Arbeit 4.0: Herausforderung und Chance für Unternehmen

By Indeed Editorial Team

Ständige Veränderungen prägen seit jeher unsere Arbeitswelt. Von technischen Neuerungen über gesellschaftliche Strömungen bis hin zu demografischen Entwicklungen – der unablässige Wandel stellt Arbeitgeber und Arbeitnehmer vor viele Herausforderungen. Gleichzeitig eröffnen diese Umbrüche aber auch Chancen, um Arbeit 4.0 flexibler, vernetzter, internationaler, mitarbeiterfreundlicher und damit auch produktiver für das Unternehmen zu gestalten.

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Was ist Arbeit 4.0?

Arbeit 4.0 ist ein Kürzel für die Veränderungen in der gesamten Arbeitswelt und ihre Folgen für die Gesellschaft. So formuliert es Ex-Ministerin Andrea Nahles im Weißbuch der Studie Arbeiten 4.0 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Die Definition von Arbeit 4.0 umfasst dabei nicht die heutige Normalität, sondern auch Perspektiven, Szenarien und Gestaltungschancen für die Zukunft.

Warum verändert sich der Arbeitsmarkt 4.0?

Der größte Treiber von Arbeit 4.0 ist die Digitalisierung. Laut Index Gute Arbeit des Deutschen Gewerkschaftsbundes nutzen 2022 über 80 Prozent der deutschen Beschäftigten digitale Arbeitsmittel. Am weitesten verbreitet ist dabei die elektronische Kommunikation via E-Mail und Smartphone, aber auch softwaregesteuerte Arbeitsabläufe, unterstützende elektronische Geräte wie Scanner und Diagnosegeräte, Videokonferenzen und internetbasierte Projektarbeit spielen eine wichtige Rolle auf dem Arbeitsmarkt 4.0. Bei über einem Viertel der Befragten kommen im Job computergestützte Maschinen und Roboter zum Einsatz, ein Fünftel verwendet künstliche Intelligenz in Form von selbstlernenden Systemen.

Auch die Globalisierung beeinflusst weiterhin unsere Arbeitswelt, obwohl der internationale Warenverkehr weniger Zuwächse verzeichnet als in den letzten 30 Jahren. Eine Studie des McKinsey Global Institute zeigt, dass sich der weltweite Austausch inzwischen vornehmlich auf Daten, geistiges Eigentum, Dienstleistungen und Talente fokussiert, während der globale Handel mit Gütern auf hohem Niveau stagniert.

Ebenfalls nicht spurlos am Arbeitsmarkt 4.0 vorbei geht der demografische Wandel. Die deutsche Erwerbsbevölkerung schrumpft, Belegschaften werden immer älter. Das Wirtschaftsforschungsinstituts WifOR prognostiziert für Deutschland einen Mangel von bis zu vier Millionen Beschäftigten bis 2030. Darüber hinaus gehen mit dem Generationswechsel der Erwerbstätigen veränderte Wünsche und Bedürfnisse einher. Während die Bedeutung von Gehalt als Motivator abnimmt, fordern die Nachwuchskräfte der Generation Z mehr Flexibilität, Eigenständigkeit und Abwechslung sowie eine ausgeglichene Work-Life-Balance.

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Auswirkungen von Arbeit 4.0

Die technologischen Entwicklungen, die sich ständig ändernden Marktbedingungen und der gesellschaftliche Wertewandel wirken sich in vielerlei Hinsicht auf die Arbeitswelt aus und halten zahlreiche Chancen für Unternehmen bereit.

Anpassungen bei Organisationsstruktur und Führungsstil

Klassische Führung ist im Kontext von Arbeit 4.0 nicht mehr zeitgemäß. Darüber waren sich rund 160 Expert*innen aus den Bereichen der Wirtschaft, Wissenschaft und Politik bei einem Barcamp der Bertelsmann Stiftung einig. Starre Hierarchien behindern eine effektive Zusammenarbeit, hemmen Kreativität und Innovationspotenzial. Flache Führungsstrukturen und dezentrale Entscheidungsprozesse dagegen begünstigen Netzwerkbildung und offene Kommunikation, was zu mehr Effizienz im Unternehmen führen kann.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Deloitte-Studie Arbeitswelten 4.0 im Mittelstand. Mehr als die Hälfte der Befragten beobachten mehr Agilität bei den Organisationsformen und ein allmähliches Aufbrechen verkrusteter Strukturen. Die Notwendigkeit eines vertrauensbasierten und situativ-delegativen Führungsstils wird bestätigt und gewinnt angesichts eingeschränkter Kontrollmöglichkeiten der Arbeit im Homeoffice weiter an Bedeutung.

Durch den Fokus auf Partizipation, Verantwortung und Selbstmanagement der Beschäftigten lassen sich Motivation, Mitarbeitermoral und Identifikation mit dem Unternehmen verbessern. Darüber hinaus kann eine organisatorische Umstrukturierung zur Entlastung der Führungskräfte beitragen.

Flexibilisierung der Arbeitszeitmodelle

Flexible Arbeitsmodelle stehen bei immer mehr Erwerbstätigen hoch im Kurs. Indem Unternehmen dem Wunsch nach mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeitgestaltung nachkommen, stärken sie ihr Employer Branding. Als attraktive Arbeitgeber verbessern sie ihre Chancen bei der Personalsuche. Darüber hinaus kann sich die gewährte Autonomie positiv auf die Mitarbeiterzufriedenheit auswirken, weil sich Beruf und Privatleben durch flexible Arbeitszeiten besser vereinbaren lassen.

Die Entgrenzung von Job und Freizeit ist allerdings auch mit einigen Risiken verbunden. Denn flexible Arbeitszeitmodelle gehen häufig mit Mehrarbeit einher. Laut Arbeitszeitbefragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin wird von fast einem Viertel der Beschäftigten erwartet, dass sie auch in der Freizeit für Belange ihrer Arbeitgeber zur Verfügung stehen. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung bestätigt, dass rund 50 Prozent der Erwerbstätigen nur schwer von der Arbeit abschalten können. Der Stress und die psychische Belastung steigen und können die Mitarbeiterzufriedenheit in Mitleidenschaft ziehen. Gleichsam nimmt das Risiko von Arbeitsausfällen zu. Krankschreibungen aufgrund psychischer Ursachen haben im Corona-Jahr 2021 gemäß Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) einen neuen Höchststand erreicht.

Der Balanceakt zwischen Autonomie und Dauerbelastung gelingt Unternehmen am besten, indem sie mit verschiedenen Arbeitszeitmodellen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Arbeitnehmenden in ihrer jeweiligen Lebensphase reagieren.

Digitalisierung der Arbeitsplätze

Ortsunabhängiges Arbeiten gewann im Zuge der Pandemie massiv an Bedeutung. Laut einer internationalen Befragung des Capgemini Research Institute rechnen drei Viertel der Unternehmen damit, dass in Zukunft mindestens 30 Prozent ihrer Beschäftigten mobil arbeiten werden. Rund ein Drittel der Studienteilnehmenden hält sogar einen Remote-Anteil von 70 Prozent für wahrscheinlich.

Dabei können Unternehmen in vielerlei Hinsicht von Remote-Arbeit profitieren. Zunächst geht die Reduktion fester Arbeitsplätze mit Einsparpotenzialen in Bezug auf Platzbedarf, Einrichtung und Ausstattung einher. Unnötige Wegezeiten fallen weg bzw. können durch mobile Arbeit am Laptop oder Smartphone effizienter genutzt werden. Ortsungebundene Tätigkeiten kommen für einen größeren Bewerberkreis infrage, was das Recruiting kompetenter Fachkräfte erleichtert. Bei der bereits bestehenden Belegschaft kann Remote-Work zur Mitarbeiterbindung beitragen. Im Rahmen einer Studie für das amerikanische Software-Unternehmen LogMeIn antworteten 83 Prozent der befragten Beschäftigten, dass sie Unternehmen mit mobilen Arbeitsangeboten eher die Treue halten würden.

Doch der technologische Fortschritt hat auch Schattenseiten. Die Arbeitsintensivierung gilt als eines der größten Risiken auf dem Arbeitsmarkt 4.0. Laut Index Gute Arbeit fühlen sich 40 Prozent der Beschäftigten durch die Digitalisierung ihrer Tätigkeit stärker belastet. Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi kommt zu dem Schluss, dass die Potenziale der Digitalisierung noch viel zu wenig genutzt werden. Digitalisierung soll Unterstützung und Erleichterung sein, statt Beschäftigte zu belasten, Stress zu erzeugen und so das Risiko für psychische Erkrankungen zu erhöhen.

Unternehmen fit machen für Arbeit 4.0

Wie also können Unternehmen die Digitalisierung zu ihrem Vorteil einsetzen? Welche konkreten Maßnahmen sind denkbar, um die Herausforderungen von Arbeit 4.0 bestmöglich zu meistern?

Recruiting

Die Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten der Personalbeschaffung, wie beispielsweise über Crowdsourcing oder soziale Medien. Darüber hinaus sind Unternehmen nicht mehr auf den lokalen Arbeitsmarkt beschränkt, sondern können freie Stellen dank Remote-Work überregional oder sogar mit internationalen Talenten besetzen. Durch sozial-kulturelle Diversität und ein breites Spektrum beruflicher Erfahrungen in ihren Teams verschaffen sich Arbeitgeber Wettbewerbs- und Kreativitätsvorteile in einem Umfeld, das von schnellen Veränderungen geprägt ist.

Arbeitsgestaltung

Zeit- und ortsungebundenes Arbeiten 4.0 ist effektiv nur mit der richtigen technischen Ausstattung möglich. Von digitalen Kommunikationsplattformen über Cloud-Technologien bis hin zur Nutzung von selbstlernenden Systemen, je nach Branche sollten die passenden IT-Lösungen für eine Erleichterung der Arbeit und des unternehmensweiten Informationsaustausches vorhanden sein. Dazu gehört auch eine Ausstattung der Mitarbeitenden mit den nötigen Endgeräten und eine bedürfnisgerechte Gestaltung der physischen und virtuellen Arbeitsplätze.

Personalentwicklung

Mit der Definition von Arbeit 4.0 gehen neue Qualifikationsanforderungen an Mitarbeitende einher. Routinetätigkeiten fallen laut zahlreicher Studien immer mehr der Digitalisierung zum Opfer. Dafür entstehen neue Berufsbilder, die einen teils hohen Spezialisierungsgrad der Fachkräfte erfordern. Lebenslanges Lernen ist eine der Grundvoraussetzungen, um in der digitalisierten Arbeitswelt zu bestehen. Weiterbildungsmaßnahmen zur Fachkräftesicherung spielen somit eine entscheidende Rolle. Neben fachlichen Schlüsselkompetenzen gewinnen auch persönliche Fähigkeiten an Bedeutung. Besonders gefragte Soft-Skills auf dem Arbeitsmarkt 4.0 sind Teamfähigkeit, Selbstständigkeit und Kommunikationstalent.

Unternehmenskultur

Trotz Digitalisierung sollte der Mensch bei Arbeit 4.0 weiter im Mittelpunkt stehen. Schließlich sind engagierte Mitarbeitende eine der wichtigsten Ressourcen für den Erfolg eines Unternehmens. Die Belegschaft durch die Schaffung einer positiven Unternehmenskultur an sich zu binden, zählt zu den größten Arbeitsmarkttrends 2023. Dies lässt sich beispielsweise über mehr Verantwortung, Mitbestimmung und Wertschätzung erreichen. Damit in Zeiten von Homeoffice Inklusion und Zugehörigkeitsgefühl nicht zu kurz kommen, sollte der soziale Austausch unter Kolleg*innen durch regelmäßiges Teambuilding gefördert werden. Dass sich neben dem psychischen auch das körperliche Wohlbefinden der Mitarbeiter*innen verbessert, lässt sich beispielsweise durch die Einrichtung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements erreichen.

Fazit

Arbeit 4.0 ist ein weiterer Schritt auf dem Weg in Richtung Arbeitswelt von morgen. Auch in Zukunft werden neue Technologien, sich verändernde Werte und viele weitere Trends den Wandel unseres beruflichen Umfelds vorantreiben. Unternehmen, die diesen Veränderungen offen mit innovativen Maßnahmen begegnen und dabei den Fokus auf ihre Mitarbeitenden nicht verlieren, sollten auch für Arbeit 5.0 und alle weiteren Entwicklungen bestens gerüstet sein.

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