Betriebliche Ausbildungen sind der ideale Weg, um dem allgegenwärtigen Fachkräftemangel zu begegnen und Berufseinsteiger*innen frühzeitig an Ihr Unternehmen zu binden. Doch die Suche nach geeigneten Azubis gestaltet sich zunehmend schwierig. Immer mehr Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Was sind die Ursachen für den fehlenden Nachwuchs und mit welchen Maßnahmen können Arbeitgeber gegensteuern? Erfahren Sie, wie Sie geeignete Auszubildende finden und angehende Fachkräfte von Ihrem Betrieb begeistern.
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Erfahren Sie mehrGründe für den Azubimangel auf dem Arbeitsmarkt
Schon im Jahr 2021 konnten 42 Prozent der IHK-Ausbildungsbetriebe nicht alle angebotenen Azubistellen besetzen, wie die DIHK-Ausbildungsumfrage 2022 belegt. Zwischen Oktober 2021 und September 2022 stieg die Zahl der freien Ausbildungsplätze laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit auf 69.000. Das waren 6.000 offene Stellen mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders schwer fiel die Azubisuche in Lebensmittelberufen, im Friseurhandwerk, im Hotel- und Gaststättengewerbe, in der Baubranche und in der metallverarbeitenden Industrie.
Dass sich immer weniger junge Menschen für eine Ausbildung interessieren, liegt laut Institut der deutschen Wirtschaft vor allem an der fehlenden Passung von Angebot und Nachfrage. Die Jugendlichen folgen bei der Berufswahl lieber ihren persönlichen Vorlieben, als sich am aktuellen Bedarf des Arbeitsmarkts zu orientieren. Einer Azubi-Studie der IHK Nürnberg zufolge spielen vor allem Karrieremöglichkeiten und inhaltliche Abwechslung eine zentrale Rolle bei der Entscheidung für ein bestimmtes Berufsbild. Bei der Wahl des spezifischen Ausbildungsbetriebs sind Aspekte wie Wohnortnähe, eine hohe Übernahmewahrscheinlichkeit und gute Aufstiegschancen häufig ausschlaggebend.
Ihr Betrieb liegt in einer strukturschwachen Region und bietet keine beliebten Ausbildungsberufe wie Kraftfahrzeugmechatroniker*in oder Kaufmann/-frau für Büromanagement an? Dann könnten Ihnen die folgenden Tipps die Suche nach Nachwuchsfachkräften erleichtern.
Mit hoher Arbeitgeberattraktivität mehr Auszubildende finden
Bevor Sie gezielt nach Auszubildenden suchen, sollten Sie an Ihrem Employer Branding arbeiten. Eine attraktive Arbeitgebermarke weckt das Interesse der passenden Zielgruppe. Doch mit welchen Anreizen können Sie junge Fachkräfte der Generation Z von Ihrem Unternehmen überzeugen?
1. Zahlen Sie eine faire Vergütung
Laut einer ZDF-Umfrage würden über 20 Prozent der 25- bis 34-Jährigen gerne ihren Job kündigen. Der Hauptgrund für die hohe Wechselbereitschaft ist ein zu niedriges Gehalt. Arbeitgeber sollten daher auf eine angemessene Entlohnung bereits während der Ausbildung achten. Der naturgemäß geringe Azubilohn lässt sich mit Weihnachts- oder Urlaubsgeld, Verpflegungsgutscheinen, Job-Tickets, Dienstfahrrädern oder anderen Zusatzleistungen aufbessern. Auch Bonuszahlungen für ausgezeichnete Schulnoten oder Arbeitsergebnisse können zu mehr Motivation bei den Auszubildenden führen.
2. Behandeln Sie Ihre Azubis mit Wertschätzung
Auf Platz 2 der Kündigungsauslöser in der ZDF-Umfrage landet mangelnde Wertschätzung. Daher ist es wichtig, dass Sie Ihren Azubis stets mit Respekt begegnen. Behandeln Sie sie nicht wie billige Arbeitskräfte, sondern weisen Sie ihnen nur sachgemäße Aufgaben zu, die ihrer beruflichen Entwicklung dienen. Loben Sie gute Leistungen und geben Sie konstruktives Feedback in regelmäßigen Mitarbeitergesprächen. Zeigen Sie, dass Sie die Verbesserungsvorschläge Ihrer Auszubildenden ernst nehmen und gestehen Sie ihnen Mitspracherecht bei bestimmten Entscheidungen zu.
3. Überzeugen Sie mit Flexibilität
Bei Beschäftigten stehen flexible Arbeitszeitmodelle hoch im Kurs. Eine ausgeglichene Work-Life-Balance und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben gewinnt bei jungen Arbeitnehmer*innen zunehmend an Bedeutung. Obwohl die Ausbildungsordnungen einen festen Rahmen in Bezug auf Inhalte und Abläufe vorgeben, bleibt Arbeitgebern ein gewisser Spielraum zur freien Gestaltung. Diesen sollten Betriebe nutzen, um dem steigenden Bedürfnis nach Flexibilität nachzukommen. Wenn Sie Ihren Azubis vereinzelte Homeoffice-Tage oder verkürzte Arbeitszeiten in Prüfungsphasen ermöglichen, werden sie Ihnen das wahrscheinlich mit mehr Zufriedenheit und Leistungsbereitschaft danken.
4. Fördern Sie junge Talente
Laut Berufsbildungsbericht wird mehr als jedes vierte Ausbildungsverhältnis vorzeitig gelöst. Um Ihre Azubis langfristig zu binden, sollten Sie ihnen von Anfang an kompetente Ausbilder*innen an die Seite stellen. Mit umfassender Betreuung und individueller Unterstützung erreichen Sie, dass sich Ihre Azubis schnell im Betrieb wohlfühlen. Nehmen Sie sich zu Beginn der Ausbildung Zeit für ein erfolgreiches Onboarding, um die Nachwuchsfachkräfte gezielt auf die Anforderungen in Ihrem Unternehmen vorzubereiten. Nach der Probezeit sollten Sie gezielt in die Kompetenzentwicklung der Azubis investieren. Denn Schulungen und Weiterbildungsangebote können sich positiv auf die Mitarbeiterbindung auswirken und dazu beitragen, dass ehemalige Auszubildende Ihrem Betrieb auch nach der Abschlussprüfung treu bleiben.
5. Erfüllen Sie Sicherheitsbedürfnisse
Laut einer Befragung der Bertelsmann Stiftung ist es vor allem Jobsicherheit, auf die 18- bis 24-Jährige bei der Wahl ihres Arbeitgebers Wert legen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die bereits erwähnte Azubi-Studie der IHK Nürnberg, die nach der Wohnortnähe die Übernahmewahrscheinlichkeit als zweitwichtigstes Kriterium bei der Entscheidung für einen Ausbildungsbetrieb identifiziert. Um dem für viele Arbeitgeber unerwartet hohen Sicherheitsbedürfnis der jungen Leute Rechnung zu tragen, sollten Sie Ihren Azubis eine berufliche Zukunft im Unternehmen in Aussicht stellen. Betriebe, die ihren Beschäftigten langfristige Perspektiven bieten, gelten nicht nur als attraktiv, sondern sparen sich auch die oft hohen Kosten für externe Personalbeschaffung.
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Auszubildende suchen und finden: Tipps für erfolgreiches Recruiting
Eine starke Arbeitgebermarke bildet die Basis für eine gelungene Azubisuche. Doch auch im Recruitingverfahren selbst können Sie mit verschiedenen Maßnahmen Ihre Erfolgsaussichten verbessern und geeignete Auszubildende finden.
1. Sprechen Sie eine breite Zielgruppe an
Laut Indeed Ausbildungsreport 2023 richten sich die meisten Anzeigen für einen Ausbildungsplatz explizit an Schulabgänger*innen mit Realschulabschluss oder Abitur. Obwohl die Offenheit gegenüber Hauptschulabsolvent*innen leicht zunimmt, haben sie es weiterhin schwerer bei der Jobsuche. Hauptschüler*innen, Personen ohne Schulabschluss und die immer größer werdende Gruppe der 15- bis 27-Jährigen, die sich weder in Ausbildung noch in der Schule oder in Arbeit befinden, bieten laut Monitor Ausbildungschancen 2023 das größte ungenutzte Potenzial bei der Azubisuche. Denn während Berufsausbildungen bei Schulabgänger*innen mit Studienberechtigung immer beliebter werden und inzwischen knapp die Hälfte eines Abiturjahrgangs eine berufliche Ausbildung anstrebt, sind die Übergangsquoten bei Absolvent*innen anderer Schulformen konstant oder sogar rückläufig.
Als Arbeitgeber sollten Sie Ihre Auswahlkriterien kritisch überprüfen und Ihre Anzeigen für Ausbildungsplätze explizit auch an Personen ohne oder mit niedrigem Schulabschluss richten. Wenn Sie nur auf Noten und Formalitäten Wert legen, laufen Sie Gefahr, individuelle Kompetenzen und die persönliche Motivation zu übersehen.
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2. Suchen Sie auf allen Kanälen
Wenn Sie passende Auszubildende finden möchten, reichen Aushänge, Messestände und Stellenangebote in der Lokalzeitung längst nicht mehr aus. Um von maximaler Reichweite zu profitieren, sollten Sie Ihre Anzeigen für Ausbildungsplätze auf mehreren Kanälen bewerben.
- Website: Investieren Sie in eine eigene Karriereseite mit umfassenden Informationen und unkomplizierten Kontaktmöglichkeiten per E-Mail oder sogar per WhatsApp. Reduzieren Sie die formellen Hürden und akzeptieren Sie 1-Klick-Bewerbungen ohne Lebenslauf, Zeugnisse oder lange Anschreiben.
- Soziale Netzwerke: Nutzen Sie Social Media Recruiting, um die junge Generation der Digital Natives dort zu erreichen, wo sie unterwegs ist. Laut einer KOFA-Studie setzt ein Viertel der Jugendlichen auf soziale Medien zur Berufsorientierung. Besonders beliebt sind Instagram und YouTube, aber auch TikTok ist auf dem Vormarsch.
- Online-Portale: Holen Sie sich Unterstützung bei der Personalsuche, indem Sie Ihre Anzeigen für Ausbildungsplätze auf Online-Jobportalen veröffentlichen. Auch die Ausbildungsbörsen der Industrie- und Handelskammern bzw. Handwerkskammern sind eine gute Möglichkeit, um freie Stellen zu bewerben.
- Eltern: Laut Azubi-Studie der IHK Nürnberg sind Freunde und Familie die wichtigsten Informationskanäle bei der Berufswahl. Somit lohnt es sich, auch die Mütter und Väter Ihrer künftigen Azubis mit Infobroschüren, Flyern oder kreativ gestalteten Plakaten von Ihrem Betrieb zu begeistern.
- Schulen: Präsentieren Sie Ihr Unternehmen bei Schulveranstaltungen, organisieren Sie Schnuppertage oder schalten Sie eine Anzeige in der Schülerzeitung. Indem Sie als Sponsor einen Teil der Kosten für die Abschlussfahrt oder andere Events übernehmen, können Sie das Image Ihrer Arbeitgebermarke bei potenziellen Azubis verbessern.
3. Setzen Sie auf frühzeitige Bindung
Je früher Sie nach künftigen Auszubildenden suchen, desto besser stehen Ihre Chancen, Ihre freien Lehrstellen passend zu besetzen. Praktika und Ferienjobs sind eine hervorragende Möglichkeit, um interessierten Schüler*innen einen Einblick in den Berufsalltag im Unternehmen zu gewähren. Davon profitieren auch Arbeitgeber, weil sie ihre potenziellen Nachwuchskräfte unverbindlich kennenlernen und sich von ihrer Ausbildungseignung überzeugen können.
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Investitionen in die Azubisuche zahlen sich aus
Laut Bundesinstitut für Berufsbildung erwirtschaften 28 Prozent der Azubis bereits während der Ausbildung Nettoerträge für ihre Arbeitgeber. Darüber hinaus lässt sich durch die Vergabe von Ausbildungsplätzen ein fester Mitarbeiterstamm aufbauen, der sich von Anfang an mit dem Unternehmen identifiziert. Fehlbesetzungen sind deutlich seltener als bei der Einstellung externer Fachkräfte.
Es ist keine leichte Aufgabe, passende Auszubildende zu finden. Angesichts des demografischen Wandels dürfte sich der Wettbewerb um den beruflichen Nachwuchs in Zukunft noch verschärfen. Trotzdem sollten Sie sich auch weiterhin aktiv um junge Fachkräfte bemühen. Denn die Wettbewerbsfähigkeit und der langfristige Fortbestand Ihres Betriebs lässt sich am besten mit gut ausgebildeten Mitarbeiter*innen sichern.
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