Es ist ein Aufwärtstrend: Laut Statistischem Bundesamt nimmt die Zahl der Erwerbstätigen zwischen 65 und 69 Jahren zu. 2022 waren knapp ein Viertel der Männer erwerbstätig, bei den Frauen waren es mit 16 Prozent etwas weniger. Natürlich liegt das unter anderem an den gesetzlichen Rahmenbedingungen – das Renteneintrittsalter wurde schließlich in den vergangenen Jahren von 63 Jahren schrittweise angehoben. Dennoch scheinen es viele der Babyboomer-Generation nicht eilig zu haben, den Stift nach dem regulären Renteneintrittsalter aus der Hand zu legen oder den Computer dauerhaft herunterzufahren.
Es sind insbesondere die Hochqualifizierten, die länger im Job bleiben als ursprünglich geplant. Denn nicht nur das Renteneintrittsalter, auch das Bildungsniveau ist hierzulande im Durchschnitt gestiegen. So waren 2022 Hochqualifizierte in der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen (79 Prozent) deutlich häufiger am Erwerbsleben beteiligt als Geringqualifizierte (50 Prozent).
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Jetzt bewerbenSinnsuche und Erfüllung – Motor der Leistungsbereitschaft
Woher kommt ihre hohe Arbeitsmotivation? Zum einen fühlen sich die Erwerbstätigen, die freiwillig länger im Job bleiben, schlichtweg noch zu fit für den Ruhestand. Sie wollen weiter am Arbeitsleben teilhaben und ihren Beitrag zum Wirtschafts- und Unternehmenserfolg leisten. Hinzu kommt eine psychologische Komponente: Das Gefühl, gebraucht und wertgeschätzt zu werden, ist ein menschliches Grundbedürfnis. Nicht selten fürchten Arbeitnehmende, mit der Rente in ein „Loch zu fallen“. Flexi-Rentner*innen hingegen genießen es, weiterhin „am Ball zu bleiben“ und ihre Zeit sinnstiftend zu verbringen. Natürlich kann auch das Thema Altersarmut in die Überlegung hineinspielen, die Erwerbstätigkeit auszudehnen und weiter das gewohnte Gehalt statt der kleineren Rente oder neben dieser noch einen Zuverdienst zu beziehen. Das allerdings ist laut Statistischem Bundesamt eher ein untergeordnetes Argument: 2022 war für die Mehrheit der Erwerbstätigen ab 65 Jahren das Einkommen keine Notwendigkeit, sondern vielmehr ein Zuverdienst.
In Zeiten des Fachkräftemangels: Win-win für beide Seiten
Und inwiefern profitieren davon die Unternehmen? Die Flexi-Rente ist ein gleichberechtigtes Geben und Nehmen: Arbeitnehmende, die ihren Vertrag über das Renteneintrittsalter hinaus verlängern können, erleben Selbstwirksamkeit und erhalten die Möglichkeit, weiterhin ihr Fachwissen zu teilen. „Für Unternehmen stellt dies eine große Chance dar, dem gefürchteten Fachkräftemangel etwas entgegenzusetzen“, sagt Frank Hensgens, Indeed-Geschäftsführer DACH. „Die Suche nach adäquatem Nachwuchs bleibt auch 2024 schwierig. Wer erfahrene Arbeitnehmende jenseits der 67 weiterbeschäftigt, hält wichtige Stellen erst einmal besetzt und sichert einen geregelten Betrieb. Das schafft Luft für die Nachwuchssuche.“
Insbesondere für kleinere und mittelständische Unternehmen ist das ein wichtiges Pfund. Aber auch bei Firmenexpansionen, Großprojekten oder schlicht krankheitsbedingten Ausfällen ist es für Arbeitgeber*innen eine attraktive Option, auf bewährte Fachkräfte zurückzugreifen. Die Flexi-Rentner*innen können Personalengpässe auffangen und gleichzeitig ihre jahrelange Expertise und ihr Fachwissen an jüngere Mitarbeitende weitergeben.
Bleiben lohnt sich – überzeugende Argumente
Das Prinzip der Flexi-Rente macht Schule. Mittlerweile versucht jeder dritte Betrieb, erfahrene Mitarbeitende über das Renteneintrittsalter hinaus zu halten. Branchen, in denen händeringend Nachwuchs gesucht wird, profitieren heute von der Arbeitsbereitschaft der älteren Generation. In den naturwissenschaftlich-technischen Berufen lag die Zahl der über 55-Jährigen im Jahr 2021 bei knapp einem Viertel (24 Prozent). Ähnlich verhält es sich bei den Pflegekräften: In diesem Sektor sind 23 Prozent älter als 55 Jahre. Und auch im verarbeitenden Gewerbe versuchen Unternehmen, erfahrene Mitarbeitende zu halten. Gute Anreize können etwa kürzere und flexible Arbeitszeiten sein. Überzeugend kann nicht zuletzt der finanzielle Vorteil wirken: Mit der Flexi-Rente können die Arbeitnehmenden ihren Rentenanspruch aufbessern – für jeden weiteren Monat erhalten sie einen Zuschlag von 0,5 Prozent.
Vorausschauen lohnt sich: das „Hinausschieben“ zeitig planen
„Damit das Arbeitsverhältnis ohne große rechtliche Hürden jenseits der 67 weiterlaufen kann, sollten Arbeitnehmende und Arbeitgebende frühzeitig darüber ins Gespräch kommen“, so Indeed-Geschäftsführer Frank Hensgens. „Denn im Grunde genommen ist es ganz einfach: Beide Parteien vereinbaren noch im laufenden Arbeitsverhältnis, den Beendigungszeitpunkt hinauszuschieben, und setzen eine rechtssichere ‚Hinausschiebensvereinbarung‘ gemäß § 41 Satz 3 SGB VIauf.“ Rechtliche Grundlage für dieses Vorgehen ist ein Urteil des EuGH sowie des Bundesarbeitsgerichts, das Befristungen von Arbeitnehmenden im Rentenalter nach dem Sozialgesetzbuch zulässt. Ein Watch-out: Bei einer solchen Weiterbeschäftigung muss der Betriebsrat einbezogen werden.
Etwas komplizierter gestaltet es sich, Rentner*innen zurück in den Betrieb zu holen, denn dies entspricht arbeitsrechtlich einer Neueinstellung. Was wiederum bedeutet, dass die allgemeinen Befristungsregeln eingehalten werden müssen. Dass der oder die Flexi-Rentner*in eine Altersrente bezieht, ist in dem Fall kein Befristungsgrund. Auch mehrfache Befristungen sind nicht ohne weiteres möglich, diese wären ein Fall von Altersdiskriminierung.
Trotzdem bleibt eine Wiedereinstellung von erfahrenen Mitarbeitenden eine gute Option, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Am besten aber halten es Arbeitgebende als auch Arbeitnehmende mit dem bewährten Spruch: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Werden die Weichen für die Flexi-Rente rechtzeitig gestellt, profitieren beide Seiten. Verlängerung nicht ausgeschlossen.
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