Erst vor wenigen Tagen überraschte der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit der Forderung, Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor bis 2045 endgültig von der Straße zu nehmen. Wird Deutschland, das „Mutterland der Verbrenner“, nun den Schalter zur Antriebswende umlegen? Und wie wirkt sich das auf den Arbeitsmarkt aus? Das Indeed Hiring Lab hat gemeinsam mit dem ifo Institut für Wirtschaftsforschung die Arbeitskräftenachfrage bei grünen (Fokus auf Elektroantrieb) und braunen (Fokus auf Verbrennungsmotor) Unternehmen der Automobilbranche untersucht.
Die grüne Transformation betrifft das Industrie- und Autoland Deutschland in besonderem Maße – umso stärker waren bislang die Beharrungskräfte. Häufig wird ein branchenweiter Stellenabbau befürchtet, wenn auf die Produktion von Elektrofahrzeugen umgestellt wird – ein Schreckensszenario nicht nur für HR-Führungskräfte. Diese Argumentation wird eingesetzt, um weiterhin am Verbrennungsmotor festzuhalten und gesellschaftlich vereinbarte Klimaziele in Frage zu stellen.
In der Tat werden in der Elektroautoproduktion deutlich weniger Arbeitskräfte benötigt. Zudem wird ein größerer Teil der Wertschöpfung, beispielsweise die Batteriezellenproduktion, überwiegend im Ausland stattfinden. Andererseits ist klar, dass Autos mit Benzin- oder Dieselmotor mittelfristig keine große Rolle mehr spielen werden. Ein zu langes Festhalten an der Verbrennerproduktion gefährdet also nicht nur die Klimaziele, sondern auch die langfristige Perspektive der Automobilindustrie am Standort Deutschland.
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Erfahren Sie mehrAnalyse von grünen und braunen Unternehmen
In unserer gemeinsamen Studie mit dem ifo-Institut haben wir untersucht, wie sich der Fokus auf Elektro- bzw. Verbrennungstechnologie auf die Arbeitskräftenachfrage der Unternehmen auswirkt. Dazu wurde die deutsche Automobilindustrie anhand ihrer Patentanmeldungen im Bereich Antriebstechnik in grüne Unternehmen (Fokus auf Elektroantrieb) und braune Unternehmen (Fokus auf Verbrenner) eingeteilt. Parallel haben wir über 1,5 Millionen Online-Stellenanzeigen von 2.166 Unternehmen auf Indeed im Zeitraum von Januar 2018 bis April 2024 analysiert, um herauszufinden, ob und in welchem Maße sich die Arbeitskräftenachfrage unterschiedlich entwickelt.
Elektroproduzenten suchen mehr Arbeitskräfte
Das Ergebnis: Die Arbeitskräftenachfrage grüner Firmen der Automobilindustrie ist seit Frühjahr 2019 signifikant und durchgehend höher als die von weniger grünen Firmen – um durchschnittlich 34 bis 50 Prozentpunkte. Das deutet darauf hin, dass Unternehmen, die eine grüne Strategie verfolgen, eine wesentlich bessere Arbeitsmarktperformance aufweisen als weniger grüne Unternehmen. Eine Gewinnabschöpfungsstrategie mit Fokus auf den Verbrennungsmotor kann zwar kurzfristig profitabel sein, zeichnet sich aber durch eine deutlich geringere Arbeitskräftenachfrage aus und erscheint als langfristig nicht zukunftsfest.

Darüber hinaus unterscheiden sich grüne und braune Unternehmen in den nachgefragten Berufszweigen: Grüne Unternehmen suchen mehr Arbeitskräfte im Bereich IT und Produktion und weniger in den Berufsfeldern Vertrieb, Technik und Mechanik, Maschinenbau und Logistik.
Fokus auf Re- und Upskilling
Der Strukturwandel von der Verbrenner- zur Elektroautoproduktion wird Gewinner und Verlierer mit sich bringen. Es werden nicht unbedingt genau die Jobs geschaffen, die woanders verloren gehen. Deshalb braucht es einen neuen Ansatz sowohl in der Personalentwicklung als auch im Recruiting: kompetenzbasiert und mit weniger Fokus auf feste Berufsfelder. Eine Personalstrategie sollte die Frage beantworten, wo man Menschen einsetzen kann, die mit dem Ende der Verbrennertechnologie ihren Job verlieren. Angesichts des Fachkräftemangels ist es sinnvoll, diese Menschen durch Re- und Upskilling für den Arbeitsmarkt zu erhalten.
Weiterführende Informationen finden Sie in der deutschen Version der Studie beim ifo-Schnelldienst sowie im wissenschaftlichen Working Paper (Englisch).
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