Laut einer appinio-Umfrage im Auftrag der Job-Plattform Indeed unter 1.000 Voll- und Teilzeitbeschäftigten in Deutschland ziehen derzeit 67,2 Prozent der Befragten einen Jobwechsel ins Ausland in Betracht. Vor allem die hochqualifizierten Spitzenverdiener unter den Teilnehmenden bereiten diesen Schritt bereits aktiv vor.
Jeder dritte Befragte ist aktiv auf Suche nach Auslandsjob
Wie konkret die Absichten zum beruflichen Schritt ins Ausland bei den Befragten sind, verdeutlicht der Anteil an Befragten, die derzeit nach Stellen suchen: Rund 30 Prozent der Umfrageteilnehmer haben in den letzten 12 Monaten aktiv nach Beschäftigungsmöglichkeiten im Ausland gesucht, wobei jeder Zehnte bereits eine Bewerbung eingereicht hat.
Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung bei Personen mit einem monatlichen Haushaltsnetto von mindestens 6.000 Euro: Etwa die Hälfte (54 Prozent) dieser Gruppe hat sich jüngst beworben oder sondiert aktiv den internationalen Stellenmarkt.
Hinsichtlich der geplanten Verweildauer im Ausland sind die Pläne mehrheitlich nur vorübergehender Natur. Während immerhin ein Drittel (34,5 Prozent) eine permanente Auswanderung in Erwägung zieht, favorisiert der überwiegende Teil der Befragten einen zeitlich begrenzten Aufenthalt (22,5 Prozent wenige Monate; 43 Prozent mehrere Jahre).
Diese Länder liegen bei Jobsuchenden im Trend
Dass es sich hierbei nicht nur um Gedankenspiele handelt, zeigen Suchdaten auf Indeed. So hat sich die Anzahl an Jobsuchen ins Ausland seit 2020 mehr als verdoppelt (+105 Prozent).
Die USA (14,4 Prozent der Suchanfragen ins Ausland) sowie die Schweiz und Großbritannien (jeweils 13,6 Prozent) sind dabei die derzeit gefragtesten Zielländer. Im Vergleich zum Vorjahr hat die USA mit einem Rückgang von 34 Prozent allerdings deutlich an Relevanz verloren.
Jenseits dieser Top-Ziele lassen sich mit Blick auf die positive Entwicklung im Jahresvergleich neue Trendziele im Suchverhalten identifizieren: Auf globaler Ebene verzeichneten Indien und die Vereinigten Arabischen Emirate (jeweils +24 Prozent) sowie Australien (+10 Prozent) ein deutliches Plus. Innerhalb Europas gewann vor allem das Vereinigte Königreich (+38 Prozent) merklich an Attraktivität für wechselwillige Fachkräfte.
Teilnehmer wünschen sich höhere Lebensqualität und kritisieren fehlende Wertschätzung
Die Haupttreiber hinter der Absicht, im Ausland zu arbeiten, sind laut Umfrage die Aussicht auf eine bessere Vergütung (50,8 Prozent) sowie eine Steigerung der Lebensqualität (50,7 Prozent). Dicht dahinter folgen mit 41,7 Prozent der Wunsch nach einem angenehmeren Klima und mit 41,5 Prozent die Hoffnung auf eine geringere Steuer- und Abgabenlast. Lediglich 24 Prozent der Befragten sehen im Ausland bessere berufliche Aufstiegsmöglichkeiten.
In Bezug auf den heimischen Arbeitsmarkt kritisieren mehr als 70 Prozent der Teilnehmer, dass die steuerliche Belastung in keinem angemessenen Verhältnis zum Verdienst steht und die persönliche Einsatzbereitschaft nicht ausreichend honoriert wird. Besonders in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen ist die Unzufriedenheit über mangelnde Belohnung von Leistung stark ausgeprägt. In dieser Gruppe befürchten zudem 71,6 Prozent, dass die Suche nach attraktiven Stellen zunehmend schwieriger wird. Im Gegensatz dazu empfinden ältere Arbeitnehmer vor allem die hohe Last durch Steuern und Sozialabgaben als größte Barriere.
Trotz der Kritikpunkte werden auch klare Standortvorteile in Deutschland identifiziert. Hierzu zählen für die Befragten an erster Stelle das soziale Umfeld (60 Prozent), gefolgt vom arbeitsrechtlichen Schutz (47 Prozent) sowie das Sozialsystem (34,8 Prozent).
Wunsch nach Bürokratieabbau und Steuererleichterungen
Zur Stärkung des deutschen Arbeitsmarktes wünschen sich die Befragten primär eine Reduzierung der Steuerlast (65,2 Prozent) sowie den Abbau bürokratischer Hürden (51,5 Prozent), wobei diese Forderungen besonders in der Altersgruppe ab 55 Jahren dominieren. Weitere relevante Impulse sehen die Arbeitnehmenden in einer verbesserten Aus- und Weiterbildung (38,7 Prozent), der Flexibilisierung des Arbeitsrechts (36,6 Prozent) sowie in Investitionen in die Infrastruktur und der gezielten Förderung von Innovationen (jeweils 34,3 Prozent).
Virginia Sondergeld, Arbeitsmarktökonomin bei Indeed, kommentiert:
„Internationale Mobilität ist grundsätzlich begrüßenswert. Wenn Talente dorthin gehen, wo sie gebraucht werden, folgt das effizient der Logik von Angebot und Nachfrage. Neue Erfahrungswerte und Wissen aus dem Ausland bringen außerdem Impulse für Innovation oder Erschließung neuer Geschäftsmöglichkeiten. Wenn jedoch zwei Drittel der Beschäftigten mit dem Weggang liebäugeln, sollte das auch als Zeichen für Unzufriedenheit mit den heimischen Standortbedingungen verstanden werden.
Zwar ist der Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren spürbar abgekühlt, doch diese Entwicklung sollte uns nicht vergessen lassen, dass der demografische Wandel den strukturellen Fachkräftemangel in den kommenden Jahren dramatisch verschärfen wird. Wir können es uns schlichtweg nicht leisten, dass Leistungsträger dem Standort Deutschland den Rücken kehren, weil die Rahmenbedingungen nicht mehr stimmen.
Politik und Arbeitgeber sollten diese Signale ernst nehmen: Im Dialog mit den Beschäftigten gilt es, Anreize für die Arbeit in Deutschland neu zu setzen, Arbeitsbedingungen zu verbessern und Talenten so echte Gründe zum Bleiben zu bieten.“
Über die Umfrage
Die Ergebnisse basieren auf einer standardisierten Online-Befragung von 1.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland in Voll- und Teilzeit im Alter von 16 bis 66 Jahren. Die Stichprobe wurde nach Merkmalen der Gesamtbevölkerung nach Alter, Geschlecht und Region quotiert. Innerhalb der einzelnen Altersgruppen wurden jeweils gleich viele Männer und Frauen befragt. Die Erhebung wurde vom Marktforschungsinstitut Appinio im Zeitraum vom 8. bis 11. Mai 2026 durchgeführt.
Über Indeed
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