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Einstiegsgehalt – so viel verdienen Sie in Ihrem ersten Job in Deutschland

Berufseinsteiger und Neuzugänge auf dem deutschen Arbeitsmarkt fragen sich bei der Jobsuche meistens, mit welchem Gehalt sie in den ersten Jahren rechnen können. Die Antwort auf diese Frage variiert stark – je nachdem, welchen Ausbildungsgrad Sie haben, in welcher Branche, Stadt oder in Region Sie arbeiten möchten. Schauen wir uns also die aktuelle Einkommensverteilung und dabei vor allem die Einstiegsgehälter genauer an.

Einstiegsgehalt in Deutschland: Auszubildende, Hochschulabsolventen und ausländische Arbeitnehmer

Deutschland gehört zu den führenden Volkswirtschaften der Welt und bietet damit grundsätzlich gute Einkommensmöglichkeiten für alle Arbeitnehmer. Obwohl es Länder mit höheren Gehältern gibt, suchen jedes Jahr Tausende von Menschen eine Arbeit in Deutschland.

Bei Berufseinsteigern klafft beim Einstiegsgehalt meistens eine große Lücke zwischen Hochschulabsolventen und Bewerbern mit einer dualen oder auch keiner Berufsausbildung. Hochqualifizierte Universitätsabsolventen mit Master- oder gar Doktortitel haben das höchste Einstiegsgehalt. Hingegen ist das durchschnittliche Einkommen von Menschen geringer, die sich für eine Berufsausbildung entschieden haben. Dafür kommen sie in den Genuss anderer Vorteile, wie greifbare Praxiserfahrung, Anrechnung der Ausbildungsjahre für die Renten- und Sozialversicherung oder die Absetzbarkeit aller Ausbildungskosten von der Steuererklärung.

Wenn Sie aus einem anderen Land nach Deutschland kommen und sich hier eine Existenz aufbauen möchten, stehen auch Ihnen prinzipiell alle Jobs offen. Allerdings gilt auch hier, dass Ihre Ausbildung entscheidend ist, um eine Stelle mit besserem Einstiegsgehalt zu erhalten. Bedenken Sie bei der Jobsuche auch, dass Ihre Deutschkenntnisse weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Auch wenn Englisch für viele internationale Unternehmen mittlerweile Standard ist, wird in den Betrieben selbst meist Deutsch gesprochen.

Gute Positionen für qualifizierte Fachleute

Die technologische Entwicklung und bahnbrechende Innovationen, wie maschinelles Lernen, künstliche Intelligenz, Big Data und Industry 4.0, führen zu einer großen Nachfrage nach hoch qualifizierten Arbeitskräften in diesem Bereich. Der MINT-Frühjahrsreport des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, dass Deutschland zum Stand Mai 2020 fast 127.000 Spezialisten benötigte. Vor der Corona-Krise waren es sogar mehr als doppelt so viele. Die größten Engpässe an Arbeitskräften gibt es dabei in den Bereichen Energie/Elektronik, IT und Bau. Das spiegelt sich auch in den durchschnittlichen Anfangsgehältern wider.

Laut dem Gehaltsreport 2020 von StepStone liegt der Durchschnittslohn für Fachkräfte ohne Personalverantwortung in Deutschland bei 58.800 Euro. Dabei handelt es sich um das Bruttogehalt vor Steuern. Das Nettogehalt beträgt etwa 65 % dieses Betrags.

Der Gehaltsreport für Absolventen 2019/2020 zeigt, dass höhere Qualifikationsniveaus einem höheren Einstiegsgehalt entsprechen. Absolventen mit einem Master-Abschluss verdienen so rund 13 % mehr als ihre Kollegen mit einem Bachelor-Abschluss. Promovierte Berufseinsteiger erhalten sogar bis zu 40 % mehr als Bachelor-Absolventen.

Einkommensverteilung in der Industrie

Nicht alle Startgehälter sind gleich hoch. Gehälter in Deutschland sind traditionell stark in einigen bestimmten Industriezweigen. Mit einem Job in der Automobil- oder Pharmaindustrie beispielsweise liegen Sie auch als Berufseinsteiger meistens über dem Durchschnitt. Ihr erster Job kann Ihnen in solchen Sektoren durchaus über 50.000 Euro jährlich einbringen.

Auch in der Medizintechnik und im Maschinen- und Anlagenbau gibt es hohe Einstiegsgehälter von über 48.000 Euro. Im Finanzsektor sind es um die 45.000 Euro. Naturwissenschaftler und Forscher, wie beispielsweise Physiker und Chemiker, verdienen etwa gleich viel. Damit bekommen sie fast 40 % mehr als ihre Kollegen aus den Sozialwissenschaften.

Erste Anstellungen, basierend auf Humanwissenschaften, zahlen weniger gut. So erhalten Sie bei Jobs in den Bereichen Tourismus, Werbung, Medien und PR im Durchschnitt ein Einstiegsgehalt von 40.000 Euro oder weniger.

Regionale Gehaltsunterschiede

Neben Ihrem Ausbildungsniveau und der Branche hat auch der Standort Ihres Arbeitgebers einen großen Einfluss auf Ihr Einstiegsgehalt. So bieten einige Bundesländer und Städte weitaus bessere Arbeitsbedingungen und höhere durchschnittliche Einstiegsgehälter. Ganz oben auf der Liste stehen dabei Bayern, Baden-Württemberg und Hessen, wo Sie als Berufsanfänger mit rund 47.000 Euro für den Direkteinstieg rechnen können. Schlusslichter sind hier die ostdeutschen Bundesländer Sachsen, Brandenburg und Thüringen, in denen das durchschnittliche Startgehalt mit ca. 39.000 Euro deutlich geringer ist.

Der Unterschied im Anfangsgehalt ist auch zwischen den Städten enorm. Vor allem Städte in Bayern und Baden-Württemberg bieten hier hervorragende Bedingungen. So erhalten Sie in München ein Einstiegsgehalt von durchschnittlich 48.500 Euro, dicht gefolgt von Stuttgart. Nürnberg liegt mit 46.400 Euro unter diesem Schnitt. Der Finanz- und Industriestandort Frankfurt am Main hat jedoch das höchste Bruttojahresgehalt für Berufsanfänger. Hier starten Absolventen mit 48.800 Euro durch.

Natürlich gehören Frankfurt, München, Stuttgart und andere Städte dieser Regionen dementsprechend auch zu den teuersten Wohnorten in Deutschland. Das sollten Sie bei der Jobsuche berücksichtigen.

Gehalt für Auszubildende und Trainees

Es gibt zwei typische Wege, eine Karriere in Deutschland zu beginnen. Neben einer Hochschulausbildung bieten die meisten Unternehmen Programme für eine duale Ausbildung beziehungsweise Trainees an.

Viele Berufseinsteiger sind der Meinung, dass praktisches Wissen in einem Unternehmen ihnen mehr nützen wird als ein Master-Abschluss von einer Universität. Ausbildungen finden meistens in Zusammenarbeit mit Fachhochschulen statt und können unterschiedlich gestaltet sein. Dazu gehören auch Trainee-Programme, die neun bis 24 Monate dauern können. Da diese Programme allerdings keine gesetzlich anerkannten Berufsabschlüsse bieten, könnte Ihr Gehalt danach niedriger ausfallen. Die meisten angesehenen Unternehmen bieten jedoch auch für Trainees eine angemessene Vergütung, wobei das Anfangsgehalt meistens 10 % niedriger ist als bei einem Direkteinstieg nach einer Ausbildung.

Neben dem Einkommen gibt es noch andere signifikante Unterschiede zwischen den verschiedenen Ausbildungs-Absolventen. Vor allem Trainees erhalten viele Möglichkeiten zur Weiterentwicklung. Sie durchlaufen meistens mehrere Abteilungen in einem Unternehmen, können sich so ein weites Netzwerk aufbauen und umfassende Erfahrungen sammeln.

Direkteinstieg nach dem Abschluss oder Traineeprogramm?

Klarer Vorteil einer Direktanstellung für Absolventen ist ein höheres Jahreseinkommen und mehr Arbeitsplatzsicherheit. Auf der anderen Seite stehen neu eingestelle Fachkräfte immer unter dem Druck, sofort mit einem viel höheren Maß an Verantwortung zu arbeiten. Wer direkt in eine Festanstellung einsteigt, hat außerdem weniger Gelegenheit, verschiedene Abteilungen im Unternehmen kennenzulernen. Da ihre Rolle mit ihrem Arbeitsvertrag festgeschrieben ist, können diese Neueinsteiger sich weniger schnell vernetzen.

Ein Traineeprogramm in Deutschland dauert durchschnittlich rund zwei Jahre. In dieser Zeit lernt der Trainee das Unternehmen von innen heraus kennen und erwirbt umfangreiche Fachkenntnisse, die er später bei einer Anstellung nutzen kann. In dieser Zeit kann er erproben, wie unterschiedliche Prozesse funktionieren, lernt die Struktur des Unternehmens kennen und trifft viele Leute aus verschiedenen Abteilungen. Bei einer Ausbildung oder einem Traineeprogramm muss sich der Lehrling keine Sorgen über mangelndes spezifisches Fachwissen machen. Gleichzeitig erhält er ein erstes regelmäßiges Gehalt. Allerdings sind vor allem Trainees nicht durch das klassische Arbeitsrecht geschützt, sodass dieses etwas niedriger ausfallen kann. Auf der anderen Seite gehen sie so bereits einen ersten, großen Schritt in einem Unternehmen, was viele Türen für die spätere Laufbahn öffnen kann.

Gerade in den besonders begehrten Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt ist es nicht einfach, einen Einstiegsplatz zu bekommen. Sie müssen in der Regel über ausgezeichnete Qualifikationen verfügen, um dort in ein Ausbildungsprogramm aufgenommen zu werden. Nach Angaben des Staufenbiel Instituts gehen jedoch fast 40 % der Führungspositionen regelmäßig an ehemalige Auszubildende.

Einstieg über ein Praktikum

Viele Unternehmen versuchen außerdem, Berufseinsteiger über Praktika kennenzulernen und für sich zu begeistern. Dabei sollen Mentorenprogramme den Neulingen beim Einstieg helfen. Eine ungeschriebene Regel legt nahe, dass Arbeitgeber, die viel Zeit und Energie in Praktikanten investieren, meist ernsthafte Absichten haben, danach einen unbefristeten Vertrag anzubieten.

Auch wenn viele Praktika für Schüler und auch für Studenten unbezahlt sind, bieten sie eine großartige Möglichkeit, ein Unternehmen auf sich aufmerksam zu machen. Das erleichtert den späteren Bewerbungsprozess erheblich. Unternehmen, die gezielt neue Talente über Praktikanten suchen, bezahlen hingegen für die geleistete Arbeit.

Unser Tipp:

Wenn Sie bereits wissen, was Sie wollen und von Anfang an in sinnvollen Projekten mitarbeiten möchten, ist der Direkteinstieg in ein Unternehmen für Sie am besten geeignet.

Für kontaktfreudige Hochschulabsolventen, die moderate Verantwortung mögen und bereit sind, die Position mehrmals zu wechseln, zu reisen und neue Aufgaben zu übernehmen, könnte das Traineeprogramm ein besserer Start für eine Karriere sein.

Was haben wir gelernt?

Der Arbeitsmarkt in Deutschland braucht Arbeitskräfte in allen Bereichen, vor allem aber sind hochqualifizierte Fachkräfte gefragt. Jedes Jahr besteht ein Bedarf an Hunderttausenden von Ingenieuren, Technikern, IT-Spezialisten und Experten aus ähnlichen Bereichen.

Je nach Fachgebiet müssen Sie mit einem unterschiedlichen Einstiegsgehalt rechnen. Bedenken Sie, dass Natur- und Technikwissenschaften letztendlich zu besser bezahlten Positionen führen, während Jobs in Marketing, PR, Journalismus und ähnlichen Berufen eine deutlich niedrigere Anfangsvergütung haben.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Grad Ihrer Ausbildung. Mit einem Bachelor-Abschluss beginnen Sie im Vergleich zu ungelernten Arbeitskräften mit überdurchschnittlich hohen Einstiegsgehältern. Master-Absolventen haben im Durchschnitt nochmals ein um 10 % höheres Jahreseinkommen, während Beschäftigte mit Doktordiplom noch fast 40 % mehr verdienen.

Deutschland hat eine vielfältige, aber auch uneinheitliche Wirtschaftskraft. Der Ort Ihrer ersten Anstellung kann daher Ihr Anfangsgehalt erheblich beeinflussen. Die gleiche Position in München und Dresden wird Ihnen nicht das gleiche Einstiegsgehalt bieten können.

Für Hochschulabsolventen, die keinen Direkteinstieg suchen, gibt es zahlreiche andere Möglichkeiten. Dabei werden Sie weniger Geld verdienen, allerdings sind die Lernerfahrungen und Vernetzungsmöglichkeiten für Ihre Karriereentwicklung ebenso wertvoll. Viele Unternehmen, die in Auszubildende investieren, nehmen deren zukünftige Rolle sehr ernst und möchten diese daher umfangreich fördern.

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