Als Caroline Ferrarone zum ersten Mal in Elternzeit ging, freute sie sich darauf, Mutter zu werden. Gleichzeitig machte sie sich jedoch Gedanken darüber, was sie in dieser Zeit bei der Arbeit verpassen würde. Würden ihre Stelle, ihre Teammitglieder und ihre Aufgaben bei ihrer Rückkehr immer noch dieselben sein? Würde sie ihre Karriereziele erreichen können?
„Ich wusste nur sehr wenig darüber, wie ich Arbeit und Mutterschaft harmonisch miteinander in Einklang bringen konnte. Daher war ich beim ersten Mal ziemlich nervös“, erzählt Ferrarone, Senior Marketing Managerin bei Indeed. „Ich hatte das Gefühl, dass ich wirklich alles geben musste, um zu beweisen, dass ich in einem überwiegend aus Männern bestehenden Team meinen Teil auch wirklich leisten kann.“
Während der Elternzeit kam sie sich ausgeschlossen vor, da sie sich bei wichtigen Entscheidungen nicht einbringen konnte. Nur wenige Wochen nach ihrer Rückkehr an den Arbeitsplatz fühlte sie sich gezwungen, mehreren Geschäftsreisen zuzustimmen, um nicht zu riskieren, zukünftige Karrierechancen zu verpassen.
„Der Druck ging im Prinzip von mir selbst aus“, so Ferrarone. „Weder meine Managerin noch andere Führungskräfte erwarteten all dies von mir. Aber ich hatte das Gefühl, beweisen zu müssen, dass ich nach wie vor eine wertvolle Mitarbeiterin war.“
Für Sherrie Nguyen, Direktorin für KMU Product Marketing bei Indeed und Mitgründerin der Parents and Caregivers Inclusive Resource Group (IRG), fühlte sich die Rückkehr aus dem Mutterschaftsurlaub vor ihrem Wechsel zu Indeed wie eine Lose-Lose-Situation an.
„Für mich war das eine der schwierigsten Zeiten meines Lebens. Ich hatte das Gefühl, weder als Mutter noch als Mitarbeiterin noch als Frau für meinen Mann gut genug zu sein“, sagt Nguyen, die während ihrer Arbeitszeit Milch abpumpen und mehrere Krankheitstage nehmen musste.
Ihre Erfahrungen als Mutter in einem neuen Job brachten Nguyen dazu, die Parents and Caregivers IRG bei Indeed zu gründen.
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Erfahren Sie mehrHäufige Herausforderungen der Elternzeit meistern
Diese Geschichten veranschaulichen nur ein paar der Schwierigkeiten, mit denen sich Frauen konfrontiert sehen, die in Elternzeit gehen.
In einer Gesellschaft, in der „ideale Mitarbeiter*innen“ einen hohen Stellenwert genießen – also Personen, die sich voll und ganz ihrer Arbeit hingeben und ihr Privatleben hinten anstellen –, haben Erstmütter das Nachsehen. Zum einen kann die Zeit nach der Geburt eine der anspruchsvollsten Zeiten im Leben einer Frau sein, zum anderen kümmern sich Frauen auch heute noch mehr um Haushalt und Kinder als Männer, und viele berufstätige Mütter erleben ein Burn-out.
Wie können Unternehmen also ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem ihre Mitarbeiterinnen diese Zeit erfolgreich meistern können? Hier sind 7 Ideen, wie Sie berufstätigen Frauen die Arbeit vor, während und nach der Elternzeit einfacher machen können.
1. Berufstätige Mütter mit Mentor*innen und Communitys zusammenbringen
Stellen Sie sicher, dass Mitarbeiter*innen und Manager*innen wissen, wie viele Urlaubstage das Unternehmen gewährt, und sowohl für die Elternzeit als auch die Rückkehr an den Arbeitsplatz hilfreiche und bewährte Tipps zur Verfügung gestellt werden. Mentorenprogramme bieten Erstmüttern eine gute Möglichkeit, sich mit weiblichen Führungskräften in Ihrem Unternehmen, die ebenfalls Mütter sind, auszutauschen und Ratschläge von diesen einzuholen.
Die Bildung einer IRG für Eltern kann ein Gefühl der Verbundenheit und Zugehörigkeit schaffen und gleichzeitig Chancen auf Fürsprache bieten. Die Parents and Caregivers IRG bei Indeed empfahl beispielsweise 26 Wochen durchgängig bezahlten Urlaub für Betreuungspersonen nach der Geburt, Adoption oder Unterbringung eines Kindes. Diese Empfehlung wurde vor Kurzem unter Chief People Officer Priscilla Koranteng umgesetzt.
2. Individuelle Aktionspläne im Voraus erstellen
Eine Schwangerschaft folgt selten einem festgelegten Zeitplan. Warten Sie daher nicht zu lange und planen Sie den Übergang in die Elternzeit rechtzeitig. Fragen Sie die werdende Mutter danach, wie und ob sie während ihrer Elternzeit kontaktiert werden möchte. Jede Frau hat eine andere Vorstellung davon, was es bedeutet, Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen. Daher benötigt jede von ihnen andere Unterstützung. Aber ganz egal, welche Prioritäten ihre Mitarbeiterinnen haben – lassen Sie sie wissen, dass sie das Sagen haben.
3. Flexibel sein
Jede Frau erlebt die Geburt ihres Kindes und die Zeit danach anders – und manchmal anders als gedacht. Das gilt ganz besonders beim ersten Kind. Einige sind eventuell der Meinung, dass sie während der Elternzeit mit den Kolleg*innen und der Arbeit verbunden bleiben möchten. Nach der Geburt stellen sie dann fest, dass das nicht machbar ist – oder vielleicht auch nicht mehr erwünscht. Bleiben Sie als Arbeitgeber flexibel, damit Sie sich an neue Umstände anpassen können. Lassen Sie Ihre Mitarbeiterinnen selbst entscheiden, wie sie die Elternzeit nehmen möchten, damit diese optimal den individuellen Anforderungen entspricht.
4. Unternehmensabläufe flexibel gestalten
Frauen in Elternzeit verpassen eventuell Chancen, ihre Karriere zu fördern, sei es, weil sie bei einer Beförderung übergangen werden oder weil sie von sich aus entscheiden, aus dem Bewerbungsprozess auszusteigen. Einer Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zufolge berichten 69 % der Frauen von mindestens einer negativen Erfahrung bei ihrer Rückkehr aus der Elternzeit. Die Gründe sind vielfältig und reichen von einer Ablehnung flexibler Arbeitszeiten bis hin zu Schwierigkeiten, andere Optionen zu finden, die Kinderbetreuung ermöglichen. Die Studie deutet zudem darauf hin, dass eine Schwangerschaft direkte Auswirkungen auf die Karriere und das Gehalt hat. Ungefähr die Hälfte der befragten Frauen gab an, dass eine ausstehende Gehaltserhöhung entweder gestrichen (37 %) oder gekürzt (11 %) wurde.
Die Entwicklung von Beförderungs- und Beurteilungsprozessen, die auf Frauen im Mutterschaftsurlaub Rücksicht nehmen, ermöglicht bessere berufliche Aufstiegsmöglichkeiten und hilft dabei, das geschlechtsspezifische Lohngefälle zu verringern. Dies lässt sich zum Beispiel verwirklichen, indem Bewerbungsgespräche für eine Position mit mehr Verantwortung auf einen Zeitpunkt verschoben werden, zu dem potenzielle Kandidatinnen aus der Elternzeit zurück sind.
5. Unterstützung beim Wiedereinstieg ins Arbeitsleben bieten
Die Wiedereinstiegsphase ist die Phase, in der berufstätige Mütter und Betreuungspersonen am meisten Unterstützung benötigen. Leider ist es auch die Phase, in der die meisten Unternehmen versagen. Neben ausreichend Orten zum Milchabpumpen und anderweitigen Räumlichkeiten für stillende Mitarbeiterinnen sind außerdem Flexibilität und Unterstützung gefragt, damit Ihre Mitarbeiterinnen wieder auf den neuesten Stand kommen.
Das könnte sich beispielsweise in Form einer Übergangsphase äußern, in der berufstätige Mütter Schritt für Schritt in ihren Arbeitsalltag zurückkehren und dabei aber flexibel auf die Anforderungen am Arbeitsplatz und zu Hause reagieren können. Eine Möglichkeit wäre, in der ersten Woche 25 % der Regelarbeitszeit zu arbeiten, in der zweiten Woche 50 %, in der dritten Woche 75 % und in der vierten Woche 100 %. Auch ein strukturiertes Onboarding-Programm für den Wiedereinstieg in den Berufsalltag, das einem Programm für neue Mitarbeiter*innen ähnelt und in dem Frauen ihr Wissen über die Unternehmensrichtlinien, Abläufe und ihren Aufgabenbereich auffrischen können, ist ein effektives Mittel.
6. Kontakte zu externen Einrichtungen knüpfen
Schließen Sie sich mit Einrichtungen zusammen, die Ressourcen für berufstätige Eltern sowohl vor als auch nach der Elternzeit anbieten. Das können z. B. Kliniken sein, die reproduktionsmedizinische Unterstützung und Gesundheitsfürsorge anbieten, oder andere Plattformen, über die Betreuungspersonen Hilfe dafür erhalten können, eine bessere Work-Life-Balance zu finden. Die Planung der Elternzeit und die Bereitstellung von Ressourcen und Training seitens des Arbeitgebers spielen eine wichtige Rolle, um Mitarbeiter*innen jeden Geschlechts die Elternzeit zu vereinfachen.
7. Offene und ehrliche Gespräche führen
Das Elternsein ist für jede Frau eine völlig andere Erfahrung und hängt von vielen Faktoren ab, darunter ethnische Herkunft und sozioökonomischer Status. Wenn Manager*innen ein aufrichtiges Interesse daran zeigen, wie sich das Leben ihrer Mitarbeiterin seit dem Ende ihrer Elternzeit gestaltet, und dann proaktiv ein offenes Gespräch über ihre Herausforderungen und Bedürfnisse führen, ist ein großer Schritt in Richtung Inklusion und Zugehörigkeit bereits getan.
„Nicht jeder hat die Flexibilität einer Kinderbetreuung, wenn Kinder krank sind“, sagt Ferrarone. „Ich glaube, es wird nicht ausreichend anerkannt, was Betreuung bedeutet. Wie und wann jemand in der Lage ist, zu arbeiten, hängt jedoch sehr von diesen Umständen ab.“
Nguyen empfiehlt, im Zweifelsfall drei einfache Fragen zu stellen: Wie geht es Ihnen? Was brauchen Sie? Wie können wir helfen?
„Es spielt keine Rolle, ob eine Person Kolleg*in oder Manager*in ist – fragen Sie berufstätige Mütter einfach, was sie brauchen“, so Nguyen. „Die Situationen können einander ähneln, aber jede Person hat andere Bedürfnisse und benötigt andere Unterstützung. Gehen Sie nie davon aus, dass jemand, der aus der Elternzeit zurückkehrt, nicht auf Geschäftsreise gehen oder die nächste Aufgabe nicht übernehmen möchte. Nehmen Sie nie einfach an, dass diese Person nicht mehr Verantwortung übernehmen möchte. Fragen Sie nach.“
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