Der Arbeitsplatz hat sich für viele Menschen in Deutschland in den letzten zwei Jahren deutlich verändert, oftmals gibt es sogar keinen festen Büroplatz mehr. Beginnt jetzt ein Zeitalter der hybriden und Remote-Arbeitsmodelle mit dezentral und ortsunabhängig arbeitenden Mitarbeiter*innen?

Internationale Trends wie die Great Resignation zeigen, dass Mitarbeiter*innen inzwischen ihre eigenen Erwartungen und Bedürfnisse erkennen, die sich mitunter auch schnell ändern können. Laut der Studie „Arbeitswelt nach Corona“ des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) gaben 53 % der Befragten an, dass sie überwiegend flexible Arbeitsmodelle bevorzugen. Unternehmen sollten daher ihre Recruitingstrategie im Wettbewerb um Talente ändern und die Bedürfnisse der Mitarbeiter*innen in Bezug auf Arbeitszeit, Arbeitsort und Arbeitsweise berücksichtigen.

Zu Beginn der Pandemie stellten viele Unternehmen nicht nur auf Remote-Arbeitsmodelle um, sondern interagierten auch bei ihrer Zusammenarbeit mit Indeed auf eine neue Art und Weise. Dabei stellte sich heraus, dass es auch mit Remote-Arbeit sehr gut möglich ist, mit einer attraktiven Arbeitgebermarke zu überzeugen. Sie sollten Remote-Arbeit sogar zu einem zentralen Bestandteil Ihrer Marke machen, egal wie Ihre Pläne für die Rückkehr ins Büro aussehen. Ihre Arbeitgebermarke besteht aus noch viel mehr als nur kostenlosen Snacks und Tischtennisplatten im Pausenraum.  

Wie können Sie also sicherstellen, dass Ihre Arbeitgebermarke auf der Einzigartigkeit der Mitarbeiter*innen und ihrer Werte beruht anstatt auf demArbeitsort? Das ist einfacher, als Sie denken.  

Beurteilung Ihrer Alleinstellungsmerkmale

Beginnen Sie mit einer Employer Value Proposition (kurz EVP), also der Beurteilung dessen, welche Alleinstellungsmerkmale Ihr Unternehmen als Arbeitgeber auszeichnen und was Ihre Mitarbeiter*innen an Ihrem Unternehmen schätzen. Zusatzleistungen, Gehalt und schön dekorierte Büroräume machen dabei nur den Anfang.

Sehen Sie sich dazu Ihre Arbeitskultur genau an. Mitarbeiter*innen möchten sich dazu befähigt fühlen, ihr Bestes zu geben und eigenständig Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig möchten sie darauf vertrauen können, dass ihnen Möglichkeiten und Chancen für ihre stete Weiterentwicklung geboten werden. Stellen Sie sich einige tiefergehende Fragen: Fördern Sie Kommunikation, Gemeinschaftsgefühl und Zusammenarbeit zwischen Ihren Mitarbeiter*innen? Wie belohnen und fördern Sie das persönliche Wachstum Ihrer Mitarbeiter*innen?  

Überlegen Sie im Anschluss, wie die Arbeitsumgebung in Ihrem Unternehmen aussieht, wenn Sie Remote-Arbeit priorisieren und wie Ihre Mitarbeiter*innen auch ohne gemeinsamen Arbeitsort Unterstützung und Kollegialität genießen können. Auch wenn nicht in allen Positionen remote gearbeitet werden kann, können Sie Wege finden, auch anderen Mitarbeitenden mehr Flexibilität zu bieten – zum Beispiel durch flexible Arbeits- und Pausenzeiten. Kandidat*innen wünschen sich Remote- und flexible Arbeitsmodelle sowie die Aussicht, in eine Position hineinwachsen zu können, die mehr Flexibilität bietet. 

Ihr Arbeitsmodell muss nicht komplett auf Remote-Arbeit ausgelegt sein, damit Ihre Arbeitgebermarke eine flexible Arbeitskultur widerspiegelt. Wenn sich Ihr Unternehmen durch eine inklusive und vielfältige Kultur auszeichnet, den Menschen in den Mittelpunkt stellt und die unterschiedlichen Lebensmodelle und Bedürfnisse aller Mitarbeiter*innen respektiert, sollten Sie vor allem dies hervorheben. Haben Sie während der Pandemie Ihre Technologie optimiert, damit Ihre Mitarbeiter*innen ihre Arbeit von zuhause erledigen und ihr Leben leben können? Dann bieten Sie ihnen bereits einen hohen Mehrwert. Eventuell haben Sie auch Ihre  Verwaltungsabläufe überarbeitet, um Ihren Manager*innen und Teams mehr Eigenständigkeit und Flexibilität zu gewähren. All diese Merkmale zeigen bei einer EVP effektiv auf, was Ihr Remote- oder Hybrid-Arbeitsplatz zu bieten hat. 

So bestehen Sie den „Ententest“  

Sie kennen sicher den alten Spruch: Wenn es aussieht wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente und quakt wie eine Ente, dann ist es wahrscheinlich eine Ente. Ihre Arbeitgebermarke sollte auf ähnlich konsequente Weise Ihre Mission, Ziele, Werte und Story verkörpern. Wenn Ihre Online-Präsenz nicht konsequent vermittelt, wofür Ihr Unternehmen steht, erkennen das versierte Jobsuchende innerhalb von Sekunden.

Ihre Online-Präsenz umfasst verschiedene Kanäle und Formate, z. B. Ihre Website, Job- und Karriereseiten, Mitarbeiterportale, Social Media, E-Mails sowie Texte und Bilder. Dazu gehört aber auch die Art und Weise, wie Ihr Unternehmen agiert. Laut dem 2021 Hiring Trends Report von Indeed möchten 93 % der Arbeitgeber in den USA auch nach der Pandemie Online-Vorstellungsgespräche nutzen. Wenn Sie hingegen keine Online-Vorstellungsgespräche durchführen, werden Sie als Remote-Arbeitgeber nicht ernst genommen. Ein kultureller Wandel statt einer kurzzeitigen Problembehebung – so bestehen Sie den Ententest.

Führungskräfte in der Remote-Kultur

Es gibt einige gute Beispiele für Arbeitgeber mit einer nachhaltigen Remote-Markenidentität. Das folgende Unternehmen geht mit gutem Beispiel voran:

Das Übersetzungs- und Lokalisierungsunternehmen Lionbridge wurde von Indeed als einer der Top 100 Remote-Arbeitsplätze aufgeführt. Angeboten werden sowohl Remote-Stellen als auch Stellen vor Ort. Alles an der Online-Präsenz von Lionbridge, vom Unternehmensprofil bis zu den Social-Media-Kanälen, ist stimmig und spiegelt eine Leidenschaft für Technologie und ehrliche Wertschätzung der Mitarbeiter*innen wider. Das Storytelling der Website konzentriert sich in einem einheitlichen und transparenten Frage-Antwort-Format auf die Mitarbeiter*innen und das Unternehmen als Arbeitgeber. Die Kernpunkte für Kandidat*innen wie gute Karrierechancen sowie freie Entfaltungsmöglichkeiten sind offen erkennbar und werden weltweit geteilt, egal ob remote oder vor Ort.

Nur keine falsche Bescheidenheit

Wenn Sie eine großartige Arbeitgebermarke haben, dann erzählen Sie allen davon. Ihre Mitarbeiter*innen sind dafür Ihre besten Botschafter*innen. Geben Sie ihnen also ausreichend Gelegenheiten, auf Social Media, Job Events oder anderen Kanälen mit hoher Reichweite Jobsuchende zu treffen, Fragen zu beantworten und ihre Geschichte zu erzählen. Wenn Sie den Schritt zum Remote-Arbeitsplatz getan haben, überprüfen und überarbeiten Sie alle Ihre Stellenbeschreibungen, damit klar hervorgeht, wie Ihre Bedingungen, Erwartungen, Voraussetzungen und Anforderungen aussehen. Zu vielen Arbeitgebern entgehen noch immer geeignete Kandidat*innen, weil sie ihre Stellenanzeigen nicht überarbeitet haben.

Angesichts der anhaltenden Herausforderungen beim Recruiting auf einem turbulenten Arbeitsmarkt ist Ihre Arbeitgebermarke wichtiger denn je. Die Zeiten haben sich geändert und es reicht nicht mehr aus, Ihre Marke wie früher nur vor Ort aufzubauen. Das Mitarbeiterangebot muss sich weiterentwickeln, um auch Talente anzusprechen, die vielleicht nicht im bislang üblichen Einzugsbereich leben, aber dennoch bestens für die ausgeschriebene Stelle geeignet sind

In einer immer digitaler werdenden Recruitingumgebung stechen gerade die Unternehmen heraus, die sich erfolgreich mit einer klaren und konkreten Arbeitgebermarke positionieren, die nicht den Arbeitsort sondern den Menschen im Mittelpunkt sieht. Denn Remote-Arbeit unterscheidet sich nur in Standort und Logistik, an unserer Menschlichkeit hat sich nichts geändert.


Indeed Editorial Team nach einem Originalartikel von Meghan M. Biro, einer weltweit anerkannten Analytikerin, Autorin, Rednerin und Markenstrategin. Sie ist die Gründerin von TalentCulture und Gastgeberin von #WorkTrends, einem beliebten wöchentlichen Chat und Podcast auf Twitter. Ihr Tätigkeitsfeld umfasst Recruiting, Talentmanagement, digitale Medienarbeit und Markenstrategie für hunderte Unternehmen von Startups bis hin zu weltweit tätigen Marken wie Microsoft, IBM und Google. 

Die Ansichten und Meinungen in diesem Beitrag sind die der Autorin und spiegeln nicht unbedingt die offiziellen Grundsätze oder die offizielle Haltung von Indeed wider.