Definition: Was bedeutet Unternehmensführung?
In der Betriebswirtschaftslehre (BWL) umreißt der Begriff das strukturierte Management eines Unternehmens, das dafür sorgt, durch Planung, Kontrolle und Prozesse die Unternehmensziele zu erreichen.
Dabei können verschiedene Aspekte einbezogen werden:
- Wer führt das Unternehmen? (institutioneller Aspekt): Hier geht es um den Personenkreis, der Führungsaufgaben wahrnimmt.
- Wie wird das Unternehmen geführt? (prozessualer Aspekt): Im Fokus stehen die Unternehmenswerte und die Unternehmenskultur.
- Wodurch wird das Unternehmen geführt? (funktioneller Aspekt): In erster Linie geht es hier um Entscheidungen rund um die Finanzplanung sowie die Produktionsprozesse und den Absatz.
Außerdem wird der Begriff Unternehmensführung auch für diejenigen Personen genutzt, die das Unternehmen leiten.
Aufgaben der Unternehmensführung
Die Unternehmensführung setzt sich aus drei zentralen Aufgaben zusammen, die miteinander zusammenhängen und alle zur Planung, Organisation, Kontrolle, Personalwirtschaft und Mitarbeiterführung im Unternehmen beitragen.
1. Normative Unternehmensführung
Bei der normativen Unternehmensführung stehen die Unternehmenswerte und -normen im Fokus, ebenso wie die Unternehmensvision und die Mission. Das ist einerseits wichtig für das Selbstverständnis des Unternehmens und die Kultur, die gelebt und von den Beschäftigten getragen wird. Denn ob und in welcher Weise sich die Mitarbeitenden mit ihrem Unternehmen identifizieren, ist eine zentrale Aufgabe der Unternehmensführung.
Zum anderen wirkt sich die normative Unternehmensführung auch auf die Öffentlichkeit aus, also externe Stakeholder wie die Presse, den Wettbewerb, Kund*innen oder Lieferanten sowie die Politik. Daher geht es in diesem Kontext auch um die Ausrichtung und den Markenkern des Unternehmens.
Die Formulierung der Zukunftsvision gibt sowohl den Beschäftigten als auch der Öffentlichkeit eine Orientierung und kann aufzeigen, ob das Unternehmen zum Beispiel rein auf Profitmaximierung ausgelegt ist oder auch soziale und ökologische Verantwortung übernimmt. Je nach Marktlage, gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen und anderen Faktoren können sich Vision und Mission im Lauf der Zeit verändern. Das wirkt sich dann immer auch auf die strategische und operative Unternehmensführung aus.
2. Strategische Unternehmensführung
Mit der strategischen Unternehmensführung werden die langfristigen Ziele definiert, die ein Unternehmen auf der Basis seiner Vision erreichen will. Die Planung umfasst sowohl kurz- als auch mittel- und langfristige Ziele, die meist aufeinander aufbauen. Das betrifft beispielsweise die Produktpalette und die mögliche Erweiterung der Portfolios oder sogar die Erschließung eines neuen Geschäftsfelds. Die definierten Ziele werden priorisiert und anschließend in den Unternehmensprozessen umgesetzt.
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Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, muss die strategische Unternehmensführung den Markt stets im Blick behalten und sondieren, welche Chancen sich aus aktuellen Trends für die Unternehmensentwicklung ergeben. Auch mögliche Risiken können so frühzeitig erkannt werden, so dass entsprechende Maßnahmen ergriffen werden können.
3. Operative Unternehmensführung
Die operative Unternehmensführung schließlich beschäftigt sich mit der konkreten Umsetzung der strategischen Ziele und den dafür notwendigen Ressourcen. Dies umfasst u. a. die folgenden Bereiche:
- Mitarbeiter*innen: Welche personellen Ressourcen werden jetzt und in Zukunft benötigt? Welche Kompetenzen werden gebraucht? Welche Investitionen in Personalentwicklung und Recruiting sind nötig?
- Aufgabenverteilung: Wie wird die Verwaltung des Unternehmens organisiert? Welche Beschäftigten werden wo am besten eingesetzt?
- Prozessoptimierung: Wie können die komplexen Abläufe in einem Unternehmen möglichst effizient gesteuert werden? Wie sind die Entscheidungswege organisiert? Welche Prozesse lassen sich automatisieren und vereinfachen?
- Controlling: Stimmt das Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben? Welche Daten werden erhoben, und wie können sie lückenlos und transparent aufbereitet werden, um als Grundlage für weitere strategische Entscheidungen zu dienen? Welche Budgets sind für die einzelnen Abteilungen verfügbar?
All diese Aufgaben übernehmen in der Regel Führungskräfte und Expert*innen, die genau für solche Fragen ausgebildet wurden. Gründer*innen, die anfangs alles alleine stemmen, stoßen in der Regel an Grenzen, wenn das Unternehmen wächst, und suchen sich dann qualifizierte Unterstützung.
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Ziele der Unternehmensführung
Grundsätzlich verfolgt die Unternehmensführung das Ziel, ein Unternehmen erfolgreich am Markt zu platzieren und den wirtschaftlichen Erfolg langfristig sicherzustellen. Daher stehen für die meisten Unternehmen ihre Kund*innen und deren Bedürfnisse im Fokus, um Erfolgspotenziale aufzuspüren und sich so vom Wettbewerb abzusetzen.
Eine auf den Markt ausgerichtete Unternehmensführung wird daher immer auch sicherstellen, dass aktuelle Informationen zur Verfügung stehen und ausgewertet werden. Zudem kommt auch dem unternehmensinternen Wissenstransfer eine entscheidende Rolle zu. Mitarbeitende und insbesondere die Führungskräfte sind heute gefordert, sich ständig auf dem aktuellen Stand zu halten. Schnelle Veränderungen und Disruptionen sind nicht mehr die Ausnahme, sondern eher die Regel. Die Unternehmensführung muss geeignete Maßnahmen identifizieren, um auf die dynamischen Marktbewegungen in angemessener Weise reagieren zu können.
Hierzu zählen auch ökologische und soziale Aspekte, die in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen haben. Nicht nur die Verbraucher*innen erwarten heute von Unternehmen ein gestiegenes Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Umwelt und der Natur sowie den Menschen in den Herkunftsländern vieler Rohstoffe. Auch viele Mitarbeitende erwarten von ihren Arbeitgebern soziales und ökologisches Engagement, um sich mit dem Unternehmen identifizieren zu können und Verbundenheit zu fühlen.
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Nachhaltige Unternehmensführung
In diesem Zusammenhang steht bei vielen Unternehmen auch eine Unternehmensführung auf der Agenda, die sich an Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und der Umwelt orientiert. Das bedeutet, dass Gewinnmaximierung nicht mehr nur kurzfristig anvisiert wird, sondern es vielmehr darum geht, auch langfristig und dauerhaft die Bedingungen zu schaffen, nachhaltig Gewinne zu erwirtschaften.
Das wird im Übrigen zukünftig auch im Hinblick auf die Kreditvergabe durch Banken eine Rolle spielen, die Nachhaltigkeitsaspekte in ihr Rating aufnehmen, um die Kreditwürdigkeit von Unternehmen zu bewerten. Die Gesetzeslage in Europa verlangt inzwischen von den meisten Unternehmen Maßnahmen um den ESG-Richtlinien zu genügen (s. folgender Absatz).
Hier ist vor allem die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) zu nennen, die regelt, wie Nachhaltigkeitsberichte zu verfassen sind. Zudem ist seit 2021 das Gesetz über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten zur Vermeidung von Menschenrechtsverletzungen in Lieferketten (Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz) in Kraft. Die Regelungen gelten seit 2023 für Unternehmen mit mindestens 3.000 Arbeitnehmer*innen im Inland, ab 2024 auch für Unternehmen mit mindestens 1.000 Arbeitnehmer*innen – eine herausfordernde Aufgabe für die Unternehmensführung, besonders im Hinblick auf die erforderliche Dokumentation.
ESG-Richtlinien
Laut den ESG-Richtlinien (Environmental, Social und Governance) umfasst die nachhaltige Unternehmensführung folgende Schwerpunkte:
- Environment: Die Unternehmensstrategie berücksichtigt Umweltaspekte sowie den Klimaschutz und das Ressourcenmanagement. Außerdem geht es darum, Abgas- und Abwasseremissionen zu reduzieren, erneuerbare Energie zu präferieren und insgesamt den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.
- Social: Bei diesem Aspekt geht es um gerechte Arbeitsbedingungen für alle. Unternehmen, die sich den ESG-Kriterien verpflichtet fühlen, schließen Zwangsarbeit sowie Kinderarbeit aus und pochen auf die Einhaltung von Menschenrechten. Hinzu kommen Maßnahmen zur Weiterbildung und Investitionen in die Arbeitsplatzsicherheit und die Gesundheit der Mitarbeitenden.
- Governance: Korruption und wettbewerbswidriges Verhalten sollen weitgehend vermieden werden. Dafür soll eine unabhängige Aufsichtsbehörde sorgen. Erreichen Unternehmen ihre Ziele im Bereich Nachhaltigkeit, können die Vorstände eine erfolgsorientierte Vergütung erhalten.
Für die Unternehmensführung bedeutet dies, dass Themen wie Arbeitsgesundheit, Diversity Management, Menschenrechte, Risikomanagement und Steuertransparenz eine ganzheitliche Strategie erfordern. Nur so kann die sozial-ökologische Transformation im Unternehmen gelingen.