Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation verbringen Mitarbeitende heute rund doppelt so viel Zeit in Teams wie vor zwanzig Jahren. Die Anzahl der Arbeitgeber, die vom Nutzen kooperativer Modelle überzeugt sind, scheint somit stetig zu steigen. Nach der Eigenschaft Teamfähigkeit wird in Lebensläufen am häufigsten gesucht. Doch was bedeutet Teamarbeit tatsächlich für den Unternehmenserfolg? Hat sie ausschließlich Vorteile oder sollten auch Risiken berücksichtigt werden? Im folgenden Artikel erfahren Sie, was gute Teamarbeit ausmacht, und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit sie gelingt und zum gewünschten Ergebnis führt.
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Erfahren Sie mehrWas bedeutet Teamarbeit?
Eine effiziente Zusammenarbeit hat mehrere Gesichter. In manchen Unternehmen ist abteilungsübergreifendes Teamwork auf Dauer angelegt und direkt in der Organisationsstruktur verankert, andernorts kommen Arbeitsgruppen nur befristet für einzelne Projekte zum Einsatz. Neben dem zeitlichen Horizont können sich Teams unter anderem in ihrer Größe, dem Grad der Autonomie und ihrer Arbeitsweise unterscheiden. Während einige Teams ausschließlich virtuell arbeiten, setzen andere auf Präsenzpflicht. Darüber hinaus gibt es Mischformen und hybride Modelle.
Die Ziele von Teamarbeit sind jedoch in den meisten Fällen identisch. Durch interdisziplinäre Kooperation sollen kreative Lösungen für komplexe Problemstellungen gefunden werden. Dabei bedeutet Teamarbeit mehr als bloße Arbeitsteilung. Laut dem Psychologen Professor Dr. Florian Becker ist die Selbstorganisation der Gruppen das definierende Merkmal von gelungener Zusammenarbeit.
Vorteile von Teamarbeit
Eine flexible Arbeitsweise und hohe Anpassungsfähigkeit versetzen Teams in die Lage, schnell auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren. Diese Agilität kann sich in der komplexen, von Unsicherheiten geprägten VUCA-Welt als entscheidender Erfolgsfaktor erweisen. Darüber hinaus versprechen sich Unternehmen eine Verbesserung von Produktivität und Innovationskraft, indem sie Mitarbeitende mit unterschiedlichen Kompetenzen, Ansichten und Erfahrungen zusammenbringen. Das gebündelte Wissen der Teams ermöglicht fundierte und informierte Entscheidungen und hilft dabei, eventuelle Fehlerquellen frühzeitig zu erkennen. Zudem können weitestgehend eigenständig arbeitende Teams den Planungs- und Kontrollaufwand im Unternehmen verringern.
Teamwork ist nicht nur weit verbreitet, sondern auch beliebt. In einer Studie der Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft geben 97 Prozent der Befragten an, gerne mit anderen zusammenzuarbeiten. Teamwork kann somit die Zufriedenheit der Beteiligten und damit auch die generelle Mitarbeitermoral verbessern. Wenn der eigene Beitrag zur Teamleistung als sehr wichtig angesehen wird, fällt die Motivationssteigerung durch Teamarbeit besonders hoch aus. Auch der Vergleich mit den anderen Gruppenmitgliedern kann sich positiv auf die Leistung der Einzelnen auswirken.
Gleichzeitig erfüllt Teamwork den Wunsch vieler Beschäftigter nach einem sozialen Umfeld und Partizipation am Arbeitsplatz. Durch die intensive Zusammenarbeit mit Kolleg*innen entsteht ein Wir-Gefühl, das oft weit über den beruflichen Alltag hinausgeht. Bestenfalls erhöht die persönliche Bindung ans Team auch die Bindung an den Arbeitgeber. Damit stellt Teamarbeit ein wichtiges Instrument dar, um Mitarbeitende langfristig im Unternehmen zu halten sowie Fehlzeiten und Fluktuation zu reduzieren.
Nachteile von Teamarbeit
Manche Arbeitgeber sind derart vom Erfolgspotenzial kooperativer Ansätze überzeugt, dass sie neben den Vorteilen der Teamarbeit die Nachteile übersehen. Wenn Personen mit unterschiedlichen Ansichten und Charakterzügen aufeinandertreffen, sind Probleme häufig vorprogrammiert. Im schlimmsten Fall können einzelne Mitglieder die Leistung des gesamten Teams beeinträchtigen. Wenn die Verantwortlichkeiten nicht eindeutig definiert sind, erhöht sich das Risiko sozialer Trittbrettfahrer*innen, die sich auf den Erfolgen der anderen Teammitglieder ausruhen, während echte Talente in der Gruppe untergehen. Zudem kann sich ein ungesundes Konkurrenzdenken entwickeln, das die Teammitglieder gegen- statt miteinander arbeiten lässt.
Die bereits erwähnte Studie der Führungskräfteakademie nennt Kommunikationsschwierigkeiten, unklare Arbeitsaufträge, eine fehlende Kultur für Zusammenarbeit, unausgesprochene Konflikte und fehlendes Vertrauen als die fünf wichtigsten Gründe für das Scheitern von Teamarbeit. Auch der hohe Koordinationsaufwand sollte nicht unterschätzt werden. Die gegenseitige Abstimmung kann sich vor allem bei großen Arbeitsgruppen als äußerst zeitaufwändig erweisen und die Entscheidungsfindung verlangsamen.
Eine besondere Herausforderung stellt die virtuelle Zusammenarbeit dar, die im Zeitalter von Digitalisierung und Globalisierung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Bereits 2012 arbeiteten in manchen Branchen viele Beschäftigte regelmäßig in virtuellen Teams. Dieser Anteil dürfte sich mit der Corona-Pandemie und dem zunehmenden Homeoffice-Trend weiter erhöht haben. Aufgrund der räumlichen Distanz und der technischen Hürden gestaltet sich die Kommunikation bei digitaler Zusammenarbeit jedoch oft schwieriger als bei Präsenzpflicht. Internationale Teams müssen darüber hinaus sprachliche Barrieren und kulturelle Unterschiede überwinden. Ein echtes Wir-Gefühl lässt sich nur schwer erzeugen, wenn die Bindung ans Team unter der fehlenden Nähe leidet. Außerdem stellt Remote-Work hohe Anforderungen an die Digitalkompetenz und Selbstdisziplin der Beteiligten.
Was macht gute Teamarbeit aus?
Welche Voraussetzungen können dazu beitragen, dass Teamwork trotz aller Herausforderungen zum Erfolg wird? Ob Teamarbeit Vor- oder Nachteil ist, hängt von mehreren Faktoren ab.
Auf die Kombination kommt es an
Homogenität oder Vielfalt? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Je besser sich die Kompetenzen und Erfahrungen der Teammitglieder ergänzen, desto kreativer fallen häufig die Lösungsansätze aus. Bei komplexen Fragestellungen erweist sich Diversität also regelmäßig als Vorteil. Allerdings steigt mit den unterschiedlichen Ansichten auch das Risiko für Missverständnisse und Konflikte.
Teams mit vielen Berührungspunkten dagegen werden sich oft leichter einig. Bei gezielten Aufgabenstellungen, die ein schnelles Ergebnis erfordern, erweisen sie sich daher als besonders leistungsfähig und effizient. Der Organisationspsychologe Eduardo Salas empfiehlt darüber hinaus, Teammitglieder nicht nur nach ihrem Fachwissen, sondern auch nach ihrer Bereitschaft zur Kooperation auszuwählen. Ob sich jemand als Teamplayer*in eignet, ist schließlich auch eine Frage der Persönlichkeit.
Weniger ist mehr
Die ideale Teamgröße sollte bei fünf bis maximal acht Personen liegen. Mit der Anzahl der Teammitglieder steigt das Risiko, dass Aufgaben unerledigt bleiben, weil sich niemand dafür verantwortlich fühlt. Die Möglichkeit, in der Masse unterzugehen, kann die Leistungsbereitschaft der einzelnen Teammitglieder beeinträchtigen. Darüber hinaus erhöht sich in großen Teams der Abstimmungsbedarf und auch die Kommunikation gestaltet sich schwieriger, je mehr Meinungen und Vorschläge bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden müssen. Zudem besteht die Gefahr von Grüppchenbildung im Team, was sich negativ auf den Zusammenhalt auswirken könnte und Konflikte begünstigt.
Kommunikation als Erfolgsvoraussetzung
Ohne den ständigen Austausch und die Interaktionen zwischen den Mitgliedern ist keine effiziente Teamarbeit möglich. Gute Kommunikation sollte von Respekt, Vertrauen und Transparenz geprägt sein. Alle Beteiligten kennen Ziel und Zweck der Zusammenarbeit, wissen, welche Aufgaben in ihren Verantwortungsbereich fallen und wo sie die nötigen Informationen finden.
In virtuellen Teams kann darüber hinaus die Wahl der Kommunikationskanäle von entscheidender Bedeutung sein. Wo Kantinen und Kaffeeküchen als Gesprächszentralen ausfallen und der spontane Gang ins Nachbarbüro unmöglich ist, versinken Mitarbeitende schnell in einer Flut von E-Mails, wie eine Umfrage unter 326 deutschen Unternehmen zeigt. Um Missverständnissen vorzubeugen und die persönliche Beziehung trotz räumlicher Distanz zu stärken, greifen leistungsstarke Teams laut einer Studie der Führungskräfteberatung ignite80 wieder häufiger zum klassischen Telefonhörer.
Verbundenheit verbessert die Leistungsbereitschaft
Je besser das Verhältnis zwischen den einzelnen Teammitgliedern, desto intensiver setzen sie sich in der Regel füreinander und den gemeinsamen Erfolg ein. Bei Teamarbeit im Homeoffice ist es aufgrund der fehlenden physischen Nähe besonders schwer, ein Wir-Gefühl und eine Identifikation mit der Gruppe zu erzeugen. Um den Zusammenhalt und das Zugehörigkeitsgefühl am hybriden Arbeitsplatz zu fördern, sollten Unternehmen möglichst viel Raum für menschliche Begegnungen neben der eigentlichen Arbeit schaffen. Dazu eignen sich unter anderem Präsenz-Workshops zur Kompetenzentwicklung, Teambuilding-Maßnahmen oder regelmäßige Events zum Feiern der erreichten Erfolge. Mitarbeitende, die sich auch über Persönliches austauschen und private Interessen teilen, verfügen in der Regel über eine hohe Bindung an ihr Team und setzen sich engagiert für die gemeinsamen Ziele ein.
Ohne Führung geht es nicht
Bis zu einem gewissen Grad kann Teamwork traditionelle Organisationsstrukturen aufbrechen. Mit dem Abbau von Hierarchien ändern sich die Ansprüche an Führungskräfte. Sie müssen lernen, Verantwortung abzugeben und mit eventuellen Machtverlusten zurechtzukommen. Wenn Teams ihre Arbeit im Wesentlichen selbst organisieren und kontrollieren, verlieren die traditionellen Aufgaben von Vorgesetzten an Bedeutung. Laut der Studie Alpha Collaboration sind stattdessen Sinnstiftung und Beziehungsmanagement gefragt. Führungskräfte sollten eine von Vertrauen und Wertschätzung geprägte Arbeitsatmosphäre schaffen, in der Teamerfolge mehr zählen als die Leistung einzelner Mitglieder. Die Erzeugung eines Wir-Gefühls, die Förderung des Zusammenhalts im Team und die Lösung möglicher Konflikte zählen zu den wichtigsten Prioritäten. Je besser Unternehmen und Führungskräfte den Anforderungen erfolgreicher Teamarbeit gerecht werden, desto wahrscheinlicher stellt sich der gewünschte Erfolg ein.
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