Arbeitnehmer weltweit sind bereit für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, doch ihre Arbeitgeber halten mit dem Tempo der Belegschaft oft nicht mit. Das ist ein Ergebnis der internationalen „Workforce Insights“-Umfrage der Jobseite Indeed, die mit YouGov 80.000 Arbeitnehmer zu verschiedenen Arbeitsthemen befragt hat. Über alle untersuchten Länder hinweg zeigt sich der Trend, dass die private Nutzung von KI-Tools der Anwendung im Berufsalltag voraus ist. Besonders in Deutschland zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen der privaten Experimentierfreude der Angestellten und der tatsächlichen Integration am Arbeitsplatz.

Diskrepanz zwischen privater und beruflicher Realität
Deutsche Arbeitnehmer, die KI mehrmals pro Monat verwenden, sind demnach überdurchschnittlich technologieoffen in ihrer Freizeit. Mit einer privaten Nutzungsrate von 59 Prozent liegen sie über dem internationalen Durchschnitt von 52 Prozent und lassen große Volkswirtschaften wie die USA (53 Prozent) oder Großbritannien (45 Prozent) hinter sich. 

Dieser privaten Begeisterung steht jedoch eine nüchterne Realität im Job gegenüber: Zwar nutzen 46 Prozent der Befragten in Deutschland KI auch beruflich, doch die Differenz zur privaten Anwendung ist hierzulande mit 13 Prozentpunkten besonders ausgeprägt – im globalen Schnitt liegt diese Lücke lediglich bei acht Prozentpunkten. Am geringsten fällt die Differenz in Irland und Großbritannien aus mit jeweils vier Prozentpunkten.

Unternehmen als bremsender Faktor
Ein wesentlicher Grund für das ungenutzte Potenzial ist die Zurückhaltung vieler Arbeitgeber. 34 Prozent der deutschen Befragten geben an, dass die Nutzung von KI in ihrem Unternehmen entweder gar nicht eingeführt, kaum gefördert oder sogar aktiv ausgebremst wird. Damit liegt Deutschland leicht über dem internationalen Durchschnitt (33 Prozent) im Mittelfeld und bewegt sich auf dem gleichen Niveau wie die USA und Kanada. In Frankreich fördern 42 Prozent der Arbeitgeber den Einsatz kaum oder gar nicht, in Irland nur 25 Prozent. 

Mangelndes Training verhindert Effizienzgewinne
Diese strategische Lücke hat direkte Auswirkungen auf die Belegschaft, obwohl die Beschäftigten die Vorteile der Technologie durchaus erkennen. Fast die Hälfte der deutschen Befragten (46 Prozent) stimmt der Aussage zu, dass KI sie effizienter macht oder machen könnte. Zudem sehen 40 Prozent die Chance, sich durch KI auf interessantere Aspekte ihrer Arbeit fokussieren zu können.

Doch dieser Optimismus wird durch fehlende Rahmenbedingungen gedämpft. Fast jeder zweite Arbeitnehmer (45 Prozent) in Deutschland bemängelt, nicht genügend Training im Umgang mit KI zu erhalten. Ohne gezielte Schulungsangebote bleibt das Potenzial nicht nur ungenutzt, es entstehen auch Unsicherheiten. 55 Prozent der deutschen Befragten sorgen sich, dass der Fortschritt von KI zu einem Stellenrückgang auf dem Arbeitsmarkt führen könnte.

Ungenutztes Effizienzpotenzial von rund 90 Stunden pro Jahr
Dabei bleibt ein erhebliches Produktivitätspotenzial ungenutzt. Beschäftigte in Deutschland, die KI regelmäßig nutzen, sparen ihren Angaben zufolge im Durchschnitt 1,7 Stunden pro Woche, was rund 90 Stunden pro Jahr entspricht. Die gewonnene Zeit wird wohl produktiv reinvestiert: 68 Prozent nutzen sie für ihre Kernaufgaben, 32 Prozent für Zusammenarbeit und Beziehungsarbeit, 31 Prozent für Weiterbildung sowie Innovation und 34 Prozent für mehr Wohlbefinden und eine bessere Work-Life-Balance. Neben der reinen Zeitersparnis berichten viele Beschäftigte auch von qualitativen Verbesserungen: 72 Prozent nennen effizientere, stärker automatisierte Arbeitsabläufe, 63 Prozent sehen positive Effekte auf die Innovationsfähigkeit und Problemlösung. 

Dr. Virginia Sondergeld, Ökonomin bei Indeed, kommentiert:
„Die Daten weisen auf ein strukturelles Missverhältnis hin: Die Belegschaft in Deutschland ist in Teilen weiter als die Unternehmensstrategie. Arbeitnehmer experimentieren privat mit den neuen Möglichkeiten, können dieses Wissen aber häufig nicht gewinnbringend in ihren Arbeitsalltag integrieren, weil Infrastruktur und Lernangebote fehlen. 

Damit riskieren Unternehmen, dass Mitarbeiter Tools zu wenig oder unreguliert nutzen. Wer ihr Interesse an technischer Fortbildung ignoriert, schafft Frustration oder sogar Resignation. In der Folge bleiben Effizienzgewinne ungenutzt und es steigt auch die Gefahr, qualifizierte Mitarbeitende an innovativere Wettbewerber zu verlieren. Der Abstand zur internationalen Konkurrenz wird dann nicht nur durch eine Innovationslücke größer, sondern auch durch eine Lücke an Talenten. Doch genau diese Mitarbeiter sind dringend notwendig, um KI-Potenziale zu nutzen und in Unternehmensgewinne zu übersetzen.“

Sämtliche Ergebnisse der Umfrage sind hier einsehbar:

Über die Umfrage

Im Auftrag des Indeed Hiring Lab führte YouGov im Mai und Juni 2025 eine Online-Umfrage in acht Ländern durch (Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Irland, Japan, Großbritannien und USA). Insgesamt wurden weltweit 80.936 Personen befragt, davon mindestens 10.000 pro Land. Die Ergebnisse wurden nach Alter, Geschlecht, Bildung und Region gewichtet; in den USA zusätzlich nach ethnischer Zugehörigkeit (US Census Bureau/ACS 2022). Die statistische Fehlertoleranz beträgt je Land ± 1 Prozentpunkt bei 95 Prozent Konfidenzniveau. Für die Auswertung wurden rund 50.000 Befragte berücksichtigt, die Angaben zum Thema „Künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz” gemacht haben. 

Über Indeed

Indeed ist die Nummer eins unter den Jobseiten weltweit (Comscore, Total Visits, März 2024). Mehr als 610 Millionen Menschen aus über 60 Ländern sind auf Indeed registriert, suchen auf der Plattform nach neuen Jobs, veröffentlichen ihre Lebensläufe und informieren sich über Unternehmen. Zudem nutzen über 3,3 Millionen Arbeitgeber Indeed, um neue Mitarbeitende zu finden und einzustellen. In der Schweiz wird Indeed von Frank Hensgens geleitet. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft von Recruit Holdings, einem weltweit führenden Anbieter von HR-Technologie und Geschäftslösungen, der die Personalbeschaffung vereinfacht und die Arbeitswelt verändert.