Gewinnmaximierung? Kosteneffizienz? Mitarbeiterperformance? Wichtige Größen – doch ein bisher unterrepräsentierter Faktor entwickelt sich derzeit für Unternehmen zum Gamechanger: Das Wohlbefinden von Mitarbeitenden. Oxford-Wissenschaftler und Wellbeing-Koryphäe Prof. Dr. Jan-Emmanuel De Neve gab im Indeed Leadership Connect-Webinar exklusive Einblicke in neueste Forschungsergebnisse. Mit erstaunlichen Resultaten. Deutsche Unternehmen haben hier großen Nachholbedarf, können aber viel gewinnen.
Im Rahmen des C-Level-Netzwerks Leadership Connect tauschten sich HR-Führungskräfte am 13. Juni zum Thema Wohlbefinden der Mitarbeiter*innen aus. Höhepunkt des Global Work Wellbeing-Webinars: Der international renommierte Experte und führende Wellbeing-Forscher Prof. Dr. Jan-Emmanuel De Neve, Leiter des Wellbeing Research Centers in Oxford, präsentierte den Teilnehmenden bisher unveröffentlichte Forschungsergebnisse. Die Kernbotschaft: Die Zufriedenheit und Zugehörigkeit der Belegschaft wirkt sich unmittelbar auf den wirtschaftlichen Erfolg aus. Je glücklicher die Mitarbeitenden, desto erfolgreicher das Unternehmen!
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Jetzt bewerbenGrößter Report seiner Art
Der Global Work Wellbeing Report 2024 von Indeed ist mit 20 Millionen Befragten aus 19 Nationen der größte seiner Art. Er fasst den Wellbeing-Status quo des aktuellen Jahres zusammen und erscheint offiziell im Herbst 2024. Doch schon jetzt konnte De Neve den Webinar-Teilnehmenden berichten: Weltweit ist der Wellbeing-Faktor seit Ausbruch der Corona-Pandemie im Januar 2020 um gut zehn Punkte gefallen. Nur 22 % der Befragten berichten von einem hohen Wohlbefinden bei der Arbeit. In Deutschland sind es sogar nur 21 % der Angestellten, die sich an ihrem Arbeitsplatz wirklich wohlfühlen. Das ist der letzte Platz im internationalen Vergleich – hinter den USA, Kanada, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien, wie schon aus dem Indeed Work Wellbeing Report 2023 hervorgeht.
Dabei wären zufriedene Angestellte besonders für die deutsche Wirtschaft unendlich wichtig. Fachkräftemangel und harter Konkurrenzdruck unter den Firmen sorgen dafür, dass das Halten von Mitarbeitenden zu dem Paradigma der HR-Abteilungen geworden ist – von Neueinstellungen wagen viele kaum noch zu träumen. Und tatsächlich planen 86 Prozent der zufriedenen Angestellten in Deutschland, im kommenden Jahr in ihrer Firma zu bleiben. In vielen Personalabteilungen wird die Bedeutung zufriedener Angestellter auch so wahrgenommen – doch leider noch zu selten von den Unternehmen berücksichtigt. Zwar geben die meisten Entscheider*innen an, Wellbeing als relevant zu erachten, aber nur die wenigsten Unternehmen investieren in konkrete Maßnahmen.
Chance für Unternehmen
Das ist aber auch eine Chance: Unternehmen können mit vergleichsweise geringen Investitionen gigantische Effekte erzielen. Doch worin investieren? Prof. De Neve betont, dass Wellbeing „nicht immer das ist, was Unternehmen und HR-Expert*innen sich darunter vorstellen“. Besonders wichtig war ihm, in seinem Webinar zu betonen, dass es sich um das Zusammenspiel vieler einzelner Faktoren handelt. Wissenschaftlich identifiziert hat De Neve insgesamt elf „Wellbeing-Treiber“, die sich in vier Indikatoren zur Messung der Zufriedenheit eingliedern lassen: Die Tatsache, dass diese Menschen nach eigener Aussage ein klares Ziel vor Augen haben, ihre Tätigkeit als erfüllend empfinden, in der Regel zufrieden sind und sich bei der Arbeit für gewöhnlich nicht gestresst fühlen. Die drei wichtigsten Treiber „Zugehörigkeit“, „Motivation“ und „Zusammengehörigkeit“ übertrumpfen dabei oftmals andere vermeintlich wichtige Faktoren, wie beispielsweise Vergütung oder Flexibilität. Im Vergleich der zehn wichtigsten Nationen schneidet Deutschland leider auch in dieser Hinsicht unter dem Durchschnitt ab und belegt in puncto „Zugehörigkeit“ und „Zusammengehörigkeit“ den vorletzten Platz.
Genau hier können Unternehmen ansetzen, wenn sie sich im Konkurrieren um Fachkräfte Wettbewerbsvorteile verschaffen wollen. Und nicht nur das: In einer Studie wurden in einem Zeitraum von zwei Jahren die Investitionswerte der wichtigsten börsennotierten Unternehmen mit den Investitionswerten der Top 100 Wellbeing-Unternehmen verglichen, mit erstaunlichem Ergebnis. Denn ein höheres Wohlbefinden der Mitarbeiter ist eng mit einer höherer Unternehmensbewertung sowie einer höheren Kapitalrendite verbunden und führt zu höheren Gewinnen. Um den Wert einer Firma also relevant zu vergrößern, hat Wellbeing eine mindestens ebenso hohe Bedeutung wie technologische Innovation oder neue Geschäftsmodelle. Mit dem Unterschied, dass für das Wohlbefinden der Mitarbeiter oft deutlich geringere Investitionen ausreichen.
Respekt und Wertschätzung
De Neve betonte, dass sich ein solches Projekt aber nicht auf punktuelle Einzelmaßnahmen wie den Yogakurs oder den Barbecue-Abend beschränken darf: „You can’t yoga your way out“, brachte er es im Webinar auf den Punkt. Und dazu braucht es: gute Führungskräfte. Diese können das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden entscheidend beeinflussen, indem sie Einfühlungsvermögen zeigen und mit gutem Beispiel vorangehen. „Unternehmen, deren Angestellte sich wohlfühlen, erwirtschaften nicht nur größere Gewinne, das Wellbeing ist sogar ein zuverlässiger Indikator für den zukünftigen Erfolg“, resümierte er im Indeed Leadership Connect-Webinar. „Das Fundament der Mitarbeiterzufriedenheit bilden ein in der Unternehmenskultur fest verankerter respektvoller Umgang sowie Wertschätzung der Vorgesetzten“. So werde aus „Prioritizing Profit over People“ der Analogieschluss „Profit by prioritizing People“. Die Führungskräfte waren ganz Ohr.
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