Welche wichtige Rolle das Thema Work Wellbeing für den Erfolg von Unternehmen spielt, das machte Wellbeing-Experte Prof. Dr. Jan-Emmanuel De Neve von der University of Oxford am 20. November auf der FutureWorks in München deutlich. In seinem Vortrag und der anschließenden Podiumsdiskussion mit Anna Borg, Head of Psychosocial Health and Wellbeing bei Siemens, und Norman Mauer, Senior Talent Strategy Advisor bei Indeed, machte er deutlich, dass das Wohlbefinden der Mitarbeitenden in direktem Zusammenhang mit der Profitabilität und Leistungsfähigkeit von Unternehmen steht.
Bereits am Vorabend der FutureWorks diskutierten die Experten das Thema beim Indeed Leadership Connect Executive Dinner in illustrer Runde mit führenden HR-Verantwortlichen im Restaurant Pageou. Sie waren sich einig, dass Work Wellbeing ein wesentlicher Faktor für die Arbeit der Zukunft sein wird und als wichtiger Faktor für die Talentbindung in Unternehmen oft noch unterschätzt wird. Die Forschungsergebnisse, die De Neve gemeinsam mit Indeed im Global Work Wellbeing Report 2024 zusammengefasst hat, machen deutlich, dass vor allem deutsche Unternehmen noch großen Nachholbedarf haben. Dabei wären zufriedene Angestellte gerade für die deutsche Wirtschaft angesichts des Arbeitskräftemangels und des hohen Wettbewerbsdrucks besonders wichtig, um Mitarbeitende zu halten.
Anna Borg hatte bereits beim Leadership Connect Dinner darauf hingewiesen, dass Begriffe wie Wohlbefinden oder mentale Gesundheit in Deutschland immer noch vor allem mit dem Freizeitbereich und nicht mit dem Arbeitsalltag in Verbindung gebracht würden. Umso mehr freue sie sich über die Forschung von De Neve und den daraus resultierenden Indeed Global Work Wellbeing Report, der das Thema anwendungsorientiert auf den Punkt bringe.
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Jetzt bewerben„Je zufriedener die Mitarbeitenden, desto erfolgreicher das Unternehmen.“
Eine der Kernaussagen des Berichts: Die Zufriedenheit und das Zugehörigkeitsgefühl der Belegschaft wirken sich unmittelbar auf den wirtschaftlichen Erfolg aus. Je zufriedener die Mitarbeitenden, desto erfolgreicher das Unternehmen. Sowohl De Neve als auch Borg machten deutlich, dass das Thema Work Wellbeing ganzheitlich betrachtet werden muss. Es dürfe keinesfalls mit Wellness (Yogakurse, Massagen etc.) verwechselt werden. „Bei Work Wellbeing geht es darum, wie wir uns bei der Arbeit fühlen und wie wir über unsere Arbeit denken“, so Prof. Jan-Emmanuel De Neve. „Die Maßnahmen, die wir dazu vorschlagen, wurden durch Umfragen und Crowd-Sourcing mithilfe von Indeed ermittelt: Sind Sie glücklich bei der Arbeit? Sind Sie zufrieden mit Ihrer Arbeit? Haben Sie zu viel Stress bei der Arbeit? Finden Sie Sinn und Zweck in der Arbeit, die Sie tun?“ Dieser Ansatz ist neu und setzt bei den Mitarbeitenden an.
Sowohl Einflussfaktoren als auch Ergebnisse müssen ganzheitlich betrachtet werden
Work Wellbeing ist das Ergebnis des Zusammenspiels vieler einzelner Faktoren. Um ein ganzheitliches Bild zu erhalten, muss laut De Neve nach dem „Wie“ auch untersucht werden, warum sich die Mitarbeitenden bei der Arbeit so fühlen und über die Arbeit so denken. Deshalb werden in einem nächsten Schritt die sogenannten Treiber analysiert, also die Faktoren, die das Wohlbefinden im Job beeinflussen. Dies sind Faktoren wie Work-Life-Balance, faire Entlohnung, Flexibilität, Vertrauen in die Mitarbeitenden, Zugehörigkeitsgefühl etc. Diese konzeptionelle Trennung ist von großer Bedeutung, um das Thema evidenzbasiert und ganzheitlich anzugehen.
Top Driver: Zugehörigkeitsgefühl und Integration
Interessanterweise haben die Studienergebnisse gezeigt, dass die Faktoren Zugehörigkeitsgefühl und Integration aus Sicht der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – anders als von den Arbeitgebern erwartet – einen höheren Stellenwert haben als beispielsweise die Vergütung oder Flexibilität. Auch in dieser Hinsicht schneidet Deutschland dem Bericht zufolge unterdurchschnittlich ab und belegt im Vergleich der zehn wichtigsten Nationen in Sachen „Zugehörigkeitsgefühl“ den vorletzten Platz.
Faire Bezahlung ist wichtig, keine Frage, aber die veraltete Pauschalisierung ‚Solange das Geld stimmt, ist alles gut‘ kann endgültig ad acta gelegt werden. Viel wichtiger sind das Zugehörigkeitsgefühl und die Integration der Mitarbeitenden („belonging and inclusion“). Damit ist das Gefühl gemeint: ‚Ich kann mich als Individuum voll in die Arbeit einbringen.‘ Es geht darum, die Menschen wirklich zu respektieren. Um dies zu erreichen, muss man viele Gespräche führen, genau zuhören, immer wieder verschiedene Lösungen anbieten und über die Ergebnisse sprechen.
Das bestätigt auch Anna Borg, die betonte, dass es in einem Großkonzern wie Siemens mit mehr als 320.000 Mitarbeitenden in über 190 Ländern keine Einheitslösung für alle geben kann. Was heißt Work Wellbeing in China? Was in Deutschland? Was an einem bestimmten Standort? Bis auf diese Ebene kann und muss das erforscht und umgesetzt werden. Siemens beschäftigt sich seit vielen Jahren damit. Mit den Forschungsergebnissen von De Neve hat der Ansatz jetzt sozusagen den theoretischen Unterbau und ein Konzept, mit dem man leichter arbeiten kann.
Wellbeing – eine Aufgabe für das ganze Unternehmen
Kein Einzelner, keine Führungskraft und keine Abteilung kann allein für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz verantwortlich sein. „Es ist sowohl eine individuelle als auch eine organisatorische Verantwortung, die sich auf alle Mitarbeitenden im Unternehmen verteilt, von den Vorgesetzten über die Geschäftsführer*innen bis hin zur Personalabteilung. Die Personalabteilung spielt eine wichtige Rolle, aber nicht die einzige“, sagt De Neve.
Work Wellbeing beeinflusst die Performance
Wenn es den Mitarbeitenden gut geht, wirkt sich das auch auf die Profitabilität und den zukünftigen Erfolg des Unternehmens aus. Mitarbeitende, die sich wertgeschätzt fühlen und sich in ihrem Arbeitsumfeld wohlfühlen, leisten nachweislich mehr und bleiben dem Unternehmen länger treu. Work Wellbeing und Performance stehen also in einem klaren Zusammenhang. Das belegen Untersuchungen bei börsennotierten Unternehmen in den USA, wie sie im Indeed Global Wellbeing Report 2024 als auch im Work Wellbeing 100 Index 2024 beschrieben sind. Und auch das zeigt die Forschung De Neves: Unternehmen müssen nicht in immer neue und teure Benefits investieren. Wichtiger ist es, die Mitarbeitenden zu respektieren und ernst zu nehmen. Daraus lassen sich gezielte Investitionen in ihr Wohlbefinden ableiten, die sowohl die Profitabilität als auch Leistungsfähigkeit des Unternehmens steigern können. Hier liegt eine große Chance, mit vergleichsweise geringen Investitionen enorme Effekte zu erzielen – und ein enormes Potenzial von Work Wellbeing als Gamechanger im Kampf gegen den Arbeitskräftemangel in Deutschland.
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