Zertifizierungen im Projektmanagement: Bedeutung für Arbeitgeber
Projektmanagement zählt im heutigen Arbeitsleben zu den wichtigsten Disziplinen, unabhängig von Branche oder Unternehmensgröße. Wettbewerb, zunehmend komplexe Prozesse sowie neue Arbeitsformen wie Agilität oder Remote Work erfordern eine strukturierte Planung, Steuerung und Umsetzung von Projekten. Dabei geht es nicht nur um die termingerechte Umsetzung einzelner Maßnahmen, sondern auch um die strategische Steuerung der Wertschöpfungskette: Von der Ressourcenplanung über das Risikomanagement bis zur Qualitätssicherung müssen alle Phasen zielgerichtet koordiniert werden.
Um Projekte wirtschaftlich effizient durchzuführen, sind qualifizierte Projektmanager*innen gefragt, die neben Fachkenntnissen auch über soziale und organisatorische Kompetenzen verfügen. Für Sie als Arbeitgeber*in stellt sich daher die Frage: Wie lässt sich verlässlich beurteilen, ob Bewerbende für eine Projektmanagement-Position wirklich geeignet sind? Zertifizierungen im Projektmanagement bieten hier eine objektive Grundlage, um Fachkenntnisse, methodisches Know-how und Erfahrung von einzelnen Kandidat*innen einzuschätzen – für Neueinstellungen wie auch im Rahmen der internen Personalentwicklung.
Projektmanagement-Zertifizierungen im Überblick
Projektmanagement-Zertifizierungen als Kriterium bei der Personalauswahl ermöglichen die objektive Bewertung von Qualifikationsprofilen. Zahlreiche Institutionen bieten Zertifikate an, die sich nach Erfahrungslevel, Projektumfang und Branchenschwerpunkt unterscheiden. Je nach Bedarf können Sie Einsteigerzertifikate, Qualifikationen für Projektleitungen oder anspruchsvolle Programme für Senior-Projektmanager*innen auswählen.
Bei der Auswahl sollten Sie entsprechend folgende Kriterien berücksichtigen:
- Anerkennung und internationale Vergleichbarkeit: Global anerkannte Standards machen Qualifikationen im internationalen Kontext gültig.
- Transparenz hinsichtlich Inhalte und Prüfverfahren: Seriöse Anbieter legen offen, welche Kompetenzen geprüft werden, etwa in Bezug auf agile Methoden, klassische Projektplanung oder hybride Ansätze.
- Praxisbezug und Aktualität: Regelmäßig aktualisierte Zertifikate, die an aktuelle Entwicklungen (etwa Digitalisierung und Nachhaltigkeit) angepasst werden, bieten in der Regel einen höheren Mehrwert für die betriebliche Praxis.
Es ist daher sinnvoll, sich mit den gängigen Zertifikaten auseinanderzusetzen, um Anforderungen in Stellenanzeigen exakt zu formulieren und geeignete Bewerbende identifizieren zu können.
1. Project Management Institute (PMI®)
Das Project Management Institute (PMI®) mit Sitz in den USA ist weltweit einer der renommiertesten Fachverbände für Projektmanagement. Besonders für international tätige Unternehmen kann eine Zertifizierung nach PMI-Standard ein qualifizierender Nachweis sein, um Projektmanager*innen mit global anschlussfähigen Kompetenzen einzusetzen.
Das bekannteste Zertifikat ist das Project Management Professional (PMP®), das auf dem PMBOK® Guide basiert – einem Leitfaden, der den gesamten Projektlebenszyklus in fünf Prozessgruppen strukturiert: Initiierung, Planung, Ausführung, Überwachung und Steuerung sowie Abschluss. Ergänzt werden diese durch zehn Wissensgebiete, etwa zu Zeitmanagement, Kosten, Qualität und Risikosteuerung.
Besonders relevant an diesem Zertifikat:
- Internationale Vergleichbarkeit: PMI-Zertifizierungen gelten weltweit als Branchenstandard und eignen sich besonders für Unternehmen mit internationalen Kunden oder Projektstrukturen.
- Modularer Aufbau: Neben dem PMP® bietet PMI verschiedene Zertifizierungen für unterschiedliche Karrierestufen – von Einsteiger*innen bis zu Programm- und Portfoliomanager*innen.
- Verbindliche Ethikstandards: Teilnehmende verpflichten sich zu einem Code of Ethics and Professional Conduct, der Werte wie Verantwortung, Fairness und Integrität betont – ein zusätzlicher Indikator für Professionalität im Projektalltag.
- Integration agiler Methoden: PMI berücksichtigt in aktuellen Ausgaben des PMBOK® Guides auch hybride und agile Vorgehensmodelle – ein Pluspunkt für moderne Projektumgebungen.
Fazit: PMI-Zertifikate bieten Ihnen eine verlässliche Grundlage zur Bewertung von Kompetenzen im Projektmanagement – besonders dann, wenn Projekte komplex, global vernetzt oder stark prozessorientiert sind.
2. International Project Management Association (IPMA®)
Die International Project Management Association (IPMA®) ist ein globaler Dachverband für Projektmanagement, der sich aus über 60 nationalen Organisationen zusammensetzt – in Deutschland vertreten durch die GPM (Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement). Das Zertifizierungssystem der IPMA ist besonders in Europa weit verbreitet und bietet Unternehmen eine praxisnahe, kompetenzorientierte Bewertung von Projektverantwortlichen.
Was IPMA-Zertifikate auszeichnet:
- Kompetenzbasiertes Modell: Grundlage der IPMA-Zertifizierung ist die Individual Competence Baseline (ICB) in Kombination mit dem Fachstandard Kompetenzbasiertes Projektmanagement (PM3). Statt auf starren Prozessen basiert das System auf einem ganzheitlichen Kompetenzansatz – inklusive technischer, kontextbezogener und sozialer Fähigkeiten.
- Zertifikats-Level von D bis A:
- Level D: Grundlagen für Projektmitarbeitende
- Level C: Projektleiter*innen mit Erfahrung
- Level B: Leitung komplexer Projekte
- Level A: Programm- und Portfoliomanagement auf strategischer Ebene
- Fokus auf Soft Skills und Führungskompetenz: Anders als bei stark methodenbasierten Systemen stellt IPMA den Menschen in den Mittelpunkt – mit besonderer Fokussierung auf Führung, Kommunikation und Stakeholdermanagement.
- Hohe Flexibilität in der Methodenanwendung: IPMA ist methodenneutral – ideal für Unternehmen, die agile, klassische oder hybride Projektansätze verfolgen.
- Digitaler Nachweis: Zertifikate können über Plattformen wie my.ipma.world oder Credly digital verwaltet und überprüft werden – eine transparente Möglichkeit, Qualifikationen zu validieren.
Fazit: Wenn Sie Wert auf praxisnahe Projektkompetenz und Führungserfahrung legen, ist die IPMA-Zertifizierung eine ausgezeichnete Wahl – gerade bei der Auswahl von Projektleiter*innen oder für die interne Weiterqualifizierung von Mitarbeitenden.
3. Agiles Projektmanagement: Zertifizierungen für Scrum Master und Scrum Product Owner
Agile Methoden haben sich längst in Unternehmen unterschiedlichster Branchen etabliert – insbesondere dort, wo Projekte schnell, flexibel und kundenzentriert umgesetzt werden müssen. Das bekannteste Framework im agilen Projektmanagement ist Scrum. Für Unternehmen, die agile Teams aufbauen oder bestehende Strukturen weiterentwickeln möchten, sind Zertifizierungen als Scrum Master oder Scrum Product Owner bei Scrum.org oder der ScrumAlliance ein wichtiges Auswahlkriterium.
Was diese Zertifikate auszeichnet:
- Klar definierte Funktionen: Ein Scrum Master unterstützt Teams bei der Anwendung agiler Prinzipien und fördert eine effiziente, selbstorganisierte Arbeitsweise. Ein Scrum Product Owner hingegen verantwortet die Produktvision, priorisiert Anforderungen und sorgt für eine maximale Wertschöpfung aus geschäftlicher Sicht. Diese Funktionen sind besonders in cross-funktionalen Teams entscheidend für den Projekterfolg.
- Anbieter mit internationaler Reichweite: Gängige Zertifizierungen von anerkannten Institutionen haben Inhalte, die sich an weltweit gültigen Standards orientieren, und ermöglichen so die Vergleichbarkeit von Qualifikationen.
- Einfache Einstiegsmöglichkeiten: Agile Zertifikate sind oft modular aufgebaut, mit einsteigerfreundlichen Prüfungen und ohne formale Zugangsvoraussetzungen. Daher sind sie geeignet für betriebliche Weiterbildungen oder den Quereinstieg.
- Vielseitig einsetzbar: Scrum-Zertifizierungen sind nicht nur in der IT relevant. Auch Marketing, Produktentwicklung, HR und Projektportfolios profitieren zunehmend von agilen Methoden und zertifizierten Fachkräften.
Fazit: Wenn Sie auf agile Strukturen oder hybride Arbeits- und Projektmodelle setzen, können Sie mit Kandidat*innen, die über ein Scrum-Master- und Product-Owner-Zertifikat verfügen, die Zusammenarbeit, Geschwindigkeit und Innovationskraft in Ihren Projekten verbessern.
4. PRINCE2®: Strukturierter Projektmanagement-Ansatz mit Praxisbezug
PRINCE2® (PRojects IN Controlled Environments) ist ein international etabliertes Projektmanagement-Framework, das ursprünglich in Großbritannien entwickelt wurde und heute in vielen Branchen über die IT hinaus Anwendung findet. Der prozessbasierte Ansatz richtet sich besonders an Organisationen, die Projekte strukturiert, kontrolliert und nachvollziehbar durchführen möchten.
Was PRINCE2® attraktiv macht:
- Standardisierte Prozesse: Das Framework definiert klare Verantwortlichkeiten für jede Projektphase – von der Initialisierung über die Planung und Umsetzung bis zum Abschluss. Diese Rollenverteilung erhöht die Transparenz und erleichtert die Steuerung komplexer Vorhaben.
- Praxisorientierte Hilfsmittel: PRINCE2 beinhaltet vielfältige Vorlagen, Checklisten und Leitfäden – etwa für Business Cases, Projektpläne oder Risikobewertungen. Das spart Zeit bei der Projekteinrichtung und gewährleistet eine einheitliche Qualität in der Durchführung.
- Modulare Struktur: PRINCE2-Zertifikate wie PRINCE2 Foundation oder PRINCE2 Practitioner sind weltweit anerkannt und werden von verschiedenen Institutionen angeboten. Sie richten sich an Einsteiger*innen wie auch an erfahrene Projektmanager*innen.
- Methodenneutralität mit hoher Anschlussfähigkeit: PRINCE2 kann problemlos mit anderen Ansätzen wie Agile, Scrum oder PMI kombiniert werden. Das macht die Methode flexibel einsetzbar, auch in Unternehmen mit gemischter Projektkultur.
Fazit: Legen Sie besonderen Wert auf Projektstruktur, reproduzierbare Prozesse und einheitliche Standards, finden Sie in PRINCE2 ein effektives Zertifizierungssystem, das ideal für öffentliche Auftraggeber, Großprojekte oder internationale Teams ist.
5. IAPM®: Flexibler Nachweis von Projektmanagement-Kompetenz
Die International Association of Project Managers (IAPM®) ist ein international tätiger Verband mit Sitz in Liechtenstein, der praxisnahe Zertifizierungen für verschiedene Erfahrungsstufen im Projektmanagement anbietet. Für Unternehmen, die sowohl Berufseinsteiger*innen als auch erfahrene Projektverantwortliche objektiv bewerten möchten, bietet die IAPM eine niedrigschwellige und flexible Lösung.
Was IAPM-Zertifizierungen auszeichnet:
- Online-basierte Prüfungsverfahren: Die Prüfungen erfolgen vollständig online sowie orts- und zeitunabhängig. Das ist besonders vorteilhaft für Unternehmen mit verteilten Teams oder für die unkomplizierte interne Weiterbildung.
- Digitale Zertifikatsvalidierung: Jedes Zertifikat lässt sich online durch Eingabe von Namen und Zertifizierungsgrad überprüfen – ein transparenter Nachweis für Bewerbende und HR-Abteilungen.
- Breite Zielgruppe: Die IAPM bietet Zertifizierungen für verschiedene Karrierestufen an – von Grundlagen für Einsteiger*innen bis zu fortgeschrittenen Qualifikationen für Projektleiter*innen und Senior Manager*innen.
- Praxisorientierter Ansatz: Richtet sich auch an Personen, die ihr Fachwissen berufsbegleitend erworben haben, ohne formale Schulungen zu durchlaufen. Projekterfahrung ist bei vielen Zertifikaten Voraussetzung – ein Pluspunkt für erfahrene Praktiker*innen.
- Schulungsneutralität: Die IAPM bietet selbst keine Trainings an, sondern kooperiert mit externen Bildungsanbietern. Sie können dadurch frei entscheiden, welche Schulungsformate oder Anbieter Sie für Ihre Mitarbeitenden nutzen möchten.
Fazit: IAPM-Zertifikate sind besonders interessant, wenn Sie flexible, unabhängige und praxisnahe Qualifikationsnachweise bevorzugen.
6. CompTIA Project+: IT-orientiertes Projektmanagement-Zertifikat
Die Computing Technology Industry Association (CompTIA) ist ein weltweit aktiver Fachverband der IT-Branche mit Mitgliedern in über 100 Ländern. Mit der Zertifizierung Project+ bietet CompTIA eine praxisorientierte Qualifikation speziell für IT-Fachkräfte und techniknahe Projektmanager*innen.
Warum CompTIA Project+ für Unternehmen relevant ist:
- Fokus auf IT-nahe Projekte: Die Inhalte sind auf die Anforderungen moderner IT- und Technologieprojekte zugeschnitten, von Softwareentwicklung über Systemmigration hin zu Cybersicherheit.
- Breites Themenspektrum: Die Prüfung deckt die wichtigsten Bereiche des Projektmanagements ab, darunter Projektlebenszyklus, Verantwortlichkeiten in Projektteams, Projektkommunikation, Risikomanagement sowie Zeit- und Kostenmanagement.
- Praxisbezug durch Erfahrungsvoraussetzung: Teilnehmende benötigen mindestens ein Jahr Erfahrung in der Projektleitung, was ideal ist, um vorhandene Berufspraxis durch ein anerkanntes Zertifikat zu untermauern.
- Unabhängigkeit vom Methodenkontext: Im Gegensatz zu Zertifikaten wie Scrum oder PRINCE2 ist Project+ nicht an ein spezifisches Framework gebunden. Das macht es vielseitig einsetzbar – insbesondere in IT-Abteilungen mit individueller Projektstruktur.
Fazit: CompTIA Project+ ist besonders geeignet, wenn Sie Projektverantwortung in techniknahen Bereichen besetzen möchten, etwa in der IT, Produktentwicklung oder digitalen Transformation.
7. Projektleiter*in IHK: Praxisnahe Grundlagenausbildung im Projektmanagement
Auch die Industrie- und Handelskammern (IHKs) bieten bundesweit ein anerkanntes Zertifikat im Projektmanagement an: den Abschluss als „Projektleiter*in IHK“. Diese Weiterbildung eignet sich besonders für Berufseinsteiger*innen oder Mitarbeitende, die erste Projektverantwortung übernehmen sollen – etwa in KMU oder in Fachabteilungen ohne formalisierte Projektmanagementstrukturen.
Was das IHK-Zertifikat auszeichnet:
- Kompakte und praxisnahe Ausbildung: Die Weiterbildung umfasst in der Regel zwei Wochen und schließt mit einer praktisch orientierten Projektarbeit ab, die auf reale berufliche Herausforderungen zugeschnitten ist.
- Breite Themenabdeckung: Die Teilnehmenden erwerben Grundlagenwissen in Bereichen wie Planung, Durchführung und Steuerung von Projekten, soziale und methodische Kompetenz sowie Teamarbeit und Selbstorganisation.
- Geeignet für die betriebsinterne Weiterentwicklung: Das IHK-Zertifikat bietet eine Möglichkeit, interne Mitarbeitende zu fördern und auf erste Führungsaufgaben in Projekten vorzubereiten, ohne dabei auf internationale Zertifizierungen zurückgreifen zu müssen.
- Hohe Bekanntheit und Akzeptanz: IHK-Zertifikate genießen in Deutschland ein hohes Maß an Vertrauen, besonders im Mittelstand sowie bei öffentlichen Auftraggebern.
Fazit: Die Weiterbildung zum/zur Projektleiter*in IHK ist eine solide Einstiegsmöglichkeit, um Mitarbeitende auf Projektverantwortung vorzubereiten – besonders dort, wo es auf Praxisnähe, Verständlichkeit und direkte Anwendbarkeit ankommt.
Zertifizierungslevel: Vom Einstieg zur strategischen Projektverantwortung
Viele Zertifizierungsanbieter nutzen Modelle, die mehrstufig aufgebaut sind. Diese Level orientieren sich an den jeweiligen Kenntnissen, Erfahrungswerten und Verantwortungsbereichen der zertifizierten Personen – vom Einstieg ins Projektgeschäft bis hin zur Verwaltung komplexer Projektportfolios. Für Sie als Arbeitgeber*in bieten solche Stufenmodelle eine Orientierungshilfe bei der Auswahl von Bewerbenden.
Eine typische, anbieterübergreifende Level-Struktur lässt sich wie folgt aufteilen:
1. Einstiegslevel
Zertifikate auf dieser Stufe weisen ein grundlegendes Projektverständnis nach, etwa in Projektplanung, Teamarbeit oder Methodik. Sie eignen sich ideal für Berufseinsteiger*innen oder Fachkräfte, die in Projektrollen hineinwachsen sollen.
2. Fortgeschrittenes Level
Für Personen, die bereits operative Projektverantwortung übernommen haben. Zertifizierte verfügen über fundiertes Wissen und Erfahrung in der eigenständigen Planung, Steuerung und Umsetzung von Projekten – auch in mittlerem Umfang.
3. Senior-Level
Zertifizierungen auf dieser Ebene richten sich an erfahrene Projektleiter*innen, die komplexe, unternehmensübergreifende oder risikobehaftete Projekte verantworten. Neben Methodenkompetenz werden auf diesem Level auch Führung, Kommunikation und strategisches Denken vermittelt.
4. Strategisches Projektmanagement
Diese Zertifikate sind für Fachkräfte mit langjähriger Erfahrung, die Programme, Projektportfolios oder ganze Projektlandschaften verantworten. Sie belegen nicht nur umfassende Projektmanagement-Kompetenz, sondern auch unternehmerisches Verständnis und die Fähigkeit, Projekte an den Unternehmenszielen auszurichten.
Vorteile einer Projektmanagement-Zertifizierung
Projektmanagement-Zertifikate bieten konkrete Vorteile für die Personalgewinnung, Teamarbeit und Projektsteuerung. Zu den wichtigsten Vorteilen gehören:
- Objektive Vergleichbarkeit von Qualifikationen
- Schnellere und gezieltere Besetzung von Projektleitungsrollen
- Höhere Effizienz durch einheitliche Standards sowie Reduzierung der Einarbeitungszeit
- Stärkung der Projektkultur im Unternehmen
- Wettbewerbsvorteil durch qualifizierte Teams
- Motivationsindikator bei Bewerbenden
Projektmanagement-Zertifizierungen bieten Ihrem Unternehmen die Chance, Fachkompetenz strategisch abzusichern, Projektstrukturen zu stärken und das Employer Branding zu schärfen.
Mögliche Nachteile von Projektmanagement-Zertifizierungen
Trotz der zahlreichen Vorteile sollten Sie auch mögliche Einschränkungen im Blick behalten:
- Nicht in jedem Unternehmen zwingend erforderlich: Prüfen Sie, ob praktische Erfahrung oder andere Kompetenzen wichtiger sein könnten als formale Nachweise.
- Keine Aussage über Teampassung: Ein Zertifikat belegt Fachwissen – nicht aber, ob jemand Ihr Team sozial, kommunikativ und kulturell gut ergänzt.
- Gehaltsanforderungen: Zertifizierte Projektverantwortliche erwarten oft ein höheres Gehalt. Laut einer Studie des Project Management Instituts (PDF-Download) liegt das Durchschnittsgehalt zertifizierter Projektmanager*innen in Deutschland rund 17 % über dem von nicht zertifizierten Kolleg*innen.
Projektmanagement-Zertifikate sind ein wichtiger Indikator – ersetzen aber nicht die ganzheitliche Bewertung im Recruitingprozess. Berufserfahrung, Soft Skills und Teamkompatibilität sollten Sie ebenfalls berücksichtigen.
Kosten und Finanzierung von Projektmanagement-Zertifizierungen
Die Kosten variieren je nach Anbieter, Zertifizierungsstufe und Schulungsformat. In der Regel liegen die Aufwendungen zwischen rund 1.000 und 5.000 EUR. Höherwertige Zertifizierungen, die Vorkenntnisse und praktische Erfahrung voraussetzen, sind meist mit einem höheren zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden – insbesondere, wenn eine umfassende Vorbereitung durch externe Trainingsanbieter notwendig ist.
Die Investition kann sich lohnen: Ausgebildete Projektmanager*innen tragen direkt zur Effizienz, Qualität und Zielerreichung von Projekten bei. Viele Unternehmen übernehmen daher ganz oder teilweise die Finanzierung für Mitarbeitende. Auch Fördermöglichkeiten durch die Bundesagentur für Arbeit oder regionale Weiterbildungsprogramme kommen unter bestimmten Voraussetzungen infrage – speziell bei Qualifizierungen im Rahmen von Transformationsprozessen oder Fachkräftesicherung.
Vor der Auswahl eines Anbieters ist es sinnvoll, Inhalte, Anerkennung, Prüfungsmodalitäten und Services zu vergleichen. Manche Bildungsinstitute bieten Rabatte für Gruppenbuchungen, individuelle Zahlungsmodelle oder attraktive Konditionen für Unternehmen. Behalten Sie dabei auch den erwartbaren Mehrwert im Blick, darunter reduzierte Einarbeitungszeiten, erhöhte Projekterfolgsquoten und eine gesteigerte Arbeitgeberattraktivität.
Anmeldung und Zertifizierungsprozess
Der Weg zur Projektmanagement-Zertifizierung folgt meist einem standardisierten Ablauf. Zunächst wählen Sie das passende Zertifizierungslevel und den Anbieter aus. Je nach Zertifikat müssen bei der Anmeldung Nachweise über Berufserfahrung, Weiterbildungen oder Projektverantwortung der Mitarbeitenden eingereicht werden.
Nach erfolgreicher Anmeldung erfolgt die Zulassung zur Prüfung, die je nach Anbieter schriftlich, mündlich oder praxisbezogen abläuft. Ziel ist die objektive Bewertung projektbezogener Kompetenzen. Nach bestandener Prüfung wird ein zeitlich befristetes Zertifikat ausgestellt, das bei vielen Anbietern regelmäßig erneuert werden muss.
Eine frühzeitige Planung ist empfehlenswert, um alle Unterlagen fristgerecht bereitzustellen und die Weiterbildung im Projektmanagement optimal ins Unternehmen zu integrieren. Sie können Ihre Mitarbeitenden dabei durch Freistellung, Lernmaterialien oder praktische Vorbereitung im Betrieb unterstützen.
Projektmanagement-Zertifizierung in Stellenbeschreibungen
Bevor Sie in einer Stellenausschreibung eine Projektmanagement-Zertifizierung voraussetzen, lohnt es sich, die Anforderungen im Detail zu prüfen. Folgende Fragen helfen bei der Entscheidung:
- In welchem regionalen Kontext finden die Projekte statt? Für internationale Einsätze – etwa in Nordamerika oder Asien – ist eine Zertifizierung nach PMI®-Standard häufig von Vorteil.
- Wie komplex sind die Projekte? Je nach Umfang, Budget oder Anzahl der Beteiligten kann ein höheres Zertifizierungslevel erforderlich sein.
- Welche Erfahrungsstufe suchen Sie? Einsteigerzertifikate wie IPMA Level D oder PRINCE2 Foundation eignen sich für Juniors, während erfahrene Projektleitungen umfassendere Nachweise benötigen.
- Welche Methoden kommen im Unternehmen zum Einsatz? Arbeiten Sie klassisch, agil oder hybrid? Dies beeinflusst die Auswahl geeigneter Zertifikate – z. B. Scrum-Zertifizierungen für agile Umgebungen.
- Welche Standards bestehen bereits intern? Wenn im Unternehmen bereits ein bestimmter Zertifizierungsansatz etabliert ist, kann es sinnvoll sein, daran anzuknüpfen.
- Welche Rolle spielen Soft Skills? Legen Sie besonderen Wert auf Führungsqualitäten, Kommunikation oder Konfliktfähigkeit, empfiehlt sich z. B. ein kompetenzbasiertes Zertifizierungssystem wie das der IPMA.
Je genauer das Anforderungsprofil an die zukünftige Projektverantwortung definiert ist, desto besser können Sie entscheiden, welche Zertifizierung erforderlich ist. So stärken Sie die Qualität Ihrer Stellenbesetzung und erhöhen die Passgenauigkeit bei der Auswahl geeigneter Kandidat*innen.