Vom Indeed Editorial Team
Die Welt kann turbulent sein. Deshalb ist für viele der Arbeitsplatz auch ein Rückzugsort. „Die Menschen stehen unter Stress“, sagt Misty Gaither, Vice President of Global Diversity, Equity, Inclusion and Belonging bei Indeed. „Deshalb schätzen sie den Austausch von Freundlichkeiten im Arbeitsalltag. Nehmen Sie sich bei Terminen und Meetings beispielsweise Zeit, um zu fragen, wie es den anderen Teilnehmenden geht.“
Das ist nicht nur eine nette Geste, sondern auch gut für Ihr Unternehmen: Studien zufolge sind zufriedene Mitarbeiter*innen produktiver und weniger geneigt, das Unternehmen für eine andere Stelle zu verlassen. Deshalb sollten Führungskräfte einen freundlichen Umgang bewusst in die Unternehmenskultur integrieren. Unternehmen sollten ein angenehmes und einladendes Arbeitsklima nicht dem Zufall überlassen, sondern selbst ein solches schaffen. Wir haben mit einigen Akademiker*innen und Expert*innen für Wohlbefinden über bewährte Tipps für den Aufbau einer Kultur der Wertschätzung gesprochen.
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Erfahren Sie mehrAnerkennung durch Quietscheentchen – ein Erfolgskonzept
Tara Davis, Director of Internal Communications and Staff Wellbeing bei der American Psychological Association
Gute Arbeit anerkennen: Vor der Pandemie haben die Mitarbeiter*innen am sogenannten „Recognition Day“ der Organisation Dankeskarten für ihre Kolleg*innen ausgefüllt. Diese wurden dann zusammen mit Quietscheentchen überbracht. „Die Leute haben ihre Entchen im Büro aufgestellt. Das war die höchste Form der Anerkennung.“ In den letzten Jahren wurde das öffentliche Loben unter Kolleg*innen in die digitale Welt verlagert. Die Mitarbeiter*innen können sich jetzt „Entchenpost“ schicken – also eine E-Mail mit einem Bild einer Quietscheente – oder Nachrichten im virtuellen Pausenraum des Unternehmens hinterlassen.
Eigenständiges Arbeiten ermöglichen: „Gestehen Sie Ihren Teammitgliedern zu, flexibel zu entscheiden, wie, wo und wann sie arbeiten. Indem Sie das Privatleben Ihrer Mitarbeiter*innen respektieren und nicht jeden Aspekt des Arbeitsalltags bestimmen, vermitteln Sie ihnen, dass Sie sich nicht nur für die geleistete Arbeit, sondern auch für die Menschen interessieren.“
Meetings verbessern: Die Organisation hat einige Leitlinien aufgestellt, um Erschöpfung durch Videokonferenzen vorzubeugen. „Wir haben gesunde Meeting-Routinen eingeführt, um unseren Kolleg*innen Respekt, Freundlichkeit und Anstand entgegenzubringen und ihnen zu vermitteln, dass wir alle der Auffassung sind, dass Arbeit nicht alles im Leben ist“, meint Tara Davis. Zu diesen Leitlinien gehören beispielsweise: kommunizieren, wann die Kameras ein- oder ausgeschaltet sein sollen, Meetings ein paar Minuten früher beenden, um für Pausen zu sorgen, und Verständnis zeigen, wenn Aspekte des Privatlebens der Mitarbeiter*innen zu sehen ist. „Wenn sie aufmerksam das Meeting verfolgen und sich gleichzeitig um ihre Wäsche kümmern können, bin ich nicht verärgert, sondern beeindruckt und freue mich für sie.“
Fragen zulassen und ehrlich beantworten: „Unser CEO veranstaltet ein- bis zweimal pro Monat sogenannte ‚Kaffeekränzchen‘, bei denen er sich mit den Mitarbeiter*innen über alles außer Personalthemen unterhält. Manche möchten wissen, ob er Let’s Dance gesehen hat, andere fragen ihn, was gegen den Klimawandel getan werden kann. Diese Fragen beantwortet er offen und ehrlich.“

Aus Entgegenkommen und Ehrlichkeit wächst Respekt
William Baker war früher als CEO in der Medienbranche tätig. Jetzt ist er Professor an der Fordham University und Co-Autor von „Leading with Kindness: How Good People Consistently Get Superior Results“
Freundlichkeit siegt: Das Bild der „knallharten Vorgesetzten“ ist zwar medienwirksam, doch William Baker ist davon überzeugt, dass freundliche Vorgesetzte heutzutage insgesamt erfolgreicher sind. „Es gibt unglaublich viele erfolgreiche Führungskräfte, die niemals im Rampenlicht stehen, aber einige der erfolgreichsten Unternehmen nicht nur Amerikas, sondern weltweit leiten.“
Ein Beispiel am Polarforscher Ernest Shackleton nehmen: „Ich war am Nord- und am Südpol und habe mich lange mit einigen den großen Forscher*innen befasst. Ernest Shackleton wurde von allen respektiert. Er war immer ehrlich und auf sein Wort war Verlass. Diese Aspekte machen unter anderem auch gute Vorgesetzte aus.“ Im Fall von Ernest Shackleton bedeutete das, dafür zu sorgen, dass alle seine Männer nach mehr als einem Jahr auf dem Eis wieder zurückkehren. Das ist zweifellos ein gutes Geschäftsergebnis.
Mitarbeiter*innen kennenlernen: „Wie lernen Sie, Ihre Mitarbeiter*innen zu verstehen? Die altmodische Variante ist, einfach auf sie zuzugehen und sich persönlich mit ihnen zu unterhalten. Verzichten Sie darauf, oberflächliche Partys zu veranstalten oder große Reden zu halten. Mitarbeiter*innen sind nicht wie Teile eines Puzzles, sondern Menschen mit einem eigenen und einzigartigen Leben.“
Führungskräfte würdigen: „Es gibt nichts Wichtigeres als das mittlere Management. In fast allen Großunternehmen wird dort die eigentliche Arbeit erledigt – und diese Mitarbeiter*innen sind es auch, die Freundlichkeit und Wertschätzung ausstrahlen müssen.“
Bessere Unternehmenskultur durch Fokus auf die einzelnen Mitarbeiter*innen
David Hoke, Chief Wellbeing Officer bei Thrive Global
Authentisch sein: „Im Zeitalter allgegenwärtiger Technologien können andere jederzeit sehen, was Sie tun. Leistung allein reicht nicht mehr aus, Sie müssen auch authentisch sein. Wenn Sie es nicht sind, bemerken Ihre Kolleg*innen und Ihr Team das sofort.“
Arbeitnehmer*innen Zeit für Erholung einräumen: Ihre Mitarbeiter*innen können nicht ihr volles Potenzial ausschöpfen, wenn sie so viel Arbeit auf dem Tisch haben, dass sie nicht hinterherkommen und keine Zeit für Pausen bleibt. „Aus einem leeren Brunnen können Sie kein Wasser schöpfen. Ihre Mitarbeiter*innen können Ihnen nur das geben, was sie haben. Wenn sie Ihnen am Herzen liegen, sollten Sie dafür sorgen, dass genug Zeit für Erholung bleibt. Es ist ein Geben und Nehmen.“
Konkurrenzdenken entgegenwirken: Der legendäre Football-Coach Vince Lombardi hat einmal gesagt: „Gewinnen ist nicht alles, es ist das Einzige.“ David Hoke ist jedoch der Ansicht, dass wir heute in einer anderen Welt leben. „Heutzutage sind wir in Unternehmen auf mehr Zusammenarbeit und Verbundenheit angewiesen. In der Welt außerhalb der Arbeit herrscht bereits so viel Negativität, der Ihre Mitarbeiter*innen tagtäglich ausgesetzt sind. Sie benötigen einen sicheren Hafen.“
Aktiv werden: „Auf Worte keine Taten folgen zu lassen ist das Schlimmste, was Sie tun können.“
Für das Schaffen einer Kultur der Wertschätzung braucht es Zeit – und den Einsatz der Führungskräfte
Katina Sawyer, Associate Professor of Management and Organizations an der University of Arizona
Vom Besten ausgehen: „Wenn Personen Fehler machen, sollten wir ihnen einen Vertrauensvorschuss gewähren. Wir sollten bedenken, dass auch sie nur Menschen sind, statt davon auszugehen, dass sie dem Unternehmen schaden möchten. Ein guter Vorsatz wäre: Wenn X geschieht, zeige ich mich wohlwollend.“
Gleiche Maßstäbe für alle ansetzen: „Führungskräfte denken häufig, dass sie die Unternehmenskultur nur für andere schaffen. Sie glauben, dass sie aufgrund ihrer Position und Erfahrung nicht an Schulungen zu mehr Freundlichkeit teilnehmen müssen. Doch wenn Sie eine Kultur der Wertschätzung für alle schaffen möchten, ohne bereit zu sein, auch an sich selbst zu arbeiten, werden Ihre Mitarbeiter*innen das bemerken. Dadurch senden Sie die Botschaft aus, dass Sie im Unternehmen vorankommen können, ohne anderen freundlich gegenüberzutreten.“
Verstehen, dass der Aufbau einer positiven Kultur Zeit braucht: „Unternehmen erwarten nach dem Anstoß einer positiven Veränderung sofortige Erfolge. Dabei ist es ein längerfristiger Prozess, eine starke Unternehmenskultur zu schaffen. Sie basiert auf vielen Bausteinen, die Zeit benötigen, um Früchte zu tragen.“
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