Vorstellungs­gespräch

Wie Sie während eines Vorstellungsgespräch über Ihre Schwächen sprechen können

Vorstellungsgespräche sind fast immer mit mehreren kniffligen Fragen verbunden, die testen, wie gut Sie mit Drucksituationen zurechtkommen. Eine dieser heiklen Fragen lautet: „Was sind Ihre größten Schwächen?" In den meisten Fällen verstehen die Kandidaten die Absicht hinter der Frage nicht und verringern mit ihren Antworten die Chancen auf eine Einstellung. Das könnte beispielsweise der Fall sein, indem Sie die Frage unehrlich beantworten oder sich selbst disqualifizieren, indem Sie auf Schwächen in einem für die Stelle besonders wichtigen Bereich hinweisen. Ein solches Dilemma können Sie jedoch leicht umgehen, wenn Sie sich zuvor erfolgreich auf die Frage nach Ihren Schwächen vorbereiten.

In diesem Artikel erfahren Sie, was die Frage genau bedeutet, wie Sie Ihre Schwächen erkennen und wie Sie diese so vor dem Interviewer präsentieren können, dass Sie dennoch einen guten Eindruck hinterlassen.

Welche Absicht steckt hinter der Frage nach Ihren Schwächen?

Personalmanager wollen in einem Interview über Ihre Schwächen sprechen, um ein vollständiges Bild Ihrer Persönlichkeit zu erhalten. Selbstverständlich wird ein Bewerber vor einem potenziellen Arbeitgeber immer seine Stärken und besten Eigenschaften hervorheben wollen. Doch gerade die „Problembereiche“ können ausschlaggebend dafür sein, ob Sie in ein spezifisches Unternehmen oder eine Position passen. Ein Unternehmen wird niemanden einstellen wollen, dem es in einem Bereich an Kompetenzen fehlt, die sich direkt auf die Tätigkeit auswirken. Wie Sie die Frage beantworten, hilft einem Personaler also dabei, Ihr Selbstbewusstsein zu verstehen und festzustellen, ob Sie gut in die ausgeschriebene Rolle passen.

Wie Sie Ihre Schwächen am besten darstellen

Die Beantwortung dieser Frage kann heikel sein und Ihre Chancen auf einen Job erheblich beeinträchtigen, wenn Sie sich nicht gut vorbereitet haben. Grundsätzlich gilt: Bleiben Sie bei Ihrer Antwort ehrlich und selbstbewusst und gehen Sie dabei gleichzeitig strategisch vor.

Sie können beispielsweise betonen, wie sehr Sie sich dafür einsetzen, an einer Ihrer Schwächen zu arbeiten. Absolutes No-Go: Schwächen aufzuzählen, die für die erfolgreiche Ausführung der Arbeitsaufgaben wichtig sind.

So können sie sich auf die Schwäche-Frage vorbereiten

Bevor Sie zum Vorstellungsgespräch erscheinen, ist es wichtig, Ihre Antwort im Voraus vorzubereiten und bestenfalls auch zu proben. So werden Sie auch bei der Beantwortung unangenehmer Fragen ein sicheres und selbstbewusstes Auftreten wahren.

Lesen Sie hier die vier Grundregeln für eine erfolgreiche Vorbereitung und Beantwortung der Frage nach Ihren Schwächen:

  1. Nennen Sie Eigenschaften, die für die jeweilige Stelle nicht wesentlich sind
    Ihre aufgezählten Schwächen sollten für die Stelle, für die Sie sich bewerben, keine wesentliche Voraussetzung sein. Wenn Sie sich beispielsweise auf eine Stelle in der Personalabteilung bewerben, sollten Sie nicht erwähnen, dass Sie nicht gut im Umgang mit Menschen sind.
  2. Bleiben Sie positiv
    Wenn Sie über Ihre Schwächen sprechen, ist es wichtig, dabei positiv zu bleiben und sich auch so auszudrücken. Am besten vermeiden Sie in Ihrer Antwort negative Worte wie „schwach“ oder „Versagen“. Wenn möglich, nennen Sie nur Schwächen, die von einem Arbeitgeber auch positiv ausgelegt werden können – wie beispielsweise, dass Sie extrem detailorientiert sind.
  3. Zeigen Sie Ihren Verbesserungswillen
    Wenn Sie eine Ihrer Schwachstellen erwähnen, ist es gut, im selben Atemzug auch zu zeigen, wie Sie diese in Zukunft überwinden wollen. Machen Sie deutlich, dass Sie einen konkreten Plan haben, wie Sie sich in diesem bestimmten Bereich verbessern können.
  4. Seien Sie ehrlich
    Es ist in Ordnung und menschlich, Schwächen zu haben – solange man offen dafür ist, an sich zu arbeiten. Das Akzeptieren einer Schwäche kann Sie selbstreflektiert erscheinen lassen, aber es ist genauso wichtig, mit Ihrer Antwort Selbstbewusstsein und Optimismus zu zeigen.

Beispiele für „gute“ Schwächen

Menschliche Schwächen (in Bezug auf das Arbeitsleben) lassen sich in verschiedene, größere Kategorien einordnen. Dazu könnten Soft Skills, Hard Skills, zwischenmenschliche Fähigkeiten, Werteethik und so weiter gehören. Statt irgendeine zufällige Schwäche auszuwählen, sollten Sie besser mit Bedacht vorgehen. Hier sind verschiedene Beispiele für Schwächen, über die Sie während Ihres Vorstellungsgesprächs sprechen können.

Die Schwierigkeit, nein zu sagen

Ihre eigenen Aufgaben rechtzeitig zu erledigen und gleichzeitig Ihrem Team bei zusätzlichen Arbeiten zu helfen, ist nicht immer leicht. Klar, wer zu allem ja sagt, wirkt hilfsbereit und engagiert. Es kann jedoch schnell nach hinten losgehen, wenn Sie Ihre eigenen Fristen nicht mehr einhalten können und sich durch zu viele Aufgaben überarbeiten.

Sie können sagen, dass Sie immer bereit sind, mehr Herausforderungen anzunehmen und es fällt Ihnen schwer, Nein zu neuen Aufgaben zu sagen. Außerdem können Sie erwähnen, dass Sie daran arbeiten, Ihre Aufgaben besser zu bewältigen, sich zu organisieren und realistische Erwartungen an alle zu stellen. Als Beispiel könnte hier dienen, dass Sie ein Projektmanagement-Tool verwenden, um Ihre Prioritäten zu verstehen und einzuschätzen, welche zusätzlichen Aufgaben Sie übernehmen können.

Die Liebe zum Detail

…ist eine der am besten zu nennenden Schwächen, weil man sie auch positiv auslegen kann. Die Kehrseite der Medaille ist hier, dass Sie dadurch eventuell zu viel Zeit für ein bestimmtes Projekt aufwenden könnten. Dies bedeutet aber auch, dass Ihnen nie ein Detail entgeht und Sie Aufgaben fehlerlos abschließen. Sie können dem Interviewer gegenüber erwähnen, dass Sie aktiv an dieser Schwäche arbeiten, indem Sie immer versuchen, die Gesamtsituation im Auge zu behalten. Personalmanager werden jemanden bevorzugen, der viel Liebe zum Detail hat, doch seine Aufgaben rechtzeitig erledigen kann. Hier eine feine Balance zu finden, ist entscheidend für den Erfolg am Arbeitsplatz.

Ungeduld in Bezug auf Projekt-Deadlines und Abgabefristen

Unternehmen schätzen Mitarbeiter, die sich zuverlässig an Abgabetermine und Deadlines halten. Daher ist es ganz natürlich, als Mitarbeiter frustriert zu sein, wenn eine Frist aufgrund eines Problems im Team oder aus ähnlichen Gründen kurzfristig doch noch verlängert wird. Wenn Sie auf diese Schwäche hinweisen, ist es wichtig zu zeigen, wie Sie versuchen, alle zu motivieren, die Arbeit termingerecht abzuschließen. Sie können noch hinzufügen, dass Sie stets innovative Methoden einbringen, um die Prozesseffizienz zu verbessern.

Mangelndes Selbstvertrauen

Dies kommt insbesondere häufig bei den Menschen vor, die wenig oder keine Berufserfahrung haben. Mangelndes Selbstvertrauen kann dazu führen, dass Sie Ihre spezifischen Pflichten nicht erfüllen können. Daher wird es wichtig, ein gesundes Maß an Selbstvertrauen am Arbeitsplatz aufrechtzuerhalten. Betonen Sie bei Ihrer Antwort, wie Sie sich bisher damit auseinandergesetzt haben und wie Sie weiterhin planen, an der Stärkung Ihres Selbstvertrauens zu arbeiten.

Die Schwierigkeit, um Hilfe zu bitten

Sie müssen am Arbeitsplatz um Hilfe bitten, wenn Sie sich über bestimmte Dinge nicht im Klaren sind und sich durch die Arbeitsbelastung überfordert fühlen. Es ist auch ein Zeichen gesunden Selbstbewusstseins und hilft, Unproduktivität aufgrund mangelnder Kommunikation zu vermeiden. Wenn es um die gemeinsamen Ziele des Teams geht, ist es wichtig, um Hilfe bitten zu können. Arbeitgeber schätzen jedoch auch die Qualitäten des unabhängigen Arbeitens und eine hohe Arbeitsmoral. Stellen Sie dar, wie Sie daran arbeiten, um sicherzustellen, dass Ihre Produktivität und Arbeitsleistung nicht unter dieser Schwäche leiden.

Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit bestimmten Personen

Selbst der offenste und umgänglichste Mensch kann Schwierigkeiten dabei haben, mit Menschen eines bestimmten Charakters zusammenzuarbeiten. Wenn es um die Zusammenarbeit in einem Team geht, sind daher alternative Arbeitsansätze nötig, damit die Effizienz der Arbeit dadurch nicht beeinträchtigt wird. Sie können erzählen, wie schwierig es in der Vergangenheit war, mit bestimmten Menschen zu arbeiten und warum dies so war. Dann können Sie hinzufügen, wie Sie es dennoch geschafft haben, dass Ihre Arbeit nicht darunter gelitten hat und Offenheit zeigen.

Der Wille zu einer guten Work-Life-Balance

Um langfristig erfolgreich in einem Beruf tätig sein zu können, müssen Sie ein gutes Gleichgewicht zwischen Ihrem Privat- und Berufsleben wahren. Während es wichtig ist, sich aufmerksam Ihrer Arbeit zu widmen, ist es genau so wichtig, sich angemessene Auszeiten zu nehmen. Nur so können Sie mit einem klaren Kopf zur Arbeit gehen und dort noch bessere Ergebnisse für sich selbst und Ihr Team erzielen. Erklären Sie, warum Sie eine gute Work-Life-Balance schätzen und wie diese Sie bisher positiv im Arbeitsleben vorangebracht hat.

Sie können auch darauf hinweisen, dass eine gute Work-Life-Balance ein wesentliches Kriterium für Ihre Jobsuche ist. Zuvor sollten Sie sich jedoch genau die Unternehmenskultur und dessen Position zur Work-Life-Balance seiner Mitarbeiter anschauen.

Seien sie ehrlich und zeigen Sie Flexibilität und Verbesserungswillen

Den perfekten Allround-Mitarbeiter gibt es nicht. Niemand ist perfekt, doch jeder Mensch kann an sich arbeiten und seine Schwächen überwinden – das wissen auch Arbeitgeber. In Ihrer Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch ist es daher extrem hilfreich, eine gründliche und ehrliche Analyse Ihrer bisherigen Erfahrungen vorzunehmen inklusive aller Höhen und Tiefen Ihres Berufslebens. Wenn Sie während des Gesprächs über Ihre Schwächen sprechen, zeigen Sie immer auch, dass Sie daran arbeiten, sich in diesem Bereich zu verbessern. So präsentieren Sie sich als ein selbstreflektierter Kandidat und Mitarbeiter, der es versteht, seine Schwächen in Stärken umzuwandeln und aktiv an der Erreichung von Unternehmenszielen zu arbeiten.

Mehr dazu

Mehr zum Thema 

Einstiegsgehalt – so viel verdienen Sie in Ihrem ersten Job in Deutschland

Sie sind Berufseinsteiger? Erfahren Sie, wie viel Sie verdienen können und welche Unterschiede es zwischen Direkteinstieg und Trainee-Programmen gibt.

Zeitmanagement mit dem Eisenhower-Prinzip

Stehen Sie vor einem großen Aufgabenberg und wissen nicht, wo Sie anfangen sollen? Dann wenden Sie das Eisenhower-Prinzip an. Wir erklären, wie es geht!