Was Führung leisten soll
Führung ist für den unternehmerischen Erfolg unverzichtbar. Doch die Meinungen darüber, wie Führung organisiert werden soll, gehen teilweise beträchtlich auseinander.
Einig ist man sich darüber, dass Führung verschiedene Funktionen hat: Sie soll zum Beispiel dafür sorgen, dass die Arbeit im Unternehmen effizient organisiert wird und Erfolge kontrolliert werden. Von Führung wird zudem erwartet, dass sie die Unternehmenswerte verkörpert und vermittelt und die Unternehmenskultur mitprägt. Nicht zuletzt hat Führung die wichtige Aufgabe, Mitarbeitende zu motivieren und zu entwickeln.
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Zusammenhang zwischen Führungsstil und Mitarbeitermotivation
Viele Studien zeigen, dass der Führungsstil unmittelbare Auswirkungen darauf hat, wie sehr Beschäftigte sich mit den Unternehmenszielen identifizieren und sich motiviert einbringen. So geben laut einer aktuellen Studie 67 Prozent der Akademiker*innen als Kündigungsgrund beispielsweise die fehlende Feedback-Kultur im Unternehmen an. Rund 64 Prozent würden kündigen, wenn der eigene Entscheidungsspielraum fehlt.
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Vor diesem Hintergrund kann es sich lohnen, den charismatischen Führungsstil eingehender zu betrachten.
Definition: Was ist der charismatische Führungsstil?
Charisma ist wohl die wichtigste Voraussetzung für den charismatischen Führungsstil: Wer über eine starke persönliche Ausstrahlung verfügt, kann Mitarbeitende begeistern und mitreißen und somit eine hohe Identifikation mit dem Unternehmen erzeugen. Entscheidend ist allerdings, dass eine charismatische Führungskraft auch genau weiß, was sie erreichen will: Sie hat eine klare Vision und sie kann die Zukunft des Unternehmens in leuchtenden Farben ausmalen. Daher wird der charismatische Führungsstil zuweilen auch als visionärer Führungsstil bezeichnet.
Eine Führungskraft führt charismatisch, indem sie die Richtung vorgibt und alle Beteiligten darauf einschwört. Wie die einzelnen Schritte zur Umsetzung des Ziels umgesetzt werden, überlässt die charismatische Führungskraft oft den Teams, die damit einigen Gestaltungsspielraum haben – allerdings immer mit dem Risiko, dass die Führungskraft dann doch alles ganz anders machen will.
Merkmale des charismatischen Führungsstils
Ob Charisma sich erlernen lässt – daran scheiden sich die Geister. In der Regel haben charismatische Führungskräfte und Unternehmer*innen allerdings schon früh sehr klare Vorstellungen davon, was sie erreichen wollen. Meist verfügen sie über großes Selbstvertrauen und halten unbeirrt an ihrer Vision fest. Häufig gelingt es ihnen so, auch andere dafür zu begeistern und für die Sache einzuspannen.
Zudem zeichnen sich charismatische Führungskräfte oft dadurch aus, dass sie Menschen emotional ansprechen können. Sie erzählen Geschichten und machen ihr Produkt und ihre Unternehmensziele auf diese Weise greifbar und lebendig, statt nur über trockene Daten und Zahlen zu sprechen.
Oft haben diese Führungskräfte ausgezeichnete rhetorische Fähigkeiten, wissen ihre Körpersprache und gesamte Außenwirkung gezielt einzusetzen und haben insgesamt hervorragende kommunikative Kompetenzen. Sie treten charmant und überzeugend auf und wirken durch ihre positive Ausstrahlung. Zudem verfügen sie über viel Empathie und haben meist ein offenes Ohr für die Anliegen und Bedürfnisse ihres Teams.
Abgrenzung zum autoritären bzw. patriarchalischen Führungsstil
Der charismatische Führungsstil überschneidet sich mit dem autoritären bzw. dem patriarchalischen Führungsstil insofern, als dass Mitarbeitende wenig bis gar nicht in den Entscheidungsprozess eingebunden werden. Das letzte Wort hat immer die Führungsperson. Beim patriarchalischen Führungsstil ist das sehr häufig die Gründerpersönlichkeit, die ein Familienunternehmen leitet und ein „väterliches“ bzw. „mütterliches“ Verhalten gegenüber den Mitarbeitenden an den Tag legt. Sie behält aber bei allen Entscheidungen das letzte Wort.
Autoritäre Führung zeichnet sich ebenfalls dadurch aus, dass die Führungspersönlichkeit die gesamte Entscheidungsgewalt hat, Kritik häufig nicht zulässt oder annimmt und sehr klare Vorgaben macht, wer was wann zu erledigen hat. In vielen Fällen verfügen Personen, die starke Anteile von patriarchalischer oder autoritärer Führung zeigen, allerdings nicht über Charisma.
Oft werden die beiden Führungsstile als nicht mehr zeitgemäß bezeichnet, da vor allem die jüngere Generation mehr Gestaltungsspielraum erwartet und bei Entscheidungen einbezogen werden möchte. Auch den charismatischen Führungsstil findet man nicht mehr sehr oft und die Rolle von Vorgesetzten für die Motivation der Mitarbeitenden wird noch dazu häufig unterschätzt. Daher werden in diesem Kontext oft die immer gleichen Namen genannt (Steve Jobs, Barack Obama etc.). Doch die meisten Unternehmen setzen heute eher auf den kooperativen und partizipativen bzw. demokratischen Führungsstil.
Vorteile charismatischer Führung
Wie man an Persönlichkeiten wie Richard Brandon, dem Gründer von Virgin sehen kann, hat der charismatische Führungsstil durchaus Vorteile:
Hohe Identifikation mit Unternehmenszielen
Da die Belegschaft den Visionen einer charismatischen Führungskraft in der Regel mit Begeisterung folgt und sich dafür einsetzt, ist die Identifikation mit dem Unternehmen und dessen Zielen meist sehr hoch. Das wirkt sich positiv auf die Motivation und Leistungsbereitschaft aus und kann erheblich zum Erfolg eines Unternehmens oder auch eines Projekts beitragen. Durch die hohe Mitarbeiterbindung ist zudem die Fluktuationsrate häufig gering.
Starkes Wir-Gefühl
Eine charismatische Führungskraft überzeugt durch ihre Persönlichkeit und Vision, deshalb sind ihre Entscheidungen für die meisten nachvollziehbar. Mitarbeitende folgen den Vorgaben gerne, denn diese werden zumeist als „richtig“ wahrgenommen. Weil alle am selben Strang ziehen und auf ein gemeinsames Ziel eingeschworen sind, entsteht ein starkes Wir-Gefühl.
Flexibilität der Führungskräfte
Wer charismatisch führt, macht meist wenig starre Vorgaben und kann daher auch flexibel auf geänderte Rahmenbedingungen reagieren: Wenn die ursprüngliche Vorgehensweise nicht funktioniert, wird eben ein anderer Weg gewählt.
Gestaltungsspielraum bei der Umsetzung
Mitarbeitende können Einfluss darauf nehmen, wie die verschiedenen Ideen zur Erreichung der Unternehmensvision umgesetzt werden. Das letzte Wort hat jedoch immer die charismatische Führungskraft.
Überzeugungskraft durch symbolische Gesten
Der charismatische Führungsstil kann es sich erlauben, sehr emotionale Gesten einzusetzen, um Mitarbeitende und andere Stakeholder*innen für die eigene Vision zu begeistern. Denken Sie zum Beispiel an Steve Ballmer, der 14 Jahre lang das Softwareunternehmen Microsoft führte. Seine Bühnenauftritte bei der Einführung neuer Produkte waren legendär.
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Nachteile charismatischer Führung
Neben den Vorteilen birgt der charismatische Führungsstil jedoch auch einige Nachteile, die ebenfalls genannt werden sollen:
Abhängigkeit von einer charismatischen Persönlichkeit
Der wahrscheinlich gravierendste Nachteil für ein Unternehmen oder ein Projekt macht sich dann bemerkbar, wenn die charismatische Führungsperson das Unternehmen verlässt. Denn dann fehlt häufig die übergeordnete Vision. In der Folge verlassen weitere wertvolle Mitarbeitende das Unternehmen, weil sie eventuell der charismatischen Führungskraft folgen oder sich an einer anderen Führungskraft in einem anderen Umfeld orientieren.
Es entsteht eine schmerzhafte Lücke, die nur schwer wieder gefüllt werden kann. Unter Umständen muss ein Unternehmen sich dann nochmals neu erfinden.
Erlernbarkeit des Führungsstils
Charisma lässt sich zwar erlernen, doch der Lernprozess ist langwierig und lässt sich kaum in Schulungen vermitteln. Nachwuchskräfte in charismatischer Führung auszubilden, ist daher kaum möglich.
Mangelndes Innovationsvermögen
Wenn die Mitarbeitenden sich darauf verlassen, dass ihre Führungskraft die Vision mit Leben füllt, kann das dazu führen, dass sie kaum eigene Ideen entwickeln. Das kann sich wiederum nachteilig auf das Innovationspotenzial und damit auf die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens auswirken.
Mögliche Selbstausbeutung des Teams
Weil sich Mitarbeitende häufig sehr stark mit der Vision einer charismatischen Führungskraft identifizieren, leisten sie oft sehr viel und machen auch bereitwillig Überstunden. Langfristig kann es sich jedoch durch gestiegene Krankheitsraten bemerkbar machen, wenn Mitarbeitende ständig über die eigenen Grenzen gehen und sich selbst ausbeuten.
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