Wichtige Erkenntnisse
- Die Ökonom*innen des Indeed Hiring Lab in den USA, Frankreich, Deutschland, Japan und Australien haben die Profile von Jobsuchenden analysiert, um Muster bei beruflichen Veränderungen zu erkennen – also Fälle, in denen Arbeitnehmer*innen ihre Fähigkeiten in neue Stellen oder Berufsfelder einbringen.
- Zu ihren Erkenntnissen gehört: In Branchen mit hoch bezahlten, hoch qualifizierten Stellen ist die Fluktuation tendenziell geringer, während bei weniger gut bezahlten Stellen und solchen mit niedrigen Hürden eine höhere Fluktuation zu beobachten ist.
- Die Erkenntnis, ob ein Sektor eher „offen“ oder „geschlossen“ ist, kann sowohl Arbeitgebern als auch Beschäftigten dabei helfen, in einem dynamischen Arbeitsmarkt sinnvolle Schritte zu unternehmen.
Wenn Beschäftigte den Sprung in einen neuen Job wagen, ist das mehr als ein persönlicher Meilenstein: Es ist ein wichtiges Signal für die Anpassungsfähigkeit des Arbeitsmarktes und dafür, wie zuversichtlich die Menschen hinsichtlich ihrer Zukunftsaussichten sind.
Offizielle Daten zu beruflichen Veränderungsprozessen sind jedoch nur spärlich verfügbar. Daher haben die Ökonom*innen von Indeed Hiring Lab mehrere Millionen anonymisierte Profile von Jobsuchenden analysiert, um zu ermitteln, wer sich für einen solchen Schritt entscheidet und wohin er führt.
Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Freiheit zum Jobwechsel häufig davon abhängt, ob Arbeitgeber erlernbare Kompetenzen höher bewerten als Abschlüsse und frühere Berufsbezeichnungen. Insbesondere in Märkten oder Berufen, in denen Arbeitskräftemangel herrscht, könnte die Priorisierung des kompetenzbasierten Recruiting* den Zugang zu neuen Talentpools eröffnen und Arbeitskräften überall mehr berufliche Mobilität bieten.
Bei der Analyse von Stellenwechseln und beruflichen Veränderungen zwischen 2022 und 2024 stellten die Ökonom*innen des Hiring Lab in fünf großen Volkswirtschaften gemeinsame Muster auf den verschiedenen Märkten fest – aber auch einige erstaunliche Abweichungen. Dies sind einige Ihrer Erkenntnisse.
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Erfahren Sie mehrUSA: Einige Positionen sind äußerst schwer zu bekommen
Die Daten: Pro Monat wechselten etwa 2,6 % der Nutzer*innen von Indeed in den USA in neue* Jobs, und etwa zwei Drittel dieser Personen wechselten auch ihren Beruf.
Das Überraschende: Gesundheitswesen und Softwareentwicklung verzeichnen eine außergewöhnlich geringe Mobilität, sowohl bei der Zu- als auch bei der Abwanderung. Im Gesundheitswesen begrenzen strikte Zulassungs- und Qualifikationsanforderungen den Zugang. In der Technologiebranche führen das rasante Tempo des Wandels und die ständige Notwendigkeit zur Weiterbildung zu einem „Insider-Effekt“, bei dem erfahrene Entwickler*innen sich rasch anpassen, während Neueinsteiger*innen Schwierigkeiten haben, sich zu etablieren.
Bemerkenswert: Die Erhebungen berücksichtigen den Einfluss von künstlicher Intelligenz bislang nicht, dennoch stellt dieser Faktor einen Unsicherheitsfaktor dar, der viele US-Bürger*innen dazu bewegt, in ihren aktuellen Jobs zu verbleiben – dazu kommt eine nachlassende Konjunktur und ein stockender* Arbeitsmarkt. Ökonom*innen verwenden hierfür den Begriff „Job Hugging".

Zentrale Erkenntnis: Der Arbeitsmarkt ist geprägt von Menschen, die beruflich neu durchstarten – ausgestattet mit frischen Kompetenzen und einer ausgeprägten Lernmotivation. In einer dynamischen Wirtschaft erkennen kluge Unternehmen das Potenzial von Berufswechsler*innen und schaffen gezielt Möglichkeiten für ihren Einstieg.
–Lisa Feist, Ökonomin im Hiring Lab in den USA
Japan: Obwohl Jobwechsel selten sind, zeigen sich manche Branchen erstaunlich offen für neue Talente
Die Daten: In Japan liegt die Quote beruflicher Neuorientierung bei nur 1 % – und das, obwohl das Land unter einem akuten Fachkräftemangel leidet. Von denjenigen, die den Job gewechselt haben, wagten 60 % den Schritt in ein völlig neues Berufsfeld.
Das Überraschende: Das einst fest verankerte Prinzip lebenslanger Beschäftigung war lange ein Symbol japanischer Unternehmenskultur. Heute verliert es allmählich an Bedeutung. Einige Branchen öffnen sich zunehmend für neue Talente. Besonders hoch ist der Anteil an Quereinsteiger*innen in Bereichen wie Freizeit (76 %), Versicherungen (74 %), Gastgewerbe und Tourismus (71 %) sowie Marketing (69 %).
Bemerkenswert: In vielen Ländern zählen Assistenzfunktionen im administrativen und organisatorischen Bereich zu den Positionen mit hoher Fluktuation. Sie dienen häufig als Sprungbrett für den Wechsel in andere Tätigkeitsfelder. Aber in Japan sind Assistenzstellen im administrativen Bereich besonders begehrt. Trotz geringer Einstiegshürden und vergleichsweise niedriger Vergütung bleiben viele Beschäftigte in diesen Assistenzrollen, oft über längere Zeit.
Zentrale Erkenntnis: Angesichts des langanhaltenden Fachkräftemangels in Japan weiten viele Unternehmen ihre Personalsuche aus – zunehmend auch auf bislang unterrepräsentierte Gruppen wie Frauen. Flexiblere Arbeitszeiten könnten dazu beitragen, mehr Menschen in den Arbeitsmarkt zu bringen.
—Yusuke Aoki, Ökonom im Indeed Hiring Lab in Japan
Australien: Aufsehenerregende Entlassungen haben für Unsicherheit gesorgt
Die Zahlen: Pro Monat wechselten rund 2,2 % der australischen Indeed-Nutzer*innen ihren Job. Knapp die Hälfte davon stieg gleichzeitig in ein neues Berufsfeld ein.
Das Überraschende: In Tätigkeiten rund um die Zubereitung von Speisen und im Service zeigt sich eine unerwartet hohe Bindung der Beschäftigten. Jüngere Arbeitskräfte starten oft mit einem Job in einem Café oder Restaurant – viele Köch*innen bleiben ihrer Position jedoch langfristig treu. Auch Beschäftigte in der Kinderbetreuung bleiben häufig über längere Zeit in ihrem Beruf. Wer jedoch aussteigt, verlässt das Arbeitsfeld meist ganz – ein Hinweis auf den hohen Druck und die geringe Bezahlung.
Bemerkenswert: Australische Arbeitskräfte setzen derzeit verstärkt auf Jobsicherheit statt auf neue, interessante Chancen, obwohl zahlreiche Stellen noch unbesetzt sind. Entlassungen bei renommierten Unternehmen waren sehr präsent in den Medien und haben das Vertrauen in den Arbeitsmarkt erschüttert – dabei liegt die Gesamtentlassungsquote tatsächlich auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.
Zentrale Erkenntnis: Arbeitgeber in Australien sind bei der Suche nach idealen Kandidat*innen oft zurückhaltend. Um offene Stellen zu besetzen, sollten sie auch Bewerber*innen berücksichtigen, die nicht alle Anforderungen erfüllen.
–Callam Pickering, Ökonom im Indeed Hiring Lab mit Schwerpunkt auf dem australischen Arbeitsmarkt
Deutschland: Manche Beschäftigte halten an ihrem Arbeitsplatz fest („Job Clinging")
Die Zahlen: Pro Monat wechselten etwa 1,9 % der Indeed-Nutzer*innen in Deutschland ihre Stelle – mehr als die Hälfte von ihnen sattelte zugleich in ein neues Berufsfeld um.
Das Überraschende: Früher galten Stellen in der Produktion – insbesondere in der Automobilbranche – als sichere Arbeitsplätze für das ganze Berufsleben. Doch da Entlassungen und technologische Umbrüche die Branche durcheinanderwirbeln, sind manche Beschäftigte hin- und hergerissen: Sie ziehen einen Wechsel in Betracht, doch die Unsicherheit hält sie davon ab. Sich an den Job zu klammern („Job Clinging"), wird in unsicheren Phasen zur Strategie.
Bemerkenswert: Nach zwei Jahren wirtschaftlicher Flaute zeigt Deutschland erste Erholungstendenzen – auch wenn der Fortschritt weiterhin schleppend und uneinheitlich verläuft. Der Arbeitsmarkt ist uneinheitlich: Während bestimmte Büroangestellte Schwierigkeiten haben, eine neue Stelle zu finden, bleiben Bereiche wie das Gesundheitswesen weiterhin unterbesetzt. Die Mobilität im Gesundheitswesen ist besonders gering. Nur wenige Menschen steigen in diesen Bereich ein oder aus, wodurch das Land stark auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen ist, um offene Stellen zu besetzen.
Zentrale Erkenntnis: In Bereichen wie dem Gesundheitswesen, die von geringer Mobilität und Fachkräftemangel geprägt sind, müssen Arbeitgeber Ausbildungsstrukturen ausbauen und neue Wege finden, um Talente zu gewinnen.
–Virginia Sondergeld, Ökonomin im Indeed Hiring Lab mit Schwerpunkt auf dem deutschen Arbeitsmarkt
Frankreich: Beschäftigte schwanken zwischen Sicherheit und Veränderung
Die Daten: Frankreich verzeichnete eine monatliche Wechselrate von 3,7 %, wobei mehr als die Hälfte der betreffenden Beschäftigten in ein neues Berufsfeld überging. Auch die Zahl der Kündigungen war höher als gewöhnlich. Im Zeitraum von 2022 bis 2024, den Indeed untersucht hat, verschaffte das Beschäftigungswachstum nach der Pandemie den Arbeitnehmer*innen eine stärkere Verhandlungsposition – doch diese Dynamik lässt inzwischen nach. Mit der Abkühlung des Arbeitsmarkts verlagert sich die Macht zunehmend zurück zu den Arbeitgebern.
Das Überraschende: Der französische Arbeitsmarkt bewegt sich in zwei unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Beschäftigte mit unbefristeten Verträgen profitieren von stabilen Arbeitsverhältnissen und umfassendem Schutz, während Personen mit befristeten Verträgen – häufig jüngere Arbeitnehmer*innen – deutlich häufiger den Job wechseln. Diese Personen erscheinen in den Indeed-Daten häufiger, da sie verstärkt auf Jobplattformen aktiv sind. Dennoch hält sich die Wahrnehmung, dass kurzfristige Verträge immer weiter zunehmen.
Manche Tätigkeiten dienen als Übergangsstationen. Jobs im Kundenservice, im Projektmanagement und in der Verwaltung ermöglichen es Beschäftigten häufig, ihre Kompetenzen zu übertragen und zwischen Branchen zu wechseln.
Bemerkenswert: Die Gastronomie- und Lebensmittelbranche weist eine hohe Fluktuation auf, dennoch wechseln nur wenige Beschäftigte aus anderen Bereichen in diesen Sektor oder aus ihm heraus.
Zentrale Erkenntnis: In Frankreich legen Arbeitgeber weiterhin großen Wert auf Abschlüsse und formale Qualifikationen – dabei gäbe es viel Potenzial, den Blick zu weiten und übertragbaren Kompetenzen mehr Bedeutung beizumessen.
–Lisa Feist, Ökonomin im Hiring Lab in den Frankreich
Der weltweite Ausblick
Die Fähigkeit, sich im Arbeitsmarkt anzupassen und weiterzuentwickeln, ist ein wesentlicher Motor für soziale Mobilität und oft auch für persönliche Zufriedenheit. In sämtlichen Märkten haben viele Menschen, die auf der Plattform von Indeed den Arbeitsplatz gewechselt haben, einen vollständigen Berufswechsel vollzogen und nicht nur einen einfachen Jobwechsel. Dies ist ein Beleg für eine Arbeitnehmerschaft, die sich im Wandel befindet.
Arbeitgeber können diesen Schwung für sich nutzen: In Berufen mit hoher Wechselbereitschaft liegt der Fokus auf der Gewinnung und Einarbeitung neuer Talente, während in weniger dynamischen Tätigkeitsfeldern gezielt in Weiterentwicklung und Bindung investiert wird. Die Erkenntnis, ob ein Sektor eher „offen“ oder „geschlossen“ ist, kann sowohl Arbeitgebern als auch Beschäftigten dabei helfen, in einem dynamischen Arbeitsmarkt sinnvolle Schritte zu unternehmen.
*Artikel auf Englisch
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