Was ist Open Hiring?
Open Hiring ist eine Recruitingmethode, bei der Unternehmen Mitarbeitende einstellen, ohne dass diese ein klassisches Einstellungsverfahren durchlaufen. Bewerbungsunterlagen, Lebensläufe und Vorstellungsgespräche entfallen dabei grundsätzlich. Stattdessen können sich Interessierte direkt für eine offene Stelle registrieren und werden üblicherweise in der Reihenfolge ihrer Anmeldung berücksichtigt.
Open Hiring unterscheidet sich somit von klassischen Recruitingstrategien, bei denen Sie Bewerbende miteinander vergleichen. Dieser Auswahlprozess entfällt und je nach ausgeschriebener Tätigkeit prüfen Sie lediglich zwingende Voraussetzungen, etwa einen gültigen Führerschein oder eine gesetzlich vorgeschriebene Berechtigung.
Bekannt wurde Open Hiring unter anderem durch die US-amerikanische Greyston Bakery. Diese stellt seit 1982 nach diesem Prinzip ein, um auch Personen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt eine faire Chance zu geben.
Wie funktioniert Open Hiring?
Die Abläufe beim Open Hiring sind bewusst einfach gehalten. In der Regel folgen Sie dabei diesen Schritten:
- Anforderungsprofil erstellen: Beschreiben Sie die Aufgaben und Rahmenbedingungen der Stelle so konkret wie möglich. Ein nachvollziehbares Profil zeigt Interessenten, was sie erwartet, und senkt das Risiko, dass sie das Tätigkeitsfeld und die Position missverstehen.
- Stelle ausschreiben und bekannt machen: Ihre Open-Hiring-Stelle können Sie über Ihre üblichen Kanäle bekannt machen, etwa über Ihre Karriereseite, Jobportale wie Indeed oder über digitale Kanäle wie Social Media. Über einen Link gelangen Interessierte zu einem einfachen Anmeldeformular.
- Interessierte tragen sich ein: Bewerber*innen hinterlassen ihre Kontaktdaten in einer Anmeldeliste. Ausschlaggebend ist beim klassischen Open-Hiring-Modell der Zeitpunkt der Eintragung.
- Interessenten kontaktieren: In diesem Schritt sprechen Sie die erste Person auf der Liste an, stellen die Aufgaben vor und klären nur formale Mindestanforderungen für den Start. Erfüllt die Person zwingende Voraussetzungen für die Tätigkeit nicht, kontaktieren Sie die nächste Person auf der Liste.
- Einstellen und einarbeiten: Nach der Zusage beginnt die eigentliche Arbeit. Ein umfassendes Onboarding unterstützt neue Mitarbeitende dabei, sich schnell zurechtzufinden.
Für welche Branchen und Jobs eignet sich Open Hiring?
Open Hiring passt besonders gut zu Jobs, die geringe bis keine formale Qualifikation voraussetzen und sich schnell erlernen lassen. Gerade in Berufen mit wenigen Bewerbungen können sich offene Verfahren lohnen. Mögliche Anwendungsbereiche sind unter anderem:
- Logistik: Lagerhelfer*innen und Kommissionierer*innen
- Transport: Auslieferungs- und Kurierfahrer*innen
- Gastgewerbe: Servicekräfte, Küchenhilfen und Reinigungskräfte
- Einzelhandel: Verkaufs- und Kassenpersonal
- Kundenservice: Mitarbeitende für Callcenter und Support
- Baugewerbe: Bauhelfer*innen und Hilfskräfte im Bau
Besonders sinnvoll ist ein bewerbungsfreies Recruiting auch dann, wenn Sie eine große Anzahl von Stellen gleichzeitig besetzen, etwa bei einer Standorteröffnung oder zur Abdeckung saisonaler Bedarfsspitzen. Sind Hunderte Positionen offen, lassen sich einzelne Bewerbungsgespräche kaum umsetzen. Open Hiring verschafft Ihnen in solchen Phasen Tempo und Reichweite.
Vorteile von Open Hiring für Unternehmen
Richtig eingesetzt wirkt sich Open Hiring sowohl auf die Effizienz der HR-Prozesse als auch auf Ihr Image als Arbeitgeber aus. Die Methode bringt bei der Einstellung neuer Mitarbeitender mehrere Vorteile:
- Schnelle Stellenbesetzung: Bei dieser Methode verkürzt sich die Zeit bis zur Einstellung deutlich. Das hilft besonders, wenn Sie kurzfristig mehrere Stellen besetzen möchten.
- Geringerer Aufwand und niedrigere Kosten: Ohne klassisches Auswahlverfahren sinkt der Zeit- und Personalaufwand im Recruiting. Ressourcen, die normalerweise in Screening und Interviews fließen würden, stehen für andere Aufgaben zur Verfügung.
- Chancen für mehr Menschen: Da Lebenslauf, Bildungsweg und bisherige Berufserfahrung bei der Vorauswahl keine zentrale Rolle spielen, können auch Personen Zugang zu Stellen erhalten, die in klassischen Bewerbungsverfahren möglicherweise nicht berücksichtigt werden würden.
- Positives Signal für Ihre Arbeitgebermarke: Ein transparentes und zugängliches Einstellungsverfahren in Ihrem Unternehmen kann Ihr Employer Branding stärken. Denn Arbeitgeber, die Chancen ermöglichen, wirken auf viele Jobsuchende attraktiv.
Herausforderungen von Open Hiring
So einfach das Verfahren ist, bringt es dennoch Herausforderungen mit sich. Unternehmen sollten deshalb prüfen, ob die Methode zu den Anforderungen der jeweiligen Stelle und zu den eigenen Recruitingzielen passt.
- Risiko einer unpassenden Einstellung: Ohne Bewerbungsgespräche, Referenzen oder die Prüfung von Qualifikationen wissen Sie vorab wenig über die Bewerbenden. Das kann dazu führen, dass die Zusammenarbeit früher endet als geplant oder die Aufgaben nicht zu den neuen Mitarbeitenden passen.
- Mehraufwand bei Einarbeitung und Qualifizierung: Da Open Hiring grundsätzlich keine Vorerfahrung voraussetzt, verlagert sich der Aufwand vom Auswahl- in den Einarbeitungsprozess. Entsprechend lohnt es sich, Zeit und Ressourcen für Einarbeitungspläne und Schulungen einzuplanen.
- Begrenzter Einsatzbereich: Für reglementierte Berufe ist Open Hiring nur bedingt geeignet. Wenn für eine Tätigkeit bestimmte Qualifikationen, Nachweise oder eine staatliche Zulassung erforderlich sind, müssen diese Voraussetzungen vor der Beschäftigung geprüft werden. Das betrifft beispielsweise viele Berufe im Gesundheits- und Pflegebereich sowie Fach- und Führungspositionen mit hohen fachlichen oder persönlichen Anforderungen.
Open Hiring in Deutschland
Angesichts des anhaltenden Personalbedarfs, beispielsweise in Transport und Logistik, wo Berufskraftfahrende weiterhin zu den Engpassberufen zählen, gewinnt der Ansatz an Bedeutung. Auch in Gastronomie und Einzelhandel bleiben saisonale Besetzungswellen ein Thema.
Wo Unternehmen kurzfristig Arbeitskräfte benötigen und klassische Recruitingmethoden zu langsam sind, können offene Einstellungsverfahren eine praktikable Ergänzung sein. Technisch lässt sich dies einfach umsetzen, beispielsweise mit Online-Formularen, QR-Codes am Standort oder Messenger-Diensten. Solche digitalen Bewerbungswege lassen sich zudem mit Social-Media-Recruiting kombinieren. Eine Anbindung an ein Bewerbungsmanagementsystem ist ebenfalls möglich.
Für bestimmte Tätigkeiten mit hohem Personalbedarf kann Open Hiring dabei helfen, Einstellungsprozesse zu vereinfachen und Stellen schneller zu besetzen. Eignet sich das Verfahren nicht für Ihre Recruitingziele, kann kompetenzbasiertes Recruiting eine Alternative sein. Dabei stehen die tatsächlichen Fähigkeiten und Kompetenzen der Kandidat*innen stärker im Mittelpunkt als formale Abschlüsse oder der bisherige Karriereweg.
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