Trotz des Abschwungs am Jobmarkt im vergangenen Jahr bleibt die Wechselbereitschaft der deutschen Arbeitnehmenden überwiegend hoch. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage der Jobseite Indeed, für die mit Appinio jährlich 1.000 Erwerbstätige zum Thema befragt werden. 

Demnach können sich insgesamt 57,7 Prozent der Befragten einen Jobwechsel vorstellen – ein leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (55 Prozent). Diese Entwicklung ist bemerkenswert, da der Stellenmarkt im vergangenen Jahr um 12 Prozent nachgab. Während ein vergleichbarer Rückgang 2024 noch zu einem neuen Tiefstwert bei der Wechselbereitschaft führte, zeigen sich die Arbeitnehmenden von der negativen Marktentwicklung 2025 weniger beeindruckt.

Hohe Zufriedenheit unter Befragten

Die hohe Wechselbereitschaft überrascht insbesondere vor dem Hintergrund, dass nur 7,4 Prozent der Befragten angeben, unglücklich im Job zu sein. 2024 waren dies noch 21 Prozent. Dem gegenüber stehen 70,4 Prozent, die sich als zufrieden oder sogar sehr zufrieden einschätzen. Doch selbst unter den Zufriedenen denkt fast jeder Zweite (49,5 Prozent) über einen Absprung nach – die Gründe dafür sind primär finanzieller Natur: Für 41 Prozent der wechselwilligen Zufriedenen ist ein attraktiveres Gehalt das Hauptmotiv, sich anderweitig umzusehen. Rund 32 Prozent vermissen zudem Wertschätzung für ihre geleistete Arbeit, während 26 Prozent eingeschränkte Flexibilität – etwa fehlendes Homeoffice oder starre Arbeitszeiten – bemängeln. Für rund jeden Vierten (25,8 Prozent) ist zudem die Unzufriedenheit mit der Führungskraft ausschlaggebend. Das Thema Jobsicherheit spielt mit 19,7 Prozent bei den Wechselgründen hingegen eine untergeordnete Rolle.

Hoher Druck und Jobangst

Ein weiterer Treiber für die hohe Wechselbereitschaft könnte der hohe Druck auf die Belegschaft sein. So berichten rund 71 Prozent der Befragten von mittel bis sehr starkem Personalmangel in ihrem direkten Arbeitsumfeld. Zudem machen sich 20 Prozent der Arbeitnehmer Sorgen, ihren Job in den kommenden zwölf Monaten zu verlieren. Haupttreiber für diese Bedenken sind die schlechte Konjunktur (55 Prozent), gefolgt von einem sinkenden Bedarf an den eigenen Fachkenntnissen (31 Prozent) und möglichen Kürzungen durch den Einsatz von KI (29 Prozent).

Gleichzeitig wird Technologie als Chance begriffen: Die große Mehrheit (51,7 Prozent) ist der Ansicht, dass Fähigkeiten im Umgang mit Künstlicher Intelligenz die eigene Verhandlungsposition stärken. 21,4 Prozent der Befragten sammeln daher aktuell gezielt Erfahrungen in diesem Bereich, um ihr berufliches Profil aufzuwerten.

In diesen Branchen sind die meisten Arbeitnehmer aktiv auf Jobsuche

Die Umfrage beleuchtet außerdem, in welchen Branchen die Bereitschaft zum Jobwechsel besonders hoch ist und Arbeitnehmer sich aktiv nach neuen Stellen umschauen. Im Bildungsbereich (28 Prozent) und in der Industrie (27 Prozent) ist der Anteil der Suchenden am höchsten, im öffentlichen Sektor mit nur 14 Prozent am geringsten. Im Durchschnitt sind 19 Prozent aller Befragten aktiv auf Jobsuche. Die große Mehrheit (57,3 Prozent) möchte den Jobwechsel dabei bis zur Jahresmitte realisiert haben.

Frank Hensgens, Geschäftsführer von Indeed Deutschland, kommentiert die Ergebnisse:
„Theoretisch sprechen derzeit gleich zwei gewichtige Faktoren gegen eine hohe Wechselbereitschaft: Ein abkühlender Arbeitsmarkt sorgt erfahrungsgemäß für Zurückhaltung bei Jobsuchenden und eine hohe Zufriedenheit bindet sie in der Regel an ihr Unternehmen. Dass die Wechselbereitschaft dennoch hoch bleibt und das Vorjahresniveau sogar leicht übertrifft, ist daher bemerkenswert. Es zeigt, dass die Mechanismen am Arbeitsmarkt komplexer geworden sind.

Hinter dem Wechselwunsch stehen vor allem zwei Motive: Zum einen das Gehalt, was angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten der letzten Jahre nur logisch ist. Der Jobwechsel ist oft der einzige Weg, Reallohnverluste auszugleichen. Zum anderen spielt paradoxerweise auch das Bedürfnis nach Sicherheit eine Rolle. Wer die wirtschaftliche Stabilität des eigenen Arbeitgebers anzweifelt, sucht proaktiv den Absprung, bevor betriebsbedingte Kündigungen drohen. Aufgrund des starken Stellenrückgangs der letzten Jahre ist die Suche in vielen Bereichen aber natürlich schwieriger geworden.

Doch Jobsuchende können jetzt wieder optimistischer in die Zukunft blicken. Zum einen schreiben Unternehmen zu Jahresbeginn mehr Stellen aus als zum Jahresende. Zum anderen wird 2026 wieder ein leichtes Wirtschaftswachstum für Deutschland erwartet, was die Zurückhaltung bei Arbeitgebern auflockern dürfte. Für Wechselwillige ist der Jahresstart daher ein passender Zeitpunkt, um die eigenen Chancen am Markt aktiv zu testen.“

Über die Umfrage
Das Marktforschungsinstitut Appinio hat im Auftrag von Indeed im Dezember 2025 insgesamt 1.000 Arbeitnehmende in Deutschland befragt. Die Stichprobe ist repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Region.

Über Indeed
Indeed ist die Nummer 1 unter den Jobseiten weltweit (Comscore, Total Visits, Juni 2025) und verschafft Arbeitsuchenden Zugriff auf Millionen von Jobs in mehr als 60 Ländern und 28 Sprachen. Mehr als 3,3 Millionen Arbeitgeber nutzen Indeed, um neue Mitarbeiter*innen zu suchen und einzustellen. Pro Monat nutzen über 350 Millionen Besucher*innen Indeed, um nach Jobs zu suchen, Lebensläufe zu veröffentlichen, Unternehmen zu recherchieren und vieles mehr.