Was ist Mikromanagement?
Als Mikromanagement bezeichnet man, wenn von der Führungskraft alles bis ins kleinste Detail vorgegeben und kontrolliert wird. Führungskräfte, die so agieren, nennt man auch Mikromanager. Mikromanagern fällt es oft schwer, Ihren Mitarbeitenden bei der Ausführung ihrer Aufgaben zu vertrauen. Daher ziehen sie es vor, genaue Angaben zu den Zielen und der Art und Weise zu geben, wie diese Ziele erreicht werden sollen. Dazu gehört auch oft eine ständige Kontrolle über den aktuellen Arbeitsstand und eine aufwendige Fehlersuche. Das kann so weit gehen, dass jede E-Mail, jedes Schreiben und jedes Dokument zuvor mit der Führungskraft abgesprochen werden muss, es für jede noch so kleine Aufgabe strikte Regeln gibt und die Mitarbeitenden sich auf die Sekunde genau für ihre Pausen an- und abmelden müssen. Mikromanager wollen, dass alles reibungslos und perfekt abläuft. Meist ist dieses Verhalten nicht einmal böse gemeint, sondern entsteht oft durch fehlendes Selbstvertrauen und einem großen Bedürfnis nach Berechenbarkeit und Sicherheit. Leider erzielen sie mit diesem Verhalten genau das Gegenteil: Die Mitarbeitenden verlieren ihre Motivation und Leidenschaft, fühlen sich kontrolliert und es kommt häufiger zu Konflikten. Zusätzlich herrscht unter den Mitarbeitenden Angst vor eventuellen Fehlern, welche den Arbeitsfluss zusätzlich behindern kann.
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Warum ist Mikromanagement so schädlich?
Neben den bereits oben genannten Punkten ist Mikromanagement für Unternehmen noch auf mehreren Ebenen schädlich. Dazu gehört:
- Sinkende Motivation: Wie bereits genannt, verschwindet der innere Antrieb der Mitarbeitenden durch eine zu starke Kontrolle. Das kann so weit gehen, dass sie sich nach einer anderen Stelle umsehen oder – schlimmer noch – zwar im Unternehmen bleiben, aber ihre Arbeit nur noch nach Vorschrift und ohne jegliche Leidenschaft verrichten. Sie schöpfen ihr Potenzial nicht aus und arbeiten ständig unterhalb der Arbeitsleistung, die sie eigentlich erbringen könnten.
- Sinkende Produktivität: Trotz des Interesses der Mikromanager an der höchstmöglichen Produktivität, zieht die sinkende Motivation auch eine sinkende Produktivität mit sich. Hinzu kommen immer mehr Krankheitstage, die Depressionen, Burn-out oder schlichtweg fehlender Motivation geschuldet sind. Das zahlt sich für Ihr Unternehmen schlichtweg nicht aus. Bei einer stark gesunkenen Produktivität benötigen Sie auf Dauer neue Mitarbeitende: Das bedeutet nicht nur mehr Bürokratie, sondern auch höhere Lohnkosten – und das alles für eine Leistung, die Sie ohne Mikromanagement auch mit einem kleineren Team erreichen könnten.
- Sinkende Selbstständigkeit: Dadurch, dass Mikromanager ihre Mitarbeitenden jedes noch so kleine Detail vorgeben, trainieren sie ihnen die Fähigkeit ab, selbstständig zu arbeiten, selbstständig Aufgaben zu erkennen und wahrzunehmen und eigene Ideen zu entwickeln oder einzubringen. Die Mitarbeitenden sind gewissermaßen nur noch durch ihre Führungskraft – den Mikromanager – arbeitsfähig.
Wie Sie sehen, gehen alle Anstrengungen der Mikromanager nach hinten los und bewirken das genaue Gegenteil von dem, was eigentlich erwünscht ist.
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Sind Sie ein Mikromanager?
Als Führungskraft ist es wichtig, seinen Führungsstil zu reflektieren – kritisch zu reflektieren. Um Ihnen dies zu vereinfachen, können Sie folgende Fragen ehrlich für sich beantworten:
- Stehen Sie hinter dem Satz „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“?
- Glauben Sie, Expert*in auf Ihrem Fachgebiet zu sein?
- Wenn Sie eine Lösung anstreben – muss diese einwandfrei sein?
- Geben Sie über den Kopf anderer Manager*innen hinweg Anweisungen?
- Sind Sie gerne zu jeder Zeit über das genaue Geschehen im Unternehmen informiert?
- Werden Sie bei Fehlern von Mitarbeitenden schnell wütend, weil Ihnen derartige Fehler nicht unterlaufen wären?
Je mehr Fragen Sie mit „Ja“ beantwortet haben, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie selbst zu Mikromanagement neigen. Aber keine Sorge, im nächsten Abschnitt finden Sie Tipps, wie Sie diesem Verhalten entgegenwirken können.
5 Tipps gegen Mikromanagement im eigenen Unternehmen
Egal, wer in Ihrem Unternehmen für Mikromanagement verantwortlich ist – man kann diesem Verhalten vorbeugen und so das Unternehmen langsam wieder in ein gesundes Klima bringen. Nachfolgend finden Sie 5 Tipps, wie es Ihnen (oder anderen Manager*innen in Ihrem Unternehmen) gelingt, die Tendenzen zum Mikromanagement nach und nach abzustreifen.
1. Legen Sie den Perfektionismus ab
Eine optimale Lösung für ein Problem zu haben kann äußerst zufriedenstellend sein, ist aber im unternehmerischen Alltag nicht immer möglich. Auf der Suche nach der perfekten Lösung geht meist mehr Zeit verloren, als es diese optimale Lösung wert wäre. Überlegen Sie also nicht „Was ist die optimale Lösung?“, sondern eher „Was ist die sinnvollste Lösung?“. Dafür können Sie die 80:20 Regel anwenden. Mit 20 % der Zeit sollten Sie dabei eine 80 %-ige Lösung erhalten. Diese ist zwar nicht perfekt, aber ausreichend. Um die vollen 100 % der Lösung zu erhalten, müssten Sie die anderen 80 % der Zeit aufwenden. Das ist nur in den wenigsten Fällen sinnvoll. Denken Sie also daran, wenn Sie Ziele festlegen, Arbeitsergebnisse kontrollieren oder sich selbst um Aufgaben kümmern.
2. Solange das Ziel erreicht wird, ist der Weg zweitrangig
Als Führungskraft dürfen und sollen Sie Ihren Mitarbeitenden Ziele vorgeben. Versuchen Sie aber, ihnen bei der Erreichung dieser Ziele so viel Freiraum wie möglich zu lassen. Natürlich sind Tipps und Vorschläge immer willkommen, auf einen vorgeschriebenen Weg zur Zielerreichung sollten Sie jedoch verzichten. Das zeigt Ihren Mitarbeitenden, dass Sie in ihre Fähigkeiten vertrauen. Sie werden mit mehr Motivation an die Aufgabe herantreten und haben die Chance, eigene Ideen einfließen zu lassen. Zu Anfang müssen Sie wahrscheinlich noch ein wenig mehr „Hilfestellung“ bei der Zielerreichung bieten, gerade wenn Ihre Mitarbeitenden es seit Jahren gewohnt sind, jeden Schritt vorgegeben zu bekommen. Die Kontrolle über den Weg abzugeben wird Ihnen zeigen, dass Sie Ihrem Team vertrauen können. Sie werden sehen, dass langsam die Motivation zurückkehrt und Sie sich auf wichtigere Aufgaben konzentrieren können.
3. Fehler sind gut
Fehler dürfen im Unternehmen kein Tabu sein. Sie können sehr hilfreich sein und sollten unter allen Umständen gemacht werden dürfen. Nur so lernen Ihre Angestellten und können sich verbessern. Vor allem bei kleinen Fehlern oder Fehlern, die zum ersten Mal passieren, kann es sich lohnen, ein Auge zuzudrücken. Führen Sie ein offenes Gespräch mit der betreffenden Person und stellen Sie den Lerneffekt in den Vordergrund – nicht die Bestrafung. Angst vor Fehlern führt unter den Mitarbeitenden nämlich zu fehlender Innovation und einem gestörten Arbeitsfluss – sie haben Angst, kreativ zu werden und eigene Wege zu gehen.
4. Führen Sie regelmäßige Meetings ein
Um kein Gefühl von Kontrollverlust zu bekommen, bieten sich regelmäßige Meetings an. In diesen können Sie mit Ihren Mitarbeitenden die anstehenden Aufgaben und Ziele besprechen. Außerhalb dieser Meetings lassen Sie Ihr Team dann aber weitestgehend eigenständig arbeiten. Anstatt sich tagtäglich einen Zwischenstand der Arbeitsergebnisse einzuholen, können diese dann auch einfach im nächsten Meeting besprochen werden. Vergessen Sie nicht, Ihre Mitarbeitenden für Erfolge und gute Leistungen zu loben und ihnen zu danken. Das spornt sie zusätzlich an.
5. Lernen Sie, zu vertrauen
Erinnern Sie sich daran, aus welchen Gründen Sie Ihre Mitarbeitenden damals eingestellt haben. Sie waren überzeugt davon, dass sie einen guten Job machen würden. Selbst-organisierte Teams sind oft noch viel leistungsfähiger als Teams, die ständig kontrolliert werden. Lassen Sie es darauf ankommen: Vertrauen Sie Ihren Mitarbeitenden und sehen Sie zu, wie sich die Arbeitsleistung verbessert.
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