Ob Beschäftigte im Büro oder im Homeoffice produktiver arbeiten, wird seit Jahren intensiv diskutiert. Bei vielen deutschen Angestellten scheint dabei vor allem eine Botschaft angekommen zu sein: Anwesenheit zählt mehr als Leistung. Das ist das Ergebnis einer neuen Umfrage unter 1.000 hybrid arbeitenden Büroangestellten, durchgeführt von der weltweit größten Jobseite Indeed und dem Marktforschungsinstitut Appinio. Demnach geben viele Befragte sogar an, ihre Produktivität gezielt zu inszenieren, um den Erwartungen von Arbeitgebern und Führungskräften gerecht zu werden.

Präsentismus statt Performance: Wenn Leistung zur Nebensache wird

Konkret sagen lediglich 33,3 Prozent der Befragten, dass sie ausschließlich ihre Arbeitsergebnisse für sich sprechen lassen. Zwei Drittel haben in den vergangenen zwölf Monaten hingegen bewusst Maßnahmen ergriffen, um produktiver oder engagierter zu wirken, als sie tatsächlich waren.

Dazu zählen unter anderem ein künstlich auf anwesend gehaltener Online-Status im Homeoffice (27,7 Prozent), längeres Verbleiben im Büro, weil die Führungskraft noch anwesend ist (25,4 Prozent), bewusst zu ungewöhnlichen Zeiten versendete E-Mails (23,2 Prozent) oder Wortmeldungen in Meetings ohne inhaltlichen Mehrwert, um Präsenz zu zeigen (22,3 Prozent). Selbst physische Signale werden genutzt: 17,3 Prozent haben schon einmal ihre Jacke oder Tasche im Büro gelassen, um Anwesenheit zu suggerieren.

Warum Beschäftigte Anwesenheit inszenieren

Die Gründe für dieses Verhalten liegen laut Umfrage vor allem in unternehmensinternen Strukturen und der wirtschaftlichen Lage. 32,5 Prozent nennen eine Unternehmenskultur, die von Präsenzkontrolle geprägt ist. 31,6 Prozent führen ihr Verhalten auf Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz angesichts der wirtschaftlichen Lage zurück, während 24,4 Prozent Druck oder Mikromanagement durch Vorgesetzte als Auslöser sehen.

Generell ist die Mehrheit (55,9 Prozent) der Meinung, dass ihr Arbeitgeber Anwesenheit höher bewertet als messbare Ergebnisse. Gleichzeitig wünschen sich viele genau das Gegenteil. 66,2 Prozent würden sogar auf fünf Prozent oder mehr ihres Gehalts verzichten, wenn ihre Leistung ausschließlich an Ergebnissen gemessen würde. Noch mehr, nämlich 70 Prozent, wären bereit, für die Möglichkeit, dauerhaft im Homeoffice zu arbeiten, derartige finanzielle Einbußen in Kauf zu nehmen.

Büroalltag: Viel Präsenz, wenig Produktivität

Insgesamt legen die Umfrageergebnisse nahe, dass das Büro für viele Beschäftigte seine ursprüngliche Funktion als produktiver Arbeitsort teilweise verloren hat. 50,9 Prozent berichten, dass sie zwar ins Büro fahren, dort jedoch häufig vor allem in Videocalls mit Kollegen sitzen. Gleichzeitig geben 69 Prozent an, im Büro regelmäßig durch Lärm, Smalltalk oder spontane Unterbrechungen aus der Konzentration gerissen zu werden. 56,6 Prozent sagen sogar offen, dass sie primär ins Büro kommen, um “Gesicht zu zeigen”, obwohl sie ihre Arbeit im Homeoffice effizienter erledigen könnten. Entsprechend fühlt sich knapp die Hälfte der Befragten (48,8 Prozent) nach einem Bürotag erschöpfter als nach einem Tag im Homeoffice.

Um das Büro wieder attraktiver zu machen, wünschen sich viele vor allem kürzere Pendelwege oder Fahrtkostenzuschüsse (47,3 Prozent), mehr Rückzugsorte für konzentriertes Arbeiten (39,7 Prozent) sowie bessere Verpflegung und Teamangebote (29,6 Prozent). Für 14,6 Prozent ist das jedoch keine Lösung. Sie sehen das Homeoffice grundsätzlich als bessere Arbeitsumgebung.

Indeed-Geschäftsführer: Leistungsbereitschaft der Angestellten ist da, aber die Anreize fehlen

“Die Debatte um Büropräsenz hat in vielen Unternehmen ein problematisches Signal hinterlassen: Nicht die Qualität der Arbeit entscheidet, sondern ihre Sichtbarkeit. Doch wenn Beschäftigte anfangen, ihre Anwesenheit zu inszenieren, statt sich auf Ergebnisse zu konzentrieren, ist das weder effizient für Unternehmen noch nachhaltig für die Beschäftigten“, kommentiert Frank Hensgens, Geschäftsführer von Indeed Deutschland, die Umfrageergebnisse. Er ergänzt:

“Besonders bemerkenswert ist, dass zwei Drittel der Befragten sogar bereit wären, auf Gehalt zu verzichten, wenn ihre Leistung konsequent an Ergebnissen gemessen würde. Das zeigt, wie groß die Leistungsbereitschaft unter Angestellten grundsätzlich ist und wie wenige sich derzeit daran gemessen fühlen.

Wenn Arbeitgeber möchten, dass ihre Teams ins Büro kommen, muss das Büro ein Ort sein, an dem echte Zusammenarbeit entsteht und produktives Arbeiten möglich ist. Wer hingegen vor allem Anwesenheit einfordert, darf sich nicht wundern, wenn genau diese optimiert wird. Gerade in einer Zeit, in der viel über die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gesprochen wird, sollten wir uns fragen, ob wir wirklich die richtigen Anreize setzen, oder ob wir ein System geschaffen haben, in dem Präsenz wichtiger erscheint als Leistung.“

Über die Umfrage

Im Auftrag von Indeed befragte das Marktforschungsinstitut Appinio im Zeitraum von 09.03.2026 – 17.03.2026 insgesamt 1.000 hybrid arbeitende Beschäftigte in Deutschland im Alter zwischen 16 und 66 Jahren (500 Frauen, 500 Männer, Altersgruppen gleichmäßig verteilt). 


Über Indeed
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