Die versteckten Kosten einer „Friss-oder-stirb-Arbeitskultur“

By Von Kristy Threlkeld
Unternehmen greifen hart durch und streichen Vergünstigungen. Eine neue Studie von Indeed zeigt, warum das nach hinten losgehen kann.

Fazit 

  • Gestresste Mitarbeitende suchen doppelt so häufig nach einem neuen Job. 
  • Unternehmen mit den höchsten Work Wellbeing Scores übertreffen durchweg Aktien-Benchmarks wie den S&P 500. 
  • Die Erwartungen an das Wohlbefinden sind bei Millennials und der Generation Z am höchsten. Diese machen heutzutage mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden aus (Tendenz steigend).

Laut dem Jahresbericht 2025 von Indeed zum Wohlbefinden am Arbeitsplatz kann sich nur jede/r fünfte Mitarbeitende bei der Arbeit voll entfalten. Trotz der schlechten Stimmung unter den Mitarbeitenden erzwingen Arbeitgeber die Rückkehr ins Büro. Einige gehen noch weiter und fordern die Mitarbeitenden auf, „sich anzupassen oder zu gehen“. Was so manch Mitarbeitende*r sogar in Betracht zieht. 

Viele Arbeitgeber wollen mit diesem Schritt Zusammenarbeit und Produktivität steigern. Andere sehen ihn als Machtergreifung der Arbeitgeber, nachdem die Mitarbeitenden jahrelang die Oberhand auf dem Arbeitsmarkt gehabt haben. 

Aber wird es sich letztendlich auszahlen, die Kontrolle zurückzugewinnen – auf Kosten des Wohlbefindens der Mitarbeitenden? 

„Alle spüren den wirtschaftlichen Druck, und die Führungskräfte kehren in ihre Komfortzone zurück. Wer seinen Blick nur auf Zahlen richtet, kann den Wert des Wohlbefindens leicht unterschätzen“, so Kyle M. K., Senior Talent Strategy Advisor bei Indeed. „Aber wir haben endlich Daten und Beweise, die zeigen, warum Gefühle wichtig sind und dass erfüllte Erwartungen der Mitarbeitenden zu erfüllten Erwartungen der Unternehmen führen.“

Werfen wir einen Blick auf die Daten aus dem Bericht Wie Wohlbefinden am Arbeitsplatz die Leistung fördert, um zu sehen, wie sich positive Erfahrungen der Mitarbeitenden am Arbeitsplatz auf den Unternehmenswert auswirken, und die langfristigen Kosten aufzuschlüsseln, die entstehen, wenn das Wohlbefinden der Mitarbeitenden außen vor bleibt.

Der Business Case für Wohlbefinden am Arbeitsplatz

Laut dem englischen Sprichwort „Money can't buy happiness“ kann man Freude nicht kaufen. Die Daten zeigen jedoch genau den umgekehrten Fall: Je zufriedener Ihre Mitarbeitenden sind, desto besser wird ihre Arbeitsleistung.

Eine Analyse der Indeed-Daten zum Wohlbefinden zeigt einen eindeutigen positiven Zusammenhang zwischen dem Wohlbefinden der Mitarbeitenden und der Unternehmensleistung. Je höher das Wohlbefinden der Mitarbeitenden, desto höher sind die Gewinne, die Kapitalrendite und die Unternehmensbewertung. 

Die Forschenden gingen noch einen Schritt weiter und simulierten ein Börsenportfolio, das auf den 100 größten börsennotierten Unternehmen mit den höchsten Work Wellbeing Scores (Work Wellbeing 100) basierte. In der Simulation übertraf dieser „Work Wellbeing 100“ konstant wichtige Benchmarks wie den S&P 500 und den Nasdaq Composite über einen Zeitraum von vier Jahren. 

Die Daten aus dem Bericht zeigen auch, dass Mitarbeitende mit höheren Work Wellbeing Scores auf individueller Ebene auch eher ihre Ziele erreichen, ein höheres Maß an Kreativität haben und KI leichter annehmen – Kennzeichen, die alle eng mit Unternehmens-KPIs wie Produktivität und Mitarbeiterbindung verbunden sind. 

„Zufriedenheit am Arbeitsplatz ist nicht mehr nur ein Nice-to-have, sondern ein echter Produktivitätstreiber und fördert die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens“, meint M. K. 

Die Kosten eingeschränkter Mitarbeiterflexibilität (und was stattdessen zu tun ist)

Wird das Wohlbefinden großgeschrieben, hat das eindeutig Vorteile. Doch die Daten deuten auch auf hohe langfristige Kosten hin, die entstehen, wenn die Flexibilität der Arbeitnehmer eingeschränkt wird. Von höherer Mitarbeiterfluktuation bis hin zu mangelnder Produktivität und Innovation – so könnte es sich auf Ihr Unternehmen auswirken, wenn Sie das Wohlbefinden vernachlässigen: 

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Kostenpunkt 1: Höhere Mitarbeiterfluktuation

Unzufriedene oder gestresste Mitarbeitende lassen nicht nur die Stimmung abstürzen – es ist auch doppelt so wahrscheinlich, dass sie sich nach einem neuen Arbeitsplatz umsehen. Stress ist auch einer der Hauptgründe, warum Menschen nach einem neuen Job suchen – nach dem Wunsch nach einem höheren Gehalt. Zusätzlich zu der Zeit und den Ressourcen, die erforderlich sind, um die Mitarbeiterfluktuation in Schach zu halten, bringt sie in der Regel auch einen Dominoeffekt mit sich und kann kostspielige Wissens- und betriebliche Lücken in Ihrer Belegschaft hinterlassen.

Versuchen Sie es stattdessen so: Unternehmen, die das Wohlbefinden priorisieren und messen, erzielen mit fast dreimal höherer Wahrscheinlichkeit hervorragende Ergebnisse. Falls Sie es noch nicht getan haben, sollten Sie zunächst Ihre Bemühungen rund um das Wohlbefinden mit einer Grundlagenerhebung messen. So ermitteln Sie die größten Herausforderungen Ihrer Mitarbeitenden und konzentrieren Ihre Maßnahmen auf jene Bereiche, mit denen Ihre Mitarbeitenden am wenigsten zufrieden sind. Selbst kleine, gezielte Verbesserungen mit begrenztem Budget können große Auswirkungen erzielen

Kostenpunkt 2: Weniger Produktivität und Innovation

KI-Tools und -Technologien sind ein Muss für zukunftsorientierte Unternehmen geworden. Trotzdem können Unternehmen, die KI überstürzt einführen und dabei das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden vernachlässigen, schnell scheitern. Untersuchungen zeigen, dass Stress zu engem, überlebensorientiertem Denken führt. Mit anderen Worten: Man verliert die Fähigkeit, über den Tellerrand hinauszublicken, um Innovationen voranzutreiben. Abgesehen von KI sei auch erwähnt, dass Mitarbeitende, die sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen, ihre Ziele mit einer 1,3-mal höheren Wahrscheinlichkeit erreichen. 

Versuchen Sie es stattdessen so: Die wichtigsten Faktoren für Wohlbefinden – Energie, Zugehörigkeit und Vertrauen – schaffen die psychologische Sicherheit, die Menschen benötigen, um kreative Risiken einzugehen. Stellen Sie sicher, dass Mitarbeitende experimentieren, scheitern und lernen dürfen. Starten Sie eine Zuhör-Kampagne und sammeln Sie qualitatives Feedback rund um die Herausforderungen, mit denen Ihre Mitarbeitenden konfrontiert sind. Überlegen Sie anschließend anhand dieser Daten, wie Sie Ihre Unternehmenskultur verbessern können. 

Kostenpunkt 3: Schlechtes Arbeitsklima und geringes Vertrauen

Die Mitarbeitenden haben höhere Erwartungen in Bezug auf ihr Wohlbefinden als noch vor einem Jahr. Die höchsten Erwartungen stellen die Generation Z (51 %) und die Millennials (43 %). Millennials machen derzeit den größten Teil der Erwerbsbevölkerung aus und gemeinsam mit der Generation Z sind sie die Masse der heutigen Arbeitnehmenden. Wenn Unternehmen diese Erwartungen abschmettern, signalisieren sie der Belegschaft, dass ihre Wünsche unwichtig sind – und das wird wohl kaum Erfolg bringen. 

Versuchen Sie es stattdessen so: Da geringe Flexibilität für mindestens ein Fünftel der Arbeitnehmenden in den USA als K.O.-Kriterium gilt, raten Expert*innen, dass „kluge Unternehmen Optionen statt Anordnungen bieten“, wo immer dies möglich ist. Prüfen Sie, in Ihrer Richtlinie zur Rückkehr ins Büro (RTO-Richtlinie) und an den Standorten, an denen Sie Mitarbeitende suchen, Raum für Flexibilität lassen, um Ihren Talentpool nicht unnötig einzugrenzen. 

Kostenpunkt 4: An die Talent Attraction verschwendete Ressourcen

Ganze 95 % der Jobsuchenden geben an, dass sie bei ihrer Jobsuche Daten zum Wohlbefinden sehen möchten. 44 % möchten diese Daten sehen, bevor sie sich überhaupt bewerben. Darüber hinaus sind 60 % der Unternehmen der Meinung, dass es in der Verantwortung der Unternehmen liegt, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich dieMitarbeitenden entfalten können. Oder anders gesagt: Bewerber*innen werden Sie bei der Jobsuche gar nicht erst in Betracht ziehen, wenn das Wohlbefinden nicht Teil Ihrer Arbeitgebermarke ist.

Versuchen Sie es stattdessen so: Verstärken Sie nicht nur Ihre Strategie zur Talent Attraction, sondern überdenken Sie auch die Mitarbeitererfahrung, um Ihren bestehenden Mitarbeitenden genügend Wachstumsmöglichkeiten zu bieten. Wenn Sie den Schwerpunkt auf die Entwicklung vorhandener Talente unter Ihren Mitarbeitenden verlagern und in Weiterbildungsprogramme investieren, können Sie sowohl das Wohlbefinden als auch die Mitarbeiterbindung verbessern und gleichzeitig die Gesamtkosten für die Personalsuche senken. 

Gut für das Arbeitsklima bedeutet gut fürs Geschäft

Diese Daten verdeutlichen stärker denn je, welche Kosten und nachgelagerten Auswirkungen es nach sich zieht, wenn das Wohlbefinden am Arbeitsplatz als „Gefühlsduselei“ abgetan wird. Aber sie heben auch hervor, welches Potenzial zur Steigerung der Produktivität, der Innovation und des Endergebnisses Unternehmen haben, die über den aktuellen „Friss-oder-Stirb“-Trend hinausgehen und stattdessen die Mitarbeiterbindung und das Wohlbefinden in den Vordergrund stellen. 

„Die erfolgreichsten Unternehmen haben verstanden, dass es beim Wohlbefinden nicht nur darum geht, Menschen um des Glücks willen glücklich zu machen“, sagt M. K. „Es geht darum, die Bedingungen zu schaffen, unter denen Menschen ihr Bestes geben, sich entfalten und etwas erreichen können.“

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