Personalsuche in der Gastronomie: So begegnen Sie dem Fachkräftemangel

By Indeed Editorial Team

Niedrige Gehälter, Schichtarbeit, zu wenig Wertschätzung – Jobs im Gastgewerbe haben einen schlechten Ruf und erwiesen sich zudem in der Pandemie als wenig krisensicher. Zuverlässiges Gastronomiepersonal zu finden, bereitet den Arbeitgebern große Schwierigkeiten. Kaum eine Branche leidet mehr unter den Auswirkungen des allgegenwärtigen Fachkräftemangels. Welche Maßnahmen können Restaurants, Hotels, Cateringunternehmen und andere Gastronomiebetriebe ergreifen, um sich als attraktive Arbeitgeber zu platzieren und potenzielle Bewerber*innen für sich zu gewinnen? Lesen Sie im folgenden Artikel nützliche Tipps für die Personalsuche in der Gastronomie.

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Gründe für den Personalmangel in der Gastronomie

Vor der Pandemie galt das Gastgewerbe als einer der wichtigsten Jobmotoren Deutschlands. Zwischen 2009 und 2019 wurden laut Branchenverband DEHOGA fast 300.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen – knapp 15 Prozent mehr als in der Gesamtwirtschaft. Doch dann kam Corona. Die Schließungen und Auflagen trafen die Gastronomie besonders hart und gingen mit massiven Beschäftigungseinbrüchen einher. Während im Vorkrisenjahr noch fast zwei Millionen Personen in der Branche arbeiteten, waren es im September 2021 knapp 400.000 Beschäftigte weniger. Vor allem geringfügig entlohnte Minijobber*innen in andere Wirtschaftszweige ab, wie Berechnungen des Statistischen Bundesamtes zeigen.

Zu Beginn des Jahres 2023 waren in Restaurants, Cafés, Hotels, Pensionen und anderen Gastronomiebetrieben noch immer rund 50.000 Stellen unbesetzt. Auch an Nachwuchs fehlt es. Schon vor der Pandemie brachen laut Berichten der Süddeutsche Zeitung rund 50 Prozent der angehenden Köche, Köchinnen und Restaurantfachkräfte ihre Ausbildungen vorzeitig ab. Darüber hinaus sieht jede/r dritte Beschäftigte im Gastgewerbe keine Zukunft und möchte sich beruflich neu orientieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) aus dem Jahr 2022. Als primären Grund für ihre Unzufriedenheit führen die 4.000 Befragten die niedrige Entlohnung an. Aber auch die wenig familienfreundlichen Arbeitszeiten, die oft mangelnde Wertschätzung und die psychischen und physischen Belastungen der Gastrojobs machen vielen Mitarbeiter*innen zu schaffen.

Mit einer Fluktuationsrate von 60 bis 70 Prozent gehört das Gastgewerbe zu den Branchen mit den meisten Arbeitsplatzwechseln. Mehr und mehr Beschäftigte kündigen, während die Bewerberzahlen kontinuierlich zurückgehen. Wie können Arbeitgeber diesem Teufelskreis entkommen und künftig wieder mehr Jobsuchende von sich begeistern?

Gastronomiepersonal finden: Tipps für erfolgreiches Recruiting

Für eine gelungene Personalsuche in der Gastronomie sollten Sie die einzelnen Schritte im Recruitingverfahren optimieren.

1. Formulieren Sie ansprechende Stellenanzeigen

Die Stellenanzeige ist eine Visitenkarte für Ihren Betrieb und sollte die folgenden Elemente enthalten:

  • Jobtitel: Entscheiden Sie sich möglichst für die offizielle Berufsbezeichnung und vermeiden Sie kreative Umschreibungen wie „Küchenfee“ oder „Thekentalent“, da diese von Online-Suchmaschinen nur schwer gefunden werden. Beachten Sie die Vorschriften des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG), um sich gegen Klagen abzusichern und einen möglichst breiten Bewerberkreis anzusprechen.
  • Vorstellung des Unternehmens: Präsentieren Sie Ihren Betrieb von seiner besten Seite. Überlegen Sie, welche Aspekte besonders interessant für Jobsuchende sein könnten und versetzen Sie sich in die Bewerber*innen hinein.
  • Stellenbeschreibung: Erfassen Sie die einzelnen Aufgabenbereiche und denken Sie auch an wichtige Eckdaten wie das Eintrittsdatum und die Art der Anstellung. Handelt es sich um Vollzeit, Teilzeit oder einen Minijob? Ist das Arbeitsverhältnis dauerhaft oder können Sie nur einen befristeten Arbeitsvertrag anbieten?
  • Anforderungsprofil: Welche fachlichen Qualifikationen und Soft Skills sollten geeignete Kandidat*innen mitbringen? Sind Quereinsteigende willkommen oder erwarten Sie einen bestimmten Berufsabschluss?
  • Benefits: Aufgrund des Personalmangels in der Gastronomie verschiebt sich das Kräfteverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zunehmend. Mit welchen Zusatzleistungen können Sie potenzielle Talente davon überzeugen, sich ausgerechnet in Ihrem Betrieb und nicht bei der Konkurrenz zu bewerben?
  • Kontakt: Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Online-Formular – je mehr unkomplizierte Bewerbungsmöglichkeiten Sie bieten, desto geringer ist die Hemmschwelle bei Jobsuchenden.

Beispiele zu Stellenbeschreibung für typische Gastronomieberufe:

2. Erreichen Sie die richtige Zielgruppe

Um einen breiten Talentpool anzusprechen, sollten Sie Ihre freien Stellen auf möglichst vielen Kanälen bewerben. Jobangebote, die spezifische Fachqualifikationen erfordern, können Sie auf speziellen Gastro-Portalen oder in Fachzeitschriften veröffentlichen. Auch Branchenmessen eignen sich hervorragend, um gelerntes Gastronomiepersonal zu finden.

Nach Servicekräften und Aushilfen können Sie unter anderem mit Anzeigen in lokalen Zeitungen oder über Aushänge an Schulen und Universitäten suchen. Auch Tischaufsteller im Restaurant, Flyer oder Hinweise in der Speisekarte sind bewährte Methoden zur Personalgewinnung in der Gastroszene. Für die Mitarbeitersuche im Internet empfehlen sich die eigene Website, Online-Jobbörsen oder soziale Netzwerke. Mit Social-Media-Recruiting können Sie im Idealfall sogar Talente erreichen, die gar nicht aktiv auf der Suche nach einem neuen Job sind.

Darüber hinaus lässt sich dem Personalmangel in der Gastronomie mit internationalem Recruiting begegnen. Schon heute stammt mehr als ein Drittel der Beschäftigten im Hotel- und Gaststättengewerbe aus dem Ausland, obwohl vor allem die Anstellung von Fachkräften aus Nicht-EU-Staaten mit vielen bürokratischen Hürden für Arbeitgeber verbunden ist. Sonderregelungen gibt es bisher nur für Spitzenköche und -köchinnen in Spezialitätenrestaurants (§ 11 Abs. 2 BeschV). Doch die Reform des Einwanderungsgesetzes ist bereits beschlossene Sache und wird bestimmt auch der Gastronomiebranche zugutekommen.

Falls Sie nur kurzfristig saisonale Verstärkung für Ihr Team benötigen, können Sie auch über die Inanspruchnahme von Personaldienstleistungen nachdenken. Indem Sie die Mitarbeiterbeschaffung einer Zeitarbeitsfirma überlassen, reduziert sich Ihr Recruiting-Aufwand.

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3. Treffen Sie die richtige Personalauswahl

Der Arbeitsalltag im Gastgewerbe ist kein Zuckerschlecken. Körperliche Anstrengungen kombiniert mit Lärm, Hitze und einem oft rauen Umgangston stellen hohe Anforderungen an die Belastbarkeit der Kandidat*innen. Soft Skills wie Zuverlässigkeit, Serviceorientierung, Leistungsbereitschaft und Flexibilität sind in vielen Gastronomiejobs wichtiger als fachliche Qualifikationen. Im Vorstellungsgespräch sollten Sie daher die Persönlichkeit der Bewerber*innen genau unter die Lupe nehmen und darauf achten, dass die wesentlichen Charaktereigenschaften zur bestehenden Belegschaft passen oder sich optimal ergänzen. Denn ein eingespieltes Team ist ein entscheidender Erfolgsfaktor im Gastgewerbe.

Interviewfragen und -antworten für typische Gastronomieberufe:

Personalmangel mit Mitarbeiterbindung entgegenwirken

Die Personalsuche in der Gastronomie war erfolgreich und Sie haben eine perfekte Ergänzung für Ihr Team gefunden? Dann sollten Sie mit gezielten Maßnahmen dafür sorgen, dass die Neuzugänge möglichst lange in Ihrem Betrieb bleiben. Um die Mitarbeiterbindung zu verbessern und dem Fachkräftemangel im Gastgewerbe entgegenzuwirken, können Sie an einigen Stellschrauben drehen.

Angemessene Bezahlung

Während in immer mehr Wirtschaftszweigen das Gehalt nicht mehr den wichtigsten Motivator im Job darstellt, ist eine niedrige Entlohnung im Gastgewerbe laut NGG-Umfrage der Hauptgrund für eine berufliche Neuorientierung. Gemäß den Angaben der Gewerkschaft unterliegt nur rund jedes vierte Arbeitsverhältnis einer Tarifbindung, viele Beschäftigte müssen mit dem gesetzlichen Mindestlohn auskommen. Mit konkurrenzfähigen Gehältern und fairen Trinkgeldregelungen können Arbeitgeber verhindern, dass ihre Mitarbeiter*innen in besser bezahlte Branchen abwandern.

Mehr Wertschätzung

Zeigen Sie Ihren Beschäftigten, dass Sie ihren Einsatz honorieren, geben Sie konstruktives Feedback und sparen Sie nicht mit Lob. Führen Sie regelmäßige Mitarbeitergespräche, fragen Sie nach Verbesserungsvorschlägen und beteiligen Sie Ihre Belegschaft an wichtigen Entscheidungen. Darüber hinaus können Sie Ihre Anerkennung durch langfristige Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten zum Ausdruck bringen. Stellen Sie bei guter Leistung eine Beförderung in die Schicht- oder Restaurantleitung in Aussicht oder tragen Sie die Kosten für spezifische Weiterbildungen, wie beispielsweise Hygieneschulungen oder Baristakurse.

Bessere Work-Life-Balance

Die schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben erschwert die Personalsuche in der Gastronomie. Fachkräfte müssen an Wochenenden und an Feiertagen, spät abends und oft auf Abruf zur Arbeit erscheinen. Flexible Arbeitszeitmodelle sind im Gastgewerbe nur begrenzt realisierbar. Gäste können schließlich schlecht aus dem Homeoffice bedient werden. Damit die Gesundheit der Beschäftigten nicht unter den unregelmäßigen Arbeitszeiten leidet, sollten Gastronomiebetriebe Wert auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance für ihre Mitarbeiter*innen legen. Mehr Planbarkeit lässt sich beispielsweise durch eine möglichst frühzeitige Erstellung der Dienst- und Urlaubspläne erreichen.

Angenehme Arbeitsbedingungen

Auch die Organisation des Arbeitsalltags kann dazu beitragen, dass Sie schnell passendes Gastronomiepersonal finden und Mitarbeitende dauerhaft im Unternehmen bleiben. Verbessern Sie das Betriebsklima und das Zusammengehörigkeitsgefühl mit regelmäßigen Teambuilding-Events. Bieten Sie Gratisverpflegung während der Arbeitszeiten und übernehmen Sie die Reinigung der Berufskleidung. Nutzen Sie Online-Reservierungssysteme, KI-gestützte Telefonassistenz, Self-Ordering-Tools und andere technologische Hilfsmittel, um Ihren Beschäftigten körperlich anstrengende oder monotone Aufgaben abzunehmen.

Je engagierter Sie sich für die Zufriedenheit Ihrer Mitarbeiter*innen und ein gutes Employer Branding einsetzen, desto leichter wird Ihnen die Suche nach geeignetem Gastronomiepersonal fallen. Als attraktiver Arbeitgeber sind Sie im Wettbewerb um passende Talente eindeutig im Vorteil.

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