Die Pandemie hat die Migrationsbewegungen auf dem Arbeitsmarkt vorübergehend verändert, da internationale Reisen zum Erliegen kamen und die Welt in eine Wirtschaftskrise geriet. Das Stichwort ist hier jedoch vorübergehend. Laut den Daten aus Hunderten Millionen Jobsuchen und Stellenanzeigen auf Indeed scheint sich der internationale Arbeitsmarkt besonders in Europa erholt zu haben. Daraus folgt ein sogenannter Braingain in einigen Ländern, also ein Zuwachs an Fachkräften aus dem Ausland, während andere unter einem Braindrain leiden, also das Fachkräfte ins Ausland abwandern.
Besonders in Europa sind diese Trends deutlich zu beobachten, da Europäer*innen wieder außerhalb ihrer Heimatländer auf Jobsuche gehen. Doch auch die Anzahl der Stellensuchen in Europa, die von außerhalb des Kontinents stammen, hat sich geändert: Im Vergleich zum Tiefststand während der Pandemie, suchen wieder gewohnt viele Menschen von außerhalb nach Jobs in Europa. Beide Trends haben erhebliche Auswirkungen für Unternehmen hinsichtlich Recruiting und Bindung ihrer Mitarbeiter*innen – sowohl heute als auch in der Zukunft. Im Folgenden stelle ich Ihnen vier Erkenntnisse zu internationalen Mitarbeiter*innen vor, die auf Daten des Indeed Hiring Lab sowie meiner Session bei der Indeed FutureWorks 2022 beruhen.

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Erfahren Sie mehrInternationale Jobsuchen sind gut und eine höhere Migration wird erwartet
Die Mobilität von Arbeitnehmer*innen kann ein Maß für einen gut funktionierenden, wettbewerbsstarken Arbeitsmarkt sein. Dabei sprechen die Zahlen für sich: In 32 europäischen Ländern schalteten Unternehmen zwischen 2019 und 2022 insgesamt 100 Millionen Stellenanzeigen. Zur gleichen Zeit wurden ca. 800 Millionen internationale Jobsuchen durchgeführt.
Die Anzahl der Stellensuchen in Europa, die von außerhalb des Kontinents stammen, hat sich gegenüber dem Durchschnitt vor der Pandemie um 93 % erhöht und seit 2020 sogar mehr als verdreifacht. Auch innerhalb Europas ist internationale Mobilität gang und gäbe: Mehr als 8 % der fast 450 Millionen EU-Einwohner*innen wurden außerhalb der EU geboren. Im Vereinigten Königreich liegt diese Zahl bei 14 %, in London sogar bei 37 %. Und auch US-Amerikaner*innen möchten in Europa leben und arbeiten: 26 % der internationalen Jobsuchenden im Zeitraum zwischen Januar und April 2022 stammten aus den USA und damit aus dem zweitgrößten Talentpool außerhalb des europäischen Kontinents.
Jobsuchende gehen aus verschiedensten Gründen ins Ausland
Das Interesse an Stellen im Ausland lässt sich auf den Wunsch nach höheren Gehältern und flexiblerer Arbeit, auf einen örtlichen Arbeitskräftemangel sowie aktuelle geopolitische Faktoren in bestimmten Regionen zurückführen. In diesem Jahr flohen Millionen Menschen vor dem Krieg in der Ukraine, wodurch eine erhebliche Anzahl Geflüchteter im benachbarten Polen nach Arbeit suchte und einen neuen Talentpool bildete. Das Resultat: Bis Mitte März stieg die Nutzung der neuen ukrainischen Version der Indeed-Website in Polen rasant von 0 auf etwa 1,5 % aller Jobsuchen im Land. Auch in Belgien und der Schweiz haben Arbeitgeber Geflüchteten aus der Ukraine sehr viel Unterstützung zukommen lassen. Eine ähnliche Situation ließ sich in Hongkong beobachten, als die chinesische Regierung eine neue Sicherheitspolitik durchsetzte und Einwohner*innen daraufhin vermehrt nach Stellen im Vereinigten Königreich suchten.
Grundsätzlich ist erkennbar, dass besser bezahlte Stellen die meiste Aufmerksamkeit erhalten. In Deutschland und dem Vereinigten Königreich wurde von internationalen Arbeitskräften beispielsweise mit fast dreimal so hoher Wahrscheinlichkeit auf Anzeigen für besser bezahlte Stellen geklickt als für weniger gut bezahlte Stellen. Derselbe Trend gilt auch für Remote-Stellen. So suchen und bewerben sich in den drei größten europäischen Volkswirtschaften Frankreich, Deutschland und dem Vereinigten Königreich zwei- bis dreimal so viele ausländische wie einheimische Jobsuchende nach bzw. auf Remote-Stellen. Außerdem klicken internationale Kandidat*innen auch häufiger auf Anzeigen für schwierig zu besetzende Stellen als auf solche für einfacher zu besetzende Stellen. In Deutschland waren es sogar mehr als doppelt so viele.
Luxemburg zieht die meisten internationalen Talente an und erlebt einen Braingain, gefolgt von der Schweiz, dem Vereinigten Königreich, Deutschland und Irland. Diese Länder zeichnen sich durch einen stabilen Wohlstand aus und ihre Märkte haben sich schneller von der Pandemie erholt als die anderer Länder, wodurch sie sich für Arbeitssuchende sowohl vor Ort als auch remote bestens eignen.
Im Gegensatz dazu sind Länder, die sich langsamer von der Pandemie erholen, bei internationalen Talenten verständlicherweise weniger beliebt. Belgien, die Tschechische Republik und Spanien leiden unter dem Braindrain, wodurch sich die Wirtschaftslage und das Gesundheitswesen eines Landes auf die Attraktivität für internationale Jobsuchende auswirken.
Unternehmen wissen Bescheid
Im Jahr 2022 gaben 64 % der Führungskräfte bei fast 3.000 Unternehmen an, dass sie Arbeitskräfte aus dem Ausland einstellen würden. Dies galt besonders im Vereinigten Königreich, wo 74 % ausländische Arbeitskräfte einstellen wollten.
Das Recruiting ausländischer Arbeitskräfte ist aber nicht immer einfach. Unternehmen müssen sich über Sprachbarrieren und Wissenslücken im Klaren sein. Mehr als ein Viertel der Unternehmen, die Menschen aus dem Ausland einstellen wollten, gaben dementsprechend auch an, dass sie Bedenken hinsichtlich unzulänglicher Kenntnisse des lokalen Marktes haben.
Die Daten sprechen aber eine eindeutige Sprache: 73 % der Arbeitnehmer*innen arbeiten gern mit Kolleg*innen aus anderen Ländern zusammen, 72 % finden, dass sie dadurch neue Dinge lernen, und 63 % gaben an, dass die Fähigkeiten der ausländischen Arbeitskräfte ihre eigenen ergänzen.
Chancen für Arbeitgeber, ausländische Talente zu gewinnen und zu binden
Bei der Arbeitskräftewanderung nach der Pandemie herrscht unter Arbeitgebern ein starker Wettbewerb um internationale Talente, doch es gibt einige Möglichkeiten, wie sie auf sich aufmerksam machen können.
- Vorbereitung ist alles. Setzen Sie sich damit auseinander, woher ausländische Kandidat*innen kommen und an welchen Stellen sie interessiert sind.
- Seien Sie sich bewusst, dass ausländische Arbeitnehmer*innen sich vor allem für gut bezahlte, schwierig zu besetzende und Remote-Stellen interessieren und bewerben.
- Schalten Sie Stellenanzeigen im Ausland oder auf mehreren Sprachen und stellen Sie mehrsprachige Recruiter*innen ein.
- Seien Sie offen für Kandidat*innen mit verschiedenen Hintergründen und unterschiedlichen Fähigkeiten, um Geflüchteten und anderen Immigrant*innen mehr Chancen zu geben. Außerdem sollten darauf vorbereitet sein, diese Stellen schnell besetzen zu können, weil solche Kandidat*innen oft dringend suchen.
- Stellen Sie neuen Mitarbeiter*innen aus dem Ausland Ressourcen zur Verfügung, die ihnen helfen, im neuen Land anzukommen.
Wenn Arbeitnehmer*innen für eine Stelle in ein anderes Land ziehen, ist nichts wichtiger als die Mitarbeiterbindung. Stehen Sie Ihren internationalen Mitarbeiter*innen stets zur Seite und achten Sie auf wettbewerbsfähige Gehälter sowie attraktive Arbeitsbedingungen. Da eine neue Stelle nur einen Klick entfernt ist, sollten Sie Wettbewerbern auf dem sich ständig ändernden Arbeitsmarkt immer einen Schritt voraus sein.
Pawel Adrjan ist Director of EMEA Economic Research bei Indeed.
Weitere Einblicke finden Sie im Recruiting- und Arbeitsmarkttrends-Report 2023, den das Indeed Hiring Lab in Zusammenarbeit mit Glassdoor erstellt hat.
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