Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz verbessern, Produktivität und Leistungsbereitschaft steigern!

By Indeed Editorial Team

Ihre Mitarbeitenden klagen über eine hohe Arbeitsbelastung, Termindruck oder Dauerstress? Die krankheitsbedingten Ausfälle und die Fluktuationsrate steigen, während die Leistungsbereitschaft nachlässt und die Produktivität sinkt? Dann wird es höchste Zeit, dass Sie sich mehr mit dem Thema mentale Gesundheit am Arbeitsplatz auseinandersetzen. Im folgenden Artikel erfahren Sie, wie Sie das Wohlbefinden Ihrer Belegschaft verbessern, psychischen Erkrankungen vorbeugen und dadurch Ihr Unternehmen langfristig auf Erfolgskurs bringen.

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Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz erreichen neuen Höchststand

310 Fehltage je 100 Beschäftigte. Nie war der Arbeitsausfall aufgrund psychischer Erkrankungen höher als im Jahr 2022. Im Zehn-Jahresvergleich verzeichnet der DAK-Psychreport Deutschland einen Anstieg um fast 50 Prozent. Damit sind psychische Leiden nach Atemwegs- und Muskel-Skelett-Erkrankungen die dritthäufigste Ursache für ein Fernbleiben vom Arbeitsplatz. Dazu kommt die mit rund 37 Tagen überdurchschnittlich lange Ausfallzeit bei psychischen Erkrankungen. Arbeitgeber müssen sich nicht nur um angemessenen Ersatz kümmern, sondern sind bis zu sechs Wochen zur Lohnfortzahlung verpflichtet.

Laut Schätzungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin lagen die durch psychische und Verhaltensstörungen verursachten Produktionsausfallkosten im Jahr 2021 bei 15,8 Milliarden Euro. Der Ausfall an Bruttowertschöpfung betrug über 27 Milliarden Euro. Wie können Arbeitgeber vorgehen, um die betriebswirtschaftlichen Kosten im Unternehmen möglichst gering zu halten und die psychisch bedingten Fehlzeiten zu reduzieren?

Risikofaktoren identifizieren und eliminieren

Um psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz vorzubeugen, müssen sich Unternehmen mit den potenziellen Gefahren für die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeitenden auseinandersetzen. Dazu sind sie gemäß § 5 ArbSchG sogar gesetzlich verpflichtet. Um mehr über das seelische Wohlbefinden der Belegschaft herauszufinden, eignen sich unter anderem Umfragen zur Mitarbeiterzufriedenheit. Diese sollten sich mit den häufigsten Stressoren auseinandersetzen.

1. Arbeitsorganisation und -ablauf

Die Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) identifiziert eine hohe Arbeitsintensität, lange Arbeitszeiten, viele Überstunden und ungünstig gestaltete Schichtarbeit als größte Risikofaktoren für psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz. Doch auch neue Arbeitsformen wie Homeoffice können Stress auslösen. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands zeigt, dass zwölf Prozent der Beschäftigten die Arbeit zu Hause sogar als psychische Belastung empfinden. Das liegt nicht nur an der sozialen Isolation, sondern auch an der oft unkontrollierten Ausweitung der Arbeitszeiten in den eigenen vier Wänden. Gemäß DGB-Index Gute Arbeit sind 39 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice ständig für ihre Arbeitgeber erreichbar. Das führt dazu, dass 46 Prozent der Heimarbeiter*innen in ihrer Freizeit nicht richtig abschalten können. Dieser Dauerstress hat negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden am Arbeitsplatz und kann im schlimmsten Fall bis zum Burn-out führen.

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2. Arbeitsaufgaben und -inhalte

Zu viele Aufgaben und anhaltender Zeit- und Termindruck können ein Gefühl der Überforderung auslösen. Führungskräfte sollten daher auf ein angemessenes Arbeitspensum achten. Doch nicht nur die Menge, sondern auch der Inhalt der Aufgaben beeinflusst das psychische Wohlbefinden. Stellen Sie sicher, dass die Qualifikationen einer Person zu den Anforderungen der Tätigkeit passen. Investieren Sie regelmäßig in die Kompetenzentwicklung und das berufliche Vorankommen Ihrer Mitarbeitenden. Darüber hinaus sollten Sie Vertrauen aufbauen und Ihren Teammitgliedern viel Handlungs- und Entscheidungsspielraum zugestehen. Gestalten Sie den Arbeitsalltag möglichst abwechslungsreich, beispielsweise durch veränderte Abläufe oder Job-Rotation. Denn genau wie eine dauerhafte Unter- oder Überforderung können auch zu viel Monotonie und Routine die Entstehung von psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz begünstigen. 

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3. Arbeitsumgebung und -mittel

Das Arbeitsumfeld hat einen wesentlichen Einfluss auf das Wohlergehen Ihrer Mitarbeiter*innen. Wenn die Software nicht läuft, das Werkzeug nicht passt oder das nötige Material fehlt, ist Frust vorprogrammiert. Bei Büro- und Bildschirmtätigkeiten sollten Sie auf eine ergonomische oder geschlechtergerechte Gestaltung der Arbeitsplätze achten. Berücksichtigen Sie dabei auch die individuellen Bedürfnisse Ihrer Beschäftigten. Während manche Personen Ruhe zum konzentrierten Arbeiten benötigen, laufen andere im kreativen Austausch mit Kolleg*innen zu Höchstleistungen auf. Stellen Sie sicher, dass regelmäßige Pausen gemacht werden, und gehen Sie selbst mit gutem Beispiel voran. Respektieren Sie den Feierabend und erwarten Sie keine ständige Erreichbarkeit Ihrer Teams. Darüber hinaus können ein gesundes Kantinenessen, Rauchfreiheit und regelmäßige Bewegungsangebote zum Wohlbefinden am Arbeitsplatz beitragen.

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4. Soziale Beziehungen

Dass sich ständige Streitigkeiten oder gar Mobbing negativ auf die mentale Gesundheit am Arbeitsplatz auswirken, ist offensichtlich. Als Führungskraft sollten Sie Konflikte und Meinungsverschiedenheiten aktiv angehen, stets ein offenes Ohr für die Probleme Ihrer Teammitglieder haben und Ihre Unterstützung anbieten. Schaffen Sie eine Arbeitsatmosphäre der Wertschätzung und gegenseitigen Anerkennung, suchen Sie Lösungen statt Schuldige und betrachten Sie Fehler als Chance zur Weiterentwicklung und Innovation. Denn auch eine positive Fehlerkultur und psychologische Sicherheit sind entscheidend für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Wenn sich die Beschäftigten trauen, unkonventionelle Ideen einzubringen, Anweisungen zu hinterfragen und Kritik zu üben, ist der Weg zum guten Betriebsklima nicht mehr weit. Zusätzlich können Sie das Wir-Gefühl durch regelmäßiges Teambuilding stärken und darauf achten, dass sich Mitarbeitende im Homeoffice nicht ausgeschlossen fühlen.

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5. Unternehmenskultur

Auch die Unternehmenskultur spielt eine Rolle im Hinblick auf die mentale Gesundheit am Arbeitsplatz. Eine Studie der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) zeigt, dass eine hohe Mitarbeiterorientierung gesundheitsbezogene Risiken reduzieren kann. Unternehmen, die ihre Belegschaft in den Mittelpunkt stellen, zeichnen sich durch ein starkes Gemeinschaftsgefühl und Kollegialität aus. Sie zahlen ein faires Gehalt und belohnen ihre Beschäftigten mit attraktiven Zusatzleistungen. Darüber hinaus haben sie die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeitenden stets im Blick. Mit flexiblen Arbeitszeitmodellen erlauben sie eine gute Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben. Auch der berufliche Fortschritt liegt mitarbeiterorientierten Arbeitgebern am Herzen. Durch individuelle Personalentwicklungskonzepte und Weiterbildungsmaßnahmen verbessern sie die Zufriedenheit ihrer Teams und damit auch das Wohlbefinden am Arbeitsplatz.

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Mentale Gesundheit mit betrieblicher Gesundheitsförderung stärken

Unternehmen, die über ihre gesetzlichen Verpflichtungen hinaus freiwillig in die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden investieren, gelten als besonders attraktive Arbeitgeber. Bereits vor der Pandemie galten gesundheitsfördernde Maßnahmen bei fast zwei Dritteln der Beschäftigten als wesentlicher Bestandteil eines gelungenen Employer Brandings. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Universität Bamberg im Jahr 2020. Im Zuge der psychischen und körperlichen Belastungen der Coronazeit dürfte der Wunsch nach einem umfassenden Gesundheitsmanagement noch stärker geworden sein.

Trotzdem sind diesbezügliche Angebote noch immer die Ausnahme, wie die Studienreihe „So arbeitet Deutschland“ zeigt. Vor allem kleinere Unternehmen schrecken vor den oft hohen Kosten zurück. Doch die Investition zahlt sich aus. Laut Koordinierungsstelle zur betrieblichen Gesundheitsförderung geht mit jedem Euro Aufwand ein Einsparpotenzial in Höhe von 2,70 Euro einher. Die Ausfallzeiten sowie die Kosten für Berufsunfähigkeit und medizinische Versorgung lassen sich um je ein Viertel reduzieren. Darüber hinaus sind Leistungen zur Verhinderung und Verminderung von Krankheitsrisiken und zur Förderung der Gesundheit bis zu 600 Euro pro Jahr und Mitarbeiter*in steuerfrei (§ 3 Nr. 34 EStG).

Doch Investitionen in die körperliche und mentale Gesundheit am Arbeitsplatz lohnen sich nicht nur finanziell. Die Beschäftigten empfinden die Maßnahmen als wertschätzend und belohnen ihre Arbeitgeber mit mehr Motivation und Leistungsbereitschaft. Das Betriebsklima verbessert sich spürbar, die Mitarbeiterbindung und die Identifikation mit dem Unternehmen steigen, während die Fluktuationsrate abnimmt.

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Der richtige Umgang mit psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz

Was können Führungskräfte tun, wenn sie vermuten, dass ein Teammitglied an einer Depression oder Angststörung leidet? Bei sozialen Verhaltensauffälligkeiten, ungewohnten Leistungseinbußen oder häufigen Ausfallzeiten sollten Sie nicht wegschauen, auch wenn es Überwindung kostet. Suchen Sie das Gespräch mit der betroffenen Person, bieten Sie Ihre Unterstützung an und machen Sie keinesfalls Vorwürfe.

Ein offener Umgang mit psychischen Leiden sollte fest in der Unternehmenskultur verankert sein. Noch 2019 sagten zwei Drittel der Teilnehmer*innen einer umfassenden Beschäftigtenbefragung, dass sie sich für eine psychische Erkrankung schämen würden. Nehmen Sie Ihren Beschäftigten diese Angst mit Anteilnahme und Empathie. Bleiben Sie auch während längerer Ausfallzeiten mit den Betroffenen in Kontakt und stellen Sie durch betriebliches Eingliederungsmanagement eine reibungslose Rückkehr an den Arbeitsplatz sicher.

Denn Arbeit ist so viel mehr als ein Risikofaktor für psychische Erkrankungen. Eine sinnvolle, von Anerkennung und Wertschätzung geprägte Tätigkeit kann uns Kraft geben, unseren Alltag strukturieren, uns in den Austausch mit anderen Menschen bringen und sich positiv auf unsere mentale Gesundheit auswirken.

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