Frage im Vorstellungsgespräch: Was war Ihr größter Fehler?

Von Indeed Editorial Team

Aktualisiert am 10. September 2022

Veröffentlicht am 28. April 2022

Das Indeed Editorial Team besteht aus einem vielfältigen und talentierten Team von Autor*innen, Forscher*innen und Branchenexpert*innen, die Ihnen mithilfe der Daten und Einblicke von Indeed hilfreiche Tipps für Ihre Jobsuche geben.

Die Frage im Vorstellungsgespräch „Was war Ihr größter Fehler?“ sollte Bewerber*innen nicht mehr kalt erwischen. Sie gehört schon lange zum Standard und kann mit einer guten Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch problemlos gemeistert werden.Nichtsdestotrotz kommt es bei dieser Frage aber immer wieder zu Antworten, mit denen Bewerber*innen sich selbst nicht optimal darstellen oder ihren Gesprächspartner*innen sogar Gründe liefern, sich gegen eine Einstellung in das Unternehmen auszusprechen.

In diesem Artikel verraten wir Ihnen zuerst, wie Sie die Frage nach Ihrem größten Fehler im Vorstellungsgespräch souverän meistern können. Unsere Dos und Don’ts helfen Ihnen dabei, die Frage vor Ihrem Bewerbungsgespräch richtig vorzubereiten. Damit Sie wissen, worauf Personaler*innen mit der Frage eigentlich abzielen, klären wir Sie über die Punkte zu den Eigenschaften und Fähigkeiten der Bewerber*innen auf, die mit der Frage abgedeckt werden sollen. Damit Sie ein positives und ein negatives Beispiel einer Antwort vor Augen haben, finden Sie zwei kurze Aussagen am Ende des Artikels.

So reagieren Sie optimal auf die Frage „Was war Ihr größter Fehler?“

Wie Sie optimal auf die Frage nach Ihrem größten Fehler oder Misserfolg reagieren können, verraten wir Ihnen mithilfe der folgenden Dos und Don’ts. Suchen Sie sich bereits vor Ihrem Bewerbungsgespräch einen Fehler raus, zu dem Sie stehen können und der sich für die Bewerbungssituation eignet. Bereiten Sie Ihre Antwort vor und beachten Sie dabei die folgenden Punkte. Digitale Bewerbungsgespräche kommen bei den Bewerber*innen gut an, stehen der analogen Version in der Brisanz der Frage aber in nichts nach.

Do: Die Antwort strukturieren

Wenn Sie unstrukturiert antworten, ist es gut möglich, dass Ihre Gesprächspartner das als einen Ihrer größten Fehler wahrnehmen. Beginnen Sie mit einer kurzen Analyse. Betrachten Sie die Faktoren, die zu Ihrem Fehler beigetragen haben und stellen Sie klar, was schiefgelaufen ist. Zeigen Sie dann, dass Ihr Fehler klare Ergebnisse und Konsequenzen für Ihr zukünftiges Handeln hatte.

Do: Die Antwort kurz und präzise halten

Dass Sie in einer Bewerbungssituation das Gespräch nicht unnötig lange bei den eigenen Fehlern belassen sollten, versteht sich von selbst. Bleiben Sie bei Ihrer Antwort kurz und präzise. Verlieren Sie nicht den Sinn und Zweck der Frage aus den Augen. Liefern Sie den Personaler*innen die Inhalte, die sie hören möchten und geben Sie dem Gespräch Raum, sich weiterzuentwickeln.

Do: Einen Fehler aussuchen, der keine Auswirkungen auf andere hatte

Wenn Sie nach einem Fehler oder Misserfolg suchen, den Sie im Bewerbungsgespräch zugeben können und wollen, achten Sie darauf, dass der Fehler keine Auswirkungen auf Dritte hatte. Sie verlieren automatisch Sympathien, wenn Ihr Fehler andere Parteien negativ beeinflusst hat. Außerdem ersparen Sie sich auf diese Weise unangenehme Fragen zu diesem Aspekt.

Do: Bei geringfügigen Fehlern bleiben, die keine dauerhaften Auswirkungen hatten

Bewerbungsgespräche sind fein aufeinander abgestimmte Choreografien. Wenn Sie sich gut vorbereiten, wissen sowohl Sie als auch die Personaler*innen, was sie von ihrem Gegenüber erwarten können. Die Frage nach Ihrem größten Fehler zielt nicht darauf ab, Ihren größten Misserfolg zuzugeben, sondern darauf, dass Sie Softskills demonstrieren, die im beruflichen Alltag benötigt werden, um eine reibungslose Arbeit des Teams zu gewährleisten. Es reicht also, wenn Sie einen unverfänglichen Fehler aussuchen, um das zu demonstrieren.

Do: Verantwortung für den eigenen Fehler übernehmen

Die Übernahme von Verantwortung für die eigenen Handlungen zeugt nicht nur von Charakter, sondern lässt auch darauf schließen, wie Sie sich in Ihrem sozialen Umfeld bewegen. Menschen, die Ihre eigenen Fehler nicht zugeben können und die Schuld für das, was passiert ist, immer bei den anderen suchen, sind nicht sehr sozialverträglich. Solche Charaktere können in einem Team mehrerer Mitarbeiter*innen jede Menge Unruhe stiften. Zeigen sich solche Charakterzüge schon im Bewerbungsgespräch, überlegen Personalverantwortliche sich selbst bei einer herausragenden Qualifikation sehr genau, ob Sie eine Einstellung des oder der Bewerber*in wagen.

Do: Lerneffekt bestätigen

Aus Fehlern lernt man. Dieses Sprichwort statuiert den Idealfall, doch nicht jeder oder jede schafft es, den eigenen Fehltritten einen Lerneffekt für die Zukunft abzugewinnen. Personaler*innen wollen hören, dass Sie sich weiterentwickelt haben, nachdem Ihnen Ihr Fehler unterlaufen ist und dass Sie daran gearbeitet haben, dass er sich nicht wiederholt. Persönliches und berufliches Wachstum zu demonstrieren, bringt Ihnen Sympathien ein. Auf diese Weise können Sie Pluspunkte gegen Ihre Mitbewerber*innen verbuchen.

Do: Die Antwort zum Positiven wenden

Eine perfekte Antwort liefern Sie dann ab, wenn Sie es schaffen, Ihren Fehler zu präsentieren und die Antwortmöglichkeit auf die Frage unmittelbar dazu nutzen, eine Ihrer Stärken zu präsentieren. Aus diesem Grund ist die Vorbereitung des Vorstellungsgesprächs und der standardmäßig gestellten Fragen so wichtig. Spontan sind die wenigsten Bewerber*innen in der Lage, einen geringfügigen Fehler auszusuchen, den Lernprozess daran zu demonstrieren und die Antwort mit einer Stärke zu verknüpfen, die dazu passt und nicht aus der Luft gegriffen wirkt. Geht man nach dem Wunsch der Mehrheit der Bewerber*innen, sollten zwischen der Bewerbung und der Einladung zum Vorstellungsgespräch maximal ein bis zwei Wochen vergehen. Ihre Vorbereitung sollten Sie also schon vorher beginnen.

Don’t: Sich als unfehlbar präsentieren

Wenn Sie der Meinung sind, dass eine vermeintliche Unfehlbarkeit Eindruck schindet, liegen Sie falsch. Jeder Mensch macht in seinem Leben Fehler, sei es beruflich oder privat. Erwecken Sie den Eindruck, nicht darüber reden zu wollen, wirken Sie verschlossen und beschämt. Noch schlimmer wäre es, wenn die Personaler*innen Ihre Reaktion als Überheblichkeit einstufen. Unglaubwürdig machen Sie sich mit der Aussage, keine Fehler zu haben, aber allemal.

Don't: Aus dem Nähkästchen plaudern

Einer der größten Fehler, den Bewerber*innen machen können, wenn sie diese Frage gestellt bekommen, ist aus dem Nähkästchen zu plaudern. Auch wenn ein etwas lockereres Setting in Vorstellungsgesprächen mittlerweile in vielen Bereichen normal ist, um den oder die Bewerber*in besser kennenlernen zu können, geht es immer noch um einen Auswahlprozess für einen Job. Ist die Antwort auf diese Frage nicht auf Ihr Berufsleben bezogen, weichen Sie vom eigentlichen Thema ab und hinterlassen keinen guten Eindruck bei Ihren Gesprächspartner*innen. Sie befinden sich nach wie vor in einer Bewerbungssituation. Ihre Antwort sollte das Gespräch vorantreiben und Sie in einem guten Licht dastehen lassen

Don’t: Fehler nennen, die Ihre Einstellung mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindern

Im besten Fall stehen Ihre Gesprächspartner*innen neutral dazu, wenn Sie keine befriedigende Antwort geben. Läuft es schlecht, sind sie desinteressiert oder genervt. Im schlimmsten Fall kann Ihre Antwort aber sogar dafür sorgen, dass Sie sich alle Chancen auf den Job verbauen. Berichten Sie beispielsweise davon, dass Sie Kolleg*innen gemobbt haben, ist es fast unmöglich, dass daraus noch ein positives Gespräch wird. Im Interesse des Unternehmens und der anderen Mitarbeiter*innen werden Ihre Gesprächspartner*innen eher von einer Einstellung absehen, selbst wenn Sie noch so glaubhaft versichern, sich gebessert zu haben. Allgemein ist es geschickter, bei situativen Fehlern zu bleiben, anstatt bei solchen, die sich auf Ihre Persönlichkeit beziehen.

Das steckt hinter der Frage

Fragen, die Ihnen im Vorstellungsgespräch gestellt werden, sind selten nur das, was Sie ihnen in der Situation oberflächlich entnehmen können. Bei der Frage nach Ihrem größten Fehler oder Ihrem größten Misserfolg geht es beispielsweise weniger um den Fehler selbst als vielmehr darum herauszufinden, wie Sie damit umgegangen sind. Personaler*innen wollen mit dieser Frage, Ihrer Reaktion darauf und dem folgenden Gespräch unter anderem die folgenden Erkenntnisse über die Bewerber*innen gewinnen:

  • Sind Bewerber*innen kritikfähig?

  • Können Bewerber*innen offen mit Fehlentscheidungen umgehen?

  • Können Bewerber*innen die Ursache eines Fehlers identifizieren?

  • Verfügen Bewerber*innen über eine gute Problemlösungskompetenz?

  • Haben Bewerber*innen etwas aus den Fehlern gelernt?

  • Reflektieren Bewerber*innen die Fehler?

  • Haben Bewerber*innen Konsequenzen für die Zukunft aus dem Fehler gezogen?

  • Sind Bewerber*innen in der Lage, eine Stresssituation durch eine herausfordernde Frage souverän zu meistern?

So sehen ein positives und ein negatives Antwortbeispiel aus

Eine positiv zu bewertende Antwort könnte so aussehen:

"In meinem Studium war mir in einem Sommersemester die Zeit mit Freunden am See wichtiger als die anstehenden Prüfungen. Ich bin deshalb durch eine wichtige Prüfung gefallen. Weil die Vorlesung nur in den Sommersemestern angeboten wurde, musste ich ein ganzes Jahr warten, bis ich den Wiederholungsversuch antreten konnte. Wegen dieses Fehlers konnte ich mein Studium nicht in der Regelstudienzeit abschließen und habe wertvolle Zeit verloren. Seit diesem Vorfall setze ich klare Prioritäten und lasse mich von meinen Zielen nicht mehr so leicht ablenken. Die zusätzliche Zeit an der Uni habe ich für einen fächerübergreifenden Sprachkurs genutzt und der Situation so noch etwas Gutes abgewonnen."

Versuchen Sie, dies nur als Beispiel zu sehen, und bereiten Sie sich individuell auf diese Frage vor.

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