monate um eine Gehaltserhöhung bitten.

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Wie viel Prozent mehr Gehalt sind nach einer Beförderung oder der Übernahme von mehr Verantwortung angemessen?

Bei großen Veränderungen in Ihrem Berufsleben, wie einer Beförderung, sind Gehaltserhöhungen von 10 bis 15 % möglich. Auch andere gute Leistungen und die Übernahme von mehr Verantwortung innerhalb Ihres Bereiches werden oft mit bis zu 10 % Gehaltserhöhung belohnt.

Durchschnittliche Gehaltserhöhung pro Jahr ohne Positionswechsel

Selbstverständlich ist es auch möglich, um eine Gehaltserhöhung zu bitten, wenn es keine signifikante Veränderung in Ihrer Karriere gegeben hat. Das ist nicht ungewöhnlich, denn nur wenige Positionen wandeln sich jedes Jahr. Langjährige Berufserfahrung und Unternehmenstreue zahlen sich ebenfalls aus. Hierbei können Sie oft allerdings nur mit einem Anstieg Ihres Einkommens von 3 bis 7 % rechnen.

Wann eine solche Gehaltsverhandlung angemessen ist, hängt von einigen Faktoren ab. Sind Sie neu in der Firma oder erst kürzlich in den Beruf eingestiegen, sollten Sie vor dem Gespräch noch etwas Zeit vergehen lassen und nicht nach wenigen Monaten bereits nach einer besseren Bezahlung fragen. Die Anzahl der gearbeiteten Jahre sollte jedoch auch nicht der alleinige Indikator für den richtigen Zeitpunkt sein. Orientieren Sie sich lieber an der aktuellen Situation des Unternehmens. Wenn die Wirtschaftslage gut ist und Sie sich an entsprechenden Erfolgen beteiligt haben, dürfen Sie um eine Gehaltserhöhung bitten.

Welche Rolle spielt das Unternehmen?

Bei der Frage, wie viel mehr Gehalt Sie verhandeln können, spielt Ihr Arbeitgeber eine große Rolle. Beachten Sie die aktuelle wirtschaftliche Lage, die Größe des Unternehmens, den Standort, sowie die generelle Entwicklung der Firma. In der Regel zahlt ein mittelständisches Unternehmen in einer ländlichen Gegend weniger Gehalt als ein Konzern in einer Großstadt.

Wenn es wirtschaftlich in den letzten Monaten und Jahren eher schlecht lief, ist es ratsam, mit der Gehaltsverhandlung zu warten.

Welche Rolle spielt die Inflation?

Im Normalfall sollte Ihr Gehalt jedes Jahr um ein bis zwei Prozent steigen, um die Inflation auszugleichen, also den allgemeinen Anstieg des Preisniveaus. Allerdings sind Arbeitgeber gesetzlich nicht zu einem Inflationsausgleich verpflichtet. In einer Gehaltsverhandlung können Sie diesen Aspekt daher zwar benennen, sollten aber auch andere Argumente für eine Gehaltserhöhung anbringen.

So bereiten Sie eine Gehaltsverhandlung vor

Eine Gehaltsverhandlung trägt entscheidend zu Ihrem monatlichen Einkommen der nächsten Jahre bei. Daher ist eine gründliche Vorbereitung essenziell. Hier einige Tipps:

1. Betreiben Sie Recherche

Informieren Sie sich über Gehaltstrends. Dazu können Sie im Internet Ihre durchschnittliche Gehaltsspanne recherchieren. Sehen Sie nach, wo Ihre Position auf dem Spektrum angesiedelt ist, und vergleichen Sie Ihre Berufserfahrung, Ihre Qualifikationen und die Länge Ihrer Betriebszugehörigkeit mit anderen Positionen in Ihrem Berufsfeld. Durchschnittliche Gehälter, Jobs und Unternehmensbewertungen finden Sie auf Indeed.

2. Listen Sie konkrete Erfolge auf

Wenn Sie nicht selbst daran glauben, dass Sie eine Gehaltserhöhung verdienen, wird es Ihnen schwerfallen, Ihren Chef bzw. Ihre Chefin davon zu überzeugen. Erstellen Sie deswegen eine Übersicht mit Ihren Erfolgen und Leistungen in der Firma. Je spezifischer Sie dabei sind, desto besser. Wenn Sie Ihre Leistungen mit Daten und Fakten belegen können, notieren Sie alle Angaben.

3. Setzen Sie sich ein Ziel

Basierend auf dem Durchschnittsgehalt für Angestellte mit Ihren Qualifikationen in Ihrer Branche sowie Ihren persönlichen Erfolgen legen Sie Ihr Wunschgehalt fest. Das kann entweder eine Lohnerhöhung in Prozent oder in ganzen Zahlen sein. Wichtig dabei ist, dass Sie zudem ein Mindestgehalt bestimmen, das bei den Verhandlungen nicht unterschritten werden soll. Eine solche Entscheidung erweist sich in dem späteren Gespräch oft als hilfreiche Stütze.

4. Bereiten Sie sich auf Gegenargumente vor

Es ist unwahrscheinlich, dass Sie eine Lohnerhöhung ganz ohne ein ausführliches Gespräch mit dem oder der Personalverantwortlichen bzw. Ihrem Arbeitgeber erreichen. Es ist daher wichtig, auf mögliche Gegenfragen und -argumente vorbereitet zu sein und eine entsprechende Antwort parat zu haben. Wenn Ihr Gegenüber zum Beispiel detaillierte Fragen zu Ihren Erfolgen stellt, sollten Sie in der Lage sein, ihm bzw. ihr selbstbewusst Rede und Antwort zu stehen.

5. Berücksichtigen Sie die aktuelle Situation des Unternehmens

Wie bereits erwähnt, haben nicht alle Unternehmen die gleichen Möglichkeiten. Im Allgemeinen gilt jedoch: Warten Sie den richtigen Zeitpunkt für eine Lohnverhandlung ab. Wenn die Wirtschaftslage gut ist und Sie aktiv an Erfolgen beteiligt waren, haben Sie gute Chancen. Sollte die Firma sich in einer Krise befinden, berücksichtigen Sie auch die damit einhergehenden eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten.

So erreichen Sie Ihr Zielgehalt

Wie bereits erwähnt, haben nicht alle Unternehmen die gleichen Möglichkeiten. Im Allgemeinen gilt jedoch: Warten Sie den richtigen Zeitpunkt für eine Lohnverhandlung ab. Wenn die Wirtschaftslage gut ist und Sie aktiv an Erfolgen beteiligt waren, haben Sie gute Chancen. Sollte die Firma sich in einer Krise befinden, berücksichtigen Sie auch die damit einhergehenden eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten.

Einen ausführlichen Leitfaden zur Verhandlung einer Gehaltserhöhung lesen Sie hier.

Welche Möglichkeiten haben Sie nach erfolglosen Gehaltsverhandlungen?

Es gibt verschiedene Gründe, warum Arbeitgeber die Bitte um eine Gehaltserhöhung ablehnen. Zum einen ist es möglich, dass sie sich zum Zeitpunkt des Gespräches finanziell dazu nicht in der Lage sehen. Es kann auch passieren, dass Ihre Argumente die Personalverantwortlichen nicht überzeugt haben oder Ihre Leistungen für das Unternehmen in einem anderen Licht gesehen werden. In solchen Situationen ist es ratsam, nachzufragen. Warum genau wurde Ihr Antrag auf mehr Gehalt abgelehnt? Was können Sie in Zukunft verbessern? Wenn Sie konstruktive Kritik erhalten, setzen Sie diese um und lassen Sie sich regelmäßig Feedback geben.

Wenn Sie das Gefühl haben, kein faires Gehalt zu bekommen und in Ihrem Unternehmen keine Aufstiegs- und Weiterentwicklungschancen mehr zu haben, sollten Sie einen Wechsel des Arbeitgebers in Betracht ziehen. Auf Indeed finden Sie alle notwendigen Informationen zu Themen wie dem Unternehmenswechsel sowie hilfreiche Karriere-Tipps.