Heutzutage können es sich Arbeitgeber nicht mehr leisten, geeignete Jobsuchende zu verpassen. Alte und überholte Herangehensweisen an die Schaltung Ihrer Stellenanzeigen könnten Ihren Talentpool aber mehr einschränken, als Ihnen vielleicht bewusst ist. Mehr noch, sie könnten sogar Ihre Bemühungen um einen vielfältigen, offenen Arbeitsplatz schwächen.
Mit diesen Tipps werten Sie Ihre Stellenanzeigen im Jahr 2023 auf, um Hindernisse auf dem Arbeitsmarkt zu beseitigen, mehr Talente anzusprechen und bessere Recruitingergebnisse zu erzielen.
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Trotz Berichten, laut denen der Bedarf an Arbeitskräften abnimmt, zeigen Daten des Indeed Hiring Lab, dass die Nachfrage sogar steigt. Unterdessen hat der Anteil der Erwerbstätigen in der Bevölkerung einen Höhepunkt erreicht, wird im Verhältnis zu den offenen Stellen allerdings aufgrund des demografischen Wandels sinken. Dieser Mangel an Talenten wird laut den Trends 2023 für Arbeitsmarkt und Recruiting von Indeed und Glassdoor wahrscheinlich langfristig bestehen bleiben.
Die Anzahl der Jobsuchenden ist nicht nur knapp, Jobsuchende sind auch zunehmend wählerisch. Sie erwarten von Arbeitgebern beispielsweise bessere Bezahlung und Leistungen, Flexibilität und ein positives Arbeitsumfeld, das ihr Wohlbefinden im Blick hat. LaFawn Davis, Indeed SVP of Environmental, Social and Governance, sagt dazu: „Recruitingstrategien, die früher noch gut genug waren, wirken heute abgenutzt und veraltet.“
Unternehmen, die durch strategische Veränderungen ihre Talentpools erweitern, können genau dieses veraltete Umfeld optimal für sich nutzen. Denn die Schaltung von Stellenanzeigen ist für Recruiting von essenzieller Bedeutung und kann somit nicht nur eine Hürde, sondern auch eine Chance sein.
Laut Erin Hendrick, Director of Global Delivery, Talent Attraction Programs bei Indeed, ist die Vermeidung von kodierter Sprache ein Schlüssel zu attraktiveren Stellenanzeigen. Auch wenn sich viele Recruiter*innen dessen nicht bewusst sind, können laut Hendrick Aspekte wie Anforderungen, gewünschte Fertigkeiten und Berufserfahrung unbeabsichtigt geeignete Talente ausschließen. „Für viele Jobsuchende ist dies die größte Hürde, da Bewerber*innen oft nach diesen Kriterien vorausgewählt werden.“
Wie können Recruiter*innen also Jobsuchende für sich gewinnen? Die folgenden Fehler bei der Schaltung von Stellenanzeigen sollten Sie laut Erin Hendrick im Jahr 2023 unbedingt vermeiden:
Fehler 1: Eine zu lange Liste an gewünschten Fertigkeiten und Qualifikationen
Stellenanzeigen mit vielen gewünschten Fertigkeiten und Qualifikationen halten viele Kandidat*innen davon ab, sich zu bewerben, so Erin Hendrick. Vor allem Frauen bewerben sich seltener auf eine Stelle, wenn sie nicht alle Anforderungen erfüllen.
Ein bewährter Tipp ist hierbei, die Anforderungen bei jeder Stellenanzeige auf die wichtigsten zu beschränken, vorzugsweise nicht mehr als fünf:
- Ermitteln Sie die unverzichtbaren Qualifikationen für jede Stelle. Eventuell müssen Bewerber*innen fließend Spanisch sprechen, doch müssen sie auch Expert*innen im Bereich Tabellenkalkulation sein oder können sie diese Fertigkeit im Job erlernen? Lassen Sie die Anforderungen weg, die nur optional sind.
- Vergewissern Sie sich, dass Ihre Anforderungen fair bewertet werden können. Geben Sie keine Qualifikationen an, die Sie nicht durch den Lebenslauf oder während eines Vorstellungsgesprächs bewerten können. Wenn Bewerber*innen z. B. angeben, dass sie „unter Druck einen klaren Kopf behalten“ können, ist dies dennoch eher eine Fähigkeit, die sie erst während der Arbeit unter Beweis stellen können.
- Ersetzen Sie Recruiting-Platitüden durch genaue Qualifikationen. Häufig verwendete Schlagworte wie „Flexibiltät“ oder „Multitasking“ sollten Sie streichen und stattdessen spezifische Fertigkeiten angeben. Anhand welcher fünf Anforderungen können Sie also am besten auswählen, wer sich für Ihre Stelle eignet?
Fehler 2: Fokus auf der Berufserfahrung anstatt der Qualität der Fertigkeiten
Wenn Sie die Anforderungen in der Stellenanzeige überdenken, stellen Sie sich ernsthaft die Frage, wie wichtig Berufserfahrung für diese Stelle ist. Wenn Sie die Mindesterfahrung zu hoch ansetzen, könnten Sie vielversprechende junge Talente oder solche ausschließen, die sich seit jeher mit Hindernissen auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert sehen. Außerdem könnten Mindestanforderungen ältere Arbeitskräfte abschrecken und sogar den Eindruck hinterlassen, dass Ihr Unternehmen erfahrene Talente nicht unterstützt.
Konzentrieren Sie sich darauf, die Qualität der Erfolge und Fertigkeiten von Bewerber*innen zu messen anstatt die Zeit, die sie in einem Beruf gearbeitet haben. Berücksichtigen Sie alle besonderen Qualifikationen, Kriterien oder Fähigkeiten für Erfolg in jeder Position und führen Sie dann ein genau an diesen Aspekten orientiertes Recruiting durch, z. B. mithilfe von Assessments oder zugeschnittenen Fragen im Vorstellungsgespräch. Wenn Sie diese Anforderung dennoch angeben möchten, empfiehlt Erin Hendrick, eine nach oben offene Anzahl für die Jahre an Berufserfahrung festzulegen, beispielsweise „mindestens 2 Jahre“ anstatt „2 bis 5 Jahre“, um das Recruiting weniger eingeschränkt zu gestalten.
Machen Sie sich Sorgen, dass sich zu viele überqualifizierte Kandidat*innen bewerben? Auch dafür kennt Erin Hendrick eine Lösung.
„Wenn Sie Gehalt, Pflichten und Verantwortlichkeiten in der Stellenanzeige transparent darlegen, können Kandidat*innen sehr gut selbst einschätzen, ob die Stelle zu ihnen passt.“, sagt sie. „Hier gehen Entgelttransparenz und Berufserfahrung tatsächlich Hand in Hand. Und das spart allen Zeit.“
Fehler 3: Willkürliche Anforderungen für Abschlüsse
Abschlussanforderungen stellen eine große Hürde für Jobsuchende dar, die zwar Berufserfahrung und hart erarbeitete Qualifikationen, jedoch keinen Hochschulabschluss besitzen. 2019 hatten 16,3 % der deutschen Bevölkerung ab 15 Jahren keinen Bachelor oder höheren Abschluss. Durch zu hohe Anforderungen werden diese Kandidat*innen zu unverhältnismäßig hohen Anteilen aussortiert. Nur 2,6 % der Bevölkerung im erwerbstätigen Alter mit einem hohen Bildungsniveau waren 2020 arbeitslos, während die Arbeitslosenquote bei Personen mit niedrigerem Bildungsniveau bei 8,8 % lag.
Im Jahr 2021 half Indeed dabei, diese Hürde zu überwinden, indem Anforderungen für Abschlüsse aus ausgewählten Stellenanzeigen entfernt wurden, die die internen Richtlinien zur Entfernung von Abschlüssen erfüllten. Erin Hendrick zufolge hat die Verschiebung des Fokus von Abschlüssen hin zum skillorientierten Recruiting geholfen, den Kandidatenpool von Indeed auszuweiten. Sie ermutigt Arbeitgeber, nicht grundsätzlich einen Abschluss vorauszusetzen, nur weil „das immer schon so gemacht wurde“.
„Wenn Sie sich auf einen speziellen Abschluss oder eine spezielle Universität versteifen, anstatt Qualifikationen und Eigenschaften zu berücksichtigen, stellen Sie wahrscheinlich stets denselben Typ Mitarbeiter*in ein“, so Erin Hendrick. „Es geht darum, Möglichkeiten zu eröffnen, mit einem größeren Pool geeigneter Kandidat*innen zu interagieren, diese Talente anzusprechen und sie einzustellen.“
Stellen Sie sich diese wichtigen Fragen, um zu entscheiden, ob eine 4-jährige oder längere Hochschulausbildung mit Abschluss für die Stelle wirklich nötig ist:
- Welche Qualifikationen und welches Wissen wird in dieser Rolle unbedingt benötigt? Kann all dies auch mit außerschulischer Bildung erlangt werden?
- Welche Mitarbeiter*innen Ihres Unternehmens sind in derselben Position erfolgreich? Welchen Hintergrund haben sie? Welche hilfreichen Eigenschaften und Fertigkeiten brachten sie mit?
- Können Sie angeben, warum ein bestimmter Abschluss erforderlich ist? Ist zum Beispiel für die Ausübung des Berufs eine spezielle Ausbildung gesetzlich vorgeschrieben?
- Wenn Sie die Abschlussanforderungen entfernen, könnte es dazu kommen, dass Sie Personen einstellen, die die Stelle nicht auf dem geforderten Niveau ausführen können?
- Verlangen Sie einen Master, wenn auch ein Bachelor ausreicht? Werden in den heutigen Bachelor-Kursen die nötigen Fertigkeiten vermittelt und Ihre Anforderungen basieren auf veralteten Daten?
- Für welche Fertigkeiten und Eigenschaften können und würden Sie Weiterbildung anbieten?
Wenn Sie Personen mit ungewöhnlichem Hintergrund Möglichkeiten eröffnen möchten, ohne die Abschlussanforderung vollständig zu entfernen, fügen Sie eventuell eine Formulierung wie „oder vergleichbare Erfahrung“ hinzu. Denken Sie dabei darüber nach, wie diese Erfahrung auf anderem Wege erlangt werden kann.
Die erfolgreichsten Unternehmen des Jahres 2023 und darüber hinaus entfernen unnötige Hürden in Stellenanzeigen, um größere Talentpools zu nutzen und vielfältigere Teams zusammenzustellen.
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